Trommelfell


Trommelfell
a=Trommelfell (rot); b=Hammer; c=Amboss; d=Steigbügel; e=Mittelohr
Normales menschliches Trommelfell

Das Trommelfell (Membrana tympani, Myrinx) ist eine dünne Membran am inneren Ende des Gehörgangs (sofern ein solcher vorhanden ist) und schließt diesen zum Mittelohr ab. Ein Trommelfell besitzen alle Landwirbeltiere mit Ausnahme der Schleichenlurche, Schwanzlurche, Doppelschleichen und Schlangen. Beim Menschen ist es etwa 0,1 mm dick und hat eine Fläche von etwa 85 mm², wovon ca. 55 mm² effektiv Schall aufnehmen können. Der längste (vertikale) Durchmesser beträgt 9 bis 10 mm.

Anatomie

Der Hauptteil des Trommelfells (Pars tensa, „gespannter Teil“) besteht aus drei Schichten: der äußeren Epithelschicht (Stratum cutaneum), einer stabilen mittleren Faserschicht (Lamina propria) und einer inneren Schleimhautschicht (Stratum mucosum). Durch die Pars tensa ist der mit dem Trommelfell verwachsene Hammergriff, ein Teil des ersten Gehörknöchelchens, des Hammers (Malleus), zu sehen. Die Pars tensa des Trommelfelles ist mit einem Faserring (Anulus fibrocartilagineus) in einer Rinne des umgebenden Knochens (Sulcus tympanicus) des Gehörganges eingefalzt. Das Trommelfell ist keine gespannte, gerade Membran, sondern trichterförmig nach innen gezogen mit dem tiefsten Punkt (Umbo, Nabel) an der Spitze des Hammergriffes in der Mitte des Trommelfelles.

Oben weist die knöcherne Umrandung des Trommelfelles eine Kerbe auf, die Incisura tympanica. Diese Einkerbung ist durch die kleine Pars flaccida („schlaffer Teil“) des Trommelfelles, auch Shrapnellsche Membran genannt, verschlossen. Die Pars flaccida besitzt keine Lamina propria, das ektodermale Stratum cutaneum ist hier vom entodermalen Stratum mucosum nur durch eine Basalmembran getrennt. Das Fehlen einer mesodermalen Zwischenschicht ist einzigartig im Körper.

Das Trommelfell hat eine glänzende Oberfläche und weist einen charakteristischen Lichtreflex auf. Die Farbe des Trommelfelles wird als „taubengrau“ oder „perlmuttfarben“ beschrieben.

Durch Schallwellen, genauer durch den Schallwechseldruck p, wird das Trommelfell in Schwingungen versetzt, die von den Gehörknöchelchen im Mittelohr zum Innenohr weitergeleitet werden.

An der sensiblen Nervenversorgung des Trommelfelles sind Äste mehrerer Nerven beteiligt, insbesondere der Ramus auricularis des Nervus vagus und der Nervus auriculotemporalis, ein Ast des Nervus trigeminus. Die Innenseite des Trommelfelles wird von Ästchen des Nervengeflechts der Mittelohrschleimhaut (Plexus tympanicus) versorgt. Berührungen des Trommelfells sind schmerzhaft und können in Einzelfällen Unwohlsein, Übelkeit und sogar Ohnmacht auslösen.

Die Blutversorgung des Trommelfelles erfolgt über ein äußeres und inneres Netz. Die Außenfläche des Trommelfelles wird vor allem durch radiäre Äste der Arteria auricularis profunda, ein Ast der Arteria maxillaris, versorgt, wobei ein vergleichsweise größerer Zweig, die Arteria manubrialis externa in der Stria malleolaris entlang dem Hammergriff von oben zur Trommelfellmitte zieht. Das innere Netz wird von Ästchen der Arteria tympanica anterior versorgt.

Die Kopfhörerstereofonie berücksichtigt den Abstand der beiden Trommelfelle voneinander, den man auch Ohrabstand nennt.

Krankheiten

Mit harten Gegenständen kann leicht eine direkte Verletzung (Perforation), durch Schlag aufs Ohr oder eine Explosion eine indirekte Trommelfellzerreißung (Ruptur) entstehen. Auch eine Mittelohrentzündung, ein Barotrauma, ein Schädelbruch können eine Verletzung auslösen. Ist das Trommelfell perforiert, wird das Hörvermögen je nach Lage der Perforation beeinträchtigt und Krankheitserreger können durch die Perforation (vor allem mit Wasser) ins Mittelohr gelangen. Traumatische Trommelfellperforationen zeigen eine gute Tendenz zur Spontanheilung. Tritt eine solche nicht ein, kann der Trommelfelldefekt durch eine Tympanoplastik operativ verschlossen werden.

Eine Trommelfellentzündung wird als Myringitis bezeichnet.

Medizinische Diagnostik

Zur Diagnose von Erkrankungen des Ohres wird ein Ohrtrichter, ein Otoskop oder ein Ohrmikroskop verwendet. Es ermöglicht dem Arzt, Veränderungen am Trommelfell festzustellen, die mit Erkrankungen von Außenohr oder Mittelohr einhergehen.

Mit der „Tympanometrie“ wird der akustische Widerstand (akustische Impedanz) des Trommelfells gemessen. Ein Tympanogramm ist das Ergebnis dieser Messung. Dazu wird eine abgedichtete Sonde in den Gehörgang eingeführt und unter Veränderung des Luftdrucks im Gehörgang die dabei entstehende Veränderung des akustischen Widerstandes des Trommelfelles gemessen und aufgezeichnet. Das Tympanogramm ermöglicht Rückschlüsse auf den Druck im Mittelohr bzw. den Inhalt des Mittelohres und die Schwingungsfähigkeit des Trommelfell-Gehörknöchelchen-Systems.
Des Weiteren kann am Trommelfell die Körpertemperatur gemessen werden. Man spricht dabei von der Messung der Tympanaltemperatur.


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