Victor von Röll


Victor von Röll

Victor Freiherr von Röll (* 22. Mai 1852 in Czernowitz; † 12. Oktober 1922 in Wien) war ein österreichischer Jurist und Beamter im Eisenbahnministerium und Herausgeber der 10-bändigen Enzyklopädie des Eisenbahnwesens (1912–1923).

Inhaltsverzeichnis

Leben

Victor von Röll wurde in Czernowitz in der Bukowina geboren. Seine Eltern waren Albertine Röll und der Landesbauamtsvorstand Anton Röll. Nach dem Besuch des Schottengymnasiums in Wien studierte er Rechtswissenschaft an der Universität Wien, wo er auch zum Doktor iur. promovierte.

Die nächsten zwei Jahre war er als Rechtspraktikant bei verschiedenen Wiener Behörden beschäftigt und gab daneben Vorlesungen über Handels- und Wechselrecht an der Wiener Handelshochschule. Am 22. Mai 1875 heiratete Victor von Röll und wurde später Vater von fünf Kindern.

1876 wechselte Victor von Röll zur Kaiserin-Elisabeth-Bahn, wo er in der Rechtsabteilung arbeitete. In den folgenden Jahren war an der Verstaatlichung der Privatbahnen und an Reformen im Transport- und Verkehrswesen beteiligt. Er war im Verein Deutscher Eisenbahnverwaltungen (VDEV) in einer leitenden Position. Weiterhin war er beim Abschluss des Berner Übereinkommens über den Eisenbahnfrachtverkehr beteiligt. 1885 initiierte er die Gründung des Historischen Museums der österreichischen Staatseisenbahnen, das er bis 1890 leitete. 1896 wechselte er in das neu geschaffene Eisenbahnministerium. 1911 war er im Kabinett von Ministerpräsident Paul Gautsch Freiherr von Frankenthurn für vier Monate Eisenbahnminister. Nach seinem Rücktritt von dieser Position wurde er in den erblichen Freiherrenstand erhoben und erhielt 1912 bei seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst das Komturkreuz des Leopold-Ordens. Nach seinem Ruhestand war er Mitglied und auch Vorsitzender des Verwaltungsrates verschiedener Eisenbahngesellschaften und anderer Unternehmen.

Enzyklopädie des Eisenbahnwesens

Eng mit seinem Namen verbunden ist die Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. In diesem von ihm als Herausgeber betreuten Werk wird ein umfassender Überblick über alle Bereiche des Eisenbahnwesens der damaligen Zeit gegeben. Es geht auf die Gründung und Finanzierung von Eisenbahnen, den Bau, die Signal- und Sicherungsanlagen, die Betriebsanlagen, das Eisenbahnrecht und die Geschichte und Geografie der Eisenbahn weltweit ein. Auch bietet es Biografien zu mit dem Eisenbahnwesen verbundenen Personen.

Röll war Mitarbeiter von Zeitungen und wissenschaftlichen Zeitschriften und Herausgeber einer Sammlung eisenbahnrechtlicher Entscheidungen. Er hatte schon frühzeitig die Idee, das gesammelte Wissen im Bereich der Eisenbahn in Form einer Enzyklopädie herauszugeben. 1885 trat Röll mit seiner Idee an den Eisenbahnpionier Edmund Heusinger von Waldegg heran. Dieser starb jedoch im Folgejahr und auch eine Vereinbarung mit einer Verlagsbuchhandlung konnte nicht zum Abschluss gebracht werden. Schließlich gelang es Röll in den Jahren 1890 bis 1895 die siebenbändige „Encyklopädie des gesamten Eisenbahnwesens in alphabetischer Anordnung“ bei der Wiener Verlagsbuchhandlung Carl Gerold’s Sohn herauszugeben, die schon bald zu einem Standardwerk des Eisenbahnwesen wurde. Im September 1908 begann er Vorbereitungen für eine zweite Auflage der Enzyklopädie. Dieses Vorhaben wurde durch die Verlagsbuchhandlung Urban & Schwarzenberg, Berlin und Wien unterstützt, die zwischenzeitlich die Rechte an der Enzyklopädie erworben hatte. 1911 begann man mit der Herausgabe des mit einem Umfang von acht Bänden geplanten Werkes. Es zeigte sich, dass die Ergänzungen derart groß waren, dass der Umfang auf zehn Bände erweitert werden musste. Auf Grund des Ersten Weltkriegs konnte das Werk mit dem zehnten Band erst 1923 abgeschlossen werden. Victor Freiherr von Röll verstarb vor der Vollendung seines Lebenswerkes.

Schriften

  • Encyklopädie des gesamten Eisenbahnwesens in alphabetischer Anordnung, 1890–1895 in 7 Bänden, Verlagsbuchhandlung Carl Gerold’s Sohn, Wien.
  • Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. Zweite, vollständig neu bearbeitete Auflage 1912–1923 in 10 Bänden, Urban & Schwarzenberg Verlag, Berlin/Wien.

Literatur

Weblinks


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