Tamara Bunke


Tamara Bunke

Tamara Bunke, vollständiger Name: Haydée Tamara Bunke Bíder, (* 19. November 1937 in Buenos Aires, Argentinien; † 31. August 1967 in Vado de Puerto Mauricio, Bolivien), auch bekannt unter dem Namen Tania la Guerrillera, war eine deutschstämmige Argentinierin, die durch ihre Teilnahme an der Guerilla-Truppe um Che Guevara in Bolivien Berühmtheit erlangte.

Inhaltsverzeichnis

Kindheit und Jugend

Tamara Bunke wurde in Argentinien als Tochter deutschstämmiger Emigranten geboren. Ihre Eltern, der Arbeitersohn und Sportlehrer Erich Bunke und die in einer jüdischen Familie in Odessa geborene Mutter Nadja, hatten sich in Berlin kennengelernt und waren 1935 nach Argentinien emigriert. Beide Eltern waren überzeugte Kommunisten. Diese kehrten 1952 in die DDR zurück und lebten in Stalinstadt (heute: Eisenhüttenstadt), wo ihr Vater wieder als Lehrer arbeitete. Tamara Bunke legte 1956 ihr Abitur an der Erweiterten Oberschule Clara Zetkin ab. Nach dem Abitur war Tamara Bunke Pionierleiterin in Berlin, bevor sie 1958 am Romanistischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin immatrikuliert wurde.

Mit Studenten gründete sie eine lateinamerikanische Gruppe, informierte dort über die DDR und regte kulturelle Aktivitäten an, für die sie Bücher und Liedtexte besorgte. Außerdem engagierte sie sich u. a. in der Freien Deutschen Jugend und stellte auch einen Antrag auf Mitgliedschaft in der SED.

Trotz ihres gesellschaftlichen Engagements in der DDR plagte sie starkes Heimweh nach Argentinien. Demzufolge stellte sie 1958 neben dem Antrag auf Vollmitgliedschaft in der SED gleichzeitig einen Antrag auf Entlassung aus der DDR-Staatsbürgerschaft und Ausreise nach Argentinien. Sie wurde vollwertiges Mitglied der SED, die Ausreise wurde ihr jedoch zunächst verweigert.

Tamara Bunke (Zweite von links im Hintergrund) 1960 bei der Verabschiedung von Che Guevara durch Heinrich Rau in Ostberlin.

1960 kam Ernesto „Che“ Guevara, in dessen unmittelbarer Nähe sie im Alter von 11 Jahren schon einmal, ohne es zu wissen, gewohnt hatte, zu einem Besuch in die DDR. Tamara Bunke wurde als Dolmetscherin eingesetzt. Sie war fasziniert von ihrem Landsmann Guevara und der ein Jahr zuvor erfolgreichen Kubanischen Revolution, was ihre Sehnsucht nach Lateinamerika nur noch verstärkte.[1]

Zeit in Kuba

Am 1. Mai 1961 verließ sie die DDR in Richtung Prag. Dank guter Beziehungen zur Primaballerina des kubanischen Nationalballetts, das dort auf Tournee weilte, konnte sie sich bei dessen Rückflug einen Platz im Flieger nach Kuba besorgen. Dies geschah wohl zum Missfallen des MfS, von dem sie laut Akten als Perspektivagentin für die Hauptverwaltung Aufklärung geführt wurde. Sie war demnach für Auslandseinsätze zuerst in Argentinien und später in den USA vorgesehen. Aussagen des 1961 übergelaufenen Oberleutnants Günther Männel gehen in die gleiche Richtung. Eine offizielle Verpflichtung gab es gemäß der bisher gefundenen Akten – es gibt Verweise auf weitere, wahrscheinlich vernichtete Stasi-Akten – nicht.

In Kuba studierte Tamara Bunke zunächst Journalismus und arbeitete als Dolmetscherin für die dortige Regierung. Später erhielt sie vom kubanischen Geheimdienst DGI eine militärische und geheimdienstliche Ausbildung.[2] Sie wählte sich den Kampfnamen Tania.[3] Mit ihrem Ausbilder, Ulises Estrada, der später auch ein Buch über sie mitverfasste, verband sie ein Liebesverhältnis. Für ein angebliches Verhältnis zwischen Che Guevara und ihr gibt es keinerlei Beweise.

Nach ihrer eigentlichen Ausbildung reiste Tamara Bunke unter verschiedenen falschen Identitäten durch Europa, unter anderem nach West-Berlin. Ob sie ihre in Ost-Berlin lebenden Eltern noch einmal heimlich besuchte, bleibt unklar.

Untergrundkampf in Bolivien

Nach ihrer Europareise wurde Tamara Bunke unter dem Namen Laura Gutiérrez Bauer 1964 vom kubanischen Geheimdienst als Agentin nach Bolivien geschickt, wo sie Kontakte zur dortigen Oberschicht suchen sollte, was zunächst auch recht erfolgreich verlief. Nachdem jedoch Che Guevara den Guerillakampf in Bolivien vorbereitete, begab sie sich ohne Absprache zu dessen Stützpunkt. Das bolivianische Militär fand ihr Fahrzeug, sodass ihre Tarnung am 21. März 1967 aufflog.

Daraufhin schloss sie sich der kämpfenden Truppe an. Im April 1967 blieb sie aufgrund einer Erkrankung mit einer Nachhut zurück, die von Juan Vitalio Acuña Núñez angeführt wurde. Im gleichen Monat riss wegen eines Ausfalls der Funkgeräte der Kontakt zur Hauptgruppe um Che Guevara ab. Auf der Suche nach der abgetrennten Hauptgruppe irrte die Nachhut in den östlichen Anden-Abhängen umher, ohne je wieder einen Kontakt herstellen zu können. Am 31. August 1967 starb Bunke in einem feindlichen Hinterhalt am Río Grande nahe Vado de Puerto Mauricio zusammen mit Juan Vitalio Acuña Núñez. Ihr Körper wurde sieben Tage später am Ufer des Río Grande gefunden.

In ihrem Rucksack findet sich ein angefangener Brief: "Liebe Mutter, ich habe Angst. Ich weiß nicht, was aus mir und all den anderen werden soll. Wahrscheinlich nichts."

Am 21. September 1998 wurde im kubanischen Fernsehen bestätigt, dass ein nach Bolivien entsandtes Expertenteam in dem Ort Vallegrande auf die Überreste von Haydée Tamara Bunke Bider gestoßen war. Im Dezember 1998 wurde Tamara Bunke im kubanischen Santa Clara in einem Memorial für Guevara und seine Guerilla beigesetzt.

Nachwirkungen

Zu Ehren von Tamara Bunke wurden in der DDR über 200 Schulen, Jugendbrigaden und Kindergärten benannt, darunter frühere Polytechnische Oberschulen in Magdeburg-Friedenshöhe, Dresden, Berlin, Benndorf, Sanitz und Ziltendorf sowie die Schule für Hörgeschädigte in Halberstadt. Auch in Kuba sind zahlreiche öffentliche Einrichtungen nach ihr benannt.

In Dabel befindet sich ein Gedenkstein. Hier trug auch die DFD-Gruppe ihren Namen „Tamara Bunke“.[4]

Die Mutter Nadja Bunke lebte bis zu ihrem Tod 2003 in Berlin-Friedrichshain. Sie bewahrte das Andenken an ihre Tochter und versuchte, sämtliche Behauptungen, Tamara hätte für das ostdeutsche Ministerium für Staatssicherheit oder den KGB gearbeitet, gerichtlich verbieten zu lassen. Gemäß Auskunft der Gauck-Behörde und laut Versicherungen eines Ex-KGB-Generals gäbe es keine Unterlagen für eine Tätigkeit für diese Dienste.[5]

Literatur

  • Ulises Estrada Lescaille: Tania. Mit Che Guevara im bolivianischen Untergrund. Atlantik, Bremen 2007, ISBN 3926529679
  • Marta Rojas und Mirta Rodriguez Calderon: Tania la Guerrillera. Dietz, Berlin 2007, ISBN 3320019562
  • Gerd Koenen: Traumpfade der Weltrevolution. Das Guevara-Projekt. Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 2008. ISBN 978-3462040081
  • Eberhard Panitz: Der Weg zum Rio Grande. Ein biographischer Bericht über Tamara Bunke. Berlin: 1989, ISBN 978-3355008839
  • „Immer dort sein wo es brennt. Das Leben der Agentin Tamara Bunke“, Radio-Feature, WDR5, 6. Januar 2008.

Filme

  • Die drei Gesichter der Tamara Bunke. Fernseh-Spielfilm, Deutschland, 1971, Regie: Helmuth Ashley, Drehbuch: Hellmut Andics, Produktion: ZDF, mit Tamara Bunke: Andrea Jonasson, Erstausstrahlung: ZDF, 8. Oktober 1971.
  • "Tania La Guerrillera" Dokumentarfilm, Regie: Heidi Specogna, 1991, 90 min.
  • "Zeit der roten Nelken" Dokumentarfilm über Tamaras Mutter Nadja Bunke, Regie: Heidi Specogna, Deutschland, 2004, 98 Min.
  • Tanja La G. Dokumentation, Cuba, Deutschland, 2008, 65 Min., Regie: Tania Lescano
    Tania la guerrillera ist die Geschichte der Tamara Bunke, 1937 bis 1967, DDR-Kommunistin, Revolutionärin, Agentin, Kampfgefährtin von Ernesto Che Guevara. Geboren als Tochter von jüdischen Flüchtlingen aus Berlin, gefallen im Guerrillakampf in Bolivien, bevor sie dreißig war.“
  • Che – Guerrilla. Spielfilm von Steven Soderbergh, Spanien, Frankreich, USA, 2008. Filmische Umsetzung von Che Guevaras Guerillakampf in Bolivien. Franka Potente spielt die Rolle von Tamara Bunke alias „Tania“

Weblinks

 Commons: Tamara Bunke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. stern.de / Birgit Helms: "Tania la Guerillera" – Agentin und Guerillera-Kämpferin
  2. Koenen: Traumpfade der Weltrevolution, S. 329 ff.
  3. wdr.de: "Tania la Guerillera" vom 31. August 2007
  4. Zum 40. Todestag der Guerrillera Tamara Bunke. Gefallen für Lateinamerikas Freiheit, Rotfuchs, August 2007
  5. Spiegel Online: Die letzte Guerrillera vom 12. März 2002

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