Sächsischer Griff

Sächsischer Griff

Von Injakulation spricht man, wenn beim männlichen Orgasmus durch einen (Finger-)Druck („Sächsischer Griff“) auf einen Genital-Punkt (Millionen-Dollar-Punkt, Saxonus, auch Jen-Mo-Punkt) zwischen Hodensack und After die Ejakulation verhindert wird.

Das Wort ist ein Neologismus, eine Parallelbildung zu Ejakulation mit der Vorsilbe in- (hinein). Ejakulation ist abgeleitet aus lateinisch eiaculari (herausschleudern), dies zu iacere (werfen).

In einigen Medien, die sich beispielsweise auf den Daoismus berufen, wird die „Methode der Injakulation“ als eine vielversprechende Verlängerung des Orgasmus und Alternative zum Coitus interruptus empfohlen.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Die Injakulation ist kein trockener Orgasmus, da sie kein Ausbleiben des Ejakulats aufgrund von geschlechtsphysiologischer Unreife vor der Pubertät oder durch Anejakulation darstellt, sondern durch eine Manipulation bewusst so herbeigeführt ist.

Nach Mike Kleist soll der Hauptnutzen einer Injakulation in der Trennung von Orgasmus und Ejakulation liegen, wodurch sowohl die mit der Ejakulation verbundene Refraktärphase angeblich nicht auftritt als auch die Erektion erhalten bleibe. Dies ermögliche es Männern, multiple Orgasmen zu erleben. [1]

Fingerdruckmethode

Durch einen Druck auf den Punkt zwischen After und Hodensack vor dem Stimulationshöhepunkt wird – bei konsequenter Anwendung der Methode – der Samenleitereingang vor der Harnröhre abgedrückt, sodass das Sperma nicht in diese entweichen kann. Wird der Druckpunkt nicht genau getroffen, kann das Sperma über den hinteren Teil der Harnröhre rückwärts in die Harnblase spritzen, was sich beim nächsten Wasserlassen durch getrübten Urin äußert.

Korrekt ausgeführt, soll angeblich die Samenflüssigkeit von der Prostata und vor allem der Samenblase wieder aufgenommen werden. Das dann einsetzende wollüstige Gefühl werde durch die Kontraktion diverser Muskeln hervorgerufen, die das Sperma herausstoßen wollen, was jedoch durch den Eingriff unterdrückt wird. Durch diesen dem Körper „vorgegaukelten“ Samenerguss entstehe zwar eine sexuelle Befriedigung, jedoch wirke diese Methode angeblich im Ganzen weiter stimulierend und lusterhaltend, anstatt wie bei einer echten Befriedigung ermüdend.

Erklärung im Daoismus

Die altchinesische Lehre Daoismus erklärt diesen Effekt, indem durch Drücken des Jen-Mo-Punktes unmittelbar vor dem Eintritt des Samenergusses die Energie durch die Meridiane, die an diesem Punkt beginnen, in den Körper hinaufsteigt, statt aus dem Körper zu entweichen, wie es bei einer normalen Ejakulation der Fall ist. Die Technik ist sowohl im Taoismus als auch im Tantrismus eine Grundlagenübung, auf der andere Techniken aufbauen.

Muskelanspannungsmethode

Neben dem Fingerdruck ist die Ejakulationskontrolle mittels PC-Muskel (=Musculus pubococcygeus) ein weiterer Weg, eine Injakulation herbeizuführen. Das Anspannen des Muskels führt zu einer Kontrolle der zuvor unwillkürlichen Prostata-Kontraktionen und ermöglicht eine Injakulation ohne externe Einwirkung.

Kritik

Die Übersetzung fernöstlicher Begriffe und Vorstellungen in rational-wissenschaftliche Terminologie ist meist problematisch. Den lusterhaltenden Effekt (Taoismus) mit der in Prostata und Samenblase verbleibenden Samenflüssigkeit erklären zu wollen, ist nach schulmedizinischer Sicht unangebracht. Wissenschaftlich gesehen wird dem Körper kein Samenerguss „vorgegaukelt“. Es finden alle Muskelkontraktionen und Hormonausschüttungen statt, die mit einem Orgasmus und einer Ejakulation verbunden sind, das Sperma wird lediglich nicht ausgeschieden. Die bei einem männlichen Orgasmus in der Regel auftretende Ausschüttung der Hormone Oxytocin und Prolactin wird also durch eine wie auch immer herbeigeführte Injakulation nicht unterbunden. Da es klare Hinweise darauf gibt, dass eine solche hormonelle Ausschüttung beim Mann die Refraktärphase verursacht [2] [3] [4] ist aus Sicht der medizinischen Wissenschaft durch eine Injakulation keine Verhinderung der Refraktärphase erreichbar und damit ein lust- und erektionserhaltender Effekt mehr als fragwürdig.

Unterleibsanatomie des Mannes

Die Harn-Samen-Röhre erst hinter dem Samenleitereingang zu verschließen (in Richtung Penis), ist leichter und deshalb wahrscheinlicher als das Verschließen allein des Samenleiters – siehe Abbildung. Das hierdurch bedingte „Umleiten“ der Samenflüssigkeit in die Harnblase ist unproblematisch. Wenn bei der Ausführung einer Injakulation keine funktionelle Störung vorliegt, wird das zurückgehaltene Sperma mit dem nächsten Harn- oder Samenfluss ausgeschieden.

Eine „Wiederaufnahme“ der Samenflüssigkeit allein durch die Prostata ist zumindest zweifelhaft. Nährstoffe resorbiert der Organismus im Darm über die Schleimhäute, und dort werden sie in die Blutbahn gelenkt. Auch die äußere Haut ist zur Resorption fähig. Drüsen, Samenleiter und Harnröhre jedoch nicht, sie produzieren und transportieren.

Als sichere Verhütungsmethode ist die Injakulation ungeeignet, ebenso wie der Coitus interruptus, da schon einige Zeit vor der Ejakulation samenhaltige Flüssigkeit aus dem Penis austreten kann (Präejakulation; siehe auch Bulbourethraldrüse).

Einzelnachweise

  1. Mike Kleist: Geheimwissen: Männlicher Multi-Orgasmus, Heller Verlag, 2.Aufl. März 2006
  2. S.Filippi, L.Vignozzi, GB. Vannelli, F. Ledda, G. Forti, M. Maggi: Role of oxytocin in the ejaculatory process, J Endocrinol Invest. 2003;26 (3 Suppl):S.82–6
  3. CM. Meston, PF Frohlich: The neurobiology of sexual function, Arch Gen Psychiatry. 2000 Nov; 57 (11), S. 1012–30
  4. newscientist.com

Literatur

  • Mike Kleist: Geheimwissen: Männlicher Multi-Orgasmus, Heller Verlag, 4.Aufl. September 2008, ISBN 3-929403-17-X (Übungsprogramm zur Injakulation als Technik für multiple Orgasmen)

Siehe auch

Weblinks

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