Tuamotu-Archipel


Tuamotu-Archipel
Tuamotu-Archipel
Übersichtskarte Tuamotu-Archipel
Übersichtskarte Tuamotu-Archipel
Gewässer Pazifischer Ozean
Geographische Lage 18° 2′ S, 141° 25′ W-18.040833333333-141.40944444444Koordinaten: 18° 2′ S, 141° 25′ W
Karte von Tuamotu-Archipel
Anzahl der Inseln 78 Atolle
Hauptinsel Rangiroa
Gesamtfläche 850 km²
Einwohner 18.317 (2007)

Der Tuamotu-Archipel (frühere Namen: Paumotuinseln, Dangerous Islands, Low Archipel) ist eine zu Französisch-Polynesien gehörende Inselgruppe im Südpazifik östlich der Gesellschaftsinseln. Diese weltgrößte Gruppe von Korallenatollen umfasst 78 mehr oder weniger große Atolle mit unzähligen Einzelinseln sowie drei Koralleninseln. 45 Atolle sind von insgesamt etwa 18.000 Menschen bewohnt, die meist polynesischen Ursprungs sind.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der Tuamotu-Archipel ist die Inselgruppe mit der weltweit größten Ausdehnung. Die Inseln erstrecken sich im Südpazifik über 15 Längen- und 10 Breitengrade von Mataiva im Norden bis Temoe im äußersten Südosten über mehr als 2.000 Kilometer. Sie befinden sich zwischen 14° und 23° südlicher Breite und zwischen 135° und 150° westlicher Länge und bedecken dabei mehr als 2 Millionen km², eine Fläche größer als Westeuropa. Die Landfläche aller Inseln zusammen beträgt dagegen nur etwa 850 km².

Geologie

Die Tuamotu-Inseln sind, mit Ausnahme der politisch zugehörigen Gambierinseln im äußersten Süden des Archipels, flache Korallenatolle bzw. -inseln. Sie erheben sich nur wenig über den Meeresspiegel. Die Atolle zeigen die verschiedensten Formen, je nach Zeitalter ihrer Entstehung. Es gibt kleine, runde bis ovale Einzelinseln mit einem geschlossenen Korallensaum (Niau), aber auch große ringförmige Strukturen mit unzähligen Einzelinseln um eine Zentrallagune (Rangiroa). Zu den Tuamotus gehören einige der größten Atolle der Erde, die zentrale Lagune von Rangiroa zum Beispiel ist 80 km lang und 32 km breit. Makatea ist eines der seltenen so genannten gehobenen Atolle mit einem bis zu 80 Meter hohen Plateau, das dadurch entstand, dass ein erdgeschichtlich älteres Korallenatoll durch spätere Verformung der Erdkruste angehoben wurde, worauf sich erneut ein Korallensaum um die Insel bildete.

Die Gambierinseln sind erdgeschichtlich jünger, sodass die basaltischen Zentralberge der Hauptinseln noch mehr als 400 m über den Meeresspiegel emporragen.

Geographie

Geographisch lassen sich die Tuamotus in neun Gruppen einteilen:

Inseln und Atolle im Tuamotu-Archipel
Blick auf die Lagune des Fakarava-Atolls

siehe auch: Liste der Tuamotu-Inseln

Klima

Das Klima ist tropisch warm ohne ausgeprägte Jahreszeiten. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt relativ gleich bleibend 26 °C.

Ganzjährige Quellen, Bäche oder Flüsse fehlen, sodass die einzige Frischwasserquelle aus aufgefangenem Regenwasser besteht. Im Jahresdurchschnitt fallen 1.400 mm Regen (Vergleich: Köln 700 mm), wobei sich die Regenmengen in den einzelnen Monaten nur wenig unterscheiden. Die trockensten Monate sind September bis November.

Flora und Fauna

Flora

Alle Tuamotus, ausgenommen Makatea und die Gambierinseln, sind niedrige Koralleninseln, die aus Korallenschutt und –sand bestehen. Sie erheben sich nur wenig – zwischen einem und sechs Metern – über den Meeresspiegel. Auf einigen Inseln (z.B.: Anaa, Niau, Tepoto, Rangiroa) findet man flache Hügel aus massivem Kalkstein, in Tuamotuan feo genannt, stark verwitterte, scharfkantige Überbleibsel alter Korallenriffe. Der wenig fruchtbare Boden lässt lediglich eine artenarme Vegetation zu, die sich auf allen Inseln ähnlich entwickelt hat. Während des Kopra-Booms im 19. Jahrhundert wurde jedoch die ursprüngliche Vegetation mittels Brandrodung rücksichtslos beseitigt, um ausgedehnte Kokosplantagen anzulegen. Nur noch auf wenigen Inseln sind daher spärliche Reste der indigenen Flora verblieben.

Der ursprüngliche Bewuchs bestand aus Pisonia grandis und Heliotropium foertherianum (Syn.: Tournefortia argentea), die auf einigen Inseln monospezifische Wälder gebildet hatten oder durchsetzt waren mit Morinda citrifolia, Pandanus und den zu den Kaffeegewächsen gehörenden Tarenna sambucina. Eingerahmt wurden diese sechs bis zehn Meter hoch wachsenden Bäume von buschiger Vegetation, u. a. bestehend aus Pemphis acidula, Timonius polygamus und Scaevola taccada. Als Vor- und Unterwuchs hatten sich krautige Pflanzen, Gräser und Farne festgesetzt, wie zum Beispiel: Hedyotis romanzoffiensis (Syn.: Kadua romanzoffiensis, Coprosma oceanica), Lepturus lepens oder Nephrolepis sp..[1]

Die Nutzpflanzen der heutigen Bewohner, Yams, Taro, Bananen und Brotfrüchte sowie mehrere Arten von tropischen Früchten, wurden überwiegend von den Polynesiern eingeführt, einige andere, zum Beispiel Zitrusfrüchte und Vanille, später von den Europäern.

Eine Besonderheit auf einigen Tuamotu-Inseln (z.B.: Takapoto, Fakahina) ist der Nassfeldanbau von Taro, über den bereits 1837 Jacques-Antoine Moerenhout berichtete und den die polynesischen Ureinwohner schon kannten.[2] In den porösen Korallenboden wird ein tiefer Graben gezogen, der die Ghyben-Herzberg-Linse anschneidet. Das austretende Frischwasser versorgt die Taro-Pflanzen mit ausreichend Feuchtigkeit.[3]

Die Insulaner sind überwiegend Selbstversorger. Der kleinteilig betriebene Garten- und Feldbau bildet neben dem Fischfang und der Schweine- und Hühnerhaltung die Lebensgrundlage. Von wirtschaftlicher Bedeutung ist immer noch die Kokospalme, die Grundlage für eine kleine Kopra-Produktion. Auf einigen Inseln wird in kleinen Mengen Tahiti-Vanille für den Export angebaut.

Fauna

Auf den Tuamotus, insbesondere den unbewohnten Inseln, nisten zahlreiche Seevögel. Eine Studie im Auftrag des WWF hat insgesamt 22 Arten aufgelistet.

Die Fauna auf den Inseln selbst ist sehr artenarm. Interessant und mittlerweile bedroht ist der endemische (nur hier vorkommende) Südseeläufer (Prosobonia cancellata). Die Tuamotus sind ein bedeutendes Rückzugsgebiet für die Brachvogelart Numenius tahitensis, die in Alaska brütet und von Oktober bis März in der Südsee überwintert.

Die übrige Fauna an Land beschränkt sich auf Insekten, Landschnecken und Eidechsen. Mit ursächlich für die Artenarmut dürfte das unbeabsichtigte Einschleppen von Ratten im Zusammenhang mit der Anlage von Kokosplantagen gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewesen sein. Zur Bekämpfung der Rattenplage wurden Katzen eingeführt, die jedoch ebenfalls zur Reduktion der einheimischen Fauna beitrugen.

Der relativ geringen Biodiversität an Land steht eine artenreiche Unterwasserwelt entgegen. Bei den meisten Atollen gibt es zwischen den Lagunen und dem offenen Ozean einen regen, durch die Tide gesteuerten Wasseraustausch. Zahlreiche Fische passieren die Kanäle (Hoa) zwischen den Koralleninseln der Ringstrukturen und verbringen einen Großteil ihres Lebens in den geschützten Lagunen.

Die Lagunen selbst sind, je nach Alter, unterschiedlich tief. Der Boden ist in der Regel mit feinem Sand bedeckt, der von zerriebenen Korallen oder Schalen von Meeresorganismen herrührt. Der Sand beherbergt zahlreiche Mikroorganismen (Algen und Cyanobakterien), die wiederum heterotrophen Lebewesen, die auf oder in den Sedimenten leben, als Nahrung dienen. Die nächste Stufe der Nahrungskette wird von Schnecken, Seescheiden, Seeigeln, Seesternen und Muscheln gebildet, gefolgt von der großen Vielfalt der in der Mehrzahl verhältnismäßig kleinen Korallenfische. Bisher wurden bei den Tuamotus über 600 Arten registriert. Die größten Populationen der Korallenfische findet man jedoch nicht im Innern der Lagunen, sondern im Bereich der Passagen, wo mit den Tiden reiche Nahrung eingespült wird. An der Spitze der Nahrungspyramide stehen die Haie, vorwiegend der Weißspitzenriffhai. Vom Bakterium bis zum Hai hat jeder Organismus seinen Platz in dem empfindlichen und mittlerweile höchst bedrohten Ökosystem der Atolle.

Geschichte

Die Frühgeschichte der Tuamotu-Inseln liegt weitgehend im Dunkeln. Ethnologische Befunde lassen den Schluss zu, dass vermutlich recht früh, etwa um 700 n. Chr., eine Besiedlung von Westen, von den Gesellschaftsinseln erfolgte. Auf zahlreichen Inseln der Tuamotus (u.a. Rangiroa, Manihi, Takapoto, Takaroa, Mataiva) gibt es aus Korallenblöcken errichtete Zeremonialplattformen der polynesischen Ureinwohner (polynesisch: Marae). Deren genaues Alter ist meist unbekannt, da umfassende und systematische archäologische Untersuchungen für die meisten der Inseln noch ausstehen. Weitere, heute noch sichtbare, jedoch nur auf wenigen Inseln erhaltene Baudenkmäler sind Fischfallen (Mangareva) und Pflanzgruben für Taro, die die Ghyben-Herzberg-Linse anschneiden (u.a. Puka Rua, Takapoto).[4]

Anaa, das einst mit 5000 Einwohnern[5] am dichtesten besiedelte Atoll des Archipels, scheint durch eine Reihe von Eroberungskriegen eine Vormachtstellung unter den anderen Inseln eingenommen zu haben. Unter Häuptling Tomatiti sollen die Krieger bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die nordwestlich gelegenen Atolle erobert haben. Sie entführten zahlreiche Bewohner als Geiseln nach Anaa und forderten Tribut, ließen ansonsten jedoch die Herrschaftsstrukturen der annektierten Inseln unverändert.[6] Charles Wilkes berichtet, die Krieger von Anaa hätten sich sogar auf Taiarabu-Halbinsel von Tahiti (Tahiti Iti) festgesetzt und nur durch Verhandlungen und Tributzahlungen sei es König Pomaré I. gelungen, sie zum Abzug zu bewegen.[7]

Eine Expedition entdeckt die Krusensterninseln (heute Tikehau), Frühjahr 1816

Für Europa wurden die Tuamotus 1521 von Ferdinand Magellan während seiner berühmten Weltumseglung entdeckt, als er Puka Puka und möglicherweise auch Fakahina und Fangatau besuchte. Danach folgten 1606 der Spanier Pedro Fernández de Quirós, 1616 die Holländer Willem Cornelisz Schouten, Jakob Le Maire und 1722 Jakob Roggeveen, der Entdecker der Osterinsel, 1765 John Byron und 1767 Samuel Wallis. Anfang April 1769 passierte James Cook mit seinem Schiff Endeavour einige Inseln des Tuamotu-Archipels, doch obwohl er feststellte, dass sie bewohnt waren, ging Cook nicht vor Anker, sondern segelte weiter nach Tahiti zur Beobachtung des Venustransits. Es folgten 1768 der Franzose Louis Antoine de Bougainville sowie 1815 der in Diensten der russischen Zaren stehende Deutsche Otto von Kotzebue. Diese Entdeckungen hatten zunächst politisch keine Folgen. Die Inseln gehörten weiterhin zum Einflussbereich der Königsdynastie Pomare von Tahiti.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erschienen die ersten Missionare. Als Folge drang auch die Kunde vom Perlenreichtum der Inseln nach Europa und machte sie zu einem begehrten Ziel der Kolonisation europäischer Imperien.

Nachdem bereits Königin Pomare Vahine IV. von Tahiti den Drohungen des aus Frankreich entsandten Admirals Dupetit-Thouars nachgeben und das französische Protektorat über ihren Herrschaftsbereich anerkennen musste, verzichtete ihr Sohn und Nachfolger Arijane, der als Pomare V. nur noch eine Scheinregierung führte, 1880 auf jeglichen Thronanspruch. Als Folge wurden die Tuamotu-Inseln von Frankreich annektiert.

In die Schlagzeilen der Weltpresse gerieten die Tuamotus, als 1947 Thor Heyerdahl mit seinem Floß Kon-Tiki von Südamerika kommend das Atoll Raroia erreichte.

In der jüngeren Geschichte erlangten die zu den Tuamotu-Inseln gehörenden Atolle Mururoa und Fangataufa als Testgelände der französischen Kernwaffen traurige Berühmtheit. In den Jahren 1966 bis 1996 führte das französische Militär zweihundert Atomtests auf den beiden Inseln durch.

Bevölkerung

Bei einer Volkszählung im Jahr 2002 hatte der Tuamotu-Archipel einschließlich der Gambierinseln 15.862 Einwohner. 769 Menschen wohnten weniger als 400 Kilometer von dem französischen Atomtestgebieten Mururoa und Fangataufa entfernt. Die Urbevölkerung ist polynesischen Ursprungs, mittlerweile gibt es jedoch durch die Perlenindustrie nicht wenige Zuwanderer aus Europa und Asien. Die Einwohner sind überwiegend römisch-katholischen Glaubens.

Verwaltung, Wirtschaft und Infrastruktur

Zum Trocknen ausgebreitete Kopra (Puka-Puka)

Politisch sind die Tuamotus Französisch-Polynesien angegliedert. Sie sind Französisches Übersee-Territorium. Die Verwaltung erfolgt durch eine Unterabteilung (Subdivision des Îles Tuamotu-Gambier) des Hochkommissariats von Französisch-Polynesien (Haut-commissariat de la République en Polynésie française) in Papeete auf der Insel Tahiti. Die Aufgabe des Hochkommissars liegt im Wesentlichen in der Beratung und Unterstützung der Gemeindeverwaltungen, insbesondere in Budget- und Wirtschaftsfragen, der Rechtmäßigkeitprüfung der Beschlüsse der Gemeinderäte und der Haushaltskontrolle.

Der Archipel Tuamotu-Gambier gliedert sich politisch in 17 Gemeinden, die sich selbst verwalten. Alle Gemeinden außer Puka Puka und Tatakoto bestehen aus mehreren Atollen. 13 der 17 Gemeinden sind in 35 „Communes associées“ (Teilgemeinden) unterteilt. Nur die beiden aus je einem Atoll bestehenden Gemeinden Puka Puka und Tatakoto, sowie die Gemeinden Gambier und Tureia werden nicht weiter in Communes associées untergliedert.

Arbeiter einer Perlen-Farm (Rangiroa)

Währung ist der an den Euro gebundene CFP-Franc. Die Tuamotus werden umfangreich mit Subventionen aus Frankreich und der EU unterstützt. Die Wirtschaft beruht im Wesentlichen auf drei Säulen:

  • Kopraproduktion; die Tuamotus produzieren in Klein- und Familienbetrieben jährlich etwa 8.000 Tonnen, davon ungefähr zwei Drittel für den Export, der Rest wird im Land verarbeitet
  • Zucht schwarzer Perlen; die heute wohl bedeutendste Einnahmequelle, die jedoch überwiegend in der Hand von Hongkong-Chinesen ist
  • Tourismus; die touristische Infrastruktur ist derzeit allerdings noch bescheiden entwickelt und beschränkt sich überwiegend auf den Tauch- und Luxustourismus auf den Inseln Rangiroa, Tikehau, Fakarava und Manihi.

Einzelnachweise

  1. D. Mueller-Dombois & F. R. Fosberg: Vegetation of the Tropical Pacific Islands, New York-Berlin 1998, S. 433-437
  2. J.A. Moerenhout: Travels to the Islands of the Pacific Ocean, London 1837, Reprint: Lanham 1983, S. 99
  3. P. V. Kirch: The evolution of the Polynesian chiefdoms, Cambridge (Mass.) 1996, S. 169
  4. siehe dazu: Kenneth P. Emory: Tuamotuan Stone Structures, Honolulu 1934
  5. Charles Wilkes: Narrative of the United States Exploring Expedition, Philadelphis 1845, Vol. 1, S. 357
  6. Kennth P. Emory: Tuamotuan Religious Structures and Ceremonies, Honolulu 1947, S. 7
  7. Charles Wilkes a.a.O.

Literatur

  • Bonvallot, Jacques et al.: "Les Atolls des Tuamotu", Paris 1994, ISBN 2-7099-1175-2. Die umfangreichste Veröffentlichung über diesen Archipel. Sehr gut recherchiert mit zahlreichen Literaturhinweisen. Leider nur in Französisch erhältlich.

Weblinks

 Commons: Tuamotu-Archipel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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