Verkehrslast

Verkehrslast

Die Nutzlast (früher auch Verkehrslast; im englischen live load) bezeichnet im Bauwesen eine veränderliche oder bewegliche Einwirkung auf ein Bauteil, zum Beispiel infolge Personen, Einrichtungsgegenständen, Lagerstoffen, Maschinen oder Fahrzeugen.

Die Intensität der Nutzlast hat einen stochastischen Charakter. Dabei können insbesondere plötzliche Veränderungen zu einem beliebigen Zeitpunkt sowie kurzzeitig extrem hohe Werte auftreten. Im Gegensatz zu den ständigen Lasten werden die Verkehrslasten bei der statischen Berechnung nur dann berücksichtigt, wenn sie sich für den zu führenden Nachweis ungünstig auswirken.

Inhaltsverzeichnis

Hochbauten

Die Rechenwerte der gleichmäßig verteilten Nutzlasten sind entsprechend der Einteilung der Nutzungsflächen nach Nutzungskategorien festgelegt. Damit werden langfristige Lasten, wie ruhendes Mobiliar, und kurzfristige Lasten, wie gestapelte Güter oder außergewöhnliche Personenkonzentrationen, sowie normale Maschinenlasten erfasst.


Lotrechte Nutzlasten für Decken nach DIN 1055-3:2006-03 (Auszug)
Kategorie Nutzung Beispiele Flächenlast
qk (kN/m²)
Einzellast
Qk (kN)
A A1 Spitzböden Dachraum bis 1,8 m lichter Höhe 1,0 1,0
A2 Wohn- und Aufenthaltsräume Räume und Flure in Wohngebäuden,
Hotelzimmer
1,5 1,0
A3 Wohn- und Aufenthaltsräume wie A2, aber ohne ausreichende Querverteilung 2,0 1,0
B B1 Büroflächen, Arbeitsflächen Bürofläche, Kleinviehställe 2,0 2,0
B2 Altenheime, Internate 3,0 3,0
T T1 Treppen und Treppenpodeste Treppen und Treppenpodeste der Kategorie A 3,0 2,0
T2 Treppen und Treppenpodeste der Kategorie B bis E 5,0 2,0
Z Balkone Dachterrassen, Loggien, Balkone 4,0 2,0

Straßenbrücken

Lastmodell 1, DIN Fachbericht 101

Die anzunehmenden Nutzlasten auf Straßenbrücken werden durch Lastmodelle dargestellt. Das meist maßgebende Lastmodell 1 besteht aus Doppelachslasten (TS-Last) und gleichmäßig verteilten Flächenlasten (UDL-Last) für die Einwirkungen aus Schwerlastfahrzeugen und Personenkraftwagen. Die Modellierung und Kalibrierung erfolgte durch statistische Auswertungen des Verkehrs von ausgewählten Straßen und zugehörige Verkehrslastsimulationen.

Bis 2003 wurden die Straßen- und Wegbrücken gemäß der bis dahin gültigen DIN 1072 je nach Belastbarkeit in Brückenklassen eingeteilt. Die höchste Brückenklasse war 60/30, d.h. neben gleichmäßig verteilten Flächenlasten war auf der Hauptspur ein Schwerlastwagen (SLW) von 60 t Gesamtlast und auf der Nebenspur einer von 30 t Gesamtlast anzusetzen.

Zusätzliche Lastmodelle ergeben sich in Deutschland aus der Militärischen Lastenklasse, für welche die Brücke auszulegen ist.

Gewichte der Militärlastenklassen für Brücken nach Stanag 2021 (Auszug)
Klasse Gleiskettenfahrzeuge Räderfahrzeuge
40 36,3 t 42,6 t
50 45,4 t 52,6 t
80 72,6 t 83,5 t
100 90,7 t 104,3 t
120 108,9 t 125,2 t

Fußgängerbrücken

Für Fußgänger- und Radwegbrücken ist nach DIN Fachbericht 101 als Nutzslast eine Flächenlast von 5 kN/m² anzusetzen. Diese kann bei Stützweiten von mehr als 10 m in Abhängigkeit von der Stützweite reduziert werden. Als unterer Grenzwert gilt dabei für Stützweiten größer als 120 m eine Nutzlast von 2,5 kN/m².

Eisenbahnbrücken

Lastmodell 71, DIN Fachbericht 101

Für den normalspurigen Eisenbahnverkehr ist in Deutschland auf Strecken mit Normalverkehr das Lastmodell 71, was mit dem Lastmodell UIC 71 identisch ist, anzusetzen. Dieses entspricht den Meterlasten der Streckenklasse D4. Bei besonderen Strecken mit Schwerverkehr sind zusätzliche Lastmodelle zu beachten. Solche Lastmodelle sind zur Ermittlung der maßgebenden Schnittgrößen in die ungünstigste Laststellung zu bringen, die man zum Beispiel mit Hilfe von Einflusslinien bestimmen kann.


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См. также в других словарях:

  • Verkehrslast — bei Brücken, die bewegte und zeitweilig einwirkende Belastung einer Tragkonstruktion, welche durch den über die Brücke gehenden Verkehr hervorgerufen wird (vgl. a. Lastäquivalente). Die Verkehrslasten beanspruchen das Tragwerk vor allem durch… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Verkehrslast — s. Gütertarife, Ladegewicht und Nutzlast …   Enzyklopädie des Eisenbahnwesens

  • Verkehrslast — Verkehrslast,   Bautechnik: im Unterschied zu der ständigen Belastung aus Eigengewicht die veränderliche Belastung, die sich bei Brücken aus dem darüber gehenden Verkehr, Wind und Schnee, bei Gebäuden aus der aufzunehmenden Nutzbelastung… …   Universal-Lexikon

  • Verkehrslast — (f), Nutzlast (f) eng live load …   Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz Glossar

  • Nutzlast — Verkehrslast (f), Nutzlast (f) eng live load …   Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz Glossar

  • Klappbrücken — (bascule bridges, lift bridges, rolling lift bridges; ponts basculants, ponts levis; ponti levatoi), bewegliche Brücken (s.d.), bei denen das Verkehrsprofil durch Drehung des beweglichen Überbaues um eine in seinem Schwerpunkt gelagerte wagrechte …   Enzyklopädie des Eisenbahnwesens

  • Grenzwerte [2] — Grenzwerte einer Beanspruchung oder sonstigen Größe B (Stabkraft, Spannung, Stützenreaktion u.s.w.) bei veränderlichen Einwirkungen (Belastung u.s.w.) nennt man in der Ingenieurmechanik diejenigen beiden Werte von B, zwischen welchen alle sonst… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Drehbrücken — (swing bridges, swivel bridges; ponts tournants; ponti girevoli), bewegliche Brücken (s.d.), bei denen die Bewegung um eine lotrechte, zwischen den Brückenenden gelegene Drehachse erfolgt. Die Drehachse, der Drehzapfen oder Königszapfen, befindet …   Enzyklopädie des Eisenbahnwesens

  • Belastung [2] — Belastung der Träger (s.a. Angreifende Kräfte, Eigengewicht, Verkehrslast). Dieselbe kann aus konzentrierten Lasten und stetig verteilten Lasten bestehen. Bei edleren sind die Angriffspunkte durch meßbare Strecken getrennt (Fig. 1 und 10), bei… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Bogenfachwerke [1] — Bogenfachwerke sind als Fachwerke (s.d.) gegliederte Bogen (s.d.). Man unterscheidet demnach einfache Bogenfachwerke (über eine Oeffnung) und durchlaufende oder kontinuierliche Bogenfachwerke (über mehrere Oeffnungen), Bogenfachwerke einfachen… …   Lexikon der gesamten Technik


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