Thomas Edward Lawrence


Thomas Edward Lawrence
T. E. Lawrence in Palästina, aufgenommen zwischen 1920 und 1925
Lawrence House, ursprünglich Gorphwysfa (walisisch) genannt, das Geburtshaus von T. E. Lawrence
Col. T. E. Lawrence, Emir Abdullah, Air Marshal Sir Geoffrey Salmond, H.B.M. high commissioner, Sir Herbert Samuel, Sir Wyndham Deedes und andere in Palästina, 1920/25
14 Barton Street, London S.W.1, in dem Lawrence lebte, während er Seven Pillars of Wisdom schrieb

Thomas Edward Lawrence (* 16. August 1888 in Tremadoc, Wales; † 19. Mai 1935 in Clouds Hill, England), bekannt als Lawrence von Arabien, war britischer Archäologe, Geheimagent und Schriftsteller. Bekannt wurde Lawrence vor allem durch seine Beteiligung an dem von den Briten forcierten Aufstand der Araber gegen das Osmanische Reich während des Ersten Weltkrieges.

Inhaltsverzeichnis

Frühe Jahre

T. E. Lawrence wurde im Gorphwysfa house in Tremadoc, Caernarfonshire (heute Gwynedd), Nord Wales geboren. Sein englisch-irischer Vater war Sir Thomas Robert Tighe Chapman, der Siebte Baronet of Westmeath. Sarah Junner, Lawrence' Mutter, stammte aus Sunderland, County Durham (Schottland), und gilt als die illegitime Tochter von John Lawrence, weshalb sie sich Miss Lawrence nannte. Sarah Junner kam Ende der 1870er Jahre in den Haushalt der Chapmans und war die ehemalige Kinderfrau von Chapmans Ehefrau Edith. Seine Eltern blieben daher unverheiratet und hatten fünf gemeinsame Söhne; Thomas Edward war der zweitälteste.[1][2]

Bereits im Alter von 21 Jahren (also 1909) reiste Lawrence als Student der Geschichte der Universität Oxford wochenlang zu Fuß und allein durch Syrien und Palästina, um die Architektur von Kreuzfahrerburgen zu erforschen. Von 1911 bis 1914 war er an Ausgrabungen in Karkemisch am oberen Euphrat beteiligt und erlernte dabei die arabische Sprache. Im Norden Syriens entstand seine schwärmerische Liebe zu den Beduinen, einer, wie er empfand, großen Nation. Im Januar 1914 schloss er sich einer vom Palestine Exploration Fund geführten kartographischen und archäologischen Expedition durch den nördlichen Sinai an, die auch der strategischen Auskundschaftung durch den britischen Geheimdienst diente.

Erster Weltkrieg und Arabische Revolte

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges und dem Kriegseintritt des Osmanischen Reiches gehörte Lawrence seit Dezember 1914 dem britischen Nachrichtendienst in Kairo an. Im Juni des Jahres 1916 zettelte Scherif Hussein, der Emir von Mekka, mit seinen Söhnen einen Aufstand gegen den osmanischen Sultan der arabischen Halbinsel an. Scherif Hussein wurde von den Engländern mit Geld und Militärberatern unterstützt.

Aufgrund seiner Orts- und Sprachkenntnisse wurde Leutnant Lawrence als Verbindungsmann ausgewählt und an den Ort des Geschehens gesandt. Rasch avancierte er zu einer der Schlüsselfiguren des arabischen Unabhängigkeitskampfes, nicht zuletzt durch einen engen, von gegenseitigem Respekt getragenen Kontakt zu Faisal I., einem der Söhne des Emirs. Ohne besondere Militärerfahrung entwickelte Lawrence in kurzer Zeit für die schlecht organisierten Beduinen, die für offene Feldschlachten zu schwach waren, eine Strategie des Guerillakrieges. Dieser beschränkte sich im Wesentlichen auf Überraschungsangriffe auf kleinere osmanische Militärposten und Sprengstoffanschläge auf die Hedschasbahn, einer Eisenbahnlinie von Damaskus bis Medina sowie auf Anschläge auf die Wasserversorgung am Jamur. Diese Nadelstichaktionen schwächten und demoralisierten die osmanische Armee nachhaltig und führten im Juli 1917 zur Einnahme der Hafenstadt Akaba. Der vorherigen Eroberung von Al Wajh im Januar 1917, der Hafenstadt auf halbem Wege nach Aqaba, kam dabei eine entscheidende Bedeutung zu - sie wurde zum Wendepunkt im Feldzug gegen die Osmanen unter Cemal Pascha. Lawrence ließ nach seinem Eintreffen Al Wajh zum Hauptstützpunkt für Faisal I. ausbauen. Am 1. Oktober 1918 fiel Damaskus an die arabischen Rebellen, am gleichen Tag marschierten auch die britischen Streitkräfte in die Stadt ein. Nach dem Waffenstillstand zog sich Lawrence, seelisch und körperlich erschöpft, aus seiner Sonderrolle bei den Arabern zurück. Ihn plagten schwere Schuldgefühle, hatte er doch die ganze Zeit über gewusst, dass der nördliche arabische Raum nach dem Krieg gemäß dem Sykes-Picot-Abkommen von 1916 in englische und französische Einflusszonen aufgeteilt werden sollte.

Nachkriegsjahre

Lawrence lehnte in der Folge Auszeichnungen und hohe Posten kategorisch ab. Er setzte sich bei der Friedenskonferenz von Paris im Jahr 1919 sowie noch einmal im Jahr 1921 in Kairo als Berater von Churchill für die Unabhängigkeitsbestrebungen seiner arabischen Freunde ein, freilich nur mit mäßigem Erfolg. Seine Ansichten macht folgendes Zitat deutlich:

„Die Geschichte auf diesen Seiten ist nicht die Geschichte der arabischen Bewegung, sondern die meiner Beteiligung daran. Es ist die Erzählung des täglichen Lebens, unbedeutender Geschehnisse kleiner Menschen. Hier gibt es keine Lektionen für die Welt, keine Enthüllungen, um die Menschen zu schockieren. Sie ist voll von trivialen Dingen, zum Teil deshalb, daß niemand die Überreste, aus denen ein Mann eines Tages Geschichte machen könnte, fälschlich für Geschichte hält, und zum Teil wegen des Vergnügens, das ich bei der Erinnerung an meine Beteiligung an dieser Revolte hatte. Wir alle waren überwältigt, wegen der Weite des Landes, des Geschmacks des Windes, des Sonnenlichts und der Hoffnungen, für die wir arbeiteten. Die Morgenluft einer zukünftigen Welt berauschte uns. Wir waren aufgewühlt von Ideen, die nicht auszudrücken und die nebulös waren, aber für die gekämpft werden sollte. Wir durchlebten viele Leben während dieser verwirrenden Feldzüge und haben uns selbst dabei nie geschont; doch als wir siegten und die neue Welt dämmerte, da kamen wieder die alten Männer und nahmen unseren Sieg, um ihn der früheren Welt anzupassen, die sie kannten. Die Jugend konnte siegen, aber sie hatte nicht gelernt, den Sieg zu bewahren; und sie war erbärmlich schwach gegenüber dem Alter. Wir dachten, wir hätten für einen neuen Himmel und für eine neue Welt gearbeitet, und sie dankten uns freundlich und machten ihren Frieden.“

T.E. Lawrence: Die sieben Säulen der Weisheit, Seite 850

Danach versteckte er sich 1923 - vermittelt durch einen Freund im Kriegsministerium, Sir Philip Chetwode - unter dem falschen Namen T. E. Shaw in der englischen Luftwaffe, wo er bis zu seiner Verabschiedung im Jahr 1935 als einfacher Soldat diente. Bis zuletzt wurde er von der Öffentlichkeit verfolgt, die seinen Wunsch nach Anonymität nicht respektierte. Lawrence fuhr am 13. Mai 1935 in der Nähe von London mit seinem Motorrad zum Bovington Postamt, um ein Paket Bücher zu seinem Freund Henry Williamson zu schicken. Auf dem Weg zurück zu seinem Haus kam er bei dem Versuch, einen Zusammenstoß mit zwei jungen Radfahrern zu vermeiden, von der Straße ab und wurde von seiner Maschine geworfen. Er erlitt schwerste Kopfverletzungen, lag sechs Tage im Koma und starb am 19. Mai 1935 im Alter von 46 Jahren. Das Motorrad war eine Brough Superior Model SS100 Baujahr 1932 mit dem Kennzeichen GW 2275 und entgegen vielen Gerüchten kein Geschenk seines Freundes George Bernard Shaw. Er wurde am 21. Mai 1935 auf dem neuen Kirchhof der Moreton Kirche begraben. Der Grabstein wurde von seiner Mutter und seinem älteren Bruder Bob ausgewählt. Der Stein trägt das Motto der Oxford Universität: 'Dominus illuminatio mea' (der Herr ist mein Licht). In der St. Martin's Church, Wareham, Dorset, wurde nach seinem Tod von seinem Freund Eric Kennington ein Grabmal mit einem Bildnis von Lawrence in arabischer Kleidung aufgestellt.

Heroisierung

Der amerikanische Journalist Lowell Thomas besuchte seit 1917 verschiedene Kriegsschauplätze. Lawrence erwirkte für ihn und den Kameramann Chase die Erlaubnis, bei Faisals Truppen zu recherchieren. Ab 1919 trat Thomas mit einem abendfüllenden Filmvortrag über Allenbys Feldzug und den Arabischen Aufstand auf. Die Vorführung wurde von Militärkapellen und Schleiertänzen begleitet. Thomas präsentierte Lawrence als „Sherif“, „Fürsten von Mekka“ und „ungekrönten König Arabiens“ und hielt den Vortrag insgesamt 2.000 mal in den USA, Großbritannien und Australien. 1924 veröffentlichte Thomas sein Material unter dem Titel „Lawrence and the Arabs“. 1927 erschien ein Lawrence-Buch von Robert Graves, 1934 eines von Liddell Hart.

Auf diese Art wurde Lawrence schon zu Lebzeiten zum Mythos. Seinen umfangreichen Bericht über den arabischen Aufstand, dessen Manuskript er z.T. in Ägypten 1919 verlor und dessen Rest ihm in England gestohlen wurde, musste er erneut schreiben. Es wurde 1926 unter dem Titel The Seven Pillars of Wisdom (dt. Die sieben Säulen der Weisheit) veröffentlicht und zu einem Klassiker der Weltliteratur. Zwanzig Jahre nach seinem Tod erschien sein anklagendes Buch The Mint (Unter dem Prägestock), in dem er sein Leben als Soldat verarbeitete und ein leidenschaftliches Bekenntnis für den Frieden ablegte.

Zu einem Klassiker wurde das bildmächtige Wüstenepos Lawrence von Arabien von David Lean aus dem Jahr 1962 mit Peter O’Toole in der Hauptrolle, Alec Guinness als Faisal, sowie Anthony Quinn und Omar Sharif. Der Film erhielt sieben Oscars und war für drei weitere nominiert. Der Film bindet die Legende „Lawrence von Arabien“ in das historische Umfeld ein, stellt aber gleichzeitig eine freie Bearbeitung sowohl von Lawrence' Bericht als auch der historischen Ereignisse dar.

Siehe auch

Werke (Auswahl)

  • Aufstand in der Wüste („Revolt in the desert“). Olms, Hildesheim 1988, ISBN 3-487-08300-0 (Repr. d. Ausg. Leipzig 1935)
  • Die sieben Säulen der Weisheit („Seven Pillars of Wisdom“). Dtv, München 2003, ISBN 3-423-01456-3
  • Unter dem Prägestock („The mint“). List, München 1994, ISBN 3-471-78047-5.
  • The Wilderness of Zin (Archaeological Report) Palestine Exploration Fund Annal 1914-1915, London, written by C.L. Woolley and T.E. Lawrence; Lawrence's first work to appear in book form

Literatur

  • Lowell Thomas: With Lawrence in Arabia. London 1924
  • Robert Graves: Lawrence and the Arabs. London 1927
  • Richard Aldington: Lawrence of Arabia. London 1955. Deutsch: Der Fall Lawrence. Verlag Hermann Rinn, München o.J.
  • Liddell Hart: T.E.Lawrence. 1934
  • Desmond Stewart: Lawrence von Arabien. Magier und Abenteurer. Heyne, München 1991, ISBN 3-453-55093-5.
  • Jeremy Wilson: Lawrence von Arabien. Die Biographie. 3. Aufl.. List, Berlin 2004, ISBN 3-548-60530-3.
  • Malcolm Brown: Lawrence von Arabien. Bilder einer Legende. Nicolai Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-8947-9248-5 (Rezension in der NZZ vom 1.6.2006, Perlentaucher)
  • Ina Grünjes: Lawrence von Arabien. Don Quichotte und Kreuzfahrer? Die Konstruktion von T. E. Lawrence als Mann des Mittelalters in der Neuzeit. Edition Trafo, Berlin 2006, ISBN 3-89626-598-9.

Einzelnachweise

  1. Jeremy Wilson: T. E. Lawrence: family history, The Authorised Biography, Appendix 1
  2. Lawrence T. E. Archives auf RootsWeb

Weblinks


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