Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada


Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada
Filmdaten
Deutscher Titel: Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada
Originaltitel: The Three Burials of Melquiades Estrada
Produktionsland: USA, Frankreich
Erscheinungsjahr: 2005
Länge: 117 Minuten
Originalsprache: Englisch, Spanisch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Tommy Lee Jones
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Produktion: Luc Besson, Michael Fitzgerald, Pierre-Ange Le Pogam, Tommy Lee Jones
Musik: Marco Beltrami
Kamera: Chris Menges
Schnitt: Ludo Troch
Besetzung
  • Tommy Lee Jones: Pete Perkins
  • Barry Pepper: Mike Norton
  • Julio Cedillo: Melquiades Estrada
  • Dwight Yoakam: Sheriff Belmont
  • January Jones: Lou Ann Norton
  • Melissa Leo: Rachel
  • Vanessa Bauche: Mariana
  • Levon Helm: Alter Mann mit Radio
  • Mel Rodriguez: Captain Gómez
  • Cecilia Suárez: Rosa
  • Ignacio Guadalupe: Lucio

Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada ist ein amerikanisches Drama von Tommy Lee Jones aus dem Jahr 2005. Es ist Jones’ Debütfilm, in dem er neben Barry Pepper, Julio Cedillo und Dwight Yoakam eine der Hauptrollen spielt.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Der überambitionierte Mike Norton, der aus Cincinnati versetzt worden ist, nimmt seine Arbeit als Grenzpolizist sehr ernst. Somit spielt es für ihn keine Rolle, wie sich seine Frau Lou Ann Norton in der langweiligen neuen Umgebung in Texas an der Grenze zu Mexiko fühlt. Selbst beim Geschlechtsverkehr zeigt er keine besondere Leidenschaft oder Gefühle für seine Partnerin. Es herrschen Ordnung und Disziplin.

Melquiades Estrada, ein illegaler mexikanischer Einwanderer, hat sich ein bescheidenes Leben als Rancharbeiter in Texas aufgebaut. Als eines Tages seine kleine Herde von Ziegen durch Kojoten bedroht wird, schießt er auf sie.

Norton, der sich zur gleichen Zeit oben in den Bergen seine Zeit mit einer Ausgabe des Hustler vertreibt, vermutet einen Angriff auf sich und schießt aus großer Distanz zurück. Dabei tötet er den etwa gleichaltrigen Melquiades mit genau einer Kugel. Schnell wird ihm die eigentliche Situation bewusst und er begräbt Melquiades, ohne jemandem etwas davon zu erzählen, notdürftig mitten in der Wüste.

Ein fataler Fehler, der ihn fast noch das Leben kosten wird – allerdings nicht, weil ihm der örtliche Sheriff Belmont auf die Spuren gekommen wäre. Dieser kümmert sich wenig um die Aufklärung des Verbrechens, denn das Opfer war für ihn nur ein weiterer illegaler Einwanderer. Deshalb machte er sich nicht die Mühe, die Familienangehörigen zu suchen. Die von Kojoten angefressene Leiche wird anonym in einem Armengrab beerdigt.

Hinweise, dass er von der U.S. Border Patrol (Grenzpolizei) getötet worden ist, werden von Belmont ignoriert, um Ärger zwischen der regulären Polizei und den Grenzpolizisten zu vermeiden. Norton geht währenddessen vergleichsweise unbekümmert seiner Arbeit nach. Doch er hat nicht mit Pete, dem einsilbigen älteren Vorarbeiter und besten Freund von Melquiades gerechnet, der herausfindet, dass Norton der Mörder war. Pete entführt Norton und zwingt ihn, Melquiades Körper aus dem Armengrab zu exhumieren.

Es geht ihm dabei nicht nur um sein Versprechen, im Falle eines Unglücks in den USA den Freund in dessen Heimatstadt Jiménez in Mexiko zu beerdigen, sondern auch um Respekt für die mexikanischen Einwanderer, und mehr um Trauer als um Wut. Pete und Norton machen sich mit zwei Pferden und zwei Maultieren in Richtung Süden auf den Weg, um Melquiades Estrada in seiner Heimat ein drittes Mal bestatten zu können – nicht ohne ihn vorher zu kalken.

Für Sheriff Belmont steht fest, dass Pete Norton entführt hat, und er begibt sich mit dem Ziel auf die Verfolgung, Pete zu erschießen, da der ihm schon lange ein Dorn im Auge war (sie schlafen mit derselben Frau). Bei der Verfolgung des Trios bekommt ihn Sheriff Belmont kurz ins Fadenkreuz, lässt die Gelegenheit aber verstreichen.

Auf dem Weg zur Grenze durch die trockene Landschaft haben Pete und Norton eine Reihe von surrealen Begegnungen. Das Packmaultier mit den Vorräten fällt in einen Canyon. Mit der Leiche im fortgeschrittenen Verfallsstadium sitzen sie am Lagerfeuer, bekommen es mit Ameisen zu tun, und müssen Melquiades kurz in Brand stecken. Sie verbringen einen Nachmittag mit einem alten, blinden Amerikaner, der kaum noch etwas zu essen hat und ausschließlich mexikanisches Radio hört, obwohl er kein Spanisch versteht. Da es niemanden mehr gibt, der sich um ihn kümmert, möchte er nicht mehr leben, doch um Gott nicht zu beleidigen kann er keinen Selbstmord begehen. Deshalb bittet er Pete, ihn zu erschießen, doch der bringt es nicht übers Herz und lässt den alten Mann wieder alleine. Vor der Abreise füllt er die bald mumifizierte Leiche mit Frostschutzmittel.

Norton hält die strapaziöse Reise körperlich und psychisch nicht mehr aus, versucht zu entkommen und wird kurz darauf von einer Klapperschlange gebissen. Er wird von einer Gruppe illegaler Einwanderer entdeckt und bald stößt auch wieder Pete dazu. Um seine Reise mit Norton fortsetzen zu können, vereinbart er mit dem Führer der Mexikaner, sie im Tausch gegen Nortons Pferd über den Fluss nach Mexiko zu bringen und den Schlangenbiss von einer Naturheilkundigen behandeln zu lassen. Norton muss seinen Platz auf dem Maultier mit der Leiche teilen.

Bei der Heilkundigen handelt es sich um eine Frau, die Norton einige Tage zuvor bei ihrer Flucht nach Texas zusammengeschlagen hat, aber Pete bittet sie, Norton dennoch das Leben zu retten. Dies gelingt, doch aus Rache bricht sie ihm die Nase und verbrüht ihn mit heißem Kaffee.

Als es Norton wieder besser geht, schleift Pete ihn weiter, und sie erreichen eine kleine Stadt, die in der Nähe von Jiménez liegen soll. Niemand in der Stadt hat aber jemals etwas von dem Dorf gehört oder erkennt Melquiades auf dem mitgebrachten Foto. Etwas mehr Glück hat Pete bei der Suche nach der Frau von Melquiades, die auch auf dem Foto zu sehen ist. Doch diese sagt, sie hätte noch nie etwas von Melquiades Estrada gehört und lebt seit Jahren mit Ehemann und Kindern in der Stadt. Ob sie dies vorgibt, um keinen Ärger zu bekommen bzw. mit der vorigen Geschichte abgeschlossen haben möchte oder es der Wahrheit entspricht und Melquiades sich alles nur einbildete, bleibt offen.

Pete sucht dennoch auf der Grundlage von Melquiades vagen Beschreibungen in der Einöde weiter nach einem Ort „gefüllt mit Schönheit“. Irgendwann finden sie ein zerstörtes Haus mitten im Nirgendwo, bei dem es sich nach Ansicht Petes um Jiménez handelt. Die Geschichten von Melquiades entsprangen seinen Wunschträumen. Die beiden reparieren die Wände und das Dach und begraben Melquiades Estrada (wenn das sein richtiger Name ist) zum dritten und letzten Mal.

Pete verlangt von Norton, einem Foto von Melquiades´ angeblicher Familie zugewandt, um Vergebung für die Tötung zu bitten. Nachdem Norton dies getan hat, schläft er neben dem Grab ein. Am nächsten Morgen überlässt Pete sein Pferd Norton und reitet auf dem Maultier davon.

Hintergrund

  • Im Winter 2001 hatte Tommy Lee Jones den Drehbuchautor Guillermo Arriaga beauftragt, eine Geschichte zu schreiben, die im Grenzland zwischen Texas und Nord Chihuahua, Mexiko spielt. Er gab ihm keine besonderen Vorgaben zu Geschichte oder Figuren, sondern lediglich einige Anekdoten über Verbrechen und Ungerechtigkeit. [1]
  • Tommy Lee Jones ist in Westtexas aufgewachsen und besaß in den Davis Mountains lange Zeit selbst eine Rinderfarm. [1]
  • Die chronologische Erzählweise ist im Film durch drei Zeitebenen, Perspektivwechsel und narrative Sprünge aufgehoben. [1]
  • Es wurde von Ende September bis Anfang Dezember 2004 gedreht. Diese 43 Drehtage fanden vor allem in der Nähe der Stadt Van Horn, in den umliegenden Davis Mountains und am Big Bend (in der Nähe der mexikanischen Grenze) statt. [1]
  • Die meisten mexikanischen Schauspieler wurden auch im Norden Mexikos gecastet. [1]
  • Die Premiere fand am 20. Mai 2005 in Cannes auf dem Filmfestival statt. [2] Der Kinostart in Deutschland war der 8. November 2007, da der Film in Deutschland trotz seiner Auszeichnungen zunächst keinen Verleih gefunden hatte; in der Schweiz kam der Film bereits im Januar 2006 in die Kinos. [3] Bereits am 6. Dezember 2007 erschien die DVD im Handel.

Kritiken

  • Der Tagesspiegel, 5. April 2007:
    „Three Burials“, dieses wie aus der Zeit gefallene Mosaik, wirkt zunächst wie das sparsam skizzierte Sozialporträt einer Grenzstadt. Dann aber bemächtigt sich das südtexanische Niemandsland – im Western-Genre schon immer ein Terrain des Durchgangs und der Verwirrung – der Figuren, saugt sie förmlich auf und gibt ihnen eine Bestimmung. Das ist grandios erdacht und mit strenger Melancholie in Szene gesetzt. Wobei das Gleichnishafte, dass dem zunehmend absurden Läuterungsweg der Hauptfiguren innewohnt, dem Film dann doch die grimmige Schärfe nimmt. Trotzdem: Schon seltsam, dass der Film, in Cannes 2005 mit einem Darstellerpreis für Tommy Lee Jones und einer Ehrung fürs Drehbuch bedacht, deutschlandweit keinen Verleih gefunden hat. [4]
  • die tageszeitung, 4. April 2007:
    Vergebung und Vergeltung sind die beiden großen Themen, die Tommy Lee Jones Regiedebüt seelenruhig umkreist wie ein Aasgeier seine Beute. In „The Three Burials of Melquiades Estrada“ verschlägt es den Zuschauer tief in Sam-Peckinpah-Country. Lange nicht mehr hat eine Filmkamera die Gegend um den Rio Grande mit solch visueller Klarheit eingefangen. Für diese Bilder wurde das Cinemascope-Format entwickelt: Staubig, zerklüftet und auf unwirtliche Weise erhaben erstreckt sich die felsige Wüste bis an die Begrenzungen des Blickfeldes. Nur manchmal lassen die Verwerfungen der Landschaft kleine Wunder der Natur zu,wie die Sonnenblumenwiese, durch die ein Flüchtender getrieben wird. [5]
  • DER SPIEGEL, 20. Mai 2005:
    „Three Burials“ ist eine echte Festivalentdeckung, die voller grandios komischer Szenen und skurriler Figuren steckt. Allein der schauspielernde Countrysänger Dwight Yoakam als neurotischer Polizeichef, der Schussangst hat und bei der drallen Kellnerin keinen Ständer kriegt, ist ein unvergessliches Original. Einziger Wermutstropfen: Die Teilnahme am Debütanten-Wettbewerb Caméra d'Or wurde Tommy Lee Jones verweigert, da „Three Burials“ zwar sein erster Kinofilm ist, er zuvor aber bereits bei einer TV-Produktion Regie geführt hat. Kleinkrämerei à la Cannes. [6]
  • Philadelphia Weekly, 8. Februar 2006:
    […] vielleicht der süßeste Film über einen Ausflug mit einer verrottenden Leiche, den ich bisher gesehen habe. […] ein jedes Leben sollte mit Würde und Respekt behandelt werden, auch wenn man sie dafür erst wieder aus dem Boden holen muss, um das zu bewerkstelligen. [7]

Auszeichnungen

Der Film war 2005 im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes vertreten, wo er den Preis für das Beste Drehbuch sowie für den Besten Darsteller (Tommy Lee Jones) bekam. Außerdem war der Film für die Goldene Palme nominiert. Tommy Lee Jones’ Western erhielt jeweils vier Nominierungen bei den Independent Spirit Awards 2006 und ging leer aus.

Einzelnachweise

  1. a b c d e Presseheft des Films als PDF unter Produktionsnotizen
  2. moviemaze.de
  3. Filmkritik auf angelaufen.de
  4. Man stirbt nur dreimal, Das Regiedebüt von Tommy Lee Jones Der Tagesspiegel zum Film
  5. Die vielen Tage der reitenden Leiche taz-Artikel zum Film
  6. Croisette-Cowboys in der Krise DER SPIEGEL zum Film
  7. Sean Burns: Tommy Boy. In: Philadelphia Weekly. 8. Februar 2006.: „[…] probably the sweetest movie I've ever seen about taking a road trip with a rotting corpse. […] every person's life should be treated with honor and respect, even if you've got to dig 'em out of the ground to do so.“. Abgerufen am 13. April 2008. (englisch)

Weblinks


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