Theorie optimaler Währungsräume


Theorie optimaler Währungsräume

Die Theorie optimaler Währungsräume (oft wegen ihrer englischen Bezeichnung optimum currency area theory auch als OCA bezeichnet) ist ein Teilbereich der Volkswirtschaftslehre. Sie beschäftigt sich mit der ökonomisch sinnvollen Größe von Währungsräumen. Ihren Namen erhielt die Theorie durch eine 1999 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnete Arbeit von Robert Mundell aus dem Jahre 1961.

Inhaltsverzeichnis

Historische Entwicklung

Alle Arbeiten zum Thema untersuchen, ob es für bestimmte Länder vorteilhaft ist, einen gemeinsamen Währungsraum zu bilden. Das heißt, sie klären anhand bestimmter Variablen, ob die Kosten die Nutzen einer Währungsunion übersteigen oder umgekehrt. Mundell untersuchte in einem Zwei-Länder-Modell die unterschiedlichen Auswirkungen asymmetrischer Nachfrageschocks.[1] Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass ein Währungsraum dann optimal sei, wenn zur Abfederung asymmetrischer Schocks eine ausreichende Faktormobilität (d. h. ausreichend flexible Arbeitsmärkte) vorliegt.

Alternativ zur Mobilität der Arbeitskräfte untersuchte Ingram, inwiefern flexible Kapitalströme asymmetrische Schocks ausgleichen können.[2] Eine weitere bedeutende Arbeit lieferte 1963 McKinnon. Er untersuchte den Nutzen von Währungsunionen anhand des Offenheitsgrades ihrer (potenziellen) Mitglieder: Je mehr Handel zwischen zwei Ländern getrieben wird, umso schädlicher sind die Auswirkungen einer Wechselkursänderung zwischen beiden Währungen. Daraus leitete McKinnon ab, dass zwei Länder umso eher einen optimalen Währungsraum bilden, je mehr Handel sie treiben.[3]

Einen weiteren Ansatz entwickelte Kenen. Er zielte auf Schocks ab, die branchen- und nicht landesweit auftreten. Ein solcher Branchenschock ist umso weniger bedeutend für die Entwicklung einer Volkswirtschaft, je geringer der Anteil der Branche an der nationalen Wertschöpfung ist. Kenen zieht daraus den Schluss, dass Länder mit stark diversifizierten Außenhandels- und Produktionsstrukturen durchaus auf den Wechselkurs verzichten können.[4]

Nach Roland Vaubel ist es auch für Länder sinnvoll, eine Währungsunion einzugehen, wenn über längere Zeit stabile Wechselkurse herrschten und in den Ländern ähnliche Präferenzstrukturen zu finden sind.

De Grauwe betrachtet in seiner Untersuchung institutionelle und politische Rahmenbedingungen. Diese taugen unter Umständen ebenfalls als Schockabsorber.[5] Als Beispiele sind hier zu nennen die Konvergenz nationaler Wirtschaftspolitiken, die Art und Weise der Finanzierung von Staatsausgaben, die Struktur der nationalen Finanzmärkte oder die Ähnlichkeit von Arbeitsmarktinstitutionen.

Da allen genannten Ansätzen wichtige Argumente zur Beurteilung der Optimalität eines Währungsraumes zu eigen sind, arbeiten heutige Untersuchungen zumeist mit Metamodellen, die neben den genannten noch weitere Kosten und Nutzen eines gemeinsamen Währungsraumes berücksichtigen und so zu einem umfassenden Urteil gelangen.

Bedeutung

Die Theorie optimaler Währungsräume wird häufig von Euro-Kritikern als Begründung gegen eine gemeinsame Währung herangezogen, da der Euroraum in der Tat die meisten Kriterien nur zum Teil erfüllt. Vergleichende Studien kommen allerdings zum Ergebnis, dass auch die USA kein optimaler Währungsraum sind.

Die im Zuge der Euro-Einführung festgelegten EU-Konvergenzkriterien sind als Kriterien zur Überprüfung der Optimalität des Währungsraumes zu sehen – Länder, die die Konvergenzkriterien erfüllen, brauchen asymmetrische Schocks nur in begrenztem Umfang zu fürchten, so dass der Verlust einer nationalen Geld- und Währungspolitik für sie nicht schwer wiegt. Allerdings decken sich die Konvergenzkriterien nur teilweise mit den in der wissenschaftlichen Theorie diskutierten Kriterien zur Messung optimaler Währungsräume. Die britische Regierung legte fünf eigene Kriterien fest, an denen sie den Integrationsgrad des Landes mit den anderen EU-Ländern überprüfen will. Erst wenn diese Kriterien erfüllt sind, kommt es in Großbritannien zu einer Volksbefragung über den Euro.

Durch die EU-Osterweiterung und die absehbare Euro-Einführung in den betroffenen Ländern kam es zu einer erneuten Diskussion um die Optimalität des Euroraums. Kritiker einer schnellen Euro-Einführung in den mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) verweisen insbesondere auf den Balassa-Samuelson-Effekt, durch den in den Ländern auch in Zukunft höhere Inflationsraten zu erwarten sind.

Literatur

  • F. P. Mongelli: "New" views on the optimum currency area theory: what ist EMU telling us?, European Central Bank, Frankfurt am Main 2002 (= Working paper series / European Central Bank, No. 138), Europäische Zentralbank (PDF, 544kB; abgerufen 8. Juni 2008)
  • F. P. Mongelli: European Economic and Monetary Integration, and the Optimum Currency Area Theory, Directorate-General for Economic and Financial Affairs of the European Commission, Brussels 2008, ISBN 978-92-79-08227-6 (= European economy. Economic papers, № 302), DOI: doi:10.2765/3306, Europäische Kommission (PDF, 953kB; abgerufen 10. Juni 2008)
  • K. Rose, K. Sauernheimer: Theorie der Außenwirtschaft, 13. Auflage, München 1999

Einzelnachweise

  1. R. Mundell: A Theory of Optimum Currency Areas, in: The American Economic Review, Vol. 51, № 4, 1961, ISSN 0002-8282, S. 657–665
  2. J. Ingram: Comment: The Currency Area Problem. In: R. Mundell, A. Swoboda (Hrsg.): Monetary Problems of the International Economy, Chicago/London 1969, S. 95–100
  3. R. McKinnon: Optimum Currency Areas. In: The American Economic Review, Vol. 53 (1963), ISSN 0002-8282, S. 717–724
  4. P. Kenen: The Theory of Optimum Currency Areas: An Eclectic View. In: R. Mundell, A. Swoboda (Hrsg.), Monetary Problems of the International Economy, Chicago/London 1969, S. 41–59
  5. P. De Grauwe: Economics of Monetary Union, 4. Aufl., New York 2000

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