Term


Term

In der Mathematik bezeichnet ein Term einen sinnvollen Ausdruck, der Zahlen, Variablen, Symbole für mathematische Verknüpfungen und Klammern enthalten kann. Terme sind die syntaktisch korrekt gebildeten Wörter oder Wortgruppen in der formalen Sprache der Mathematik.

Inhaltsverzeichnis

Umgangssprachliche Erklärung

Der Begriff „Term“ wird umgangssprachlich für alles verwendet, das eine Bedeutung trägt: „Den Term [Ausdruck] versteh ich nicht.“ Im engeren Sinn gemeint sind mathematische Gebilde, die man prinzipiell ausrechnen kann (zumindest, wenn man den Variablen Werte zugewiesen hat), z. B. Zahlen, einfache und zusammengesetzte Funktionen (siehe die Beispiele oben), mit oder ohne Variablen.

Terme kann man

  • ausrechnen (dazu rechnet man erst die „inneren“ Funktionen aus und dann die äußeren),
  • nach bestimmten Rechenregeln umformen,
  • miteinander vergleichen (falls Relationen für die passenden Typen definiert sind)
  • ineinander einsetzen (oft wird ein Term anstelle einer Variable eines anderen Terms eingesetzt).

Eine spezielle Form der Einsetzung ist die Substitution, bei der ein Term mit Variablen durch einen anderen Term mit Variablen (meist eine einzelne Variable) ersetzt wird.

Formale Definition

Welche Ausdrücke Terme sind, ist genau festgelegt, sobald ein Zeichenvorrat aus Variablen, Konstanten und Funktionen festgelegt ist. Dabei gilt folgende formale Definition aus der mathematischen Logik (als rekursive Definition):

  • Jede Variable ist ein Term.
  • Jedes Konstantensymbol ist ein Term.
  • Ist t ein Term, so ist (t) ein Term.
  • Sind t_1,\ldots, t_k Terme und ist f ein k-stelliges Funktionssymbol, so ist f(t_1,\ldots, t_k) ein Term.

Anmerkungen:

  • Manche Funktionen (beispielsweise die Potenzfunktion, Multiplikation mit Variablen) werden statt durch ein eigenes Funktionssymbol durch Positionierung der Terme zueinander dargestellt.
  • Bei verschachtelten Klammersetzungen werden manchmal auch [] und {} eingesetzt, um die Zusammengehörigkeit der Klammern deutlicher zu machen.

Beispiel: \tfrac{xy}{4} ist ein Term, denn

  • x und y sind Terme (als Variablen),
  • 4 ist ein Term (als Konstante),
  • xy ist ein Term (eigentlich „multipliziere(x,y)“),
  • \tfrac{xy}{4} ist ein Term (Divisionssymbol ist der Bruchstrich)

Variablen in Termen

Treten in einem Term Variablen auf, wie a, b \,\! oder x,y \,\! in obigen Beispielen, so ist zusätzlich anzugeben, aus welcher Grundmenge diese Variablen zu wählen sind. Durch das Einsetzen von Elementen der Grundmenge erhält der Term einen konkreten Wert.

Zu beachten ist, dass der Term nicht unbedingt für alle Elemente der Grundmenge definiert sein muss; so ist beispielsweise für eine Funktion f: \R\to\R und x\in\R der Term \tfrac{1}{f(x)} nur für jene x \,\! definiert, für die f(x)\ne 0 gilt; jene Teilmenge der Grundmenge eines Termes, für die der Term wohldefiniert ist, wird als Definitionsmenge des Termes bezeichnet.

Anwendungen

Terme mit Variablen werden beispielsweise in Rechenvorschriften oder Formeln verwendet. So lautet eine Faustformel zum Ausrechnen des Anhalteweges (Bremsweg plus Reaktionsweg) in Metern eines Autos \left(\tfrac{x}{10}\right)^2+\left(\tfrac{x}{10}\cdot3\right), wobei in diesem Term x die Geschwindigkeit des Autos in km pro Stunde bedeutet. Wenn ein Auto zum Beispiel 160 km/h fährt, liefert die Formel \left(\tfrac{160}{10}\right)^2+\left(\tfrac{160}{10}\cdot3\right) einen Anhalteweg von 304 m.

Terme können auch zur Definition der Zuordnungsvorschrift einer Funktion verwendet werden; das Beispiel des Anhalteweges definiert etwa die Funktion f\colon \R^+_0 \to \R^+_0, x\mapsto\left(\tfrac{x}{10}\right)^2+\left(\tfrac{x}{10}\cdot3\right).

Wie gesagt sind Terme selbst weder wahr noch falsch; es sind Symbole für Zahlen oder andere mathematische Objekte. Sie können aber zu mathematischen Aussagen wie Gleichungen und Ungleichungen zusammengefügt werden; solche Aussagen sind dann nach Einsetzen aller Variablen entweder wahr oder falsch.

Algebraische Umformungen

Lange, komplizierte Terme können oft vereinfacht werden, indem man auf sie Rechenregeln anwendet, die den Wert des Terms unverändert lassen, beispielsweise das Kommutativgesetz, Assoziativgesetz oder Distributivgesetz:

(x - 5)(x + 5) + 5(x + 3) \,\!:   Ausmultiplizieren

=x^{2} - 25 + 5x + 15 \,\!:   Gleichartige Ausdrücke zusammenfassen

=x^{2} + 5x - 10 \,\!

Solche algebraischen Umformungen sind von Äquivalenzumformungen für Gleichungen oder Ungleichungen zu unterscheiden. Algebraische Umformungen lassen den Wert eines Termes unverändert, Äquivalenzumformung ändern hingegen die Werte der beteiligten Terme, müssen aber den Wahrheitswert der Aussage unverändert lassen.

Algebraische Umformungen werden auch Termumformungen genannt. Es werden folgende Ziele verfolgt:

  • Vereinfachung von Termen
  • Aufpumpen von Termen zur Erzeugung gewünschter Strukturen. Beispiel: quadratische Ergänzung
  • Herauspräparieren gewünschter Teilterme. Beispiel bei der Cardanischen Formel: (u + v)3 = u3 + v3 + 3uv(u + v)

Abgrenzungen

Term und Ausdruck

Der Begriff Term ist mit dem Begriff Ausdruck in formalen Sprachen verwandt. Während aber ein Ausdruck in einer formalen Sprache formal definiert ist, ist Term ein eher unscharf definierter Begriff. Da die Symbolik der Mathematik nicht fix definiert, sondern beliebig erweiterbar ist, ist auch Term ein erweiterbarer Begriff.

Durch Einführung zusätzlicher Definitionen kann eine vorher sinnlose Symbolkette eine Bedeutung bekommen; so kann beispielsweise je nach Zusammenhang die Symbolkette \R^\R sinnlos sein oder auch ein sinnvoller Term für die Menge aller Funktion von \R nach \R sein.

Term und Aussageform

Eine Aussageform ist wie ein Term eine formale Zeichenkette; ihr Aufbau ist gemäß einer Logik definiert, z. B. der Prädikatenlogik. In der Prädikatenlogik erster Stufe sind insbesondere folgende Ausdrücke Aussageformen:

Sind t1,t2 Terme, so ist t1 = t2 eine Aussageform.

Sind t1,...tk Terme und ist R ein k-stelliges Relationssymbol, so ist Rt1...tk eine Aussageform.

Eine Aussageform enthält wie ein Term möglicherweise Variablen, allerdings wird ihr nach Belegung der freien Variablen kein Wert der Grundmenge, sondern ein logischer Wahrheitswert (wahr oder falsch) zugeordnet.

Eine logische Aussage ist eine Aussageform ohne freie Variablen. Sie entsteht aus einer Aussageform durch Belegung oder durch Quantifikation der freien Variablen.

Formel

Beschreibt ein Term einen anderen Term oder einen Sachverhalt, so entsteht eine Formel. Beispiele:

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Term – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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Synonyme:

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  • term — n often attrib 1: a specified period of time the policy term 2: the whole period for which an estate is granted; also: the estate itself 3 a: the period in which the powers of a court may be validly exercised b …   Law dictionary

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  • Term — Term, v. t. [imp. & p. p. {Termed}; p. pr. & vb. n. {Terming}.] [See {Term}, n., and cf. {Terminate}.] To apply a term to; to name; to call; to denominate. [1913 Webster] Men term what is beyond the limits of the universe imaginary space. Locke.… …   The Collaborative International Dictionary of English

  • term — ► NOUN 1) a word or phrase used to describe a thing or to express a concept. 2) (terms) language used on a particular occasion: a protest in the strongest possible terms. 3) (terms) stipulated or agreed requirements or conditions. 4) (terms)… …   English terms dictionary

  • term — term1 [tʉrm] n. [ME terme < OFr < L terminus, a limit, boundary, end < IE * termṇ, a boundary stake < base * ter , to cross over, go beyond > TRANS , Gr terma, goal] 1. Archaic a point of time designating the beginning or end of a… …   English World dictionary

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  • term — (n.) early 13c., terme limit in time, set or appointed period, from O.Fr. terme limit of time or place (11c.), from L. terminus end, boundary line, related to termen boundary, end (see TERMINUS (Cf. terminus)). Sense of period of time during… …   Etymology dictionary

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  • Term — der; s, e <aus gleichbed. fr. terme, eigtl. »Grenze, Begrenzung«, dies aus (m)lat. terminus, vgl. ↑Termin>: 1. [Reihe von] Zeichen in einer formalisierten Theorie, mit der od. dem eines der in der Theorie betrachteten Objekte dargestellt… …   Das große Fremdwörterbuch

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