Ventilator


Ventilator

Ein Ventilator (von ventulus, lat. für „schwacher Wind“, „Lüftchen“) ist eine fremdangetriebene Strömungsmaschine, die mittels eines in einem Gehäuse rotierenden Laufrads ein gasförmiges Medium fördert und verdichtet und dabei zwischen Ansaug- und Druckseite ein Druckverhältnis zwischen 1 und 1,1 erzielt. Maschinen mit einem Druckverhältnis zwischen 1,1 und 3 sind Gebläse. Ventilatoren und Gebläse werden auch als Lüfter bezeichnet, insbesondere wenn sie zur Luftabsaugung vorgesehen sind. Im weiteren Sinne werden alle zu den Verdichtern gerechnet. Verdichter im engeren Sinn erzielen dagegen Druckverhältnisse von mehr als 3. Im Verhältnis zur Leistung erzielen Ventilatoren aufgrund des niedrigen Druckverhältnisses hohe Volumenströme, Gebläse wegen des mittleren Druckverhältnisses mittlere Volumenströme.

Inhaltsverzeichnis

Einordnung nach Maschinenart

Ventilatoren sind Strömungsmaschinen, die als Arbeitsmaschinen wirken. Da sie durch kontinuierliche Rotation eines Axial- bzw. Radiallaufrades arbeiten, sind es Turbomaschinen.

Axialventilator

Axialventilator

Axialventilatoren sind die gebräuchlichste Bauform. Die Drehachse des Axiallaufrades verläuft parallel bzw. axial zum Luftstrom. Die Luft wird durch das Axiallaufrad, ähnlich wie bei einem Flugzeug- oder Schiffspropeller, bewegt. Die Vorteile von Axialventilatoren sind die, im Verhältnis zum hohen geförderten Luftdurchsatz, geringen Abmessungen. Der Nachteil ist die geringere Druckerhöhung im Verhältnis zum Radialventilator. Die Ausführung ohne Gehäuse ist bei Tisch- und Deckenventilatoren (Lüftern) üblich. Axialventilatoren mit Gehäuse und innen liegenden Antriebsmotor haben den Nachteil des Nabentotwassers hinter der Laufradnabe, den man jedoch durch geeignete Einbauten (Innendiffusor) weitgehend vermeiden kann. Da die Luft durch die Rotation hinter dem Axiallaufrad in Wirbeln austritt, wird durch feststehende Einbauten (Nachleitrad) eine Druckerhöhung erreicht. Um die Druck-Austrittsverluste aus dem Axialventilator zu minimieren, werden bei größeren Ventilatoren Außendiffusoren eingesetzt.

Eine abgewandelte Ausführung des Axialventilators ist der sog. Diagonalventilator, bei dem das Gehäuse und die Lüfterschaufeln konisch geformt sind (der Radius wird zur Druckseite hin größer) und damit die Luft nicht axial, sondern diagonal austritt. Diagonalventilatoren haben bei gleicher Leistung und Größe einen größeren Luftdurchsatz und bauen einen höheren Druck auf. Deshalb können sie z. B. bei gleichem Effekt bei geringerer Drehzahl betrieben werden und sind somit leiser.

Beide Ausführungen haben ein sogenanntes Nabentotwasser (auch: „Dead Spot“), das sich hinter dem in der Mitte des Geräts angeordneten Motor befindet: Dort findet kaum eine Luftbewegung statt. Deshalb wurden auch schon Axialventilatoren entwickelt, die den Motor in einem umgebenden Gehäuse enthalten und bei denen sich nur noch das Lager in der Mitte befindet. Diese Ausführung ist jedoch aufgrund der ungewöhnlichen Bauform des Motors eher selten und auch teurer als vergleichbare Axialventilatoren. Aufwendig ist auch das Auswuchten wegen der großen, außen liegenden umlaufenden Masse des Antriebs. Besonders kompakte Ventilatoren werden üblicherweise von einem Außenläufermotor direkt angetrieben.

Radialventilator oder Zentrifugalventilator

Radialventilator

Radialventilatoren werden überall dort verwendet, wo es im Vergleich zu Axialventilatoren auf größere Druckerhöhung bei gleicher Luftmenge ankommt. Die Luft wird parallel bzw. axial zur Antriebsachse des Radialventilators angesaugt und durch die Rotation des Radiallaufrades um 90° umgelenkt und radial ausgeblasen. Es gibt einseitig und beidseitig ansaugende Radialventilatoren mit und ohne Gehäuse.

Bei der Ausführung mit spiralförmigem Gehäuse wird die Luft über eine Austrittsfläche des Gehäuses ausgeblasen. Um die Druckverluste durch die hohe Austrittsgeschwindigkeit aus dem Radialventilator zu minimieren, muss auf geeignete weiterführende Kanalgestaltung geachtet werden (ggf. Einsetzen eines Diffusors).

Bei der Ausführung ohne spiralförmiges Gehäuse wird die Luft radial aus dem Radiallaufrad ausgeblasen und durch eine geeignete Gehäuseausführung wie z. B. bei Dachventilatoren ins Freie geblasen.

Tangential- oder Querstromventilatoren

Diese sehen auf den ersten Blick aus wie breite Radialventilatoren, das Funktionsprinzip ist jedoch grundlegend anders. Bei den Tangentialventilatoren wird die Luft zweimal durch das Lüfterrad geführt, wobei sie großflächig etwa über die halbe Oberfläche des Lüfterrades tangential angesaugt wird, durch das Innere des Rades geführt und ebenfalls tangential wieder abgegeben wird. Einen geringen Luftanteil befördert das Rad außen mit. Der Luftaustritt geschieht dann meist über einen schmalen Spalt in der Breite des Lüfterrades. Der Antriebsmotor befindet sich meist außerhalb des Luftstroms; entsprechend kleine Motoren sind auch im Inneren des Lüfterrades unterzubringen, was auch deren Kühlung verbessert.

Tangentialventilatoren können große Luftmengen gleichmäßig über eine breite Austrittsfläche abgeben und kommen in Klimageräten, Nachtspeicheröfen und Heizlüftern zum Einsatz. Da sie schon bei geringen Drehzahlen einen ausreichenden Luftdurchsatz haben, sind die meist von Spaltpolmotoren angetriebenen Tangentialventilatoren im Betrieb sehr leise und daher gut zur Kühlung von z. B. Tageslichtprojektoren geeignet.

Anwendung

Die meisten Ventilatoren fördern Luft. Bei Beschränkung auf dieses Medium ergeben sich folgende Einsatzbereiche:

  • Kühlung: Die Abwärme von einem Bauteil soll durch die vorbeiströmende Luft abtransportiert werden.
  • Be- und Entlüftung: Schlechte Luft oder eventuell giftige Gase sollen aus einem Raum entfernt werden. In einigen Fällen muss Atemluft garantiert sein (z. B. Bergbau).
  • Explosionsschutz: Das Wegblasen von brennbaren Gasen (schwerer als Luft, z. B. Propan) verhindert gefährliche Konzentrationen.
  • Luftversorgung: Technische Feuerungen verfügen meist über Gebläse, die die Verbrennungsluft zu den Brennern oder direkt in den Feuerraum fördern. Beispielsweise die Dampflokomotive von Marc Seguin war mit einem Tender ausgerüstet, dessen große Ventilatoren für eine Versorgung der Feuerbüchse mit der nötigen Frischluft mit Sauerstoff für die Verbrennung der Kohle sorgten.
  • Trocknen: Die Feuchtigkeit von Stoffen soll entfernt werden.
  • Klimatisierung: Temperatur und Luftfeuchtigkeit von Räumen soll gesteuert werden.
  • Transportieren: Mit Luft kann man schwebefähige Stoffe kostengünstig transportieren.

Anwendungen im PC

Zum Betrieb benötigt ein Lüfter eine Versorgungsspannung, typischerweise 12 V. Bei kleinerer Spannung läuft der Lüfter leiser, aber mit verringerter Kühlleistung. Ein drittes Kabel liefert ein sogenanntes Tachosignal. Pro Umdrehung wechselt es zwischen Masse und undefiniertem Zustand. Neuere Lüfter besitzen einen vierten Anschluss. Über ihn kann die Drehzahl durch Pulsweitenmodulation (PWM) geregelt werden.

Hersteller in Deutschland

Die Industrie für Klein-Ventilatoren in Deutschland konzentriert sich in Hohenlohe und bildet einen sogenannten Cluster. Dieser Cluster entstand aus einer einzigen Firma (Ziehl-Abegg), ist aber inzwischen so ausgeprägt, dass er in der ersten Themenausgabe „Cluster“ des Magazins der Unternehmensberatungsfirma McKinsey (McK Wissen) ausführlich als Musterbeispiel für das Cluster-Phänomen dargestellt wird.

Ein weiteres Ventilatoren-Zentrum entstand in Bad Hersfeld. Hier gründete Benno Schilde 1874 die spätere Benno Schilde GmbH. 1884 baute Benno Schilde den ersten aus Stahlblech geschweißten Radialventilator. Das gesamte Ventilatoren-Programm wird heute von der TLT-Turbo GmbH in Bad Hersfeld weiter geführt.

Bereits 1879 wurden in der Karl-August-Hütte in Euskirchen Radialventilatoren gebaut. Anfangs noch aus Guss, erfolgte später eine Spezialisierung auf Sonderwerkstoffe. Hitze- und verschleißfeste Werkstoffe und Ventilatoren aus Edelstahl waren im Programm. Weiterentwicklung und Fertigung dieser Spezialanfertigungen wird heute durch BVA Kockelmann GmbH in Euskirchen durchgeführt.

Trivia

In Südkorea ist der Ventilatortod ein weit verbreiteter Aberglaube, dem zufolge man aufgrund von Ventilatoren, die längere Zeit laufen, erstickt, vergiftet wird oder verklammt.

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Ventilator – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Lüfter, Fächer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: elektrische Lüfter und Ventilatoren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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