Van Gölü


Van Gölü
Satellitenfoto des Vansees
Die Kirche zum Heiligen Kreuz auf der Insel Akdamar. Im Hintergrund der Berg Çadır.
Eisenbahnfähre Van auf dem Vansee

Der Vansee (türk. Van Gölü, kurd. Derya Wanê, arm. Վանա լիճ, Wana lič) ist der größte See der Türkei und liegt im äußersten Osten des Landes in den Provinzen Bitlis und Van.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Wasser des Sees ist stark alkalisch, da der einstige Abfluss des Sees durch den Vulkan Nemrut (am Westufer) versperrt wurde. Der Vansee wird durch Flüsse und Bäche aus den umliegenden, über 4.000 m hohen Bergen gespeist. Die Blockierung des Abflusses sorgte für die Aufstauung des Sees, so dass er heute eine Fläche von 3.740 km² einnimmt, was dem siebenfachen der Fläche des Bodensees entspricht. Die Regulierung des Wasserstands erfolgt einzig über Verdunstung, die Wasserstandshöhe schwankt um bis zu vier Metern. Der Vansee ist 120 Kilometer lang, 80 Kilometer breit und 457 Meter tief. Er liegt auf einer Höhe von 1.719 Meter über dem Meeresspiegel.

Das Wasser des Vansees ist reich an Soda und anderen Salzen, die zur Herstellung von Waschmitteln gewonnen werden. Im August 2004 untersuchte ein zwanzigköpfiges Forscherteam der Universitäten Bonn und Bremen sowie aus der Schweiz den Boden des Sees, um dessen Entstehung zu erforschen. Es fand eine mehrere hundert Meter dicke Sedimentschicht, welche ein Archiv für die klimatischen Bedingungen von möglicherweise mehr als einer halben Million Jahre darstellt.

Rund um den See, der im Tertiär entstanden ist, befinden sich Obst- und Getreideanbaugebiete. Die Hauptstadt der Provinz Van, Van, liegt am Ostufer des Sees.

Biologie

Es gibt nur eine Fischart, und auch diese kann nur in der Nähe der Flussmündungen im Brackwasser leben: die Karpfenart Chalcalburnus tarichi (türkisch İncikefali Baliği, Karpfen-Unterfamilie der Leuciscinae), die zu den bedrohten Tierarten gehört[1].

In der Umgebung des Sees liegt die Heimat der Vankatzen, der einzigen bekannten Katzenrasse, die freiwillig ins Wasser geht und angeblich sogar schwimmt. Häufig beobachtet man bei den noch etwa 1.000 lebenden Exemplaren dieser Katzenrasse, dass beide Augen eine sehr unterschiedliche Augenfarbe aufweisen.

Verkehr

Zwischen den Städten Tatvan und Van verkehrt eine Eisenbahnfähre über den See.

Geschichte

In den assyrischen Quellen wird der Vansee als der „Obere See“ bezeichnet. Der Name taucht zum Beispiel in den Inschriften von Tukulti-Ninurta I. in Verbindung mit den Nairi-Ländern auf. Auch Aššur-bel-kala erwähnt den „oberen See“ in einem Fragment. In neu-assyrischen Inschriften (Salmanasser III., Sanherib, Assurhaddon und Aššurbanipal) taucht die Formel „Eroberer von dem Oberen See bis zum Unteren See“ auf[2]. Manche Forscher nehmen allerdings an, dass sich der „Obere See“ hier auf das Schwarze Meer bezieht. In mehreren Inschriften von Tiglat-pileser III. wird das „Obere Meer des Sonnenuntergangs“ erwähnt, der Begriff wird anscheinend sowohl für den Vansee als auch für das Mittelmeer verwendet, das Tiglat-pileser als erster assyrischer Herrscher erreichte. Der Begriff „Meer von Nairi“ wird gewöhnlich mit Vansee übersetzt. Seit Salmanasser II. werden „oberes und unteres Meer von Nairi“ erwähnt, Russell vermutet hier den Vansee und den Urmia-See, die allgemeinere Formulierung „Meer von Nairi“ bezeichnet also möglicherweise beide Gewässer.

Sehenswürdigkeiten

Im südlichen Teil des Sees, nahe dem Ort Gevaş, liegt auf der Insel Akdamar die armenische Kirche zum Heiligen Kreuz (armenisch Սուրբ խաչ, Surb Chatsch).

Legenden

Verschiedene Berichte sprechen von der Existenz eines Seeungeheuers namens Van Canavarı, vergleichbar dem legendären „Nessie“ vom schottischen Loch Ness. Vermeintliche Augenzeugen und Amateurfilmer beschrieben es als saurierähnlich. Das oben erwähnte, im August 2004 aktive Forscherteam konnte die Existenz des Seeungeheuers nicht bestätigen.

Literatur

  • H. F. Russell: „Shalmaneser's campaign to Urartu in 856 B.C. and the historical geography of Eastern Anatolia according to the Assyrian sources“. Anatolian Studies 34, 1984, 171–201, ISSN 0066-1546.

Einzelnachweise

  1. http://www.iucnredlist.org/search/details.php/4375/all
  2. Russell 1984, 192

Weblinks

38.61666666666742.8666666666677Koordinaten: 38° 37′ 0″ N, 42° 52′ 0″ O


Wikimedia Foundation.