Sýmbolon


Sýmbolon

Tessera (lat. für Viereck; Plural: tesserae; das Wort ist abgeleitet vom altgriechischen τέσσαρες / téssares – "vier") ist die Bezeichnung für die kleinen viereckigen Plättchen aus Stein, Keramik, Erz, Blei, Bein, Terrakotta oder Glas, mit denen man Mosaiken auf Fußböden auslegt.

Römische Tessera, Größenvergleich mit Eurocent-Münze

Später wurde tessera auch zur Bezeichnung für den Spielwürfel und für die Plättchen, die als Ausweis, Eintrittskarte oder Münzersatz benutzt wurden. Diese tesserae konnten auch andere Formen haben, so sind etwa vielfach tesserae in runder Form, aber auch in Stabform oder figürlich belegt.

Bei den Griechen wurden tesserae σύμβολα / sýmbola genannt und waren Berechtigungs-, Eintritts- oder Erkennungsmarken sowie Spiel- und Zählmarken. In Athen wurde sie als Teilnahmemarken für die Volksversammlungen und die Gerichtsverhandlungen benutzt und waren als solche Anrechtsmarken auf finanzielle Entschädigung.

Beim römischen Militär wurden tesserae militares verwendet: auf einer kleinen Tafel, meist in runder Form, war der Name des Soldaten oder eine Losung aufgebracht. Sie dienten wohl als Erkennungsmarke.

Aureus des Macrinus – Der Kaiser verteilt tesserae unter dem Volk

Die bekanntesten tesserae haben die Form von Münzen. Sie wurden ebenso wie diese geprägt und bestanden meist aus Messing. Auf dem Revers waren meist Zahlen von I bis XVI – selten bis XIX – geprägt, auf dem Avers war in der frühen Kaiserzeit der Kopf des Kaisers geprägt. Diese tesserae frumentariae waren Getreidemarken, die als Berechtigungsmarken für die kostenlose Versorgung mit Getreide (annona) fungierten. Eingeführt wurden sie um 23 v. Chr. im Zuge der Reform der Getreideversorgung der Stadt Rom durch Augustus. Die Zahlen markieren den Tag der Getreideausgabe zwischen den Iden und den Kalenden; die Bestimmung des Tages erfolgte durch Rückwärtszählung von den Kalenden.

Römische Bleitessera geprägt in Alexandria unter Hadrian. Avers: Antinoos mit Hem-Hem-Krone und Mondsichel. Revers: Sarapis mit Kalathos und Zepter

Im privaten Bereich gab es gegossene Blei-tesserae, die innerhalb des Klientelwesens als Gutscheine für Geld oder Nahrungsmittel verwendet wurden. Auch im religiösen Leben und bei Festen wurden sie als eine Art Ersatzgeld verwendet. Eine besondere Gruppe der tesserae sind die spintriae, die wohl im Bereich der Prostitution Verwendung fanden. Tesserae nummulariae waren vierkantige, aus Bein gefertigte Marken, die mit den Namen der amtierenden Konsuln beschriftet wurden. Sie sind Prüf- und Datierhilfen. Mit ihnen wurden Geldsäcke gekennzeichnet.

Auch im privaten Bereich fanden tesserae Verwendung. Aus Elfenbein gefertigte Scheiben mit konzentrischen Ringen und Zahlen von I bis XX auf dem Avers waren Spielsteine, in Tier- oder Pflanzenform waren sie wahrscheinlich im privaten Bereich verwendete Lossteine.

Metalla, die früher als Bergwerksmarken bezeichnet wurden, sind keine tesserae.

Literatur

  • Die antiken Tesseren im Kestner-Museum Hannover. Jetons, Spiel- und Verteilungsmarken im alten Rom. Kestner-Museum, Hannover 1991 (Kestner-Museum Hannover, Sammlungskataloge, 10), ISBN 3-924029-16-4.
  • Catherine Virlouvet: Tessera frumentaria. Les procédures de distribution du blé public à Rome à la fin de la République et au début de l'Empire. École Française de Rome, Rom 1995 (Bibliothèque des écoles françaises d'Athènes et de Rome, 286), ISBN 2-7283-0331-2.

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