Theodor Neubauer


Theodor Neubauer
Theodor Neubauer (links) und Magnus Poser
Briefmarke der DDR 1970

Theodor Neubauer (* 12. Dezember 1890 in Ermschwerd (heute Witzenhausen an der Werra); † 5. Februar 1945 im Zuchthaus Brandenburg) war ein deutscher Soziologe, Pädagoge, Parlamentarier (KPD) und Widerstandskämpfer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Stele am Haus Bölschestraße 65, in Berlin-Friedrichshagen

Der Sohn eines Gutsinspektors besuchte von 1901 bis 1910 das humanistische Gymnasium in Erfurt und wurde kaisertreu und patriotisch erzogen. 1910 bis 1913 studierte er in Brüssel, Jena und Berlin Geschichte und neuere Sprachen, promovierte 1913 über Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt Erfurt vor der Reformation. Politisch engagierte er sich zunächst als Nationalliberaler und meldete sich 1914 freiwillig zum Kriegsdienst, wurde 1915 Leutnant und 1917 nach einer Gasvergiftung entlassen. Anschließend war er Hilfslehrer am Königin-Luise-Gymnasium in Erfurt.

Im Dezember 1918 wurde er Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei, schloss sich aber im Spätsommer 1919 der USPD an. Er veröffentlichte Arbeiten, in denen er eine echte demokratische Volksbildung forderte. Im März 1920 beteiligte er sich als einziger Lehrer an seiner Schule an dem Generalstreik gegen den Kapp-Putsch, was seine Entlassung als Lehrer zur Folge hatte.

Er zog nach Ruhla und ging dort Ende 1920 mit dem linken Flügel der USPD zur KPD. Als Lehrer in Ruhla wurde er im September 1921 für die KPD in den thüringischen Landtag gewählt. Im Oktober 1922 wurde er Studienrat am Realgymnasium Weimar.

Am 25. April 1921 führte Theodor Neubauer in dem Ruhlaer Vorort Kittelsthal, mit seinem Freund und Wegbegleiter August Oberländer, die erste Jugendweihe im damahligen Bezirk Erfurt durch. Mit August Oberländer war er später auch im KZ Buchenwald inhaftiert.

Im Oktober 1923 wurde Neubauer als Staatsrat in der SPD-KPD-Landesregierung Thüringens gewählt. Er protestierte gegen den Einmarsch der Reichswehr, seine Immunität wurde aufgehoben und er musste Ende Oktober ins Rheinland flüchten, wo er unter dem Pseudonym Lorenz hauptamtlicher KPD-Funktionär wurde. Mitte 1924 leitete er als Chefredakteur die Düsseldorfer KPD-Zeitung Freiheit und wurde im Dezember 1924 Mitglied des Reichstags (bis 1933). In den Fraktionskämpfen der Jahre 1925/1926 stellte sich Neubauer zunächst auf die Seite der Ultralinken. 1927 bis 1929 war er wieder Chefredakteur der Freiheit. 1930 wurde er Mitarbeiter des KPD-Zentralkomitees in Berlin, schrieb 1932 ein Buch über Deutsche Außenpolitik heute und morgen. Er verfasste auch zahlreiche Gedichte. Ab 1929 lebte er mit der Fotografin Lucia Moholy zusammen.

Am 7. Februar 1933 nahm Neubauer an der vom ZK einberufenen Tagung der Politischen Sekretäre, ZK-Instrukteure und Abteilungsleiter der KPD im Sporthaus Ziegenhals bei Berlin teil. Im März 1933 ging er in den Untergrund, wurde aber am 3. August verhaftet.[1] Nach schweren Misshandlungen im Zuchthaus Brandenburg wurde er in den Konzentrationslagern Lichtenburg und Buchenwald gefangengehalten. In beiden Konzentrationslagern gehörte er der Leitung der illegalen KPD-Lagerorganisation an. Neubauers KZ-Haft als „Schutzhäftling“ war unterbrochen von einer sechsmonatigen Strafhaft im Gefängnis Plötzensee wegen Paßvergehens und Urkundenfälschung. Im Oktober 1933 wurde er beim Reichstagsbrandprozess als Zeuge aufgeboten; trotz Folterung unterstützte er die Aussagen des Angeklagten Georgi Dimitrow.

Nach seiner Haftentlassung im September 1939 zog Neubauer nach Thüringen, nahm seinen Wohnsitz in Tabarz/Thür. Wald und baute dort ab 1941 zusammen mit Magnus Poser ein kommunistisches Widerstandsnetz auf (Neubauer-Poser-Gruppe). Im Sinne der Einheitsfrontpolitik der KPD bereitete er aber auch eine breitangelegte antifaschistische Widerstandsorganisation vor, trat für den Zusammenschluss aller Hitlergegner ein und setzte die politische Orientierung des Nationalkomitee Freies Deutschland um. Seine Dienstreisen als Automonteur und Lagerhalter nutzte er für die illegale politische Arbeit. Im Herbst 1943 nahm seine Gruppe Kontakt zu anderen kommunistischen Gruppen auf, vor allem zur Leipziger Gruppe um Georg Schumann sowie zur Berliner Gruppe um Anton Saefkow.

Am 14. Juli 1944 wurde Neubauer verhaftet, am 8. Januar 1945 in Berlin vom Volksgerichtshof wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt und am 5. Februar 1945 im Zuchthaus Brandenburg enthauptet.[1]

Mahnmal für Theodor Neubauer auf dem Campus der Universität Erfurt

Ehrungen

In der DDR wurde Theodor Neubauer als antifaschistischer Widerstandskämpfer geehrt. Es wurden Straßen und Schulen nach ihm benannt und Denkmäler für ihn errichtet. Nach 1990 wurden diese Ehrungen in zahlreichen Orten zurückgenommen. Seit 1992 erinnert in Berlin in der Nähe des Reichstags eine der 96 Gedenktafeln für von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete an Neubauer.

Schriften

  • Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt Erfurt vor Beginn der Reformation. Erfurt 1913.
  • Deutsche Außenpolitik heute und morgen. Internationaler Arbeiter-Verlag, Wien 1932.
  • Die neue Erziehung in der sozialistischen Gesellschaft. Verlag der Tribüne, Erfurt 1920 (Neuauflage Verlag Volk und Wissen, Berlin/DDR 1973.
  • Aus Reden und Aufsätzen. SED-Bezirkskommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung, Erfurt 1965.

Einzelnachweise

  1. a b Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933−1945. Droste-Verlag, Düsseldorf 1991, ISBN 3-7700-5162-9, S. 408ff.

Literatur

  • Gertrud Glondajewski / Heinz Schumann: Die Neubauer-Poser-Gruppe. Dokumente und Materialien des illegalen antifaschistischen Kampfes (Thüringen 1939–1945). Dietz Verlag, Berlin 1957
  • Franz Hammer: Theodor Neubauer. Aus seinem Leben. Dietz Verlag, Berlin 1967
  • Sonja Müller: Theodor Neubauer. Volk und Wissen, Berlin 1971 (11. Auflage 1989) („Lebensbilder großer Pädagogen“).
  • Hermann Weber und Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Karl Dietz Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-320-02044-7, S. 528f.
  • Steffen Raßloff: Denkmale in Erfurt: Der rote Doktor. In: Thüringer Allgemeine vom 24. September 2011 (online)

Weblinks

 Commons: Theodor Neubauer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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