Taufbecken


Taufbecken

Ein Taufbecken oder Taufstein, in Norddeutschland auch die Fünte (von lat. fons: Quelle, Brunnen) genannt, dient in christlichen Kirchen der Taufe. Da die Taufe die Aufnahme in die christliche Gemeinde bedeutet, befindet es sich häufig im Eingangsbereich einer Kirche oder in einem eigenen Baptisterium oder einer Taufkapelle.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Eine der frühsten Darstellungen einer Taufe durch Übergießen des im fließenden Wasser stehenden Täuflings (Calixtus-Katakombe, 3. Jh.)

In den ersten Jahrhunderten der Kirche wurde meist durch Untertauchen in „lebendigem Wasser“ getauft.[1] Taufen durch Übergießen bildeten nach Beckmann die Ausnahme.[2] Seit dem 4. Jahrhundert war die Taufe durch Übergießen des im Wasser stehenden Täuflings vorherrschend, wie es Darstellungen aus Spätantike und Frühmittelalter belegen. In einigen Regionen der frühchristlichen Oikumene wurde der Täufling weiterhin durch Untertauchen getauft. Die meisten erhaltenen Taufbecken des ersten Jahrtausends rund ums Mittelmeer sind jedoch dazu zu klein. Ein Untertauchen erwachsenener Täuflinge ist hier nicht möglich.[3][4] Da anfangs sowohl Taufliturgie als auch Taufvollzug hauptsächlich auf Herangewachsene und Erwachsene ausgerichtet waren[5], gebrauchte man in den Boden eingelassene Becken, Piscina genannt.

Die älteste Taufpiscina ist aus der syrischen Hauskirche von Dura Europos aus dem 3. Jahrhundert bekannt. Das Taufbecken des Lateranbaptisteriums in Rom aus dem 4. Jahrhundert ist unter der heutigen Anlage noch vorhanden. Eine in den Boden eingetiefte Taufpiscina des 4. Jahrhunderts wurde in der Kathedralgruppe von Genf ausgegraben. Untersuchungen zeigen, dass sie – wie auch zahlreiche andere frühchristliche Taufbecken – verkleinert wurde, was darauf schließen lässt, dass die Immersionstaufe durch die Taufe durch Übergießen ersetzt wurde.[6] Der Zeitpunkt, zu dem dies geschah, wird nach der Gesamtbearbeitung der Grabungen unter der Kathedrale von Genf zu beurteilen sein. Die Funktion des 64 m² großen Beckens zwischen den Basilikabauten am Ort des heutigen Trierer Domes ist umstritten. Vielleicht liegt hier ein repräsentatives Becken vor. Eines der fast 1000 bekannten frühchristlichen Becken rund um das Mittelmeer ist innerhalb der konservierten Grundmauern des Baptisteriums in Portbail in der Basse-Normandie zu besichtigen, es stammt vielleicht schon aus vormerowingischer Zeit. Dieses ist aber, wie auch die älteste Piscina des bekannten Baptisteriums von Poitiers, aufgrund der bekannten archäologischen Funde nicht präzise zu datieren. Die meisten durch Ausgrabungen erfassten frühchristlichen Taufbecken in Frankreich und Deutschland gehören in die mittlere Merowingerzeit, also in das 6./7. Jahrhundert.

Mit zunehmender Verbreitung des Christentums wurden mehr und mehr Kinder getauft, weshalb Taufbecken, sehr viel später auch Cuppa oder Tauffünte genannt, im Osten seit dem 6./7. Jahrhundert und im Westen seit der Karolingerzeit üblich wurden.

Die frühesten Taufbecken sind auf dem Boden stehende Monolithen, oft mit Reliefs, Ornamenten oder Figuren kunstvoll verziert. Auch aus Bronze wurden Taufbecken gefertigt. Häufig sind Becken heute rund oder auch achteckig z. B. in Anspielung an die sieben Schöpfungstage und die „neue Schöpfung“ oder auch Jesu Beschneidung, die nach jüdischem Brauch am achten Tag nach der Geburt erfolgte. Einige moderne Becken symbolisieren dreieckig die Trinität von Vater, Sohn und heiligem Geist.

Zu Ostern wurde das Wasser eingefüllt und geweiht, in dem das ganze Jahr über die Neugeborenen getauft wurden. Als Schutz gegen Verunreinigungen besaßen manche Taufbecken Deckel.

Fassungsvermögen

Die Fassungsvermögen betrugen in der Regel 150 bis 180 Liter, aber sogar bis zu 420 Liter. Ausmessungen des Bremer Eichamtes im Jahre 2000 von insgesamt 51 Bronzetaufbecken aus romanischen und frühgotischen Kirchen aus dem 13. und 14. Jahrhundert ergaben, dass sie in der Regel auch ein bestimmtes Volumen als Eichmaß verkörperten.[7] Die dargestellten Volumina waren zum Beispiel 1 Ohm, 1/2 Oxhoft, 1 Malter und 2 Scheffel.

Heutige Situation

In der evangelischen und katholischen Kirche änderte sich nicht zuletzt wegen der negativen Auswirkung der Untertauchtaufe auf die Gesundheit der Neugeborenen der Taufritus zum Begießen oder Besprengen des Täuflings. Ab dem Barock wurden immer häufiger Taufschalen eingesetzt, die auch Haustaufen erlaubten. Sie fassen etwa ein bis zwei Liter Wasser und sind in der Mehrzahl aus Messing oder Silber. Manche Taufschalen sind kostbar verziert, manche tragen nur schlichte Widmungsinschriften. Dort, wo alte Taufsteine vorhanden sind, sind die Taufschalen oft darauf befestigt. Die Taufständer jüngerer Kirche sind häufig den alten Taufsteinen nachempfunden. Im Barock beliebt war der Taufengel, der schwebend die Taufschale trägt.

Das Motiv des Begrabenwerdens und des Auferstehens mit Jesus Christus (Römerbrief 6,4–6) trat damit bei der Taufe hinter die die symbolhafte Abbildung der Reinigung und Abwaschung zurück.

Orthodoxe Kirche

Die Orthodoxe Kirche kennt bis heute Taufbecken und Taufe durch Untertauchen. In vielen östlich-orthodoxen Kirchen wird einmal jährlich während des Festes der Theophanie das Weihwasser in einem Taufstein geweiht.

Freikirchen

Ebenso praktizieren die Baptisten und viele andere freikirchliche Gemeinden diese urchristliche Form der Taufe, nutzen dabei aber offene Gewässer oder großräumige Taufanlagen, in denen neben dem Täufling auch der Täufer Platz findet. Die aus der Täuferbewegung kommenden Mennoniten praktizieren je nach Gemeinde das Untertauchen oder das Besprengen bzw. Begießen über einem kleineren Taufbecken.

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Didache[1] 7, 1–3
  2. J. Beckmann: Artikel Taufe, Abschnitt V (Liturgiegeschichtlich), Religion in Geschichte und Gegenwart³, Bd. VI, S. 648f – Beckmann beruft sich u.a. auf die Didache und das Taufformular des Hippolyt von Rom (um 220). Da es keine archäologisch-kunsthistorischen Befunde zur Taufpraxis dieser Zeit gibt, ist diese Interpretation nur unter Vorbehalt möglich. Die Submersionstaufe wird danach in den orientalisch-orthodoxen Kirchen und in Mailand bis heute noch vollzogen.
  3. Sebastian Ristow: Baptisterien im Frankenreich. In: Acta Praehistorica et Archaeologica 30, 1998, S. 166–176
  4. Sebastian Ristow: Artikel Taufstein / Taufbecken / Taufpiscina. In: Theologische Realenzyklopädie 32, 2001, S. 741–744
  5. Georg Kretschmar: Die Geschichte es Taufgottesdienstes in der alten Kirche. In: LEITURGIA. Handbuch des evangelischen Gottesdienstes (hrsg. von Karl Ferdinand Müller und Walter Blankenburg), Bd. V (Der Taufgottesdienst), Kassel 1970, S. 89f
  6. Das auf ~350 datierte Baptisterium in der Genfer Kathedrale
  7. Studie des Bremer Eichamts mit vielen Abbildungen von Taufbecken

Literatur

  • Martina Langel: Der Taufort im Kirchenbau unter besonderer Berücksichtigung des Kirchenbaus im Erzbistum Köln nach 1945. Schmitt, Siegburg 1993, ISBN 3-87710-156-9.
  • Sebastian Ristow: Baptisterien im Frankenreich. In: Acta Praehistorica et Archaeologica. 30, 1998, ISSN 0341-1184, S. 166–176.
  • Sebastian Ristow: Art. Taufstein/Taufbecken/Taufpiscina. In: Theologische Realenzyklopädie. 32, 2001, S. 741–744.
  • Colin S. Drake: The Romanesque Fonts of Northern Europe and Scandinavia. Boydell Press, Woodbridge u. a. 2002, ISBN 0-85115-854-4.
  • Gisela Aye, Axel Chr. Kronenberg: Taufbecken und Taufengel in Niedersachsen. Vom Ende des Dreißigjährigen Krieges bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2006, ISBN 3-7954-1907-7 (Adiaphora 5).

Weblinks

 Commons: Taufbecken – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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Synonyme:

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