Venantius Fortunatus


Venantius Fortunatus

Venantius Honorius Clementianus Fortunatus (* um 540 in Valdobbiadene bei Treviso, Italien; † zwischen 600 und 610 in Poitiers, Frankreich) war ein Dichter und Hagiograph der Merowingerzeit und Bischof von Poitiers.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Venantius ist als der letzte römische Dichter der Spätantike (Friedrich Leo), aber auch als der erste Dichter des Mittelalters (Franz Brunhölzl) bezeichnet worden. Er erhielt seine klassische Ausbildung in Ravenna. Er war mit den antiken Vorbildern vertraut, darunter Vergil, Horaz, Martial, Paulinus von Nola und Prudentius. 565 begab er sich auf eine Wallfahrt nach Tours zum Grab des Heiligen Martin, dem er für seine Heilung von einem Augenleiden danken wollte. Dabei zog er zunächst über die Alpen nach Bayern, dann nach Mainz, Köln und Trier, schließlich über Metz, Verdun und Paris nach Tours. Unterwegs fand er gastliche Aufnahme bei Bischöfen und vornehmen Laien, denen er mit Gelegenheitsgedichten dankte. In Metz schrieb er anlässlich der Hochzeit des austrasischen Königs Sigibert I. mit der westgotischen Prinzessin Brunichild ein Hochzeitsgedicht nach dem Vorbild der antiken Epithalamien, was ihm den Zugang zur weltlichen und geistlichen fränkischen Oberschicht öffnete. Es gelang ihm, zahlreiche Förderer zu finden, darunter Eufronius von Tours. Durch dessen Empfehlung gelangte Venantius 567 nach Poitiers. Dort trat er in persönliche Beziehung zu Radegunde, der Witwe König Chlothars I., und ihrer Pflegetochter Agnes, die sich in ein Kloster zurückgezogen hatten. Venantius wurde Priester und Seelsorger des Klosters. Im Auftrag Radegundes unternahm Venantius, der inzwischen einen hervorragenden Ruf als lateinischer Dichter genoss, mehrere Reisen. Auch literarisch war er für sie aktiv. Er stand weiterhin in Kontakt zu zahlreichen bedeutenden Zeitgenossen, insbesondere zu Gregor von Tours, der auch einer seiner Förderer war. Gegen Ende seines Lebens wurde Venantius Bischof von Poitiers.

Er wurde später heilig gesprochen. Sein Gedenktag ist sein Todestag, der 14. Dezember; das Todesjahr ist unbekannt.

Werk

Venantius schrieb ein Versepos in vier Büchern auf den heiligen Martin von Tours (De virtutibus Martini Turonensis), wobei er von der Vita sancti Martini des Sulpicius Severus ausging und auch deren epische Bearbeitung durch Paulinus von Périgueux heranzog. Es ist Gregor von Tours gewidmet, die Anfertigung wurde von Radegunde angeregt. Außerdem schrieb er sieben Heiligenviten in Prosa, darunter eine über Hilarius von Poitiers und eine über Radegunde, die er nach ihrem Tod als Heilige darstellte.

Von herausragender Bedeutung sind seine elf Bücher Carmina miscellanea, die liturgische Hymnen, Elegien, Enkomia, Epigramme, Epitaphien und verschiedene Gelegenheitsgedichte enthalten, darunter De navigio suo, die Beschreibung einer Moselfahrt, die ein Gegenstück zu dem berühmten Gedicht De mosella von Ausonius bietet. Unter den Hymnen befinden sich unter anderem die in das römische Brevier aufgenommenen Passionslieder Pange lingua und Vexilla regis, die zu den auch heute noch bekanntesten Hymnen der lateinischen Liturgie zählen. Das Pange lingua diente auch Thomas von Aquin als Grundlage für seinen gleichnamigen eucharistischen Hymnus Pange lingua. Eine besondere Gruppe bilden die Figurengedichte (II, 4; II 5; V, 6) die von zentraler Bedeutung für die weitere Gattungsentwicklung sind.

Außerhalb der Gedichtsammlung überliefert sind das ebenfalls in das Brevier übernommene Marienlied Quem terra, pontus, aethera, ein längeres Gedicht zum Lob Mariens (In laudem sanctae Mariae) sowie ein Klagelied über den Untergang des thüringischen Königshauses, aus dem Radegunde stammte (De excidio Thoringiae).

Unter die Carmina gemischt sind verschiedene Briefe und zwei Traktate in Prosa: eine Auslegung des Vaterunsers und eine Auslegung des Glaubensbekenntnisses, die an Rufinus von Aquileia anknüpft.

Siehe auch

Ausgaben und Übersetzungen

Literatur

  • Judith W. George: Venantius Fortunatus. In: Theologische Realenzyklopädie. Bd. 34 (2002), S. 565–568.
  • Judith W. George: Venantius Fortunatus. A Latin Poet in Merovingian Gaul. Clarendon Press, Oxford 1992, ISBN 0-19-814898-4.
  • Richard Koebner: Venantius Fortunatus. Teubner, Leipzig u. a. 1915 (Beiträge zur Kulturgeschichte des Mittelalters und der Renaissance 22; Nachdruck: Gerstenberg, Hildesheim 1973, ISBN 3-8067-0120-2).
  • Louis A. Macchiarulo: The life and times of Venantius Fortunatus. Fordham Univ. Diss. New York 1986.
  • Michael Roberts: The Last Epic of Antiquity: Generic Continuity and Innovation in the „Vita Sancti Martini“ of Venantius Fortunatus. In: Transactions of the American Philological Association 131 (2001), S. 257-285.
  • Wolfgang Fels: Studien zu Venantius Fortunatus mit einer deutschen Übersetzung seiner metrischen Dichtungen. Heidelberg 2006 (online Fakultätsfassung der Dissertation).

Weblinks

 Commons: Venantius Fortunatus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Texte:

Sonstige:


Vorgänger Amt Nachfolger
Platon von Poitiers Bischof von Poitiers
um 600
Caregisile

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