Tazacorte


Tazacorte
Gemeinde Tazacorte
Wappen Karte der Kanarischen Inseln
Wappen von Tazacorte
Tazacorte (Kanarische Inseln)
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Basisdaten
Autonome Gemeinschaft: Kanarische Inseln
Provinz: Santa Cruz de Tenerife
Koordinaten 28° 39′ N, 17° 56′ W28.643727777778-17.932877777778107Koordinaten: 28° 39′ N, 17° 56′ W
Höhe: 107 msnm
Fläche: 11,36 km²
Einwohner: 5.697 (1. Jan. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte: 501,5 Einw./km²
Postleitzahl: 38770
Gemeindenummer (INE): 38045
Verwaltung
Webpräsenz der Gemeinde
Lage der Gemeinde
Tazacorte.png
Blick auf Tazacorte vom Mirador El Time

Tazacorte ist eine der 14 Gemeinden der Kanareninsel La Palma. Sie ist die jüngste (seit 1925 selbstständig) und flächenmäßig kleinste Gemeinde der Insel La Palma. Die Gemeinde reicht vom Ende der Schlucht Barranco de Las Angustias im Norden bis zum Ortsteil La Bombilla im Süden.

Inhaltsverzeichnis

Orte der Gemeinde

Die Bevölkerungszahlen in Klammern stammen aus dem Jahr 2007[2].

  • Tazacorte (2.863)
  • Puerto de Tazacorte (1.517)
  • La Costa (567)
  • Marina (367)
  • San Borondón (357)
  • Cardón (114)
  • Tarajal (43)

Bevölkerungsentwicklung

Nach starkem Wachstum besonders in den 1970er und 1980er Jahren (1970-1990: + 51,8 %) setzte in den 1990er Jahren ein starker Bevölkerungsrückgang ein (1990-2004: - 17,8 %).

Jahr Einwohnerzahl Veränderung
1930 3.104
1940 3.728 + 624
1950 4.067 + 339
1960 4.587 + 520
1970 4.644 + 57
Jahr Einwohnerzahl Veränderung
1981 6.002 + 1.358
1990 7.049 + 1.047
2001 6.117 – 932
2005 5.835 – 282
2008 5.786 – 49

Geschichte

Spanische Eroberung

Der Küstenort Puerto de Tazacorte wurde am 29. September 1492 von den spanischen Eroberern unter der Führung von Alonso Fernández de Lugo als Ausgangspunkt für die spanische Besatzung von La Palma ausgewählt. Der Guanchenhäuptling Tazo fiel im Kampf, aber eine Ableitung seines Namens trägt diese Gegend noch heute. Die Wortkombination von Tazo und Corte soll zum Ausdruck bringen: Der Hof des Tazo. Das Land wurde ebenso verteilt wie die Rechte über die Nutzung der Gewässer in der Caldera de Taburiente. Große Landgüter wurden von adeligen Familien aus der Hauptstadt und von flämischen Kaufleuten errichtet, die im Zuckergeschäft den wirtschaftlichen Wohlstand sahen.

Wirtschaftsgeschichte

Die Zuckerfabriken der Familien Monteverde, Van Dale und Sotomayor, denen das gesamte Land samt Gewässer gehörten, wurden zum wirtschaftlichen Antrieb der Insel.

Das Casa Monteverde aus dem 16. Jahrhundert in Tazacorte im Stadtteil El Charco, heute manchmal auch als Casa Los Martyres bezeichnet

Puerto de Tazacorte wurde nach dem Hafen der Hauptstadt der zweitwichtigste der Insel. Im 16. Jahrhundert wurde er von einheimischen und ausländischen Schiffen angelaufen, die Zucker, Wein und weitere Produkte der Insel exportierten. Das häufige Auftauchen von Korsaren und anderen Piraten ließ die Besitzer der Landgüter zwei heute nicht mehr existierende Schanzen zur Verteidigung anlegen. Trotz dieses wirtschaftlichen Aufschwungs lebte der Großteil der Bevölkerung von Tazacorte, Bauern und Fischer, unter armseligen Bedingungen in einem Viertel oberhalb der Herrschaftshäuser, das lange vom benachbarten Los Llanos de Aridane verwaltet wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts belebten zwischendurch Cochenille und Zucker die Wirtschaft neu, doch ständige Krisen verstärkten die Auswanderungen nach Amerika. Der Bananenanbau begann 1890 und blühte nach Ende des Ersten Weltkrieges auf, als sich das englische Unternehmen Fyffes Limited (1899) sowie andere Firmen niederließen und in Tazacorte große Plantagen-Flächen pachteten. Tazacorte hatte deutlich mehr Arbeitnehmer gegenüber einer Minderheit von Eigentümern; 1936 wählten mehr als 72 % die linke Agrupación Obrera y Campesina. Während des Franco-Regimes kam es zu einer weiteren Emigrationswelle. Heute bringt die exzessive Bananen-Monokultur eine Reihe ökologischer und ökonomischer Nachteile.

Kampf um gemeindliche Selbstständigkeit

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam der Kampf um die Unabhängigkeit von Los Llanos. 1923 wies der Ort mit über 2.000 Einwohnern die stärkste wirtschaftliche Entwicklung im Aridane-Tal auf. Die entscheidende Unabhängigkeitsschlacht fand unter der Diktatur von Primo de Rivera sowohl in Madrid wie auch auf der Insel statt. Am 16. September 1925 wurde Tazacorte per Dekret die Unabhängigkeit verliehen. 1928 brach dann die Pest aus. Die Entwicklung und Erhaltung des Fischerei- und Geschäftshafens, des Bananenanbaus und des sanften Tourismus stehen heute im Fokus der Gemeinde Tazacorte.

Region

Landschaft

Sicht auf den Ort Tazacorte am Abend

Die Hochebene von Tazacorte liegt am Fuße des Aridane-Tals. An seinem nördlichen Ende befindet sich der zum Naturschutzgebiet erklärte Barranco de Las Angustias, des Abfluss aus der Caldera de Taburiente. Die Lava des Vulkans Tacande (Montaña Quemada, Verbrannter Berg) und die des Vulkans San Juan haben die Landschaft von Tazacorte geformt. Der San Juan vergrößerte bei seinem letzten Ausbruch 1949 das Land am Südende der Gemeinde. Geprägt wird die Landschaft sonst hauptsächlich von Bananenplantagen. Die Berge Montaña Todoque (349 Meter) und Montaña La Laguna (343 Meter) sind zwei von vier in einer Reihe stehender Vulkane, die unter Naturschutz stehen. Verschiedene Höhlen vulkanischen Ursprungs befinden sich unter dem Gemeindegebiet. Dazu gehören einzelne Vulkanröhren wie Los Caracoles auf dem La Laguna, La Cueva de Hércules, oder die verwinkelte Höhle La Cueva del Perdido, die 1.288 Meter lang ist und vier, sich zur Steilküste hin öffnende Schlunde hat.

Der Hauptort

Im Stadtkern von Tazacorte vermischen sich traditionelle Baustile mit moderner Architektur. Alte Häuser, in kanarischem oder kolonialem Stil, mit engen Gassen zeichnen überwiegend das Bild des Ortes, der auch Klein Paris genannt wird. Das Viertel El Charco war das ursprüngliche Zentrum, an dem die Familie Monteverde eine erfolgreiche Zuckerfabrik ansiedelte. Die Stadt wuchs durch Wohnungen für Angestellte, durch Mühlen und Werkstätten und andere Wirtschaftsgebäude.

Das Casa Diaz Pimienta aus dem 16. Jahrhundert heute

Die bekannten Familiennamen Monteverde, Van Dale, Sotomayor und Massieu verschwägerten sich über die Jahrhunderte miteinander. Sie wohnten in den alten Herrensitzen. Im 16. Jahrhundert erbaut wurden der kleine Palast des Vizconde del Buen Paso, das Herrenhaus des Admirals Díaz Pimienta und die Casa Monteverde errichtet. Im nächsten Jahrhundert folgte die Casa Massieu. Die lange vor dem Rathaus stehenden Statue (jetzt in den Museumsteil von El Charco verbannt) spiegelt die öffentliche Anerkennung des Fleißes der Landarbeiter wider, der großes Ansehen genoss.

Feste

  • Wie in vielen Orten Spaniens wird auch in Tazacorte am Ende der Karnevalszeit die Beerdigung der Sardine durch eine Prozession wehklagender Witwen und Trauergäste zelebriert.
  • Jährlich am 16. Juli halten die Seeleute eine Prozession zu Ehren der Virgen del Carmen ab.
  • Am 29. September findet das große Fest zu Ehren des Erzengels Michael, des Kirchenpatrons, Schutzheiligen der Stadt und des Hafens von Tazacorte und aller Einwohner von La Palma statt. Höhepunkt ist der einzigartige Tanz der Caballos Fufos, der fauchenden Pferde. 20 Pferde - mit farbigem Papier verkleidete Rohrgestelle - tanzen durch die Straßen, angeführt von einer Giraffe.

Sehenswürdigkeiten

  • Die Kirche San Miguel an der heutigen Hauptstraße wurde an der Stelle der ersten Wallfahrtskapelle der Insel erbaut. Alonso Fernández de Lugo begann 1492 in Tazacorte mit der Eroberung des Volkes von La Palma, und seine Berufung durch den Erzengel Michael machte ihn zum Schutzheiligen der Insel. Zu finden ist er als Soldat gekleidet, und als Verteidiger der Kirche, das Schwert tragend, im Wappen von La Palma. 1922 wurde dieses Gotteshaus zur Pfarrkirche. In ihr werden unter anderem die Reliquien des Martyriums der Jesuiten aufbewahrt.
  • Unterhalb der Kirche, im ältesten Stadtteil El Charco findet sich das stattliche Herrschaftshaus Casa Massieu aus dem 17. Jahrhundert, in dem häufig Kunstausstellungen stattfinden.
  • Historische Altstadt.
  • Neben einem Bananenmuseum und einem im Aufbau befindlichen Mojo-Museum gibt es auch ein Museum, welches dem Arzt Manuel Morales Perez (1902-86) gewidmet ist.
  • Der Fischereihafen der Insel in Puerto de Tazacorte.
Puerto de Tazacorte (2007)
Betonfigur am Pierende
  • Einige kleine, schwarze Lavastrände (am Hafen, in La Bombilla, Los Guirres/Playa Nueva, Mangon)

Verkehr

Die Gemeinde besitzt in Puerto de Tazacorte den größten Fischereihafen der Insel. Mehrere Versuche, Fährverbindungen zu den Nachbarinseln aufzubauen, missglückten.
Das Straßennetz ist gut ausgebaut, so dass alle Ortsteile leicht erreichbar sind. Zwei Buslinien verbinden Tazacorte im Takt-Verkehr mit Los Llanos und mit den Gemeinden im Nordwesten der Insel.

Weblinks

 Commons: Tazacorte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Salvador Gonález Vázques Historia de Tazacorte 1492-1975 Graficolor Ediciones 2000
  • Villa y Puerto de Tazacorte Guía - Guide - Führer Tazacorte 2004

Quellen

  1. Population Figures referring to 01/01/2010. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística.
  2. Instituto Canario de Estadística[1]

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