Trompe l'oeil


Trompe l'oeil
Universitätskirche in Wien mit trompe-l'œil Deckenfresken die den Eindruck einer Kuppel geben. Gemalt von Andrea Pozzo im 17. Jahrhundert
Trompe-l’œil gemalt von Johann Heinrich Füssli, 1750
vorgetäuschter Balkon an einem Haus in Rhäzüns

Ein Trompe-l’œil [tʀɔ̃pˈlœj] (frz. „Täusche das Auge“, von tromper „täuschen“ und œil „Auge“) ist ein illusionistisches Gemälde, bei dem versucht wird, auf zweidimensionalen Flächen eine dreidimensionale Wirkung zu erzielen und so dem Betrachter eine Realität vorzutäuschen, die nicht vorhanden ist. So werden insbesondere auch Wand- und Deckenmalereien, die mit perspektivischen Mitteln eine scheinbare Vergrößerung der jeweiligen Architektur und einen Ausblick auf Phantasielandschaften vortäuschen, Trompe-l’œils genannt.

Eine Unterform der Trompe-l’œils sind die Konturenbilder, die als auf eine Kontur zugeschnittene Gemälde frei im Zimmer platziert wurden und den Betrachter in noch stärkerem Maße täuschen sollten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die ältesten erhaltenen Beispiele kennt man aus Pompeji; in der Renaissance lebte die Technik mit der Wiederentdeckung der Perspektive auf. In der profanen Malerei wurden Trompe-l’œils häufig verwendet, um unklare Raumzuschnitte ästhetisch zu verbessern oder auch fantasievolle Ausblicke auf arkadische Landschaften aus den Wohnräumen zu ermöglichen.

Der Trompe-l’œil-Stil entwickelte sich in der Renaissance und geht einher mit der Entdeckung der Perspektive und den wissenschaftlichen Fortschritten im Bereich der Optik.

Seit dem 14. und 15. Jahrhundert versuchte man vorzugsweise in Innenräumen mittels gemalter Scheinarchitektur künstliche Ausblicke durch vermeintliche Fenster und Kuppeln zu schaffen, um auf diese Weise die Räume zum Ruhme des Auftraggebers zu vergrößern. Ein gutes Beispiel dafür sind die von Andrea Mantegna für Luigi III. Gonzaga zwischen 1465 und 1474 geschaffenen Fresken in der Camera degli Sposi, (Mantua, Castel San Giorgio). Auch findet sich Scheinarchitektur an Außenfassaden.

In der sakralen Malerei begann die Blütezeit des Trompe-l’œil mit der Gegenreformation. Die Deckengewölbe manieristischer Kirchen der Jesuiten wurde mit Himmelfahrten Jesu oder Mariae bemalt und damit dem Himmel geöffnet. Im Rokoko wurden diese Darstellungen wieder profaner und nahmen sich der klassisch-antiken Themen an, zum Beispiel den Götterdarstellungen.

Heutige Verwendung

Heutzutage kommt das Trompe-l’œil zwar noch als – meist private – Innenraumgestaltung vor, doch hat es in der Filmindustrie als sogenanntes Matte Painting überlebt. In den ersten Star-Wars-Filmen wurde diese Technik wiederentdeckt und perfektioniert, um die Kosten für möglicherweise riesige Studioarchitekturen zu sparen. Der darzustellende Raum wurde auf Glasscheiben gemalt, nur wenige Stellen wurden dazu frei gelassen. Durch diese freien Stellen konnte die Kamera blicken – so mussten nur kleine Teile des Filmsets gebaut werden; die Schauspieler agierten in diesem Bereich, auf der Leinwand kann man keinen Übergang mehr feststellen.

Daneben lebt das Trompe-l’œil wieder in der Stadtgestaltung auf, um architektonische Mängel zu kaschieren; Trompe-l’œild wird vom Philosophen Robert Pfaller als „interpassive Praxis“ bezeichnet.

Trompe-l’œil/Réalité

In Frankreich sammelt 1955 Henri Cadiou (1906–1989) eine Gruppe von Künstlern um sich, die die Tradition der augentäuschenden Malerei wiederaufleben lassen. Er gründet die Künstlerbewegung „Trompe-l’œil/Réalité“ (auch „Trompe-l’œil de chevalet“), die 1960 erstmalig im Salon Comparaisons als Künstlergruppierung auftritt. Mit Ausstellungen im Center Cultural in New York, Corcoran Gallery in Washington oder Galerie Michelle Boulet in Paris feiern sie internationale Erfolge. Im Jahr 1989, nach dem Tod von Henri Cadiou, setzt sein Sohn, der Trompe-l’œil-Maler Pierre Gilou, das Werk seines Vaters fort. Er organisiert im Jahr 1993 im Pariser Grand Palais die grandiose Ausstellung "Le triomphe du Trompe-lœil", die in fünfzehn Tagen 65.000 Besucher anzieht.

Die ersten Angehörigen und Schüler der Gruppe aus den sechziger Jahren (Ducordeau, Malice, Poirier, Perron, Franchi, Intini, Yvel) sind selbst Meister des Trompe-l’œil geworden und stellen regelmäßig auf der ganzen Welt aus. Gleichzeitig hat sich eine neue Künstlergeneration herausgebildet (Canat, Gautier, Gilou, Lassel, Solnon) die in der Tradition des „Trompe-l’œil de chevalet“ arbeitet.

Beispiele

Siehe auch

Literatur

  • Eugen von Philippovich, Kuriositäten/Antiquitäten. Klinkhardt & Biermann, Braunschweig 1966
  • Ursula Benad, Martin Benad: Illusionmalerei heute. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 2002, ISBN 3-421-03372-2
  • M. Monestier: Trompe-l’œil Contemporaine - Les maîtres du réalisme. Verlag Menges, Paris. ISBN 2-8562-0334-5
  • Jean Monneret: Le Triomphe du Trompe-l’œil. Salon des Indépendents, Paris 1993. ISBN 2-8562-0337-x
  • Miriam Milman: Le Trompe-l’œil. Albert Skira, Genf 1986. ISBN 3-7796-5241-2

Weblinks


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