Trend (Soziologie)


Trend (Soziologie)
Die Anatomie eines Trends

Ein Trend (von engl. to trend ‚in einer bestimmten Richtung verlaufen‘ bzw. ‚drehen‘ oder ‚wenden‘[1]) ist ein Instrument zur Beschreibung von Veränderungen und Strömungen in allen Bereichen der Gesellschaft. Die Beschreibung und die Randbedingungen erlauben eine Aussage über die zukünftige Entwicklung.

Trends sind beobachtbar, im soziologischen Kontext aber nur schwer messbar. Ihr weiterer Verlauf lässt sich meistens genähert abschätzen, aber nur teilweise beeinflussen. Die Trendforschung befasst sich mit der Beobachtung und Vorhersage von Trends. Dort und in der Trendberatung hat sich eine stärker zielorientierte Definition durchgesetzt:

Ein Trend ist eine neue Auffassung in Gesellschaft, Wirtschaft oder Technologie, die eine neue Bewegung bzw. Marschrichtung auslöst. Eine grundlegende Änderung (Umkehrung) eines Trends wird als „Trendwende“ bezeichnet. Die Einführer eines neuen Trends werden Trendsetter genannt, vor allem im Bereich der Mode.

Inhaltsverzeichnis

Allgemein

Trendforschung beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Wandlungsprozessen. Hierbei geht es nicht um exakte Vorhersagen, sondern die Prozesse der Wandlung zu erkennen und wenn möglich zu verstehen, um sie letztlich zu deuten.

Trends im Verhalten oder bei Produkten werden oft durch die Meinungsforschung erfasst. Sie sind durch Werbung und Trendsetter beeinflussbar und haben entscheidende Auswirkungen auf das Konsumverhalten der Verbraucher oder das Bevorzugen gewisser Mode-Erscheinungen im sozialen und Freizeitbereich.

Die Abschätzung des Trends erfolgt häufig durch grafische Verfahren (beispielsweise Charttechnik an der Börse). Wie die Abbildung zeigt kann man jeden Trend in einen Diagnoseteil (Vergangenheit) und einen Hypothesenteil (Zukunft) aufteilen. Im Allgemeinen wird Zeitstabilität angenommen, das heißt man geht davon aus, dass der Kontext und die Einflussfaktoren stabil bleiben und sich der Trend ähnlich entwickelt wie in der Vergangenheit beobachtet wurde.

Systematisierung von Trends (nach Stärke)

  • Trendssignal: Informationen und Neuigkeiten, die größere Veränderungen auslösen könnten (Bsp.: Babyboom in Hamburg)
  • Trend: Veränderung, die beobachtbar ist und die einen zeitlich stetigen Verlauf vermuten lässt (Bsp.: mehr Akademikerinnen sind kinderlos)
  • Emerging Trend: gerade entstehender Trend (viele Signale), weiterer Verlauf schwer abzuschätzen (Bsp.: Männer übernehmen mehr Verantwortung in der Familienplanung)
  • Mikrotrend: Veränderung in kleinem Maßstab, regional ausgeprägt oder kaum beobachtbar (Bsp.:Steigende Zahl von Ein-Kind-Familien führt zu verändertem Verhalten in Gesellschaft)
  • Megatrend: Trend in großem Maßstab, lang anhaltend mit tiefgreifenden Veränderungen (Bsp.: alternde Gesellschaft)
  • Metatrend: Bündelung von Trends / Megatrends (Bsp: demografische Veränderung)
  • Key-Trend: Als besonders wichtig eingestufter Trend (Bsp.: Marketingfokus verschiebt sich Richtung reifere Gesellschaft)
  • Pseudotrend: Phänomen wird als Trend dargestellt, obwohl es keiner ist (Bsp.: Unternehmen setzen sich verstärkt für Familien ein)
  • Trendbruch: als Trend gekennzeichnete Entwicklung wird abrupt in Stärke oder Verlauf verändert (Bsp.: Pillenknick)

Systematisierung von Trends (nach Form)

Man unterscheidet verschiedene Formen: linear ist die einfachste und am meisten angenommene. Darüber hinaus gibt es noch Wellenform, Wachstumskurve, Zyklen, Kaskaden, Lebenszykluskurve, Parabel und Sprungfunktion.

Megatrend

Für besonders tiefgreifende und nachhaltige Trends, die gesellschaftliche und technologische Veränderungen betreffen, hat der Zukunftsforscher John Naisbitt den Begriff Megatrend geprägt.

Beispiele: Wellness, Cocooning, Neue Bürgerlichkeit.

Methoden der Trendforschung

Zur Feststellung von Trends gibt es spezielle Methoden, wie die Delphi-Methode (Befragung herausragender Fachleute) oder Prognoseverfahren und Verfahren der Futurologie

Kritik

Trends versprechen, die Zukunft zu offenbaren und erfreuen sich deshalb in den Medien einer gewissen Popularität. Entsprechend kann nur ein kleiner Teil dessen, was als Trend oder „Megatrend“ gehandelt wird, eine nachvollziehbare und systematische Begründung vorweisen. Einige wissenschaftlich fundierte Zukunftsforscher (Futurologie) versuchen daher, sich von „populären“ Trendforschern explizit abzugrenzen. Folgende wesentliche Kritikpunkte werden gegenüber der Trendforschung ins Feld geführt:

  • Fokus auf Konsumenten unter Vernachlässigung der (z. B. sozialen) Rahmenbedingungen
  • Es werden nur gegenwärtige Entwicklungen beschrieben (nur geringer Gewinn gegenüber der Marktforschung)
  • Trends werden journalistisch anhand von Recherchen ermittelt (nicht z. B. systematisch), was einen Erwartungseffekt (aktive Suche nach Bestätigungen, nicht nach Widersprüchlichem) provoziert
  • Einzelne Beobachtungen (z. B. Verhalten von Jugendlichen, eigenes Empfinden ggü. Innovationen) werden vorschnell als zukünftige Entwicklungen interpretiert
  • Die (Eigen-)Dynamik von Entwicklungen wird nicht erfasst (z. B. eine mögliche Gegenbewegung), ein lineares Denk-Modell wird der komplexen (nicht-linearen) Gesellschaft nicht gerecht
  • Interdependenzen mit anderen Entwicklungen werden nicht beachtet (Szenarioanalyse)
  • Trendforschung muss sich auf Publikums-Märkten (z. B. Print-Produkte, Seminare, Zitationen) verkaufen, dabei haben spektakuläre Visionen eine größere Chance, sich zu verkaufen. Die beeinflusst u. U. die Entstehung von Trend-Prognosen, auf jeden Fall deren Verbreitung und Selektion

Literatur

  • Pillkahn, Ulf: Trends und Szenarien als Werkzeuge der Strategieentwicklung. Publicis 2007. ISBN 978-3895782862
  • Naisbitt, John: Megatrends. Ten New Directions Transforming Our Lives. Warner Books, 1982. ISBN 978-0446909914
  • Gordon, Adam: Future Savvy: Identifying Trends to Make Better Decisions, Manage Uncertainty, and Profit from Change. AMACOM. ISBN 978-0814409121

Einzelnachweise

  1. Wortherkunft des Wortes Trend: Das Deutsche Universalwörterbuch des Dudenverlags (2001) schreibt „in einer bestimmten Richtung verlaufen“, das Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache (Kluge, 24. Auflage, 2004) schreibt „»Richtung, Tendenz«, […] von ne. trend »drehen, wenden«, dieses aus ae. trendan »sich drehen«. […]“

Weblinks

Siehe auch


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Trend — Ein Trend (v. engl. trend; aus mittelhochdt.: trendeln „kreiseln“, „nach unten rollen“) steht für: Trend (Soziologie) im gesellschaftlichen, kulturellen, wirtschaftlichen oder technologischen Kontext Trend (Statistik) im mathematischen,… …   Deutsch Wikipedia

  • Retro-Trend — Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung. Der Begriff Retrowelle kennzeichnet eine Modewelle, deren Inhalt… …   Deutsch Wikipedia

  • Familie (Soziologie) — Familie aus Eltern und 3 Kindern Familie Eine Familie (lat. familia „Hausgemeinschaft“) ist soziologisch eine durch Heirat und/oder Abstammung be …   Deutsch Wikipedia

  • Informationseffekt (Politische Soziologie) — Der Informations Effekt ist ein Begriff der politischen Soziologie und ordnet sich ein in die Diskussion über Auswirkungen des allgemein niedrigen Wissensstandes der Bevölkerung auf die Demokratie. Informations Effekte nach Althaus bezeichnen… …   Deutsch Wikipedia

  • Megatrend — Ein Trend (v. engl. trend; aus mittelhochdt.: trendeln „kreiseln“, „nach unten rollen“) steht für: Trend (Soziologie) im gesellschaftlichen, kulturellen, wirtschaftlichen oder technologischen Kontext Trend (Statistik) im mathematischen,… …   Deutsch Wikipedia

  • Trendforschung — Ein Trend (v. engl. trend; aus mittelhochdt.: trendeln „kreiseln“, „nach unten rollen“) steht für: Trend (Soziologie) im gesellschaftlichen, kulturellen, wirtschaftlichen oder technologischen Kontext Trend (Statistik) im mathematischen,… …   Deutsch Wikipedia

  • Modeerscheinung — Cartoon aus dem Jahre 1913 zum Diktat der Mode Mode (v. französ.: mode; aus lat.: modus Art) bezeichnet die in einem bestimmten Zeitraum und einer bestimmten Gruppe von Menschen als zeitgemäß geltende Art, bestimmte Dinge zu tun, Dinge zu… …   Deutsch Wikipedia

  • Modetrend — Cartoon aus dem Jahre 1913 zum Diktat der Mode Mode (v. französ.: mode; aus lat.: modus Art) bezeichnet die in einem bestimmten Zeitraum und einer bestimmten Gruppe von Menschen als zeitgemäß geltende Art, bestimmte Dinge zu tun, Dinge zu… …   Deutsch Wikipedia

  • Modewelle — Unter Modewellen oder Modeströmungen versteht man Erscheinungen verschiedener „Moden“, die eher kurzfristigen oder periodischen Charakter haben. Das Wort hat einen leicht abschätzigen bis humorvollen Beigeschmack was auf die leichte… …   Deutsch Wikipedia

  • Horx — Matthias Horx (* 25. Januar 1955 in Düsseldorf) ist laut Eigenbeschreibung ein Trend und Zukunftsforscher sowie Schriftsteller. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Thesen 3 Zitate 4 Werke …   Deutsch Wikipedia