Veste Wachsenburg


Veste Wachsenburg
Veste Wachsenburg
Die Wachsenburg aus südlicher Richtung

Die Wachsenburg aus südlicher Richtung

Alternativname(n): Wachsenburg
Entstehungszeit: 930
Burgentyp: Höhenburg,Gipfellage
Ständische Stellung: Grafen, Klerikale
Ort: Wachsenburggemeinde
Geographische Lage 50° 51′ 30″ N, 10° 52′ 35″ O50.85833333333310.876388888889420.8Koordinaten: 50° 51′ 30″ N, 10° 52′ 35″ O
Höhe: 420,8 m ü. NN
Veste Wachsenburg (Thüringen)
Veste Wachsenburg

Die Veste Wachsenburg, häufig auch nur kurz Wachsenburg genannt, ist eine zu den Drei Gleichen gehörende mittelalterliche Burg auf dem Gebiet der Wachsenburggemeinde im Ilm-Kreis in Thüringen. Im Laufe ihrer Geschichte wechselte die Burg häufig ihren Besitzer und wurde ständig um- und ausgebaut. Heute dient sie als Hotel und Ausflugsgaststätte und beherbergt ein privat geführtes Museum.

Wachsenburg aus Südwest
Wachsenburg aus Südwest

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ansicht von Norden
Ansicht vom Ende des 19. Jahrhunderts
„Hohenlohe-Turm“ und Eingangstor
Innenhof
Brunnen

Erste Bauten auf dem kegelförmigen, 421 m hohen Wassenberg (althochdeutsch für steiler Berg) gab es vermutlich bereits um 930. Der Bau wurde durch die Reichsabtei Hersfeld zur Sicherung der umfangreichen Besitzungen im Gebiet von Arnstadt vorangetrieben.

Von 1090 bis 1098 wohnte der Hersfelder Abt Friedrich auf der Burg und starb dort auch. Er ließ die durch Fehden schwer mitgenomme Burg wiederherstellen. Um das Jahr 1100 überließ die Reichsabtei die Burg den Landgrafen von Thüringen. Die erste Urkunde mit der Erwähnung der Wachsenburg stammt aus dem Jahr 1140, in der ein Ritter Adelher von Wassenburg erwähnt wird. Im Lauf der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Staufern und Welfen wurde die Burg Ende des 12. Jahrhunderts in die Kämpfe hineingezogen, und der welfisch gesinnte Erzbischof von Köln setzte sich dort fest.

In den folgenden Jahrzehnten war die Burg mehrfach Schauplatz von Konflikten zwischen den rivalisierenden Kräften innerhalb des Reiches. So nahm im Jahr 1204 Philipp von Schwaben die Burg ein. Danach wechselten die Besitzer zwischen den Grafen von Käfernburg, Orlamünde und ab 1306 Schwarzburg-Blankenburg. Unter Graf Günther XII., der die Burg ab 1306 besaß, erlebte sie ihre Blütezeit. Im Jahr 1366 musste der nachfolgende Besitzer, Johann II. von Schwarzburg, die Burg verkaufen, um Kriegsschulden zu begleichen. Die Burg kam trotz aller Bemühungen der Stadt Erfurt, diese zu erwerben, 1369 in den Besitz der Thüringer Landgrafen, die sich in der Folgezeit mehrfach genötigt sahen, die Burg zu verpfänden. Auf diese Weise kam sie 1441 in die Hand von Apel Vitzthum von Apolda, der als „Brandmeister von Thüringen“ bekannt wurde. Gegen diesen berüchtigten Raubritter ging später die Stadt Erfurt vor, indem sie 1451 mit Unterstützung der Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen die Wachsenburg belagerte. Nach vierwöchiger Belagerung, bei der durch Unterminierung die Schildmauer der Burg zum Einsturz gebracht worden war, wurde Apel Vitzthum schließlich zur Aufgabe gezwungen[1][2]. Die beschädigte Anlage verfiel in der Folgezeit allmählich.

1640 kam die Wachsenburg in den Besitz Herzog Ernsts des Frommen, der ursprünglich mit dem Gedanken spielte, sie zu einem Schloss auszubauen. Nach Instandsetzungsarbeiten war dann jedoch ab 1651 die Einrichtung der Burg als Zucht- und Waisenhaus geplant.[3] Ein vom Baumeister Casper Vogell dafür angefertigtes Holzmodell hat sich erhalten. Doch auch dieses Projekt wurde letztendlich nicht umgesetzt.1651 bis 1659 wurde die Wasserversorgung durch einen 93 m tiefen Brunnen gesichert. Später wurde für die Oberaufsicht und Verwaltung einer „Arrestanstalt für Militärpersonen“ das Amt eines Kommandanten eingeführt, der letzte starb 1856.

1861 zog ein Kastellan und Wirt auf der Veste ein. Die nun als Museum vorgesehene Wachsenburg wurde Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts weitgehend umgebaut und vieles neu aufgebaut. 1905 konnte der Hohenlohe-Turm als neuer Bergfried eingeweiht werden, 1907 die Bastion Carl-Eduard als museale Geschützhalle. Die bildnerische Innengestaltung der Burg übernahm der aus Apfelstädt stammende Maler Eduard Fiedler. Persönlichkeiten des Wachsenburg-Komitees richteten mit starker herzoglicher Unterstützung ein Museum mit heeres- und heimatgeschichtlichem Schwerpunkt auf der Burg ein. Bis 1918 unterstand die Wachsenburg den Herzögen von Sachsen-Coburg und Gotha. 1920 ging sie in den Besitz des Landes Thüringen über. Das Land übernahm die Verpflichtung, „die Feste Wachsenburg dauernd zu erhalten und das darin untergebrachte Heimatmuseum nach Kräften zu fördern“. Anfang 1945 wurde in der Burg eines der Hauptdepots für Kulturgüter aus den luftkriegsgefährdeten Weimarer Kunstsammlungen eingerichtet.

Am 4. April 1945 besetzten US-Truppen die Wachsenburg. Es kam dort zu einem Treffen der Generäle Patton und Eisenhower. Schon 1945 verschwand viel Museumsgut, im Januar 1946 transportierte die Rote Armee die wertvolle Militaria-Sammlung ab. In den Jahren von 1964 bis 1969 erfolgten Sanierungsarbeiten. 1966 richtete der Kreis Arnstadt, dem die Wachsenburg nun gehörte, dort ein Hotel ein, das auch als Gästehaus der DDR-Regierung diente. Die HO-Gaststätte war öffentlich zugänglich.

1991 wurde das Land Thüringen Eigentümer der Veste. Es erfolgten umfangreiche Restaurierungsarbeiten. Seit 2001 befindet sich die Burg mit Hotel und Restaurant nach zehnjähriger Pachtzeit in Privatbesitz. Auf die Initiative der Besitzer geht auch die Wiedereröffnung des Neuen Burgmuseums 2001 zurück. 2003 erfolgte die feierliche Weihe der Burgkapelle St. Georg. Im selben Jahr machte der Ordo militaris teutonicus e. V., ein nach eigener Darstellung unabhängiger und weltlicher Militaris-Hospitaler-Ritterorden mit karitativen Aufgaben, die Wachsenburg zu seiner Heim-Ordensburg.[4]

Das Museum auf der Wachsenburg

Drei verdiente Gothaer Bürger, Carl Ferdinand Grübel, Moritz Huppel und Theobald Wolff, gründeten 1896 das Wachsenburg-Komitee. Sie hatten am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teilgenommen und wollten auf der Veste ein Museum der deutschen Einigungskriege errichten. Diese Zielsetzung wurde jedoch bald erweitert. Die Bevölkerung wurde in Aufrufen um Unterstützung für die „Sammlung vaterländischer Altertümer“ gebeten. Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha trug mit der Stiftung einer größeren Geldsumme und von Ausstellungsstücken aus seinem Hause erheblich zum Gelingen des Vorhabens bei. So konnte das Museum, auch unterstützt vom Wachsenburg-Verein, ab 1898 einzigartige Sammlungen zeigen:

  • eine heeresgeschichtliche Sammlung vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Ersten Weltkrieg: Bekleidung, Ausrüstung und Bewaffnung deutscher Soldaten
  • eine Kriegshilfe-Ausstellung 1914/18
  • eine Militaria-Sammlung im restaurierten Arresthaus mit Fahnen, Standarten, Uniformen, Artillerie- und Belagerungswerkzeugen speziell von Gothaisch-Altenburgischen Regimentern des 17. und 18.Jahrhunderts
  • wertvolle alte Geschütze in der 1907 gebauten Geschützhalle Bastion Carl Eduard
  • ein Diorama der Schlacht bei Wörth im Elsass 1870 mit Tausenden von Zinnsoldaten
  • eine Herzog-Alfred-Sammlung mit Waffen (Lanzen, Speeren, Pfeilen, Bogen) und anderen völkerkundlichen Gegenständen asiatischer, afrikanischer und pazifischer Kulturen. Er hatte diese Erinnerungsstücke von seinen ausgedehnten Reisen in diese Regionen mitgebracht;
  • eine umfangreiche Heimatkunde-Sammlung bäuerlichen Mobiliars, Hausrats und Trachten vorwiegend aus der Region, aber auch aus anderen Teilen Deutschlands (Darstellung des traditionsreichen Handwerks in Thüringen, älteste Ausstellungsstücke aus dem 17. Jahrhundert)
  • Porträts ernestinischer Herzöge und ihrer Gattinnen, einen künstlerisch gestalteten Stammbaum der Herzöge, Wappen deutscher Herrscherfamilien, Bilder des Gothaer Historienmalers Prof. J.H. Schneider von der Gleichen-Sage und von Eduard Fiedler Wachsenburg-Wandbilder sowie viele geschichtliche Darstellungen von ihm (seine Entwürfe für den großen Rittersaal von 1930 kamen durch seinen Tod nicht mehr zur Ausführung)
  • der Staatswagen des damaligen Gothaer Herzogs von 1808
  • eine Ausstellung über Gustav Freytag, den Dichter von Die Ahnen, im Obergeschoss des Hohenlohe-Turms ab 1906. Er hatte um 1870 auf der Burg das Kapitel Nest der Zaunkönige (die Mühlburg) geschrieben. Das Gustav-Freytag-Zimmer enthielt Originalmöbel aus seinem Haus in Siebleben.

Als das Land Thüringen Anfang der 1920er Jahre die Wachsenburg übernahm, sagte es zu, „das darin untergebrachte Heimatmuseum nach Kräften zu fördern“. Im Zweiten Weltkrieg wurden besonders wertvolle Teile der Sammlungen zum Schutz vor Luftangriffen und Artillerie-Beschuss in Burgkellern gesichert. Anfang April 1945 erfolgte die Besetzung der Wachsenburg durch US-Truppen, Anfang Juli durch die Rote Armee. Es kam bald zu empfindlichen Verlusten im Museumsbestand. Im Januar 1946 wurden die noch erhaltenen Teile des Kriegsmuseums versiegelt, kurz darauf die Waffen und Uniformen beschlagnahmt, verpackt und weggeschafft. Nur die Reste der heimatkundlichen Sammlung konnten ab 1946 wieder gezeigt werden, bis das Museum 1965 ganz geschlossen wurde. Der Wachsenburg-Verein e. V. hatte sich bereits 1949 aufgelöst.

Im September 2001 wurde in privater Trägerschaft durch die Besitzer der Wachsenburg das Neue Burgmuseum im Nordflügel und Hohenlohe-Turm eröffnet.

Naturschutzgebiet Wachsenburg

1996 wurde das Naturschutzgebiet mit 80 Hektar gesichert. Es umfasst die steilen und schroffen Hänge des Wachsenburg-Hügels und den Roten Berg. Hier finden sich in den charakteristischen Wäldern, den Halbtrocken- und Trockenrasen, wärmeliebenden Gebüschen und Ackerwildkrautfluren viele Vertreter der vielfältigen, schutzwürdigen Fauna und Flora. Besonders zu nennen sind: Blauflügelige Ödlandschrecke, Schlingnatter und Lothringer Lein sowie die Zauneidechse.

Wanderziel Wachsenburg

Die Veste Wachsenburg ist ein gern besuchtes Ziel, besonders von Tagesausflüglern. Mehrere regionale Wanderwege führen auf den Gipfel: der Graf-Gleichen-Weg, der Gustav-Freytag-Weg, benannt nach dem Schriftsteller Gustav Freytag, sowie der Otto-Knöpfer-Weg, benannt nach Otto Knöpfer, der im Dorf Holzhausen am Fuß der Burg aufwuchs und für den die Burg und ihre Umgebung häufige Motive waren.

Literatur

  • C. Polack: Wachsenburg, Mühlberg und Gleichen, die thüringischen drei Gleichen in ihren Beziehungen zu einander, Veröffentlicht von J. G. Müller, 1859
  • Janny Dittrich und Helga Scheidt: Eduard Fiedler und die Gestaltung der Wachsenburg. Faltblatt-Katalog zur Ausstellung im Schlossmuseum Arnstadt von Dezember 2008 bis 29. März 2009, Hrsg. Schlossmuseum Arnstadt
  • Günter Wermusch: "Kriegsbeute aus der Goethe-Stadt". DIE ZEIT, 30. November 1990, Nr. 49

Weblinks

 Commons: Veste Wachsenburg – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.klippstein.net/wsbg/wachsbg.htm
  2. Flyer der Kulturscheune Mühlberg
  3. Marc Rohrmüller: Architectonica. In: Ernst der Fromme 1601 – 1675. Bauherr und Sammler. Hrsg. von Juliana Ricarda Brandsch. Gotha 2001, S. 149.
  4. http://www.omt-ritter.de/index.php/de/aus-der-geschichte

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