Universität Kassel


Universität Kassel
Universität Kassel
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Gründung 1970
Trägerschaft staatlich
Ort Kassel
Bundesland Hessen
Staat Deutschland
Präsident Rolf-Dieter Postlep
Studenten 21.500 (WS 2011/12)[1]
Mitarbeiter 2.756 (2009)
davon Professoren 312 (2009)
Jahresetat 174,3 Mio.€ (2009)
Website www.uni-kassel.de

Die Universität Kassel ist die nördlichste Universität Hessens. Die heutige Universität Kassel wurde 1970 als Gesamthochschule Kassel (GhK) gegründet; sie war die erste Hochschule dieser Art und die einzige Gesamthochschule außerhalb Nordrhein-Westfalens. Der erste gestufte Diplomstudiengang nach dem singulären Lehrkonzept des Kasseler Modells beginnt 1974.

Das Kasseler Gesamthochschulkonzept beinhaltet die Integration verschiedener Vorgänger-Hochschulformen, hier waren es die Hochschule für Bildende Künste, die Ingenieurschule sowie die Höhere Wirtschaftsfachschule, in einer einzigen Hochschule. Zusätzlich wurde begonnen, die Gebäude vieler Fachbereiche und Institute an einem zentralen Ort, dem Campus Holländischer Platz, zu konzentrieren. Die stadträumliche Konzentration ist jedoch noch nicht abgeschlossen: Fachbereiche sind heute in der Stadt Witzenhausen und im Stadtgebiet von Kassel (Heinrich-Plett-Straße, Menzelstraße, Wilhelmshöher Allee, Damaschke-Straße) angesiedelt. Die Verwaltung befindet sich seit 1985 nordöstlich der Innenstadt im Stadtbezirk Nord-Holland auf dem ehemaligen Gelände der Firma Henschel, dem heutigen Campus Holländischer Platz. Langfristig ist vorgesehen, weitere über die Stadt Kassel verteilten Einrichtung an den Holländischen Platz zu verlegen. Die dafür bereits im Jahr 2002 durch das Land erworbenen Flächen der ehemaligen Zeltfabrik Gottschalk & Co werden auf Grundlage des 2005 beschlossenen Baustrukturkonzeptes für die Hochschule umgenutzt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Universität

Die alte Henschel-Esse ist zentraler Orientierungspunkt auf dem Campus
Campus der Universität Kassel am Holländischen Platz
Neubau der Sprach- und Erziehungswissenschaften mit Blick auf die Brüderkirche

Bereits 1633 durfte sich Kassel für zwanzig Jahre Universitätsstadt nennen, bevor die hessische Landesuniversität aus dem Renthof in das wiedergewonnene Marburg zurückverlegt wurde. Landgraf Friedrich II. gründete 1777 die heutige Kunsthochschule als Akademie der Künste. Auch die 1832 gegründete Höhere Gewerbeschule (Polytechnikum), an der u. a. die Chemiker Heinrich Buff, Friedrich Wöhler und Robert Wilhelm Bunsen lehrten und forschten, und die Staatsbauschule Kassel (ab 1963 Staatliche Ingenieurschule)[2] können als Vorläufer der Kasseler Universität angesehen werden. Bereits 1866 gab es Pläne, das Polytechnikum zu einer technischen Hochschule oder Universität auszubauen; aus Geldmangel konnte das Vorhaben in Kassel nicht realisiert werden (statt dessen wurde 1870 die Technische Hochschule Aachen gegründet).

Am Nebenstandort Witzenhausen wurde 1898 die Deutsche Kolonialschule (Tropenschule) gegründet, um Menschen für eine Übersiedlung in die deutschen Kolonien landwirtschaftlich auszubilden. Heute befindet sich am Standort Witzenhausen der Fachbereich 11 Ökologische Agrarwissenschaften der Universität.

Erste Forderungen nach Gründung einer Universität in Kassel wurden 1958 laut, später erfolgte die Gründung einer Bürgerinitiative zur Erreichung dieses Ziels. 1970 beschloss der hessische Landtag die Gründung einer integrierten Gesamthochschule. Ludwig von Friedeburg, der hessische Kultusminister, gilt als Gründer der Kasseler Gesamthochschule. Am 25. Oktober 1971 begann der Lehrbetrieb. Gründungspräsidentin wurde ein Jahr später Frau Vera Rüdiger. Der erste gestufte Diplomstudiengang nach dem neuen Kasseler Modell begann 1974. Ein Jahr später wurde Ernst Ulrich von Weizsäcker neuer Präsident der GhK. Der Studiengang Wirtschaftswissenschaften wurde zum Wintersemester 1978 in der damaligen "Organisationseinheit Wirtschaft", heute Fachbereich 07 (Wirtschaftswissenschaften) eingerichtet. "Am Holländischen Platz (Hopla) befindet sich seit 1985 der neue Campus. Beim 20-jährigen Jubiläum der Hochschule waren mehr als 16000 Studenten eingeschrieben. Der Hochschulkonvent beschloss 1993 die Änderung des Namens in „Universität Gesamthochschule Kassel“. Seit diesem Jahr ist die Uni weiterhin Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zum Wintersemester 2001 wurden mit Hilfe externer Sponsoren zwei neue interdisziplinäre Studienangebote eingerichtet: Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen. Die Universität feierte am 15. Februar 2002 − dreißig Jahre nach Gründung der Hochschule − ihren ersten Universitätstag. Mit einem Senatsbeschluss fiel 2003 der Namensteil „Gesamthochschule“ weg, die Uni heißt seitdem nun nur noch „Universität Kassel“. Ein Jahr später wurden neue Bachelor- sowie Masterstudiengänge eingerichtet und noch im selben Wintersemester kamen weitere Diplom-Studiengänge wie Mechatronik und Nanostrukturwissenschaften zum Angebot der Universität hinzu. Mit der Modularisierung unter den Rahmenbedingungen des Bolognaprozesses begann die Vorbereitung von Credit-Point-System und zentraler, automatisierter Studienleistungserfassung.

Seit März 2011 laufen die Bauarbeiten für den Ausbau des Campus-Geländes. Auf einer Fläche von 8,5 Hektar entstehen ein Hörsaal- und Campus-Center, neue Gebäude für den Fachbereich Architektur sowie neue Wohnungen des Studentenwerks und ein Kindergarten. Gleichzeitig wird die Zentralmensa um 400 Plätze erweitert und ältere Gebäude saniert. Die Kosten für den Aus- und Umbau belaufen sich auf ca. 70 Mio Euro und sollen bis 2014 abgeschlossen sein. [3]

Lehre und Forschung

Die Forschung an der Universität Kassel ist traditionsgemäß vielfältig und transdisziplinär verknüpft. Zusammengefasst werden können die Aktivitäten im Universitätsprofil „Natur, Technik, Kunst, Gesellschaft“. Arbeitsschwerpunkte liegen einerseits im Bereich der interdisziplinären Umweltforschung und -lehre (z.B. CLIMA, KLIMZUG-Nordhesen, GradZ), den technischen Ingenieurwissenschaften (Umformtechnik), der neu gegründeten Informatik (Nutzung aktueller Technologien unter Berücksichtigung der informationellen Selbstbestimmung) sowie der Nanostrukturwissenschaften, andererseits in den Erziehungswissenschaften (Schulforschung, Reformpädagogik), den Sozialwissenschaften (Globalisierungsforschung, Soziologie), der Linguistik (Pragmatik, Sprachgeschichte) und in Kunst und Design. Die wissenschaftlichen Zentren für Umweltsystemforschung (CESR), Hochschulforschung (INCHER) und das Kompetenzzentrum für Klimaschutz und Klimaanpassung (CliMA) sind in ihrer Form einmalig und international wirksam. Die auf den Gebiet der thermischen Bauphysik und deren Umsetzungs- und Anwendungsforschung tätigen Einrichtungen des Zentrums für Umweltbewusstes Bauen (ZUB) und der benachbarten Repräsentanz des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik (IPB) sind für die Hochschule ebenso profilbildend.

Neben einem umfangreichen Angebot an berufsqualifizierenden Studiengängen bietet die Universität auch weiterbildende Studiengänge für Berufstätige an. Über insgesamt 22 Hochschulpartnerschaften, mehr als 100 internationale Fachbereichskooperationen sowie 115 Partnervereinbarungen im Rahmen von Kooperations- und Austauschprogrammen innerhalb der EU (Sokrates und Erasmus) fördert die Universität die Internationalisierung der Ausbildung und den Austausch zwischen Studierenden sowie Wissenschaftlern in aller Welt. Seit 1998 biete die Universität Kassel als damals erste Hochschule einen Masterstudiengang Public Administration als berufsbegleitendes Studium für Angehörige des Öffentlichen Dienstes an.


Die Hochschule kooperiert mit der Global Labour University.

Besonderheiten

Die Lehre an der Uni Kassel ist vom sogenannten Kasseler Modell, einem Lehrkonzept mit großem Praxisbezug geprägt, das durch die bei ihrer Einrichtung reformierten Lehramtsstudiengänge sowie der Geschichte als Gesamthochschule begründet ist: In sämtlichen Studiengängen müssen schon recht früh Berufspraktika absolviert werden. So lernen beispielsweise Lehramtsstudenten den Lehreralltag bereits im Grundstudium kennen, während an anderen Universitäten Schulpraktika bislang erst gegen Ende des Studiums anstanden.

Siehe auch: Universitätsbibliothek Kassel

Seit 1991 gibt es an der Kasseler Hochschule den Literaturpreis Brüder Grimm Professur.[4]

Studentisches Kulturleben

Das "K19" an der Moritzstraße

Pünktlich zur Documenta XI 2002 nahm das studentische Kulturzentrum „K19“ seinen Betrieb auf. Eingerichtet als Studentenclub in einer alten Wartungshalle der Henschel-Werke und großzügig ausgestattet mit Veranstaltungstechnik bietet es einen offenen Raum für vielfältige Kulturveranstaltungen.

Neben der studentischen Selbstverfasstheit des StuPas und des AStAs tragen darüber hinaus das Café DesAStA und die Struktur der Autonomen Referate maßgeblich zur Bereicherung studentischen Kulturlebens auf dem Campus und darüber hinaus bei. Seit den späten 1980er Jahren besteht das Autonome Behindertenreferat (ABeR), seit Beginn der neunziger Jahre das Autonome Referat für Frauen und Geschlechterpolitik (FreiRaum) und das Autonome Schwulenreferat (ASR).

Bei dem von UNICUM.de veranstalteten Wettbewerb "Mensa des Jahres 2010" konnte das am Campus "Holländischer Platz" angesiedelte Bistro K10 den dritten Platz erreichen.

Fachbereiche (Fakultäten)

Einrichtungen und Institute

  • Internationales Zentrum für Hochschulforschung Kassel (INCHER-Kassel)
  • Center for Environmental Systems Research (CESR)
  • Kompetenzzentrum für Klimaschutz und Klimaanpassung (CliMA)
  • Das Graduiertenzentrum für Umweltforschung und -lehre (GradZ Umwelt)
  • Center for Interdisciplinary Nanostructure Science and Technology (CINSaT)
  • Graduiertenkolleg „Öffentlichkeiten und Geschlechterverhältnisse. Dimensionen von Erfahrung“
  • Promotionskolleg „Kinder und Kindheiten im Spannungsfeld gesellschaftlicher Modernisierung“
  • Interdisziplinäre Arbeitsgruppe (IAG) Frauen- und Geschlechterforschung
  • Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Friedensforschung (AGF)
  • IAG Philosophische Grundlagenprobleme
  • IAG Werkstoffe der Mikroelektronik
  • IAG Gewässerforschung und Gewässerschutz
  • IAG Grundschulpädagogik
  • IAG Kulturforschung
  • ITS IT-Servicezentrum (ehemals Hochschulrechenzentrum)
  • Zentrum für Lehrerbildung
  • Referat Kernstudium
  • Referat für Schulpraktische Studien
  • Uni Kassel International Management School
  • UniKasselTransfer

Absolventen

Professoren

Siehe auch

Archiv

Das Archiv der Universität Kassel wird als Depositum im Hessischen Staatsarchiv Marburg (Bestände 420 bis 429) aufbewahrt. Es umfasst u.a. das archivwürdige Schriftgut der Zentralverwaltung[6], der einzelnen Fachbereiche[7] und der Vorgängereinrichtungen, darunter der Werkkunstschule.[8]

Literatur

  • Annette Ulbricht (Hrsg.): Von der Henschelei zur Hochschule. Der Campus der Universität Kassel am Holländischen Platz und seine Geschichte. Kassel, 2004; ISBN 3-89958-099-0
  • Präsident der Gesamthochschule Kassel (Hg.) 1986: 40 Jahre Bauingenieurstudium in Kassel 1946 bis 1986, ein Rückblick. Kassel: Selbstverlag

Einzelnachweise

  1. [1]
  2. siehe Literatur 40 Jahre Bauingenieurstudium in Kassel
  3. http://cms.uni-kassel.de/unicms/index.php?id=36613
  4. Kasseler Brüder Grimm Professur
  5. ITeG-Seite an der Universität Kassel
  6. Übersicht über den Bestand Zentralverwaltung Hessisches Archiv-Dokumentations- und Informations-System. Abgerufen am 9. September 2011
  7. Übersicht über die archivierten Unterlagen der Fachbereiche Hessisches Archiv-Dokumentations- und Informations-System. Abgerufen am 9. September 2011
  8. Übersicht über den Bestand Werkkunstschule Hessisches Archiv-Dokumentations- und Informations-System. Abgerufen am 9. September 2011

Weblinks

 Commons: Universität Kassel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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