Teknival


Teknival
Teknival 2004 in Ontario, Kanada

Freetekno (auch FreeTek) ist eine Subkultur der Techno-Bewegung, die seit Beginn der 1990er Jahre besteht und eine Gegenvariante der kommerziellen Rave- und Techno-Bewegung darstellt.

Die Szene definiert sich durch ihre „Teknivals“ genannten Veranstaltungen, die überwiegend anonym geplant und unangemeldet veranstaltet werden. Die Veranstaltungsorte werden nur sehr kurzfristig über Webseiten oder Infolines bekannt gegeben. Freetekno steht sowohl in der Tradition der „Free Festivals“ der Hippiebewegung als auch in naher Verwandtschaft zur Autonomen Szene, aus deren beider Reihen die Initiatoren oftmals stammen.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Teknival in Wales 2005

Die Freetekno-Bewegung ist überwiegend in Europa, speziell in Mittel- und Osteuropa sowie in Nordamerika anzutreffen. Die meisten der in Anlehnung an Musikfestivals „Teknival“ genannten, meist mehrtägigen Techno-Partys werden regional von Soundsystemen und DJs mit eigener Ausrüstung organisiert. Vor allem in den Sommermonaten finden im Freien auch besonders große Teknivals mit internationalen Soundsystemen und Tausenden von Besuchern statt, die bis zu einer Woche oder länger dauern.

Das wohl bekannteste Teknival trug den Namen CzechTek. Die nicht immer angemeldete Veranstaltung wurde seit 1994 jährlich in Tschechien, zuletzt 2006 am Truppenübungsplatz Hradiště, veranstaltet, bis sich die Veranstalter dazu entschieden keine weiteren Teknivals unter diesem Namen zu veranstalten. Als größte Besucherzahl wurden seitdem 30.000 Besucher (offiziell) bzw. 50.000 Besucher (inoffiziell) genannt. Wesentlich kleiner sind die entsprechenden regelmäßigen, meist unangemeldeten Zusammenkünfte in Deutschland, z.B. das SouthTek oder das EastTek, die aber beide auch schon Tausende von Besuchern angezogen haben. In Frankreich zog ein schlicht „Teknival“ betiteltes jährliches Freetekno-Festival mehrfach 10.000 Besucher an. Auch in Italien, etwas stärker im Norden und im Raum Rom, finden regelmäßig größere, mehrtägige Teknivals statt.

In der Schweiz und in Deutschland ist die musikalisch verwandte, aber in Ausdrucksart und Ethik sehr differenzierte Goa-Szene ähnlich organisiert. Während in Österreich Goa weniger stark vertreten ist, verhält es sich in der Schweiz genau umgekehrt. Dort ist die Goa-Szene dominierend und Freetekno praktisch gar nicht vertreten.

Musikstile

CzechTek 2006, Tschechien

Bei Teknivals agieren nicht nur DJs, sondern treten auch Live Acts auf. Die gespielten Musikrichtungen weisen als gemeinsames Merkmal relativ hohe Geschwindigkeiten (im Verhältnis zu in kommerziellen Clubs gespielten Techno-Stilen) auf und bewegen sich in den meisten Fällen zwischen 160 und 190 bpm. Üblicherweise gespielte Musikgenres sind Hardtek, Tribal, Acid Techno, Gabba und Breakcore sowie ähnliche, verwandte Stilrichtungen wie Drum'n'Bass, Jungle oder auch Goa.

Visualisierung

Kennzeichnend für die Freetekno-Bewegung sind, abgesehen von der Musik, die in schwarz-weiß und psychedelischen Formen wie Spiralen gehaltenen Grafiken, die sowohl auf Kleidungsstücken, Aufnähern, Buttons, Platten, Planen und Transparenten als auch auf Flyern zu finden sind.

Teknopartys selbst sind im Rahmen der oftmals begrenzten Möglichkeiten auf improvisierten Bühnen oder in Zelten usw. häufig mit Tarnnetzen und Transparenten ausgestaltet, beliebte Lichteffekte sind Stroboskope und Laser. Auf manchen Teknivals gehören außerdem Feuershows zum Programm.

Ethik

Soundsystem eines Freetekno-Tribe

Das Motto Free Tekno for Free People hat eine finanzielle wie auch politische Bedeutung. Als Eintrittsgeld wird häufig nur eine freiwillige Spende gefordert, mit der meist kein Gewinn erzielt, sondern nur die entstandenen Aufwände wie Transport und je nach Legalität der Veranstaltung auch Betriebskosten (z.B. Strom, Sanitäranlagen) und Miete abgegolten werden sollen. Um die DJs, Live-Acts und Soundsysteme besteht kein Starkult, sie werden häufig sogar durch Tarnnetze oder gänzlich durch Boxen vom Publikum abgeschirmt. Weit verbreitet sind Live-Tapes bzw. zeitgemäßer: selbstgebrannte CDs und Verbreitung über das Internet als Musikdateien. Die Besucher der oft mehrtägigen Teknivals versetzen sich mit Hilfe der üblicherweise gespielten, schnellen hypnotischen Musik in einen tranceähnlichen Zustand.

Ein bestimmtes, im Zusammenhang mit der Freetekno-Bewegung häufig anzutreffendes Techno-Genre nennt sich in Anlehnung an schamanistische Stammesrituale „Tribe“ oder „Tribal“. Die von Ort zu Ort wandernden Soundsystems werden auch als moderne Nomaden betrachtet, die als Traveller mit ihren Wohnwagen und umgebauten LKWs wochen- oder monatelang von einem Teknival zum nächsten fahren. Veranstaltungsorte sind oft ausgefallene Plätze wie ehemalige Militäranlagen, Burgen und Schlösser, Industrieruinen, entlegene Strände und ähnliches, wo mit den Besuchern ausgelassen gefeiert werden kann. Die aus DJs, Produzenten und Helfern bestehenden Soundsysteme verfügen zumeist über ein großes Potential an mobilen Lautsprecheranlagen, Strom-Aggregaten, Zelten und ähnlichem, um ihre Veranstaltungen spontan und autonom durchzuführen. Ein österreichisches Soundsystem hieß bezeichnenderweise Wako als Kurzform von Wanderkolonie.

„Illegalität“ der Freetekno-Szene

Massiver Polizeieinsatz beim CzechTek 2005

In vielen Fällen werden die Partys nicht angemeldet, da gesetzliche Bestimmungen über den Ablauf von Großveranstaltungen nicht ohne großen finanziellen und organisatorischen Aufwand eingehalten werden könnten, und sind daher illegal, was immer wieder zu Problemen mit der Polizei führt. Nur wenige Tekno-Partys werden in regulären Veranstaltungslokalen, also legal abgehalten (meistens über die Winterperiode). Der unangemeldete, „illegale“ Rahmen der Veranstaltungen sowie die Tatsache, dass an Stelle eines fixen Eintritts die freiwillige Spende tritt, ist für viele Veranstalter und auch für die Akzeptanz innerhalb der Szene ein wichtiges Kriterium. Für die betroffenen Gemeinden und Landstriche jedoch, in denen sich urplötzlich mitunter Tausende Partywilliger einfinden, die tagelang ohne oder nur mit einem Mindestmaß an sanitären Einrichtungen oder Lebensmittelvorräten kampieren, stellen sich gerade die größeren Teknivals als ernsthafte Probleme dar. Freilich haben in den anderthalb Jahrzehnten des Bestehens dieser Nischenkultur viele Veranstalter inzwischen legale Rahmenbedingungen für ihre Veranstaltungen geschaffen, so dass Freetekno nicht zwangsläufig nur illegal bzw. ungenehmigt stattfindet.

Immer wieder werden große wie kleine Teknivals von den örtlichen Polizeikräften unter zum Teil massiver Verstärkung durch Sondereinsatzkräfte geräumt. Traurige Bekanntheit erlangte hierbei die Räumung des CzechTek am 30. Juli 2005, wo mehr als 1.000 Polizisten mit Schlagstöcken, Tränengas und Blendgranaten gegen 5.000 Teilnehmer vorgingen, was zu über 100 verletzten Besuchern und 90 verletzten Polizisten führte. Der Premierminister Jiří Paroubek und sein Innenminister rechtfertigten die Maßnahmen der Polizei mit provokanten, unbelegten und teils auch offensichtlich unrichtigen Behauptungen, wie „gegen eine durch Drogen und Alkohol provozierte Welle der Gewalt“ und „gegen die Verbreitung von Aids, Gelbsucht und Salmonellen“ einzutreten, was ihnen neben Demonstrationen in mehreren Großstädten Tschechiens sowie vor der tschechischen Botschaft während der Berliner Fuckparade auch innenpolitische Turbulenzen einbrachte.[1]

Während legale Partys bedenkenlos beworben und angekündigt werden können, können illegale Partys nur innerhalb der Gemeinschaft, etwa per Mundpropaganda, angekündigt werden, um der Polizei keine Möglichkeit zu geben, von der Veranstaltung zu erfahren. Auch in einschlägigen Internetforen, die zum Teil nur für angemeldete Benutzer oder Benutzer mit speziellen Zugriffsrechten zugänglich sind, werden Tekno-Partys angekündigt. In der Regel wird jede Tekno-Party auch in Form von Flyern, die alle notwendigen Informationen mit Ausnahme des Veranstaltungsortes enthalten, angekündigt. Dieser kann dann durch Nachfragen im Bekanntenkreis, der möglicherweise bereits durch Mundpropaganda informiert wurde, oder durch das Anrufen einer auf dem Flyer angegebenen „Infoline“ erfragt werden.

Quellen

  1. CzechTek: Polizeieinsatz endet blutig, ein Partyteilnehmer tot Zeitungsartikel von Tschechien-online.org, 31. Juli 2005

Weblinks


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