Trikaya


Trikaya

Trikaya (Sanskrit, m., त्रिकाय, trikāya, „Drei-Körper“) ist ein Begriff der Drei-Körper-Lehre des Mahayana-Buddhismus der sich auf die Ebenen der Manifestation oder Aktivität bezieht. Tri bedeutet 'drei' und 'trikaya' als Konzept bezieht sich auf die drei Ebenen der Buddhaschaft[1].

Inhaltsverzeichnis

Allgemein

Nach der Lehre des ersten historischen Buddha [Siddhartha Gautama]ist die alles verbindende Buddhanatur die Essenz jedes fühlenden Wesens. Die Buddhanatur selbst in ihrer Erscheinung und Konzeption als verständlicher Ausdruck für den menschlichen Geist wird im Buddhismus über die Lehre von den drei Körpern (Trikaya) detailliert beschrieben. Die Buddhanatur wird innerhalb dieser Lehre durch den allumfassenden Dharmakaya als geistige Einheit mit allem Existenten definiert. Der Dharmakaya (Dharmadhatu) steht für die absolute Leerheit und Einheit (Sansk. Shunyata, Tib. tong pa ni) aller Phaenomene und Erscheinungen. Für das menschliche Verständnis dieser jeden Moment präsenten, allumfassenden Einheit unserer Existenz wird sie wie die Dreifaltigkeit im christlichen Glauben in drei Sektionen unterteilt. Die allumfassende Einheit des Dharmakava wird durch einen in Vereinigung mit seiner Partnerin (Yab-Yum) sitzenden nackten Buddha ohne Schmuck vor tiefblauem Hintergrund dargestellt. (Samanthabadra/Samanthabadri, Tib. Küntu Zangpo/Zangmo) Die aus der schamanischen Bön Kultur hervorgegangene alte Tantraschule Tibets geht direkt auf ihren Begründer Padmasambhava im 8. Jahrhundert zurück. Im Vajrayana Buddhismus ist Guru Rinpoche (Padmasambhava) häufig in vielen Praktiken und Sadhanas eine direkte Manifestation von Samanthabhadra als der so genannte Adibuddha. Dieser erscheint spontan als Emanation von Samanthabhadra in der Mitte des Sambhogakaya Mandalas. In der klassischen Darstellung wird Vairocana als weißer Adibhuddha in der Mitte des Sambhogakayamandalas dargestellt. Wie das weiße Licht durch ein Prisma in seine Dispersionsfarben zerlegt wird, teilt er sich nun auf und bildet aus vier weitere Manifestationen seines Selbst den Sambhogakaya. Die Belehrungen dazu sind sehr spezifisch und unterscheiden sich in den unterschiedlichen Richtungen des Mahayana (zum Beispiel Reines Land, Vajrayana, Zen), aber zum Teil auch innerhalb der Lehrrichtungen der einzelnen Schulen beträchtlich. Im Allgemeinen unterscheidet man aber zwischen:

  • Dharma-kāya (tib. chos sku) (etwa: Dharma-Körper)
  • Saṃbhoga-kāya (tib. longs spyod rdzogs pa'i sku) (etwa: Körper des Segens) und
  • Nirmāṇa-kāya (tib. sprul-sku) (etwa: Manifestierte Körper bzw. Emanationskörper)

Vajrayana

Die Drei-Körper-Lehre im Vajrayana stellt die verschiedenen Verwirklichungsebenen eines erleuchteten Wesens dar. Die Körper des Dharma-kāya, Saṃbhoga-kāya und Nirmāṇa-kāya sind aber nicht als voneinander getrennte Erscheinungen zu verstehen, vielmehr stellen sie verschiedene Ausdrucksebenen ein und derselben Erleuchtetheit dar.

Dharmakāya

Dharmakāya bezeichnet die ursprüngliche erleuchtete Natur des Geistes selbst. Der Dharmakaya steht repräsentativ für die allumfassende Einheit und Leerheit des Geistes. Seine Natur ist ungeboren und todtlos, offen und weit wie der wolkenlose Himmel, ohne Zentrum und ohne Begrenzung. Die klassisch Ikonographische Darstellung zeigt den Dharmakaya (Körper der Leerheit) als nackten Buddha ohne Schmuck in Vereinigung mit seiner Partnerin (Tib. Yab-Yum) vor tiefblauem Hintergrund. Aus der reinen, offenen und zugleich potentiellen Seinsdimension des Dharmakaya erheben sich spontan (Tib. lhündrup) leuchtende, in allen Regenbogenfarben schillernde Formen und bilden den Sambhogakaya, das ursprüngliche Mandala der 5 Dhyani-Buddhas. In diesem sind die fünf Geistesgifte der fühlenden Wesen (Unwissenheit, Hass, Gier, Neid und Stolz) in die ihnen zugrundeliegenden fünf Weisheitsaspekte transformiert und werden als die fünf ursprünglichen Buddhas dargestellt. Es finden sich verschiedentlich auch die Begriffe Wahrheitskörper, Raumkörper oder transzendenter Buddhakörper zur Beschreibung des Dharma-kāya. Buddhas, die den Dharma-kāya repräsentieren werden daher als Ur-Buddhas oder Adibuddhas bezeichnet. Dharmakaya wird mitunter mit Wahrheitskörper übersetzt.

Saṃbhogakāya

Saṃbhoga-kāya bezeichnet den Freudenkörper, Genußkörper oder auch Körper der Glückseligkeit. Der Sambhogakaya ist eine direkte Emanation des Dharmakaya. Er repräsentiert die gesamte Ikonographie des Vajrayana, des tibetischen Buddhismus und ist somit die Grundlage für eine umfassende Einsicht in die Natur des Geistes. Hier wird nun der Versuch unternommen, dieses allumfassende Mandala im Rahmen der tantrischen Tradition verständlich zu machen(Tantra kann hier als "Gewebe" oder "Netz" interpretiert werden und weist auf die mit allem verwobene Existenz aller fühlenden Wesen inklusive aller Phänomene und Erscheinungen hin) Dargestellt wird der Sambhogakaya als Mandala und metaphysisches Konstrukt aus den Antipoden des universalen Geistes durch die fünf transzendenten Buddhas.(Dhyani Buddhas, Jinas, Thathagathas, die "Siegreichen") In der Mitte des Mandalas erscheint der Adibuddha als direkte Ausstrahlung des Dharmakaya Buddhas Samanthabadra. Dies kann je nach Tradition und Praxisvorgaben variieren. Er kann in der Form des eigenen Gurus (Vajradhara) oder Padmasambhava erscheinen, häufig wird auch Vajrasattwa (Tib. Dorje Sempa) oder Dorje Chang in der Visualisation diese Form einnehmen, klassisch erscheint Vairocana in der Mitte des Sambhogakaya Mandalas. Vairocana hat je nach Sichtweise der im Guruyoga verkörperte Gottheit eine weiße Körperfarbe. Er ist die Manifestation der allumfassenden Bewußstseins bzw der Schöpfer aller Erscheinungen. Sein Urgrund, sansk. Alayavidjana (tib. Kün chi) ist die Basis aller Erscheinungen. Er verkörpert das reine, klare und unendliche Bewusstsein und nimmt im Mahayana eine zentrale Stellung ein, er verkörpert weiterhin die Gesamtschau der Wirklichkeit. Er ist alles, alles was es gibt. Er nimmt jeden Namen an als Ausstrahlung des Dharmakaya, pures klares Bewusstsein, die Verkörperung des Raumes als bewusstes erkennendes Wesen. Wo Raum ist, ist Bewusstsein, weit, offen, unpersönlich. Er ist Herr der Familie des Rades, Symbol für die Jhanakula, die Familie der Weisheit und sitzt auf einem mit Löwen oder Drachen geschmückten Thron im Zentrum des Mandala der fünf Dhyani-Buddhas. Seine Geste symbolisiert das Drehen des Rades der Lehre. Er entspricht somit dem weißen Licht vor seiner Dispersion in die einzelnen Farben. Reines, klares Bewusstsein, weit und offen wie der unendliche Raum, ohne Zentrum und ohne Begrenzung, zeitlos, ewig in der Gegenwart, etwas was Worte nicht ausdrücken können, etwas, das alle Verfehlungen des Lebens in allumfassende Weisheit transformiert. Aus Ihm emanieren in die vier horizontalen Richtungen (Osten, Süden, Westen und Norden) vier weitere Buddhas, als erster im Osten AKSHOBYA:der Buddha Akshobya, der "Unerschütterliche", tiefblau,auf einem Elefantenthron mit einem Vajra als Zeichen, in Vereinigung mit seiner Partnerin Locana, die Sehende, verkörpert er die spiegelgleiche Weisheit, das Element Wasser in seiner ruhenden und spiegelnden Funktion und repräsentiert damit das erste Skandha der Form. Damit ist er die direkte Offenbarung der Prajnaparamita Sutra von Leerheit als Form und Form als Leerheit. Er verkörpert den Eintritt in das Sambhogakaya Mandala von Osten und transformiert Zorn und Wut, Ärger und Haß in unendliches Mitgefühl. Da er für die spiegelgleiche Weisheit von Form als Leerheit und Leerheit als Form steht, kann je nach Tradition und Praxis seine Stellung wechseln. Insofern erscheint er häufig als der Adibuddha in der Mitte des Mandalas und Vairochana im Osten. Akshobya ist der Herr der Vajrafamilie. Umrunden wir das Sambhogakaya-Mandala von im Uhrzeigersinn von Links treffen wir nun im Süden auf den Buddha Ratnasambhava. RATNASAMHAVA: ist der Buddha im Süden, seine Farbe ist das Gelb eines reifen Weizenfeldes, seine Form wird in der juwelenspendenden, schenkenden Dhana-Geste dargestellt. Er ist in Vereinigung mit seiner Partnerin Mamaki, die die energetische, bewegte Form des Wassers in seiner Erscheinung als Fluß, Wolken, Regen, Blut repräsentiert. Sein Thronzeichen ist der Löwe, in manchen Traditionen das Pferd, er verkörpert die Weisheit der Wesensgleichheit aller fühlenden Wesen durch ihre Buddhanatur. Ratnasambhava steht auch für das Geistesgift von Hochmut und Stolz und dessen Transformation in Demut und Hingabe. Er verkörpert zudem das zweite Skandha (Ich-konstituierende Komponente) von Empfindung und Gefühl. Er ist der Patriarchat der Juwelenfamilie (Ratnakula) Wir gehen nun links um das Mandala weiter und treffen nun im Westen auf AMITHABHA:sizt auf einem Lotus (Pema) und ist der Herr der Padmakula. (Lotusfamilie) Ihm wird das Element Feuer zugeordnet. Er sitzt als roter Buddha im Westen, seine Partnerin ist Panderava, aus seiner Keimsilbe Hri emanieren unendlich viele Gottheiten (Yiddams) des Vajrayana, so u.a. Avalokiteshvara (Tib. Chen Resi), die Verkörperung des jetzigen Dalai Lama, Padmasambhavas, Amithayus u.v.m. Er verkörpert die Leidenschaft, transformiert Begierde und Verlangen, steht für die Weisheit der differenzierten Wahrnehmung mit dem Wissen um ihre Leerheit, sein Thronzeichen ist der Pfau, er sitzt direkt Akshobya gegenüber, dessen Thronzeichen (Vajra) als Phallussymbol entspricht dem geheimen Ausdruck des Lotus als Synonym für das weibliche Geschlecht. Er ist stellvertretend für das 3. Skandha der rationalen Wahrnehmung. Nun gelangen wir vom Westen in den Norden, zu AMOGHASIDDI, er ist das Oberhaupt der Karmafamilie (Karmakula), seine Körperfarbe ist grün, sitzt im Norden, repräsentiert das Element Wind und steht für Gedanken, Tat und Handlung. Diese wiederum bedingen nach unserem Tod durch ihre freigesetzte Energie das Karma, die durch Interaktion mit anderen Wesen entstandene Beziehungsenergie. Sie erscheint uns dann im Zwischenzustand zwischen Tod und neuer Geburt (Bardo) als verkörperte Energieform. Negative Geisteshaltungen während des biologischen Lebens verkörpern sich nun als Dämonen,(Dämonen - Demos _ Schrecken), positive Lebenseinstellungen werden durch Lichtwesen (Engel, Feen etc) als Erscheinung wahrgenommen. Doch der allmächtige Wind des Karmas, dem wir nach unsererer physischen Existenz im körperlosen Zustand hilflos ausgeliefert sind, zwingt uns nach durch unsere Taten und Handlungen erschaffenen Bedingungen zu einer neuen Inkarnation. So ist Amoghasiddi mit seiner Partnerin Tara ("Die Hinübergleitende)auch Ausdruck des 4. Skandhas,der Handlung und Aktion. Nun löst sich das Mandala auf, indem es sich mit der Mitte wieder vereinigt und diese in Leerheit auflöst.

Es handelt sich dabei um eine Art Lichtkörper oder feinstofflichen Körper, den Buddhas annehmen, um Bodhisattvas und verwirklichten Yogis zu erscheinen. Er kann von gewöhnlichen fühlenden Wesen nicht oder nur sehr begrenzt wahrgenommen werden.

In der ikonographischen Darstellung der verschiedenen Buddhaformen erscheinen Saṃbhoga-kāya-Buddhaformen in ihrer friedvollen Form traditionell mit dem „Schmuck des Saṃbhoga-kāya“, Krone, Halsketten, Armreifen und edlen Gewändern. Zornvolle Saṃbhoga-kāya-Formen werden traditionell mit schrecklichem Gesichtsausdruck, Schädelgirlanden, einer Schädelkrone und von einem Flammenkranz umgeben dargestellt. Saṃbhoga-kāya halten meist auch verschiedene Attribute, wie Glocke, Dorje, Lotus und Weisheitsschwerter. Diese typische Darstellung wird im Verbreitungsgebiet des Mahayana-Buddhismus aber nicht stringent eingehalten, daher werden teilweise auch Formen des Dharma-kāya mit den Kennzeichen des Saṃbhoga-kāya dargestellt. Teilweise haben die Buddhaformen des Dharma-kāya auch Entsprechungen auf der Ebene des Saṃbhoga-kāya.

Nirmāṇa-kāya

Nirmāṇa-kāya bezeichnet den Ausstrahlungs- oder Manifestationskörper auf der Ebene der Wahrnehmung gewöhnlicher Wesen in Raum und Zeit. Nirmāṇa-kāyas manifestieren sich aufgrund von allumfassendem Mitgefühl und erscheinen uns in Form erleuchteter Lehrer, die gelobt haben, alle fühlenden Wesen aus dem Leidenkreislauf des Samsara zu befreien.

Wirkprinzip der Drei Buddha-Körper

Die Gestalt des historischen Buddha Shakyamuni ist nach der Drei-Körper-Lehre ein Nirmāṇa-kāya der uns erschienen ist, um uns den Weg aus dem Leidenskreislauf des Samsara zu lehren. Auf der Ebene des Saṃbhoga-kāya nahm er verschiedene Formen wie zum Beispiel Prajnaparamita oder Manjusri an, um die Lehren des Mahayana und Vajrayana an hochverwirklichte Wesen zu übertragen. Auf der Ebene des Dharma-kāya repräsentiert er die erleuchtete Natur des Geistes selbst und die der fünf transzendenten Weisheiten und wird in den Formen von Samantabhadra und der fünf ursprünglichen Buddhas dargestellt.

Referenzen

  1. http://www.khandro.net/doctrine_trikaya.htm

Literatur

  • Guang Xing: The Concept of the Buddha: Its Evolution from Early Buddhism to the Trikaya Theory: The Origin and Development of the Trikaya Theory, Routledge (Januar 2005), ISBN 041533344X
  • John J. Makransky: Buddhahood Embodied: Sources of Controversy in India and Tibet, Publisher: State University of New York Press (August 1997), ISBN 079143432X (10), ISBN 978-0791434321 (13)
  • Chögyam Trungpa Rinpoche: „The Three Bodies of Enlightenment“. In: Buddhadharma, Frühling 2003, Seite 46-53. Onlineversion
  • Wrogemann, Henning, Der Buddhismus in: Religionen im Gespräch – Ein Arbeitsbuch zum interreligiösen Dialog, Calwer verlag Stuttgart 2008 ISBN 978-3766840318

Weblinks


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