Verband Deutscher Reeder


Verband Deutscher Reeder
Verband Deutscher Reeder
(VDR)
Vereinslogo
Zweck: Bundesspitzenverband der deutschen Seeschifffahrt
Vorsitz: Michael Behrendt
Gründungsdatum: 1907
Mitgliederzahl: 260
Sitz: Hamburg
Website: [1]

Der Verband Deutscher Reeder (VDR) ist der zentrale Bundesspitzenverband der deutschen Seeschifffahrt mit Hauptsitz in Hamburg.

Sein Ziel ist die Vertretung der überbetrieblichen Interessen der deutschen Reedereien auf Ebene des Bundes und der Länder. Darüber hinaus vertritt der Verband die Interessen der deutschen Reeder gegenüber europäischen und internationalen Instanzen. Diese Arbeit geschieht teilweise direkt, teilweise über internationale Verbände, deren Mitglied der VDR ist, wie etwa der ECSA, der ISF oder der ICS. Am 1. Januar 1995 hat er sich mit dem Verband Deutscher Küstenschiffseigner (VDK) zusammengeschlossen.

Vorsitzender des VDR war von 1996 bis November 2008 der Reeder Frank Leonhardt von der Reederei Leonhardt & Blumberg (Hamburg). Am 12. November 2008 wurde Michael Behrendt, Vorstandsvorsitzender der Hapag-Lloyd AG, an die Spitze des Verbandes gewählt. Seit dem 15. Februar 2010 ist Ralf Nagel Hauptgeschäftsführer des VDR [1].

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gründung als Zentralverein Deutscher Rheder e.V. (1907)

Sitz des VDR an der Hamburger Esplanade

Der Verband Deutscher Reeder (VDR) wird am 6. Februar 1907 als "Zentralverein Deutscher Rheder e.V." (ZDR) in Berlin gegründet. Er schließt die bis dahin bestehenden regionalen Verbände zusammen. Die regionalen Reederverbände und -vereine hatten bis dahin insbesondere an den Standorten Hamburg, Bremen, Rostock, Flensburg und Emden die Interessen an den maritimen Standorten der Küste gebündelt.

Bereits 1909 ist der VDR Gründungsmitglied der International Shipping Federation (ISF). Im Kriegsjahr 1916 wirkt der VDR bei der Gründung des "Kriegsausschusses der Deutschen Reedereien" mit. Neben der wirtschaftspolitischen Vertretung befasst sich der Ausschuss vor allem mit der Kriegsentschädigung, im Unterschied zur sozialpolitischen Aufgabe des ZDR. Der Kriegsausschuss wird 1921 zum "Wirtschaftsausschuss". 1918 entsteht der erste Tarifvertrag zwischen ZDR und Seeleuteverbänden.

Verband Deutscher Reeder (1924) - Fachgruppe Reeder (1934)

1924 nimmt der Verband den Namen "Verband Deutscher Reeder" an. Zugleich übernimmt er die Tätigkeiten des "Wirtschaftsausschusses der Deutschen Reedereien". 1934 wird der Verband im Zuge der Zentralisierung der Wirtschaftsstrukturen aufgelöst und in die "Fachgruppe Reeder" der Reichsverkehrsgruppe Seeschiffahrt (RVGS) überführt.

Verband Deutscher Reeder e. V. (1945)

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg kann der VDR bereits 1945 als privatrechtlicher und demokratisch verfasster eingetragener Verein zur Wahrnehmung der wirtschafts- und sozialpolitischen Interessen der deutschen Reedereien wiedergegründet werden. 1950 wird er Mitglied der BDA. Internationale Anerkennung gewinnen die deutschen Reeder 1951, als die Mitgliedschaft in der BIMCO (The Baltic and International Maritime Council) erneuert wird. Es folgt die Wiederaufnahme der Mitgliedschaften in der International Chamber of Shipping (ICS) und der International Shipping Federation (ISF) im Jahr 1953.

Als Mitte der 1950er Jahre deutlich wird, dass für die stark wachsende deutsche Handelsflotte nicht ausreichend Bordpersonal zur Verfügung steht, wird 1955 auf Veranlassung des VDR der Verein zur Förderung des seemännischen Nachwuchses gegründet. Der Verein ist noch heute als Berufsbildungsstelle Seeschifffahrt (BBS) aktiv. 1975 wird die Nachwuchswerbung noch durch die Ausbildungsgemeinschaft der deutschen Seeschifffahrt ergänzt.

VDR 50jähriges Bestehen (1957)

1957 feiert der VDR sein 50jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass erscheint die Zeitschrift "Kehrwieder", die heutige "Deutsche Seeschifffahrt", erstmals. Zur Verstärkung der politischen Lobbyarbeit wird 1962 die Bonner Vertretung des VDR eröffnet. 2002 zieht die Vertretung nach Berlin. Drei Jahre später ist der Verband Gründungsmitglied des Europäischen Reederverbandes (früher CAACE - heute ECSA). Im Jahr 1972 kommt es zur Bildung der Tarifgemeinschaft deutscher Reeder, die künftig den Heuertarifvertrag verhandelt.

Studie zum Schiff der Zukunft (1972)

Im selben Jahr unternimmt der VDR eine viel beachtete Studie zum „Schiff der Zukunft“, in der aufgezeigt wird, wie sich die rasante technische Entwicklung auf das Bordleben und -arbeiten auswirken wird. 1995 schließen sich der VDR und der seit 1896 bestehende Verband Deutscher Küstenschiffseigner (VDK) zusammen. Damit ist der VDR der zentrale Bundesspitzenverband zur Wahrung der überbetrieblichen unternehmerischen Interessen der deutschen Seeschifffahrt. Zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Handelsflotte führt die Bundesregierung 1999 auf Betreiben des VDR die Tonnagesteuer ein.

Nationale Maritime Konferenzen (2000)

Seitdem ab 2000 die deutsche Schifffahrtspolitik wesentlich durch die Nationalen Maritimen Konferenzen bestimmt wird, beteiligt sich der VDR zentral an diesen Treffen zwischen Politik, Sozialpartnern und maritimer Industrie. Die 1. Nationale Maritime Konferenz in Emden markiert den Start der neuen Schifffahrtspolitik, die davon ausgeht, dass es ein parteiübergreifendes maritimes Interesse gibt. Sie wird vom Maritimen Koordinator verantwortlich organisiert, veranstaltet, geleitet und befasst sich im Schwerpunkt mit Themen zum Schiffbau, zur Hafenwirtschaft, Seeschifffahrt und Meerestechnik, zu Offshorethemen und zum Klima- und Umweltschutz.

Auf der 3. Nationalen Maritimen Konferenz in Lübeck kommt es 2003 zu dem historischen Versprechen der Reeder, bis Ende 2005 mindestens 100 Schiffe wieder zurück unter die deutsche Flagge zu bringen. Dieses erste Rückflaggungsversprechen aus der Nationalen Maritimen Konferenz in Lübeck erfüllen die Reeder vorzeitig. 2006 verpflichten sich die Reeder auf der 5. Nationalen Maritimen Konferenz in Hamburg, bis Ende 2008 weitere 100 Schiffe unter deutsche Flagge zu bringen, um die Zahl von 500 Schiffe unter deutscher Flagge zu erreichen. Die deutsche Flotte umfasst zu dieser Zeit rund 3.500 Schiffe. Auch dieses Versprechen wird eingelöst. Im Dezember 2010 befinden sich jedoch nur noch 440 Schiffe unter deutscher Flagge, aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation wurden rund 60 Schiffe wieder ausgeflaggt.

VDR heute

2007 feierte der VDR sein 100. Jubiläum und im selben Jahr überstieg die deutsche Handelsflotte die 60 Millionen BRZ Marke. 2010 umfasst die deutsche Flotte rund 3.500 Schiffe mit 75 Mio. BRZ.

Vorsitzende

  • Philip Heineken (1916)
  • Marius Böger (1923)
  • Siegfried Graf von Roedern (1924–1933)
  • John T. Essberger (1933–1945)
  • Ernst Godeffroy (1945)
  • Heinrich Riensberg (1945–1951)
  • Rolf Stödter (1952–1955)
  • Heinrich Riensberg (1956)
  • Richard Bertram (1957)
  • Thomas Entz (1958)
  • Hermann Helms (1959)
  • Harald H. Schuldt (1960–1961)
  • Rolf Stödter (1962–1964)
  • Ernst Meier-Hedde (1965–1966)
  • Harald H. Schuldt (1967–1968)
  • Hans-Heinrich Schulte (1969)
  • Rolf Stödter (1970)
  • Hermann Christian Helms (1971–1972)
  • Karl-Hermann Necker (1973–1974)
  • John Henry de La Trobe (1975–1977)
  • Nikolaus W. Schües (1978–1980)
  • Hans-Jürgen Stöcker (1981–1982)
  • John Henry de La Trobe (1983–1988)
  • Johan A. Binder (1989–1990)
  • Dieter Ulken (1990–1993)
  • Peter Th. Hansen (1994–1996)
  • Frank Leonhardt (1996–2008)
  • Michael Behrendt (seit 2008)

Literatur

  • Dirk Max Johns (Hrsg.): 100 Jahre Verband Deutscher Reeder. Seehafen Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-87743-820-6.

Quellen und Weblinks

Einzelnachweise

  1. Pressemitteilung des VDR zur Berufung Ralf Nagels als Hauptgeschäftsführer, 11. Februar 2010.

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