Tonkawa

Tonkawa

Die Titska Watitch oder Tickanwatic (‘Echte, Wirkliche Menschen’), besser bekannt als Tonkawa (sprich: ‘TOHNK-ayh-wah’, abgel. aus dem Waco tonk-a-weya - ‘Jene, die zusammenbleiben’), waren ein Indianer-Stamm der ursprünglich im heutigen östlichen zentralen Texas lebte. Im späten 20. Jahrhundert lebten viele Tonkawa in Kay County, Oklahoma. Im 15. Jahrhundert lebten 5000 Stammesmitglieder, im späten 17. Jahrhundert noch 1600 und im Jahre 1921 gar bloß noch 34. 1993 war die Bevölkerung wieder auf 186 Personen angestiegen. Tonkawa, wird als eine isolierte Sprache betrachtet, die einige Wissenschaftler aber der Hoka-Coahuilteco-Sprache zuordnen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Häuptlinge der Tonkawa im Jahre 1898

Kampf gegen die Apache

Um 1530 hatten die Tonkawa erstmals mit den spanischen Konquistadoren Kontakt. Zwischen 1600 und 1700 wurden sie wie viele andere texanische Stämme auch (Caddo, Hasinai, Wichita, Jumano) Opfer der in die Südlichen Plains vordringenden östlichen Plains-Apache-Gruppen (Jicarilla, Mescalero und Lipan). Die andauernden Raubüberfälle und Kriegszüge der berittenen Apache hatten zur Folge, dass diese die verschiedenen Gruppen der Tonkawa und andere Stämme aus den High Plains verdrängten und diese zwangen, sich weiter nach Süden zurückzuziehen. Gegen 1650 waren die Südlichen Plains vom Dismal River in Nebraska im Norden, bis zum Colorado River in Zentral-Texas im Süden , der östliche Teil der Gran Apacheria, des Stammesgebiets aller Apache. Die Tonkawa wurden (neben den nördlich lebenden Wichita, Caddo und Pawnee) oft von den Apache als Sklaven im östlichen Texas an Franzosen und in New Mexico an Spanier verkauft. Im späten 17. Jahrhundert gerieten sie zudem in den Kolonialkampf zwischen Spanien und Frankreich, bei dem es um die Kontrolle von Texas ging. Doch um 1700 drangen die äußerst kriegerischen Comanche zusammen mit den verwandten Ute auf die Südlichen Plains vor und schlossen Bündnisse mit den Wichita, Caddo, Hasinai sowie den Tonkawa, um gegen die Apache auf den Plains Krieg zu führen. Durch das Bündnis mit den Wichita gelangte die neu gebildete Stammes-Allianz an französische Gewehre, mit deren Hilfe sie den Apache nicht nur numerisch sondern auch waffentechnisch überlegen waren. Da die Apache durch ihre Raubzüge sowie die Sklavenjagden unter allen Stämmen verhasst und isoliert waren, mussten sie den nunmehr verbündeten Stämmen immer mehr nach Westen, Südwesten und Süden ausweichen. Hierdurch waren die Apache zunehmend gezwungen ihren Lebensunterhalt durch Raubzüge und Plünderungen von indianischen und spanischen Siedlungen zu bestreiten, da ihnen der Zugang zu den Bisonjagdgründen immer mehr erschwert wurde. Zudem gerieten die Apache im Süden unter Druck, da die Spanier mehrere kleinere, im Norden Mexikos ansässige Stämme, zwangen, sich entweder in Missionen oder in Siedlungen benachbarter Presidios anzusiedeln, in ein Bündnis gegen die Apache. Diese Stämme (Sobaipuri, Akimel O'Odham, Tohono O'Odham, Opata, Coahuiltec, Karankawa, u.a.) mussten den Spaniern im Kampf gegen die Apache regelmäßig Hilfstruppen und Scouts zur Verfügung stellen - und da ihren Siedlungen und Familien durch die zunehmenden Raubzüge der Apache selbst Gefahr drohten, unterstützten sie die Spanier (und später Mexikaner und Amerikaner) tapfer und unerschrocken. Ab 1750 war der größte Teil der östlichen Apacheria zur Comancheria geworden, dem Herrschaftsgebiet der Comanche, die nunmehr die sog. Lords of the Plains (‘Herren [Edlen] der Ebenen’) waren. Dies mussten zuerst ihre ehemaligen Verbündeten, die Ute, erfahren, die bereits nach der Verdrängung der Jicarilla aus den Plains, von den Comanche bald als Rivalen in den erkämpften reichen Bisonjagdgründen sowie im Handel mit den Märkten in New Mexico angesehen wurden und von diesen nunmehr erbittert bekämpft wurden. Die Ute mussten sich schließlich größtenteils wieder in die Berge von Utah, Colorado und New Mexico zurückziehen, wo sie mit ihren vormaligen Feinden, den Jicarilla, ein dauerhaftes Defensivbündnis gegen die Comanche, Kiowa, Kiowa-Apache bildeten.

Bündnis mit Lipan-Apache im Kampf gegen die Comanche und Spanier

Die Tonkawa (sowie die Caddo und Pawnee) waren nunmehr für die Comanche als Verbündete gegen die Apache nicht mehr wichtig und die Interessen und Rivalitäten unter den Stämmen begannen von neuem. Die Comanche beraubten und bekriegten die Tonkawa nun unerbittlich (sie warfen den Tonkawa, als Rechtfertigung für ihre brutalen Kriegszüge, rituell geübten Kannibalismus vor - der sie früher nicht gestört hatte). Die Tonkawa suchten nun Schutz bei den Spaniern und lebten daher für einige Zeit nahe der San-Gabriel-Mission, bevor diese 1758 verlassen wurde. 1782 bildeten die Tonkawa unter Führung von El Mocho (eines gebürtigen Apache), ein Bündnis mit ihren ehemaligen Feinden, den Lipan-Apache. Bei einer von ihm mit den Apache und Tonkawa organisierten Ratsversammlung, kamen über 4.000 Krieger beider Stämme zusammen. Daraufhin erhoben sie sich gegen die spanische Kolonialmacht. Diese Rebellion konnte 1784 nur damit beendet werden, indem man El Mocho bei Friedensverhandlungen in La Bahia, Texas, niederträchtig ermordete. Die Spanier hatten zudem 1786 ein gegen die Apache gerichtetes Bündnis mit den Comanche, Ute, Jicarilla, Diné (Navajo) sowie vielen sesshaften Stämmen in Texas geschlossen, das auf die Ausrottung und vollständige Vernichtung der militärischen Macht der Mescalero und Lipan ausgerichtet war. Die Tonkawa hatten sich durch die Allianz mit den Lipan-Apache außerhalb dieses pan-indianisch-spanischen Bündnisses gestellt und besonders unter den Kriegszügen der Anti-Apache-Allianz zu leiden.

Scouts für Texaner und Amerikaner gegen texanische Plains-Stämme

Nach der mexikanischen Unabhängigkeit von 1821 wurden die Tonkawa zusammen mit den Lipan Verbündete der Anglo-Texaner gegen die Comanche, Kiowa und Waco. Zusammen mit anderen Texas-Stämmen wurden den Tonkawa 1855 zwei kleine Reservate am Brazos River zugewiesen. Trotz ihrer ehemaligen Allianz mit den Texanern wurden sie 1859 aus Texas abgeschoben und nach Fort Cobb am Washita River (Indianer-Territorium) gebracht. Wegen ihrer immer mehr abnehmenden Bevölkerungszahl wurden sie ab 1859 von der Wichita Agentur verwaltet.

Tonkawa-Massaker

Das sog. Tonkawa Massacre (23–24. Oktober 1862) trat nach einem Angriff auf die von den Konföderierten gehaltene Wichita Agentur in Fort Sill nahe Anadarko in Oklahoma ein, als ein Kriegstrupp von Unionsgetreuen Stämmen die Agentur angriffen, der damaligen Heimat von ca. 300 Mitglieder der Tonkawa, die im Amerikanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Konföderierten kämpften. Während des Angriffs auf die konföderierte Agentur wurden der Konföderierten-Indianeragent Leeper und mehrere Weiße getötet. Die Tonkawa versuchten nach diesen Angriff nach Süden in Richtung des Konföderierten-Fort Arbuckle zu fliehen, doch wurden sie am 24. Oktober eingeholt, bevor sie sich im Fort in Sicherheit bringen konnten. Im hierauf resultierenden Massaker wurden schätzungsweise ca. 137 Männer, Frauen und Kinder, unter ihnen Plácido (Ha-shu-ka-na - ‘Man kann Ihn nicht töten’), getötet.[1][2] Es gibt unterschiedliche Berichte über die Stämme, die das Massaker an den Tonkawa begingen - Caddo, Shawnee, Lenni Lenape, Osage, Comanchen, Kiowa und Seminolen werden in verschiedenen Berichten genannt.[3]

Es werden verschiedene Gründe für das Massaker genannt, doch deutet einiges darauf hin, dass der Hauptgrund die Tötung und rituelle Verspeisung zweier Shawnee in einem kannibalistischen Ritual sowie der Tod und Zerstückelung eines Caddo-Jungen war, denn die Tonkawa waren als Kannibalen unter den benachbarten Stämmen berüchtigt. Andere meinen, es sei ihre Sympathie mit den Konföderierten Staaten von Amerika. Jedoch waren die Beziehungen zwischen den Tonkawa und den benachbarten Stämmen bereits seit Jahren feindlich, aus einer Vielzahl von Gründen, einschließlich der, dass die Tonkawa als Kundschafter für die Texas Rangers kämpften und gemeinsam gegen die um ihre Freiheit und Heimat kämpfenden Stämme, einschließlich Kiowa und Comanche, kämpften.

Viele der überlebenden Tonkawa flohen zum konföderierten Fort Arbuckle, dann im Jahr 1863 zum konföderierten Fort Belknap in Texas. Das Massaker demoralisierte völlig die Reste der Tonkawa, die ohne einen starken Häuptling im Elend in Fort Belknap lebten.[4]

Reservationen

Die Reste der Tonkawa lebten dann in der Nähe von Fort Griffin in Texas bis 1884. Sie wurden dann von der Regierung gezwungen, vorübergehend in die Sauk-Fox-Agentur und dann im Frühjahr 1885 nach Fort Oakland im ehemaligen Nez-Percé-Reservat (Indianer-Territorium) zu siedeln. Dieses Reservat wurde 1896 aufgelöst und das Land für weiße Siedler freigegeben.Im Jahr 1891 wurden 73 Mitglieder der Tonkawa 994.33 acres (ca. 4,00 km²) Land zugeteilt sowie zusätzliche 238,24 (ca. 0,9 km²) in einzelnen Parzellen in der Nähe des ehemaligen Fort Oakland, des heutigen Tonkawa, Oklahoma, westlich von Ponca City. Heute leben im Reservat ca. 537 Menschen, von denen 481 offiziell eingetragene Stammesmitglieder sind.[5] Heute ist der Tonkawa Tribe of Indians of Oklahoma ein von der amerikanischen Bundesregierung anerkannter Indianerstamm mit Berechtigung für Dienstleistungen vom Bureau of Indian Affairs (BIA).

Gruppen der Tonkawa

Die Tonkawa waren ein Zusammenschluss mehrerer Stämme, von denen viele heute nicht mehr namentlich bekannt sind. Zu den Tonkawa werden allgemein folgende Gruppen gezählt:

  • Awash
  • Choyopan
  • Haiwal
  • Hatchuknni
  • Kwesh
  • Nilhailai
  • Ninchopen
  • Pakani
  • Pakhalateh
  • Sanukh
  • Talpkweyu
  • Titskanwatichatak.

Kultur

Die Tonkawa kannten zahlreiche göttliche Wesen. Sie hatten sich möglicherweise aus religiösen Gründen mit Kannibalismus beschäftigt. Psychotrope Pflanzen (Peyote) spielten eine Rolle in ihren religiösen Zeremonien.

Die Tonkawa bewohnten eine kulturelle Übergangszone zwischen Plains-, Prärie- und Wüstenkulturen und hatten daher viele Elemente der benachbarten Caddo-Kultur im Osten, der Plains-Kultur im Norden der Apache und später Comanche sowie der Coahuiltecan-Kultur des nördlichen Mexiko übernommen.

Heute ist ihre Muttersprache ausgestorben und ihre Kultur ist verloren gegangen. Einige Tonkawa sind Mitglieder der Native American Church.

 Commons: Tonkawa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weblinks

Literatur

  • Barry M. Pritzker: A Native American Encyclopedia, History, Culture and Peoples. Oxford Univ. Press, 2000, ISBN 0-19-513877-5.

Einzelnachweise

  1. Handbook of North American Indians: Plains von Raymond DeMallie, William Sturtevant, S. 955.
  2. Contrary Neighbors: Southern Plains and Removed Indians in Indian Territory von David La Vere S. 171.
  3. Historical Atlas of Oklahoma von Charles Robert Goins, Danney Goble, John Wesley Morris S. 87.
  4. The Indians of Texas: From Prehistoric to Modern Times von W. W. Newcomb S. 359.
  5. Tonkawa Tribe of Oklahoma

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Tonkawa aus der freien Enzyklopädie Indianer-Wiki und steht unter Creative Commons by-sa 3.0. Im Indianer-Wiki ist eine Liste der Autoren verfügbar.


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