Thomsenolith


Thomsenolith
Thomsenolith
Thomsenolite and Ralstonite - Ivittuut, Arsuk Firth, Kitaa. West Greenland.jpg
Thomsenolith-"Obelisken" mit einigen pseudo-kubischen Ralstonit-Kristallen (Bildmitte); Fundort: Ivittuut, Kitaa, West Grönland
Chemische Formel NaCa[AlF6] • H2O
Mineralklasse Fluoride
3.CB.40 (8. Auflage: III/C.02-20) (nach Strunz)
11.06.06.01 (nach Dana)
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse monoklin-prismatisch \ 2/m [1]
Farbe farblos, weiß, rötlich, bräunlich
Strichfarbe weiß
Mohshärte 2
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,981 ; berechnet: 2,986 [1]
Glanz Glasglanz bis Perlglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch spröde
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}; deutlich nach {110}
Habitus
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,407 ; nβ = 1,414 ; nγ = 1,415 [2]
Doppelbrechung
(optische Orientierung)
δ = 0,008 [2] ; zweiachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Ähnliche Minerale Pachnolith, Yaroslavit

Thomsenolith ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Fluoride“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung NaCa[AlF6] • H2O[3] und entwickelt meist tafelige bis prismatisch-nadelige Kristalle, selten auch radialstrahlige, stalaktitische oder massige Mineral-Aggregate und krustige Überzüge.

Inhaltsverzeichnis

Besondere Eigenschaften

Reiner Thomsenolith ist farblos oder bei mikrokristalliner Ausbildung bzw. durch Gitterbaufehler weiß. Er kann jedoch durch Fremdbeimengungen wie z.B. verschiedene Eisenoxide von rötlicher oder bräunlicher Farbe sein.

Etymologie und Geschichte

Erstmals gefunden wurde Thomsenolith 1868 in der Kryolith-Lagerstätte bei Ivittuut (Kitaa) in West Grönland und beschrieben durch James Dwight Dana, der das Mineral zu Ehren des dänischen Chemikers Hans Peter Jørgen Julius Thomsen nach ihm benannte.

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) gehört der Thomsenolith noch zur Abteilung der „wasserhaltigen Doppelhalogenide“ ohne weitere Unterteilungen, wo er zusammen mit Pachnolith und Yaroslavit eine eigene Gruppe bildet.

Seit der 2001 erfolgten Umstrukturierung und teilweisen Neudefinition der Klassen in der 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ist das Mineral in der neuen Abteilung der „Komplexen Halogenide“ und dort in der Unterabteilung der „Insel-Aluminofluoride (Neso-Aluminofluoride)“ zu finden, wo es nur noch zusammen mit Pachnolith die unbenannte Gruppe 3.CB.40 bildet.

Die im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Thomsenolith ebenfalls in die Klasse der Halogenide, dort allerdings in die Abteilung der „Komplexen Halogenide - Aluminiumfluoride mit verschiedenen Formeln“, wo das Mineral als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 11.6.6 bildet.

Modifikationen und Varietäten

Die chemische Verbindung NaCa[AlF6] • H2O ist dimorph. Neben dem Thomsenolith besteht auch der Pachnolith aus den gleichen chemischen Elementen und kristalliert ebenfalls im monoklinen Kristallsystem, jedoch in einer anderen Raumgruppe (F2/d)

Bildung und Fundorte

Thomsenolith bildet sich sekundär als Verwitterungsprodukt von Kryolith oder anderen Alkali-Aluminium-Fluoriden in granitischen Pegmatiten. Neben Kryolith und Pachnolith findet sich das Mineral auch in Paragenese mit Ralstonit, Chiolith, Kryolithionit, Elpasolith, Sellait und Fluorit.

Weltweit konnte Thomsenolith bisher neben seiner Typlokalität, der Kryolith-Lagerstätte bei Ivittuut in Grönland, noch an knapp 20 Fundorten (Stand: 2010) nachgewiesen werden: In der „Demix-Varennes-Grube“ bei Saint-Amable im kanadischen Québec; in den Schlackenfeldern bei Thorikos in Griechenland; am Eldfell in Island; bei „Werchneje Espe“ im Tarbagatai-Gebirge in Ostkasachstan; bei Jos (Plateau) in Nigeria; bei Gjerdingselva (Gjerdingen) in Marka (Norwegen); in mehreren Regionen von Ostsibirien und am Ural in Russland; im „Perzhanskoe Erzfeld“ im ukrainischen Oblast Schytomyr; sowie in einigen Regionen der USA.[4]


Kristallstruktur

Thomsenolith kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c mit den Gitterparametern a = 5,563 Å; b = 5,541 Å; c = 16,115 Å und β = 96,35° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b Handbook of Mineralogy - Thomsenolite (englisch, PDF 70,7 kB)
  2. a b Mindat - Thomsenolite (englisch)
  3. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 5. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2008, ISBN 3-921656-17-6.
  4. Mindat - Localities for Thomsenolite

Literatur

Weblinks

 Commons: Thomsenolite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Pachnolith — aus Ivittuut, Grönland Chemische Formel CaNaAlF6 · H2O Mineralklasse Halogenide 3.CB.40 (8. Auflage: 3/C.02 10) (nach Strunz) 11.06.05.01 …   Deutsch Wikipedia

  • Julius Thomsen — Hans Peter Jørgen Julius Thomsen (* 16. Februar 1826 in Kopenhagen; † 13. Februar 1909) war ein dänischer Chemiker. Thomsen war von 1866 bis 1891 Professor für Chemie an der Universität Kopenhagen. Er arbeitete vor allem über Thermochemie …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Minerale — Die Liste der Minerale ist eine alphabetisch geordnete Übersicht von Mineralen, Synonymen und bergmännischen Bezeichnungen. Ebenfalls aufgeführt werden hier Mineral Varietäten, Mineralgruppen und Mischkristallreihen, zu denen teilweise bereits… …   Deutsch Wikipedia

  • Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) — Dies ist eine systematische Liste aller Minerale auf der Grundlage der Systematik von Hugo Strunz und anerkannt durch die International Mineralogical Association (IMA) (Stand 2004). Seit 2001 gilt die neue und in weiten Teilen überarbeitete… …   Deutsch Wikipedia

  • Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) — Dies ist eine systematische Liste aller zur Zeit bekannten Minerale (Stand 2008) auf der Grundlage der neuen Systematik (9. Auflage) von Hugo Strunz, die größtenteils auch von der International Mineralogical Association (IMA) als eigenständige… …   Deutsch Wikipedia

  • Acuminit — Andere Namen IMA 1986 038 Chemische Formel Sr[AlF4(OH)] • H2O Mineralklasse Halogenide 3.CC.10 (8. Auflage: C.1 20 (nach Strunz) 11.06.17.01 (nach Dana) Kristallsystem monoklin …   Deutsch Wikipedia

  • Elpasolith — Chemische Formel K2Na[AlF6] Mineralklasse Halogenide 3.CB.15 (8. Aufl.: III/B.03 40) (nach Strunz) 11.6.2.1 (nach Dana) Kristallsystem kubisch Kristallklasse kubisch hexakisoktaedrisch …   Deutsch Wikipedia


We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.