Verklicker


Verklicker
Windrichtungsanzeiger im Masttopp

Als Verklicker wird im Seglerjargon ein Windanzeiger auf einem Sport- oder Freizeit-Segelboot bezeichnet, der die Richtung des scheinbaren Windes angibt.

Der Begriff ist schon für das 19. Jahrhundert belegt und entstammt vermutlich der Seemannssprache. Er bezeichnet ursprünglich nur die an der Mastspitze (dem Masttopp) befestigten Wimpel, Fähnchen bzw. (Vereins-) Stander, die Seeleuten und Freizeitseglern die Richtung des Bordwinds „verklickerten“, also deutlich machten. Heute werden oft auch technisch aufwendigere Windanzeiger in anderer Bauform Verklicker genannt.

Inhaltsverzeichnis

Einsatzzweck und Anforderungen

Verklicker in Standerform

Verklicker dienen beim Segeln vorrangig zur Beobachtung des Kurses zum Wind und von Änderungen des Windeinfallswinkels. Sie werden vor allem zur Optimierung von Segeltrimm und Bootskurs benötigt.

Für eine Erfassung oder gar Messung der tatsächlichen Windverhältnisse in der Umgebung eignen sich Verklicker kaum: Ist ein Boot in Fahrt, zeigt jeder Windrichtungsanzeiger an Bord nicht mehr den wahren, meteorologischen Wind an. Dieser wäre nur von einem unbewegten Standort aus feststellbar. Er zeigt stattdessen den scheinbaren oder Bord-Wind, der sich aus der Summe von wahrem Wind und Fahrtwind ergibt. Um aus der Stellung eines Verklickers auf die Richtung des wahren Windes zu schließen, muss also die Bewegung gegenüber der Erdoberfläche berücksichtigt werden.

Will man an Bord ein Instrument zur Windbestimmung nutzen, entstehen durch die Effekte der Luftumströmung von Segeln und Fahrzeug besondere Probleme, die zumindest durch eine geeignete Standortwahl zu berücksichtigen sind. Verklicker werden deshalb bevorzugt im Masttopp oder in dessen Nähe montiert: sie werden dort am wenigsten vom Luftstrom um die Segel beeinflusst, haben Bewegungsspielraum und sind vom Cockpit aus nahezu jederzeit einsehbar. Im Hafen bietet dieser Ort zudem (relativen) Schutz vor den Riggs der sich im Schwell bewegenden Nachbarboote. Allerdings hat die Position an der Mastspitze auch Nachteile. So wirken sich dort bei Seegang die vom Mast übertragenen Schiffsbewegungen besonders drastisch aus, was bei der Interpretation der Verklickerausschläge zu berücksichtigen ist.

Als Anforderung an die mechanischen Eigenschaften von Verklickern ergibt sich daraus, dass einerseits Windrichtungsänderungen in Böen rasch erkannt werden sollen (Reaktionsfreudigkeit), andererseits soll nicht jede leichte Änderung der Bootskrängung gleich zu einem Umschlagen des Anzeigers führen (Bewegungsträgheit). Daneben sollen Verklicker auch bei Blickrichtung gegen die Sonne noch problemlos erkennbar bleiben und zudem bei Nachtfahrten gut ablesbar sein. Sie sollen schließlich durch geringes Gewicht die Last im Masttopp nur unwesentlich erhöhen, sicher montierbar sein und die Funktion der weiteren dort installierten Schiffsausrüstung (Mastbeschläge, Fallrollen, Antennen, Positionslampen) nicht behindern.

Bauformen

Windrichtungsanzeiger „Windex“
Wantenverklicker

Verklicker gibt es, auch unter Kostenaspekten relevant, in unterschiedlichen Ausführungen und Bauformen:

  • Auf Jollen und kleineren Yachten verbreitet sind drehbar gelagerte, heute überwiegend viereckige und signalfarbene Stander (Windfähnchen) aus Kunststoff oder Segeltuch, die manchmal mit Draht oder mit einem Metallrahmen verstärkt sind.
  • Auf größeren Yachten werden häufig pfeilförmige Windrichtungsanzeiger aus Kunststoff oder Edelstahl genutzt. Nach dem bekanntesten Markenprodukt werden Windrichtungsanzeiger dieser Art verallgemeinernd als „Windex“ bezeichnet. In hochwertiger Ausführung sind sie sehr leichtgängig gelagert, zur Stabilisierung der Anzeige gewichtsbelastet und können dank reflektierender Folien an Spitze und Unterseite auch nachts gut abgelesen werden. Zu ihnen gehört meistens auch ein einstellbares, ansonsten aber feststehendes Armpaar, das optisch Hinweise auf einen günstigen oder den maximal erreichbaren Am-Wind-Kurs signalisieren soll.
  • Eher einen „Notbehelf“ stellen Wantenverklicker dar, drehbar gelagerte Windfähnchen oder -pfeile, die an einem Drahtwinkel in die Wanten eingehängt werden. Sie werden immer paarweise, an Backbord- und Steuerbord-Wanten, benötigt. Am Luvwant zeigen sie lagebedingt eine interpretationsbedürftige Mischung aus scheinbarem Wind und Strömungsverhältnissen am Großsegel an, am Leewant sind sie oft durch das Segel verdeckt.

Trotz der Anschaffungskosten, die bei hochwertigen Verklickern durchaus 100 Euro erreichen können, muss dieses sensible Yachtzubehör als relativ kurzlebiges und oft wiederzubeschaffendes „Verbrauchsmaterial“ eingestuft und eingeplant werden, das z. B. beim Mastlegen, beim Festmachen in der Nähe von Bäumen oder bei Brückendurchfahrten durch Unachtsamkeit schnell zerstört wird.

Weitere Windanzeiger und -messer beim Segeln

„Windbüdel“ oder „Flögel“
Elektronischer Kombigeber für Windrichtung und -geschwindigkeit
  • Trimm- oder Windfäden sind beiderseits auf dem Segel oder an dessen Achterliek befestigte Wollfäden oder Plastikstreifen (und manchmal auch an den Wanten zu finden). Sie stellen die unaufwendigste Art dar, den Strömungsverlauf des Windes am Segel oder in dessen Umgebung darzustellen. Man findet sie als zusätzliche Indikatoren für die Windströmung auch auf hochwertig ausgestatteten Yachten, da sie einen sehr exakten Segeltrimm ermöglichen. Weil sie in Augenhöhe befestigt werden, sind sie zugleich bequem von Steuermann und segelbedienender Crew einzusehen.
  • Windbüdel sind Windanzeiger auf meist größeren Traditionsschiffen. Bei ihnen handelt es sich um trichterförmige Windsäcke, wie sie auch von Autobahnbrücken oder von Flughäfen bekannt sind. Sie können beim Segeln nicht nur die Richtung des scheinbaren Windes anzeigen, sondern liefern auch Hinweise auf dessen Stärke. Sie sind auch als Flögel bekannt, wohl in Anlehnung an die holländischen Vleugel (‚Flügel‘), langgestreckte Windanzeiger auf Flachbodenschiffen mit einem Flögelholz als „Kopfbrett“, deren Farbe auch über den Einsatzzweck des Schiffs Auskunft gibt.
  • Elektronische Messgeräte zur Windbestimmung finden zunehmend auch auf Sport- und Freizeitbooten Anwendung. Die Windrichtung wird dabei über elektronische Windrichtungsgeber (Richtungssensoren an herkömmlichen Windpfeilen oder -fahnen) ermittelt, die Windstärke durch ein Flügel- oder Schalenkreuz-Anemometer. Die per Draht oder Funk übertragenen Messergebnisse werden elektronisch ausgewertet und von Displays am Mast, im Cockpit oder auf einem Tochterdisplay am Navigationsplatz angezeigt. Bei einigen Bautypen können sie von weiteren nautischen Geräten verarbeitet oder aufgezeichnet (geloggt) werden. Zusammen mit weiteren Informationen (z.B. über die Fahrt des Schiffes) können Bordcomputer anschließend auch Betrag und Richtung des wahren Windes näherungsweise berechnen.

Siehe auch


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