Tobel


Tobel
Das sieben Kilometer lange Welschtobel bei Arosa
Großwalsertal („durchtobelte Tobellandschaft“) mit Seewaldsee, seltsam am Grat liegend

Ein Tobel (der, in der Schweiz, den südlichen Walsertälern des Piemont, Vorarlberg und weiteren Gebieten Österreichs das) ist ein trichterförmiges Tal mit einem engen, schluchtartigen Ausgang.

Inhaltsverzeichnis

Namenkunde

Das Wort ist romanischen Ursprungs, und wird dem alemannischen Sprachkontinuum zugeordnet.[1]

Der schweizerische Flurnamenforscher Paul Zinsli leitet in seinem Buch Ortsnamen die Herkunft des Namens von tubale aus lateinisch tubus (‚Röhre‘) ab. Die alemannischen Einwanderer sollen diesen vulgär-lateinischen Namen von der ansässigen romanischen Bevölkerung als Lehnwort übernommen haben.[2]

Vielerorts wird anstatt Tobel auch Dobel geschrieben. Der Ausdruck Tobel/Dobel wird häufig im westlichen Alpenvorland verwendet, insbesondere in der Ostschweiz, in Oberschwaben, im Allgäu, Vorarlberg und westlichen Tirol. Sehr zahlreich ist der Name im Schwarzwald vertreten, wo auch mehrere Siedlungen den Namen tragen; dagegen ist er auf der Schwäbischen Alb nur vereinzelt anzutreffen. Auf Rätoromanisch wird der Tobel auch als Tavon bezeichnet, woher sich der Name Montafon für eine große Talschaft in Vorarlberg ableitet. In Südtirol findet sich noch Toblach (Tobel-Ache).

Der Hölltobel am Ausgang des Dietersbachtals (Allgäu)

Teilweise geht der Name vom Trichtertal auf nur die Talschlucht selbst über. Umgekehrt werden im alemannischen Kernbereich Täler ‚Tobel‘ genannt, zu denen man im Ostalpenraum ‚Hochtal‘ oder als Flurname schlicht ‚Hintertal‘ sagt.

Als geomorphologischer Fachbegriff wurde das Wort schon um 1850 von Schaubach eingeführt.[3]

Entstehung und geomorphologische Phänomene

Der Tobel ist die Landform eines mehr oder minder sanften Hochtals im Gebirge, mit einem Durchbruchstälchen eines Sturzbaches. Durch das größere Einzugsgebiet und das starke Gefälle des Gewässers, und den damit verbundenen Gerölltransport, unterscheidet sich ein Tobel von anderen Schluchtformen, etwa der Klus.

Tobelbildung ist typisch für weichere Gesteine, im besonderen gebankte Schichtungen mit härteren Einlagerungen, durch die entlang einer wasserführenden Runse oder im Oberlauf von Gebirgsbächen ein scharfer Einschnitt entsteht, während flussaufwärts eher gleichmäßig erodierte Schutthänge vorherrschen. Tobel finden sich daher beispielsweise in den Nordalpen vornehmlich in der Molassezone und Flyschzone zwischen Hochrhein und Donau. Manche Tobel gehen auch auf plötzliche Schmelzwasserbäche aus eiszeitlichen Gletschern zurück. Dabei stellt der Tobel selbst keine primär glazialmorphologische Form da, ist also meist nicht eiszeitlich überprägt, sondern postglazial – oder periglazial eisfrei gewesen. In kompakterem Material bildet sich stattdessen als Gletschererosion das Kar aus, ebenfalls ein trichterförmiges Tal, das sich aber entweder abflusslos (endorheisch) mit Karsee darstellt oder in Wasserfällen überläuft. Im Kalkgestein bilden sich stattdessen Dolinen und ähnliche Talformen.

Der Durchbruch des Tobels ist typischerweise V-förmig ausgebildet, wobei die gegenüberliegenden Flanken je nach Gesteinshärte unterschiedliche Neigungen haben können, kann sich aber auch bis zur Klamm eintiefen. Erodiert der Tobelbach den Tobel rückschreitend durch, entstehen Canyons mit darüberliegenden sanften Hangschultern. Umgekehrt kann ein durchbrechendes Kar oder Trogtal ebenfalls tobelartige Talformen ausbilden.

Beispiele größerer Tobel

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Walter Haas, Doris Handschuh, Rolf Börlin (Bearbeitung): Sprachatlas der deutschen Schweiz; Wortgeographie III; Umwelt. In: Rudolf Hotzenköcherle, Robert Schläpfer, Rudolf Trüb, Paul Zinsli (Hrsg.): Sprachatlas der deutschen Schweiz. 1. Auflage. Band VI, Francke, Bern 1988, ISBN 3-317-01652-3, S. o.A. (10 Bände 1962-2003).
  2. Paul Zinsli: Ortsnamen. Siedlungs- und Flurnamen der Deutschen Schweiz. 1. Auflage. Huber, Frauenfeld 1971 (2. Auflage 1975), S. o.A. (ohne ISBN).
  3. „Tobel, ein alemannischer Name, in der Schweiz ganz gewöhnlich und daher auch in diesem Gebiete [Paznaun, Anm.] zu Hause, bezeichnet ein trichterförmiges Thal mit engem Ausgang.“ Adolph Schaubach: Handbuch für Reisende durch Nordtirol, Vorarlberg, Oberbaiern. In: Die deutschen Alpen: ein Handbuch für Reisende durch Tyrol, Österreich, Steyermark, Illyrien, Oberbayern und anstossenden Gebiete. 2. Auflage. Band II, F. Frommann, Jena 1866, Das Thal der Sanna, S. 70, Anm 1) (Volltext in der Google Buchsuche).

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