Theo Angelopoulos


Theo Angelopoulos

Theodoros Angelopoulos (griechisch Θόδωρος Αγγελόπουλος; * 17. April 1935 in Athen) ist ein griechischer Filmregisseur.

Angelopoulos besuchte von 1953 bis 1957 die Nationale und Kapodistrias-Universität Athen und studierte Jura, beendete das Studium allerdings ohne Examen. Nach dem Militärdienst (1959/60) ging er nach Paris, um sich an der Sorbonne einzuschreiben, wo er unter anderem Philosophie bei Claude Lévi-Strauss hörte. Fasziniert vom französischen Kino, z. B. den Filmen von Jean-Luc Godard, begann er, an der IDHEC Film zu studieren, die er jedoch wegen seiner eigenständigen Filmästhetik bereits nach einem Jahr verlassen musste. Als Angelopoulos 1964 nach Griechenland zurückkehrte, arbeitete er als Journalist, Filmkritiker und Dozent.

Sein erster Kurzfilm entstand im Jahre 1968 an der Zensur der griechischen Militärdiktatur vorbei. In den 1970er Jahren drehte er seine ersten Spielfilme Meres Tou 36, Die Wanderschauspieler und Die Jäger, in denen er sich mit der modernen griechischen Gesellschaft auseinandersetzt. Dabei entwickelte Angelopoulos, ein „filmischer Landvermesser“ (Wolfram Schütte), einen unverwechselbaren Stil: episodische und mehrdeutige Strukturen setzt er in langsamen Sequenzen um.

Nach dem Ende der Diktatur in Griechenland (1974) wandte sich Angelopoulos weiterhin, wenngleich nicht nur, politischen Themen zu. Insbesondere der Verfall der sozialistischen Ideologie (Der große Alexander, Der Bienenzüchter, Der Blick des Odysseus), Migrationsbewegungen (Der schwebende Schritt des Storches), Exilerfahrungen (Reise nach Kythera), der Zerfall des Balkans in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts (Der Blick des Odysseus), die Bedrohung der Natur durch die Technik (Landschaft im Nebel, Die Erde weint), das Zerbrechen familiärer Strukturen (Der Bienenzüchter) sowie der kranke, einsame Mensch (Ewigkeit und ein Tag) werden zum Mittelpunkt des Angelopoulos'schen Werks.

Zur künstlerischen Wirkung der Filme tragen in hohem Maße auch der Kameramann Giorgos Arvanitis sowie die Filmmusik der griechischen Komponistin Eleni Karaindrou bei. Aufgrund der Koproduktion seiner filmischen Trilogie des Schweigens mit dem ZDF (bestehend aus Reise nach Kythera, Der Bienenzüchter und Landschaft im Nebel) wurde in den 1980er Jahren ein Teil seines filmischen Schaffens dem deutschen Publikum über das Fernsehen zugänglich gemacht.

2005 war er Jurypräsident des World Film Festivals.

Auszeichnungen

Für Die Wanderschauspieler erhielt Angelopoulos 1975 u. a. den FIPRESCI-Preis, den großen Preis des Festivals von Thessaloniki, den großen Kunstpreis von Japan 1976, den großen Preis beim London Film Festival, den Prix d l'age d'Or in Brüssel, den Preis „Bester Film des Jahres“ vom British Film Institute und 1976 von der italienischen Filmkritiker-Vereinigung die Auszeichnung „Bester Film des Jahrzehnts 1965 bis 1975“. Der Große Alexander gewann 1980 bei den Filmfestspielen von Venedig den Goldenen Löwen. Für Landschaft im Nebel erhielt Angelopoulos 1988 in Venedig den Silbernen Löwen und 1989 den Felix als „Bester Europäischer Film“. Bei den Filmfestspielen in Cannes 1995 wurde Angelopoulos sodann für Der Blick des Odysseus (Hauptdarsteller Harvey Keitel) mit dem Großen Preis der Jury (1995) und für Die Ewigkeit und ein Tag (mit Bruno Ganz als Hauptdarsteller) mit der Goldenen Palme (1998) ausgezeichnet. [1] Für Die Erde weint erhielt er 2004 den Prix Fipresci.

Filmografie

  • 1968: I Ekpombi
  • 1970: Rekonstruktion (Anaparastassi)
  • 1972: Tage von 36 (Meres tou 36)
  • 1975: Die Wanderschauspieler (O thiasos)
  • 1977: Die Jäger (I kinigi)
  • 1980: Der große Alexander (O Megalexandros)
  • 1981: Ein Dorf, ein Bewohner (Horio ena, katikos enas)
  • 1982: Athen, Rückkehr auf die Akropolis (Athina, Epistrofi stin Akropoli)
  • 1984: Reise nach Kythera (Taxidi sta Kythira)
  • 1986: Der Bienenzüchter (O melissokomos)
  • 1988: Landschaft im Nebel (Topio stin omixli)
  • 1991: Der schwebende Schritt des Storches (To meteoro vima tou pelargou)
  • 1995: Der Blick des Odysseus (To vlemma tou Odyssea)
  • 1998: Die Ewigkeit und ein Tag (Mia eoniotita ke mia mera)
  • 2004: Die Erde weint (To livadi pou dakrisi)
  • 2008: Dust of Time

Weblinks


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