Unproduktive Arbeit


Unproduktive Arbeit

Unproduktive Arbeit – auch als nichtproduktive Arbeit bezeichnet – ist umgangssprachlich Arbeit, die das dem Arbeitenden gesteckte Hauptziel nicht fördert. Für die klassische ökonomische Theorie, die Politische Ökonomie, ist unproduktive Arbeit ein zentrales theoretisches Konzept. Die marxistische Terminologie ist nicht von Adam Smith und den Klassikern übernommen und bezeichnet eine Arbeit, die keinen Mehrwert erarbeitet, sondern aus der Revenue bezahlt wird. Ein gegen Lohn arbeitender Clown ist für Marx produktive Arbeit, er schafft dem ihn bezahlenden Kapitalisten einen Mehrwert. Für die klassische Ökonomie ist dies unproduktive Arbeit, da seine Arbeit kein Input der nächsten Produktionsperiode ist (s.u.).

Inhaltsverzeichnis

Allgemeiner Sprachgebrauch

Hier werden Arbeiten zusammengefasst, die für einen ordentlichen Betriebsablauf oft sinnvoll und erforderlich sind (etwa der Pförtner, die Kantinenkraft, die Reinigungskraft, der Cheffahrer, die Bürohilfe), aber nicht direkt der (industriellen) Produktion des Unternehmens zuzuordnen sind. Nichtproduktive Mitarbeiter sollten jedoch nur in geringer Anzahl den produktiven Mitarbeitern gegenüber stehen, da sonst die wirtschaftliche Existenz des Unternehmens gefährdet ist.

Das gilt nicht nur für Unternehmen, sondern für die gesamte Volkswirtschaft. Wenn die Gesamtzahl der nichtproduktiven Menschen in einer Volkswirtschaft (z. B. durch zu viele Mitarbeiter in Verwaltungen, Behörden oder zu viele Rentner) gegenüber der Gesamtzahl der produktiv tätigen Menschen unverhältnismäßig groß ist, kommt es durch dieses Ungleichgewicht zu einer negativen Leistungsbilanz im Außenhandel und zu gesellschaftlichen Verteilungskämpfen und -ungerechtigkeiten.

Unproduktive Arbeit in der Volkswirtschaftstheorie

Das volkswirtschaftliche Konzept unproduktive Arbeit hat ein Schicksal, das dem des physikalischen Begriffs Phlogiston ähnelt. Für Newton, und bis das Element Sauerstoff voll verstanden wurde, war Phlogiston ein unklares, aber unverzichtbares physikalisches Element, das die Verbrennung erklärt. Die heutige Physik schämt sich des Begriffs. Unproduktive Arbeit ist das zentrale Konzept der ökonomischen Klassik. Aber wer heute diesen Begriff gebraucht, zeigt seine volkswirtschaftliche Inkompetenz. Während aber Phlogiston in der Physik nur historisch wichtig ist, wurde unproduktive Arbeit ein volkswirtschaftliches Un-Konzept, weil sich das Ziel und das Selbstverständnis der Theorie änderte mit dem Übergang von der klassischen zur neoklassischen Theorie. Unter der klassischen Zielsetzung ist unproduktive Arbeit weiterhin ein notwendiger Begriff. Diese Verschiebung ist Folge einer 100-jährigen erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung konzentriert auf wenige Länder, auf deren neue Situation die Konzepte der klassischen Theorie wenig anwendbar schienen; so waren für die Industrie nicht mehr die Landbesitzer, deren Getreidepreis den Mindestlohn bestimmt, sondern die sich nun gewerkschaftlich organisierenden Arbeiter das Problem für weiteren Fortschritt.

Als Ergebnis der Kapitaltheorie-Debatte (1954[1] - 1966[2]), in der die Logik des neoklassischen Kapitalbegriff aus klassischer Sicht bezweifelt wurde – erhalten die klassischen Konzepten und damit auch der Begriff unproduktive Arbeit wieder Bedeutung.

Unproduktive Arbeit und Neoklassische Theorie

Die Neoklassik formulierte die Nutzenmaximierung als Ziel volkswirtschaftlichen Handelns und ist daher mikro-ökonomisch formuliert. Für eine mikro-ökonomische Volkswirtschaftslehre kann es keine unproduktive Arbeit geben. Ein homo oeconomicus handelt rational und jede Arbeit verfolgt das Ziel, Nutzen zu erzielen. Unproduktive Arbeit ist daher neoklassisch ein Un-Begriff und keiner rationalen Diskussion fähig. Für Schumpeter[3] ist unproduktive Arbeit ein "dusty museum piece".

Unproduktive Arbeit und ökonomische Klassik

Die klassische Ökonomie entstand im Kontext um die Macht konkurrierender Nationalstaaten. Sie ist daher eine Wachstums- und Entwicklungstheorie, um dem Staat höhere Steuereinnahmen und somit auch Militärausgaben zu ermöglichen. Der Merkantilismus strebte dieses Ziel durch nationalen Protektionismus an; die Klassiker erklären, dass national wie international offene Märkte der bessere Weg sind.

Entwicklung und Wachstum finden statt, wenn in der Reproduktion einer Wirtschaft der Input an Waren und Dienstleistungen der Periode2 größer ist als der Input an Waren und Dienstleistungen der Periode1. Dies ist nur dann der Fall, wenn ein wachsender Teil des Outputs der Periode1 Input der Periode2 wird und nicht Endkonsum oder unproduktive Arbeit. Dann wächst der Kapitalstock, einschließlich des Humankapitals, einer Gesellschaft und erhöht die Produktivität der eingesetzten physischen Arbeit. Der Teil des Outputs der Periode1, der Endkonsum wird, der also nicht Input der Periode2, geht für das Wachstum der Wirtschaft verloren. Die in diesen Waren und Dienstleistungen steckende Arbeit ist für das Ziel Wachstum unproduktiv, unabhängig von der Produktivität der Arbeiter. Der Konsum von Kaviar schafft den Verbrauchern einem hohen Nutzen, weil sie sich damit sozial von den Klassen unterscheiden, die sich Kaviar nicht leisten können; für die Reproduktion des Wirtschaftssystems ist Kaviar aber kein Input. Die Herstellung von Kaviar ist somit klassisch „unproduktive Arbeit“, während sie neoklassisch hoch produktiv ist.

Die Économistes (Physiokraten) als Väter des Konzepts unproduktive Arbeit

Obwohl die Elemente der klassische Reproduktionsanalyse schon früher, so bei Petty (1662) und Cantillon (1732) zu finden sind, war es vor allem Quesnays Tableau économique, das diesen Zusammenhang darstellte. Anlass war Frankreichs unmittelbar drohender Bankrott, der Quesnay als dem Leibarzt von Ludwig XV. dazu brachte, in Analogie zum Blutkreislauf Vorschläge zur Sanierung Frankreichs zu machen. Diese Reproduktionsanalyse ist der Denkansatz der ökonomischen Klassik. Da Quesnay das feudale System retten und nicht kritisieren wollte, werden nicht Adel und Kirche als die Konsumenten unproduktiver Arbeit angeprangert, sondern die Handwerker und Manufakturen, die aufgrund der polarisierten Einkommenssituation fast ausschließlich für Adel und Kirche arbeiten. Sie sind für die Économistes eine classe stéril. Daher ist für Quesnay nur die Landwirtschaft produktiv, da ihre Produkte Input der nächsten Periode werden. (Für die radikal andere neoklassische Sicht, warum für Quesnay nur die Landwirtschaft produktiv ist, siehe Samuelson[4] oder auch Physiokratie.)

Der hoch politische Kontext dieser Analyse erklärt, warum nicht gesagt wird, dass nur unter diesen französischen feudalen Bedingungen Handwerk und Manufaktur sterile Klassen sind - in England war dies anders - und dass sie, wenn sie beginnen, zunehmend für die zu fördernde Landwirtschaft Geräte und Dienstleistungen zu erstellen, zunehmend produktiv werden, weil die Einkommensverteilung sich veränderte. Mit den Sturz Turgots schwand der Einfluss der Économistes auf die französische Politik. Weitere Kreditaufnahme und die fortgesetzte Förderung der Produktion von Luxusartikeln führten letztendlich zur Französischen Revolution.

In der Theorie der ethischen Gefühle, 1759, spricht Adam Smith davon, dass eine unsichtbare Hand dafür sorgt, dass die Prasserei der Reichen den Armen ein Auskommen schafft, da der Magen eines Reichen einen begrenzten Umfang hat.[5] Nach seiner Frankreichreise (1764- 1766) und den Gesprächen mit den Économistes ist im Wohlstand der Nationen (1776) für Smith dieser Konsum der Reichen unproduktive Arbeit, die das Wirtschaftswachstum schmälert. Für Smith war Quesnay der Vater der Volkswirtschaftslehre und ihm hätte er seine Wealth gewidmet, wäre Quesnay nicht schon früher storben.[6]

Adam Smiths Wachstumsprogramm

Cannan[7] stellt im Vorwort zum Wohlstand der Nationen fest, dass Adam Smith die Struktur seiner früheren Vorlesungen beibehält, dass aber neue Elemente hinzukamen, die Adam Smith auf seiner Frankreichreise von den Économistes übernahm. Diese neuen Elemente sind die Konzepte der klassischen ökonomischen Theorie, die Smith an den Anfang des Werkes stellt. Der Wohlstand der Nationen ist somit ein inhomogenes Buch und Ricardo versuchte in den Principles of Political Economy and Taxation (1817), die Spreu vom Weizen zu trennen.

Adam Smith beginnt den Wohlstands der Nationen mit seinen Wachstumsprogramm:

"Die jährliche Arbeit eines Volkes ist die Fundus [„fund“ im Sinne von Input, fehlleitend meist :als „Quelle“ übersetzt], aus der es ursprünglich mit allen notwendigen und angenehmen Dingen des Lebens versorgt wird, die es über das Jahr verbraucht. ... Zwei Faktoren bestimmen nun in jedem Land diese Pro-Kopf-Versorgung: Erstens die Produktivität der Arbeit als Ergebnis von Geschicklichkeit, Sachkenntnis und Erfahrung, und zweitens das Verhältnis der produktiv Erwerbstätigen zu denen, die nicht auf diese Weise erwerbstätig sind. Von beiden Umständen hängt es ab, ob in einem Land das Warenangebot reichlich oder knapp ausfällt." [Heraushebung hinzugefügt]

Ein reichliches und billiges Warenangebot [riches], d.h. der Wohlstand der Nationen, wird erreicht, wenn

  1. über eine vertiefte Arbeitsteilung die Produktivität der Arbeiter erhöht wird und
  2. durch Verminderung des Anteils „unproduktiver Arbeit“ den Arbeitern in der nächsten Periode ein größerer Kapitalstock bereitgestellt wird.

Ricardo[8] formulierte das Ziel der klassischen Ökonomie fast mit den gleichen Worten:

"Wohlstand lässt sich auf zweierlei Weise vermehren, nämlich dadurch, dass ein größerer Anteil des Einkommens für den Unterhalt produktiver Arbeit verwendet wird – was nicht nur die Menge, sondern auch den Wert [gemessen in Arbeitseinheiten] der Gütermenge erhöht – oder ohne eine Zusatzmenge an Arbeit durch die produktivere Verwendung der bestehenden [produktiven] Arbeitsmenge – was die Fülle, aber nicht den [Arbeits-]Wert der Güter erhöht [da das Preisverhältnisse dem Verhältnis an Arbeitsinputs langfristig entspricht]."
"Im ersten Fall würde ein Land nicht nur reich werden [riches = physische Menge], auch der Wert seines Reichtums [values = Menge an direkten und indirekten Arbeitseinheiten als Warenwert] würde sich vermehren. Es würde reich werden durch Sparsamkeit, durch Einschränkung seiner Ausgaben für Luxusgegenstände und Genüsse, und durch Verwendung dieser Ersparnisse zur Reproduktion."
"Im zweiten Fall wird nicht notwendigerweise eine verringerte Ausgabe für Luxusgegenstände und Genüsse vorliegen oder eine vermehrte Menge produktiver Arbeit, sondern mit derselben [produktiven] Arbeit würde mehr produziert; der Wohlstand würde zunehmen, aber nicht sein [Arbeits-] Wert. Von diesen beiden Arten, den Wohlstand zu vermehren, muss letztere vorgezogen werden, da sie dieselbe Wirkung erzeugt ohne eine Verringerung der Genüsse ..."

Die zwei Punkte in Smiths und Ricardos Wachstumsprogramm sind nicht unabhängig. Eine vertiefte Arbeitsteilung ist vor allem in der Massenproduktion möglich. Luxusprodukte – unproduktive Arbeit –, die in einer Gesellschaft mit polarisierter Einkommensverteilung wie im vorrevolutionären Frankreich die Nachfrage prägen, weisen diese Produktivitätsvorteile nicht auf und werden daher selten im Preis sinken. Sie sind oft Einzelfertigung. Für die Économistes spielte die vertiefte Arbeitsteilung auch keine Rolle, obwohl Smith sein Beispiel der Stecknadelproduktion aus der Encyclopédie (1755) entnahm.[9]

Die Wachstumsdynamik – eine vertiefte Arbeitsteilung senkt den Preise, was den Umsatz erhöht, der wiederum eine Vertiefung der Arbeitsteilung stimuliert – erfordert, dass genügend Kapital bereitsteht. Dies kann durch einen erheblichen Konsum unproduktiver Arbeit gefährdet sein.

Unproduktive Arbeit in Sraffas Reproduktionsanalyse

In Warenproduktion mittels Waren (1960) weist Sraffa nach, dass sich die Preise über die technologischen Produktionskoeffizienten bestimmen, wie es die klassische Ökonomie behauptet, also ohne den neoklassischen Rückgriff auf Nutzenkurven. (Dies zeigt schon Leontief (1928)[10] in seiner unbeachtet gebliebenen Dissertation.) Dabei nimmt Sraffa die klassische Unterscheidung von produktiver und unproduktiver Arbeit auf und bezeichnet als Basisgüter die Waren, die Input der nächsten Wirtschaftsperiode werden und als Nicht-Basisgüter solche, die Endverbrauch sind, also die klassische unproduktive Arbeit.[11] Sraffa bietet kein theoretisches System, sondern ist Teil der Klassik und klärt nur einen Punkt: dass die neoklassische Bedeutung des Nutzens für die Preisbestimmung falsch ist.

Unproduktive Arbeit in der Keynesschen Beschäftigungstheorie

Nicht im formalisierten Keynesianismus nach Samuelson – aber in Keynes’ Allgemeiner Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes (1936) findet sich die Unterscheidung von produktiver und unproduktiver Arbeit. Wenn in der Depression produktive Ressourcen brach liegen, macht es wenig Sinn, ihren Menge zu vergrößern durch produktive Arbeit. Dann gilt: "Löcher in den Boden graben lassen, bezahlt durch Ersparnisse, wird nicht nur die Beschäftigung erhöhen, sondern auch die reale nationale Ausschüttung nützlicher Waren und Dienstleistungen."[12] Es zu diesem Zweck auch sinnvoll, "dass Millionäre eine Befriedigung darin finden riesige Villen zu bauten, die ihren Körper beinhalten, solange sie leben, und Pyramiden, die ihn nach dem Tod schützen."[13]

Keynes zitiert zustimmend Malthus' Standpunkt, dass Luxusausgaben des Landadels im Falle von Depressionen eine entscheidende Hilfe zu ihrer Überwindung sind. Normalerweise begrenzt unproduktive Arbeit die Kapitalbildung einer Gesellschaft und ihre Entwicklung, im Falle der Depression, wenn Kapital brach liegt, hilft sie, die Depression zu überwinden.

Samuelsons unproduktive Arbeit

Die wissenschaftliche Diskussion zwischen Vertretern verschiedener theoretischer Paradigma ist so schwierig wie das Gespräch zwischen einem Hindu und einem Bantu. Die Begriffe sind definiert durch die jeweils eigene Theorie, so dass unerwartete Übereinstimmungen wahrscheinlich auf Missverständnissen beruhen. Die folgende Aussage des Nobelpreisträgers Paul Samuelson über den in Cambridge arbeitenden Ökonomen Piero Sraffa ist dafür ein Beispiel:

"Sraffa ... was 50 when I first knew him; and the puzzlement this sophisticated intellectual :engendered in me by orally defending such notions as Smith’s concept of productive labour :(whereby goods are given a primacy over ephemeral services) suddenly evaporated when I :came to hypothesize that this sophisticated mind had a penchant for Marxian :notions."[14]

Die klassischen Konzepte der produktiven und un-produktiven Arbeit unterscheiden zwischen Waren und Dienstleistungen, die Input der nächsten Wirtschaftsperidoe sind und solchen -- unproduktiven, – die Endverbrauch sind. Niemand, außer den diese Konzepte falsch verstehenden Neoklassikern unterscheidet zwischen Waren („goods“) und flüchtigen Dienstleistungen („ephemeral services“). Sraffa übernimmt die klassische Trennung und unterscheidet zwischen Basis- und Nicht-Basisgütern, die er so definiert: "The criterion is wether a commodity enters (no matter whether directly or indirectly) into the production of „all“ commodities. Those that do we shall call „basic“, and those that do no, „non-basic“ products."[15]

Die klassische Ökonomie kennt keine Produktionsfaktoren – unter Wettbewerb entsprechen Preise den Produktionskosten, so dass keine Marge für Produktionsfaktoren bleibt. Marx führt Arbeit ein als einzigen Produktionsfaktor und die Neoklassiker gesellen weitere dazu. Produktiv ist Arbeit für Marx, wenn sie dem Unternehmer Profit verschafft. Unproduktiv sind Ausgaben, mit denen der Unternehmer diese Einnahmen verbraucht. Dieses Konzept hat nichts gemeinsam mit Sraffas und Adams Smith der unproduktiven Arbeit.

Marxistischer Begriff

„Unproduktive Arbeit“ ist hier das Gegenteil von „produktiver Arbeit“, und diese ist alle abhängige Arbeit (Lohnarbeit), die zum Beispiel der Gutsherr oder der Kapitalist gegen Lohn leisten lässt, und von der er den Mehrwert für sich einbehält, den er entweder zur Mehrung seines Kapitals verwendet (Kapitalakkumulation) oder als Revenue konsumtiv verausgabt. Der Begriff stammt aus der klassischen Politischen Ökonomie (Physiokraten, Adam Smith) und bezeichnete bei ihr vor allem feudale Arbeiten im Gegensatz zu den bürgerlichen (der Fronbauer ist danach ein unproduktiver Arbeiter, der kapitalistische Pächter und seine Tagelöhner dagegen produktive Arbeiter).

Was der Kapitalist aus dem Mehrwert als Revenue verwendet, um für seine eigene Lebenshaltung Lohnarbeit einzusetzen, vermindert den Teil des Mehrwerts, der für die Kapitalakkumulation verwendet werden kann. Die Revenue und die damit finanzierten Arbeiten sind unter dem Gesichtspunkt der Kapitalakkumulation „unproduktiv“. Nicht nur das Hauspersonal der Kapitalisten fällt darunter. Da z. B. der bürgerliche Staat nur die ausführende Agentur der Interessen des „ideellen Gesamtkapitalisten“ ist, also im Interesse aller Kapitalisten Ordnung hält, fällt auch alle Arbeit von dessen Beamten, Richtern, Soldaten, Angestellten und Arbeitern in die Kategorie der „unproduktiven Arbeit“. Unproduktive Arbeit heißt hier, dass sie nicht unmittelbar Mehrwert schafft. Sie ist aber sehr wohl für den Kapitalismus nützlich, wenn etwa Polizisten und Soldaten das kapitalistische Eigentum schützen.

Als unproduktive Arbeit wird auch die Arbeit, die im Dienste des Handelskapitals (z.B. Verkäuferin) oder des Geldkapitals (z.B. Bankbeamter) verrichtet wird, genannt. Die Begründung ist, dass nach Marx beim Handelskapital und beim Geldkapital nicht unmittelbar Mehrwert entstehe, vielmehr das "produktive" Kapital einen Teil seines Mehrwerts an das "unproduktiven" Kapital für dessen Dienste abgebe.

Einzelnachweise

  1. Robinson, Joan. 1953–54. The Production Function and the Theory of Capital. Review of Economic Studies. 21:2, pp. 81–106
  2. Samuelson, Paul, 1966, A Summing Up, Quarterly Journal of Economics, vol. 80, pp. 568-83
  3. Joseph Schumpeter, History of Economic Analysis, London: Routledge, 1954, p. 597
  4. Samuelson, P. A., Quesnay's "Tableau Economique" as a Theorist would Formulate it Today, pp. 630-663 in The Collected Scientific Papers of Paul A. Samuelson, vol. v, MIT Press 1986.
  5. The rich only select from the heap what is most precious and agreeable. They consume little more than the poor, and in spite of their natural selfishness and rapacity … they divide with the poor the produce of all their improvements. They are led by an invisible hand to make nearly the same distribution of the necessaries of life, which would have been made, had the earth been divided into equal portions among all its inhabitants, and thus without intending it, without knowing it, advance the interest of the society, and afford means to the multiplication of the species. , The Glasgow edition of the Works and Correspondence of Adam Smith, vol. 1, The Theory of Moral Sentiments, edited by A. I.. Macfie and D. D. Raphael, 2007. pp. 184-5
  6. Dugald Stewart, Vorwort zu: Essays on Philosophical Subjects by The late Adam Smith, LL. D., Fellow of the Royal Societies of London and Edinburgh, Basil, Printed for the Editor of the Collection of English Classics, Sold by James Decker, 1799 p. lxvii-lxviii; from the Transactions of the Royal Society of Edinburgh, Read by M. Steward, January 21, and March 18, 1793; reprint The Glasgow edition of the Works and Correspondence of Adam Smith, vol. 3, p. 304
  7. Cannan, Edwin (Hg.), Editor’s Introduction zu: Adam Smith, An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, 1904, p. xxix-xxxiii, London: Methuen
  8. Ricardo, David, Principles of Political Economy and Taxation, p. 150, vol. 1, The Works and Correspondence of David Ricardo, edited by Piero Sraffa, 10 Bände, Cambridge (Cambridge University Press) 1951- 1955
  9. Artikel Épingle, vol. v der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des metiers, Paris 1755
  10. Leontief, Wassilij, Die Wirtschaft als Kreislauf, Tübingen: Laupp, 1928
  11. Piero Sraffa, Production of Commodities by Means of Commodities, Cambridge University Press, Cambridge, UK, 1960,p. 8: The criterion is wether a commodity enters (no matter whether directly or indirectly) into the production of „all“ commodities. Those that do we shall call „basic“, and those that do no, „non-basic“ products.
  12. Keynes, J. M., The General Theory of Employment, Interest and Money. 1973, London: Macmillan, p. 220
  13. ibidem p. 220
  14. Samuelson, P., A Revisionist findings on Sraffa, pp. 25-44 in: Kurz, Heinz, Critical Essays on Piero Sraffa’s Legacy in Economics, Cambridge University Press 2000, p. 27
  15. Piero Sraffa, Production of Commodities by Means of Commodities, Cambridge University Press, Cambridge, UK, 1960,p. 8

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