Thies Christophersen


Thies Christophersen

Thies Christophersen (* 27. Januar 1918 in Kiel; † 13. Februar 1997 in Molfsee) war ein deutscher Holocaustleugner und Landwirt.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Jugend und Zweiter Weltkrieg

Thies Christophersen kam noch vor der sogenannten „MachtergreifungAdolf Hitlers mit dem Nationalsozialismus in Kontakt. 1931 trat er als 13-jähriger dem Deutschen Jungvolk bei und entwickelte sich dort zu einem fanatischen Hitler-Anhänger. Von 1936 bis 1938 leistete Christophersen seinen zweijährigen Wehrdienst ab und meldete sich 1939 als Reservist erneut freiwillig zur Wehrmacht. Doch wurde Christophersen bereits 1940 im Zuge des sogenannten „Westfeldzuges“ schwer verwundet. Aufgrund zahlreicher Komplikationen, die sich laut Eigenaussage Christophersens, auf diese 1940 erlittende Verwundung zurückführen ließen, wurde er im Herbst 1942 für „Kriegsuntauglich“ bzw. für „dauernd Kriegsverwendungsunfähig“ erklärt und erhielt von dem zuständigen Amtsarzt auf eigenen Wunsch hin die Einstufung „Garnisonsverwendungsfähigkeit Heimat“, sodass Christophersen nicht aus dem aktiven Wehrdienst entlassen wurde. Christophersen erhielt ferner Sonderurlaub für einen Lehrgang, auf den er sich beworben hatte.

Ausbildung zum „Landwirtschaftlichen Sonderführer“

In der Zeit zwischen Herbst 1942 und Frühjahr 1943 nahm Christophersen an einem Lehrgang an der „Höheren Landbauschule“ in Landsberg/Warthe teil und wurde dort zum „Landwirtschaftlichen Sonderführer“ ausgebildet. Während dieser Zeit heiratete er am 20. April 1943, an „Führers Geburtstag“, seine Frau Edith.

Im Frühjahr 1943 wurde die „Höhere Landbauschule“ von einem Hauptmann im Oberkommando des Heeres besucht, der einige Freiwillige für ein Kautschuk-Projekt in der Ukraine suchte. Christophersen bewarb sich und wurde angenommen. So wurde er im Herbst 1943 als Wehrmachtsgefreiter zur SS abkommandiert, die die Kontrolle über dieses Projekt übernommen hatte und Christophersens damalige Dienststelle wurde der Waffen-SS unterstellt.

Abordnung zur SS und die Überstellung zur Waffen-SS

Die Wehrmachtsangehörigen dieser Dienststelle namens „O.K.H. B.d.K.“ (Oberkommando der Wehrmacht, Bevollmächtigter des Kraftfahrwesens) wurden zur Waffen-SS abgeordnet und die Dienststelle in „Oberkommando der Wehrmacht, Bevollmächtigter des Kraftfahrwesens, kommandiert zum Reichsführer-SS, Abteilung Pflanzenkautschuk“ umbenannt. Ende 1943 wurde diese Dienststelle vom Oberkommando der Wehrmacht aufgelöst.

Im Januar 1944 wurde Thies Christophersen zur „Abteilung Pflanzenzucht“ des Kaiser-Wilhelm-Instituts versetzt. Dieses besaß auch eine Zweigstelle im Konzentrationslager Auschwitz, die sich unter anderem mit der Gewinnung von Pflanzen-Kautschuk beschäftigte. Dieser Zweigstelle wurde Christophersen nun zugeteilt und er wurde erneut zur Waffen-SS abgeordnet.

Zeit in Auschwitz

Im Zuge dieser Abordnung zur Waffen-SS wurde Thies Christophersen zwischen dem 15. Januar und Dezember 1944 als „Landwirtschaftlicher Sonderführer“ (diese Funktion entsprach laut Eigenaussage Christophersens in der Dienststellung und Besoldung einem Leutnant) einer Pflanzenschutzanstalt im Auschwitzer Nebenlager Rajsko eingesetzt. Diese Anstalt war im Hygieneinstitut Südost der SS für das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt/Amt WV (Land-, Forst- und Fischwirtschaft) untergebracht. Tagsüber wurden dort Häftlinge aus dem nahe gelegenen KZ Auschwitz I zur Arbeit eingesetzt.[1] Später beteuerte er, ihm sei in dieser Zeit weder etwas von Tötungen noch von einer unmenschlichen Behandlung der KZ-Häftlinge bekannt geworden.

Bis zum Herbst 1944 wurden auf Befehl Hitlers alle bestehenden Sonderformationen der Wehrmacht generell in die Waffen-SS überführt. Das betraf in erster Linie die ausländischen Freiwilligenverbände wie die Kosaken, aber auch die zu den Konzentrationslagern abkommandierten Soldaten der Wehrmacht. Diese durften teils bis zum Kriegsende ihre alten Uniformen auftragen und galten offiziell als vorläufige Angehörige der Waffen-SS. Damit wurde Christophersen automatisch auch ein (vorläufiges) Mitglied der Allgemeinen SS, da alle deutschen Angehörigen während ihrer Dienstzeit in der Waffen-SS mit der Verleihung einer SS-Mitgliedsnummer, der sogenannten „V-Nummern“[2], zeitgleich in Heinrich Himmlers „schwarzen Orden“ aufgenommen wurden.

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg übernahm Thies Christophersen den vom Vater geerbten Bauernhof. Er war zwischen 1949 und 1952 Mitglied der Sozialistischen Reichspartei und nach deren Verbot in den 1950er Jahren Mitglied der CDU und der DP. Später trat Christophersen der NPD bei, die er jedoch wieder verließ, da sie ihm zu „demokratisch“ erschien.

Seit 1969 publizierte er die Zeitschrift Die Bauernschaft, die sich zunächst mit dem Agrarwesen auf der Grundlage der Blut-und-Boden-Ideologie befasste und zunehmend rassistisches und neofaschistisches Gedankengut propagierte.

1973 verfasste Christophersen seinen „Erlebnisbericht“, der 1974 unter dem Titel „Die Auschwitzlüge“ erschien und der Christophersens Zeit im Konzentrationslager Auschwitz behandelte. In dieser Broschüre betonte dieser, dass er stets als Angehöriger der Wehrmacht im Lager war. Auch verneinte Christophersen in Interviews auf Anfrage eine Mitgliedschaft in der SS. Aber Christophersen gibt in seiner Schrift zu, dass er Zugang zum Vernichtungslager Birkenau gehabt habe und dort wie in einem späteren TV-Interview bekundet er offen, dass er in Birkenau bei der Suche nach Arbeitskräften bewusst selektiert habe.[3]

Thies Christophersen bestritt immer die Judenvernichtung in Auschwitz. Er führte an, diese selbst nie gesehen zu haben und betonte, dass das IRK regelmäßig das Lager aufgesucht habe. So auch im September 1944.

„Die Auschwitzlüge“

In einer 1973 von ihm verfassten, 1974 erschienenen Broschüre mit dem Titel „Die Auschwitzlüge“ bestritt er die Existenz von Gaskammern im KZ Auschwitz-Birkenau. Auf ihn geht der weltweit verbreitete Begriff „Auschwitzlüge“ zurück. [4]

Die Broschüre „Die Auschwitzlüge“ enthielt neben Christophersens Behauptungen weitere Beiträge und Vorworte u. a. von dem ehemaligen Rechtsanwalt und Terroristen Manfred Roeder[5] und dem ehemaligen Richter Wilhelm Stäglich. Sie wurde seit 1993 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wegen ihres holocaustleugnenden Inhalts in die Liste der jugendgefährdenden Schriften („Index“) aufgenommen. Dem Vorwort von Manfred Roeder bescheinigte diese Bundesbehörde den Charakter antisemitischer Agitation, die den Tatbestand der Volksverhetzung (§ 130 StGB) erfülle.

Zusammenarbeit mit Ernst Zündel

Christophersen pflegte enge Kontakte zu in- und ausländischen Protagonisten der „Auschwitzlüge“ wie Wilhelm Stäglich, Manfred Roeder, Udo Walendy, Robert Faurisson, Florentine Rost van Tonningen und zur Stillen Hilfe, einer Hilfsorganisation für NS-Täter. In mehreren Verfahren wurde er zu Haftstrafen verurteilt, unter anderem wegen Aufstachelung zum Rassenhass.

Christophersen floh schließlich erst nach Belgien, später hielt er sich zehn Jahre lang im dänischen Kollund auf. Dort baute er den Kollund-Verlag auf, der revisionistisches Material in alle Welt versandte. Er selbst ließ sich in zwei Videofilmen portraitieren, in denen er behauptete, es sei ein Privileg für die Häftlinge gewesen, in Auschwitz untergebracht zu sein. Sie seien dort hervorragend versorgt worden und hätten jederzeit Gelegenheit gehabt, sich ihrem Beruf entsprechend zu Arbeitseinsätzen abkommandieren zu lassen.

Im Strafverfahren gegen Ernst Zündel in Kanada trat Christophersen als Zeuge auf. Im Film „Die Auschwitz-Lüge und ihre Folgen“ war sein Interviewpartner Zündel. Der Film ist zeitgleich entstanden mit dem Ernst Zündel portraitierenden Film „Die Folgen der Auschwitz-Lüge für Ernst Zündel“, in welchem Christophersen Zündel interviewt.

Seine Zeitschrift „Die Bauernschaft“ unterlag mehrmals der Beschlagnahme, zuletzt 1994. 1995 übernahm Ernst Zündel von Kanada aus den Vertrieb dieser Publikation, stellte sie aber bereits ein Jahr später endgültig ein.

Im selben Jahr siedelte Christophersen in die Schweiz über, wurde dort aber 1996 ausgewiesen.

Christophersen starb am 13. Februar 1997 in Molfsee bei Kiel in der Nähe seiner Familie im Hause eines Freundes, der ihn versteckte, nachdem er durch Brandanschläge auf sein Haus aus Dänemark fliehen musste.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. „Revisionismus“ und das Konzentrationslager Mauthausen, DÖW: Bailer-Galanda, Lasek, Schiedel, Seite 137.
  2. Personen, die der Waffen-SS nur vorübergehend überstellt wurden, erhielten bei ihrer dortigen Dienstzugehörigkeit eine vorläufige SS-Nummer zugeteilt. So wurde Beispielsweise Karl von Krempler, einem SS-Standartenführer der Reserve, die SS-Nummer 487.625V zugeteilt. Das „V“ zeigt an, dass es sich hierbei um eine vorläufige Mitgliedschaft in der Schutzstaffel handelt.
  3. Dokumentation „Die Wahrheit macht frei“, Schweden 1991
  4. Artikel zur „Auschwitzlüge“ auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung
  5. Bundeswehr will im Fall Roeder hart durchgreifen, Die Welt, 8. Dezember 1997

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