Taxidermie


Taxidermie
präparierter Eisbär

Taxidermie (griechisch für Gestaltung der Haut) ist eine Kunst der Haltbarmachung von Tierkörpern für Studien- oder Dekorationszwecke. Die Taxidermie wird an Wirbeltieren vorgenommen. Sie ist damit ein Teilgebiet der Tierpräparation.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

In den 1770er Jahren entwickelte der Apotheker Jean-Baptiste Bocoeur ein arsenhaltiges Konservierungsmittel, mit dem auch größere Tierhäute konserviert werden konnten, gab seine Erfindung aber nicht preis. Im Jahr 1820 wurde das Mittel von dem französischen Zoologen und Tierpräparator Louis Dufresne (1752–1832) in den Handel gebracht.[1] Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Tierkörper in der Präparation nicht mehr ausgestopft wie Kopfkissen, sondern entsprechend ihrer Anatomie und natürlichen Haltung in Position gebracht. Die gegerbte Haut mit Federn/Haaren wird seit dieser Zeit auf einen korrekt angefertigten Grundkörper aufgebracht. Um diesen herstellen zu können, bedarf es umfangreicher Kenntnisse in Anatomie, Ethologie und Statik. Darüber hinaus sind gute Präparatoren auch immer Künstler, die ebenso gelungen plastisch arbeiten können. Nicht wenige Präparatoren/Dermoplastiker sind insbesondere durch ihre Kunstplastiken von Tieren berühmt geworden (Akeley, ter Meer).

Fragmente eines präparierten Wildschweins von 1721; erlegt von Friedrich Wilhelm I.

Verfahren

präparierte Ratte

Im Zusammenhang mit der Präparation von Wirbeltieren zu Schaustücken wird seit Martin von Dermoplastiken gesprochen (griechisch derma = Haut, plastein = bilden). Zu den ersten Dermoplastikern zählen: Philipp Leopold Martin (Berlin, Stuttgart, 1815–1886), Friedrich Kerz (Stuttgart, Darmstadt, 1842–1915), Hermanus H. ter Meer (Leiden, Leipzig, 1871–1934), Carl E. Akeley (Chicago, New York, 1864–1926), Karl Küsthardt (Darmstadt, 1865–1949), Joseph Burger (Wiesbaden, 1875–1956).

Im anglo-amerikanischen Raum wird der Begriff Taxidermist anstelle von Präparator verwendet, obwohl auch dort nicht nur Wirbeltiere präpariert werden. Grundsätzlich wird, ähnlich wie in der Bildhauerei, der Grundkörper durch Ergänzung eines Materials aufgebaut (z. B. Ton) oder aus einem Block herausgearbeitet (z. B. PU-Block). In einem weiteren Schritt kann dieser Grundkörper dann über eine Negativform in einem leichteren Material nochmals abgegossen werden. Als besonders wichtig hat sich im Laufe der Zeit herausgestellt, dass dieser Grundkörper nicht zu hart sein sollte. Die aufgebrachte Haut ist organischen Ursprungs und reagiert auf klimatische Veränderungen durch Größenveränderung. Ist der Grundkörper zu hart (z. B. aus Gips), reißt auch die gegerbte Haut. Solche Schäden sind nur schwer zu restaurieren und daher sollten solche Dermoplastiken in klimatisierten Räumen untergebracht werden – was bei Kunstwerken völlig selbstverständlich ist. Insbesondere sind die von Friedrich Kerz hergestellten Dermoplastiken von Großsäugern in einem recht gutem Zustand erhalten geblieben, da er den Grundkörper überwiegend aus aufgenähtem Stroh herstellte, das entsprechend flexibel bleibt.

Dermoplastiken sind aber auch noch aus einem zweiten Grund gefährdet. Im Zusammenhang mit der sogenannten weißen Gerbung wird noch bis heute Alaun verwendet. Dieser Stoff steht nicht nur im Zusammenhang mit dem Säurefraß im Papier, der Bibliotheken bedroht. Auch Felle unterstehen nach der Alaun-Behandlung diesem Prozess und schon nach wenigen Jahren zerfällt die Haut. Eine Entsäuerung kann technisch bis heute nicht angeboten werden.

Im Allgemeinen verläuft die Ganzkörperpräparation bei jedem Tier ähnlich. (Bei Teilpräparationen wird das folgende Verfahren an das entsprechende Körperteil angepasst) Zunächst wird die Haut auf der Unterseite des Tieres mit einem Schnitt eröffnet und abgezogen, Gliedmaßen verbleiben bis zu einem bestimmten Punkt an dem Balg, der nun gegerbt werden muss. Nach dem Abziehen ist zu beachten, dass sämtliche Fett- und Muskelreste von der Innenseite der Haut entfernt werden müssen, da sie später Fell oder Gefieder verschmutzen oder ranzig werden können. Neben der Herstellung eines künstlichen Körpers aus einem Block gibt es auch die Möglichkeit, den Körper aus einem zuvor angepassten Drahtgestell zu erstellen, welches fest mit Garn umwickelt wird, bis es den ursprünglichen Maße des zu präparierenden Tieres entspricht. Es besteht sowohl die Möglichkeit, dem Präparat einen angepassten im Handel erhältlichen künstlichen Schädel zu geben, als auch den Originalschädel ebenfalls zu präparieren und diesen dann in das Präparat einzusetzen. Auf den fertigen Kunstkörper wird nun der Balg aufgezogen, die Gliedmaßen bzw. Flügel mit einem Draht fixiert, dem natürlichen Aussehen des Tieres entsprechende Glas- oder Kunststoffaugen mit Hilfe von Ton oder Plastillin in den Schädel eingesetzt und der Balg anschließend vernäht.

Literatur

  • Becker, C.: Wie ein zweites Leben – Der Tierbildner Herman H. ter Meer. Passage-Verlag, Leipzig 2004, ISBN 3-932900-95-2.
  • Kerz, F.: Das Sammeln, Präparieren und Aufstellen der Wirbeltiere. Strecker & Schröder, Stuttgart 1912.
  • Köstering, S.: Natur zum Anschauen. Das Naturkundemuseum des deutschen Kaiserreichs, 1871–1914. Böhlau, Köln 2003, ISBN 3-412-04702-3.
  • Martin, P.L.: Die Praxis der Naturgeschichte: Taxidermie, oder die Lehre vom Konservieren, Präparieren und Naturalien sammeln, Ausstopfen und Aufstellen der Thiere. Voigt, Weimar 1869.
  • Martin, P.L.: Die Praxis der Naturgeschichte: Dermoplastik und Museologie, oder das Modellieren der Thiere und das Aufstellen und erhalten von Naturaliensammlungen. Voigt, Weimar 1870.
  • Piechocki, R.: Makroskopische Präparationstechnik, Leitfaden für das Sammeln, Präparieren und Konservieren, Teil I & II.. Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig 1961.
  • Völkel, H.: Hermann H. ter Meer. Ein Leben als Dermoplastiker und Künstler. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2004, ISBN 3-937209-50-6.

Weblinks

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Glynis Ridley: Claras Grand Tour. Die spektakuläre Reise mit einem Rhinoceros durch das Europa des 18. Jahrhunderts. Hamburg: Konkret Literatur Verlag 2008; S. 199f., ISBN 978-3-89458-262-3.

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