Victoria (Kanada)


Victoria (Kanada)
Victoria
Skyline von Victoria
Basisdaten
Gründung: 1843 (als Fort Camosun)
Staat: Kanada
Provinz: British Columbia
Bezirk: Capital Regional District
Zeitzone: UTC -8
Einwohner: 330.088 (CRD), 78.659 (Stadt) (Zensus 2006)
Bevölkerungsdichte: 522 Einwohner je km²
Höhe: 23 m ü. NN
Fläche: 633 km²
Stadtgliederung: 13 neighbourhoods
Postleitzahlen: V0S-, V8N-, V8Z-, V9A-, V9E-
Vorwahl: 250
Website: www.city.victoria.bc.ca
Politik
Bürgermeister: Alan Lowe, seit 1999
Ortslage von Victoria an der Südostküste Vancouver Islands

Victoria ist die Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia. Ihren Ursprung hat sie in einem 1843 errichteten Handelsposten der Hudson’s Bay Company, von wo aus die Stadt unter dem Namen Fort Victoria Zentrum des Pelzhandels in den westlichen Gebieten Kanadas wurde. Der Name geht auf die englische Königin Victoria zurück.

Aus dem zentralen Handelsposten entwickelte sich die Hauptstadt der Vancouver-Insel, dann der Kronkolonie British Columbia, schließlich der gleichnamigen Provinz. Ihre wirtschaftliche Basis war anfangs der Handel, wozu sich Verwaltung, Militär und Polizei, dann die Marine gesellten. Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, vor allem von Holz, Kohle und der fischreichen Gewässer, besonders aber die Goldfunde auf dem Festland machten die Ansiedlung zu einer vergleichsweise großen Stadt. Starke Zuwanderung und politische Dominanz gaben ihr einen ausgesprochen „britischen“ Charakter.

Der Ballungsraum Capital Regional District umfasst neben der eigentlichen Stadt Victoria (rund 78.000 Einwohner) noch 12 weitere Gemeinden, die zusammen 330.000 Einwohner zählen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Kernstadt Victorias (Downtown) liegt an einer kleinen Bucht an der Pazifikküste am Südzipfel der Vancouver-Insel, die der westkanadischen Provinz British Columbia vorgelagert ist. Dazu kommen die umgebenden so genannten Nachbarschaften (neighborhoods), die zusammen das Stadtgebiet bilden. Dieses Stadtgebiet wiederum bildet den Kern des Capital Regional District, zu dem der Ballungsraum zusammengefasst wurde. Der überwiegende Teil der Bewohner von Vancouver Island lebt hier.

Die Juan-de-Fuca-Straße trennt die Insel von den Vereinigten Staaten, deren Olympic Mountains von Victoria aus im Süden zu sehen sind. Östlich liegt die Straße von Georgia, in der sich Hunderte von Inseln befinden, die unter dem Namen Gulf Islands bekannt sind. Die umgebende Hügellandschaft schützt die Insel vor den schweren Regenfällen, die die Westküste der Insel kennzeichnen. Zugleich liegt der Ort so günstig, dass er von Stürmen nur selten erreicht wird.

Die Stadt liegt südlich des 49. Breitengrades, der ansonsten ostwärts bis zu den Großen Seen die Grenze zwischen den USA und Kanada darstellt, und stellt somit den südlichsten Punkt Westkanadas dar.

Flora und Fauna

Quamash (Camassia quamash), deren Zwiebeln essbar sind

Victoria ist in vielerlei Hinsicht eine viktorianische Stadt. Das gilt auch für die Gärten und Parks, deren Gestalt allerdings nicht nur auf britische Wurzeln zurückgeht. Die Briten waren anfangs überrascht, eine Landschaft anzutreffen, die ihren Idealen so nahe kam. Einer der Männer, die diese Stelle als Standort für den Haupthandelsposten aussuchten, sah in der Landschaft mit ihrer parkartigen Erscheinung „a perfect Elysium in point of climate and scenery“.[1] Die Wahl des Ortes wurde also maßgeblich von der Kulturlandschaft, allerdings auch vom milden Klima und dem natürlichen Hafen beeinflusst.

Die Schöpfer dieser scenery, also der Kulturlandschaft um Victoria, waren die Songhees, ein Stamm der zu den Küsten-Salish-Indianern gehört. Sie pflanzten Camas, eine früher für ein Liliengewächs gehaltene Agavenart mit blauen Blüten an. Ihre Zwiebeln schmecken wie sehr süße, gebackene Tomaten, manche auch wie Birnen. Sie haben einen Durchmesser von 4-8 cm und wiegen bis über 100 g. Besonders dieser Anbau und die Pflege des Bodens verwandelten die Landschaft im Laufe der Jahrhunderte, und gaben ihr den parkartigen Charakter.

Die baumarmen Zonen wurden durch den gezielten Einsatz von Feuer geschaffen. Besonders wichtig war für die Songhees eine bestimmte Eichenart, die Garry Oak (Quercus garryana), die bis heute einem der Nachbarorte ihren Namen gibt. Neben dem Grasland bildeten sie ein ganz eigenes Ökosystem, neben von Douglasien oder Sümpfen dominierten küstennahen Gebieten. Die Garry-Eiche ist zwischen British Columbia und Kalifornien verbreitet, wächst aber am besten um Victoria. Sie ist nach Nicholas Garry von der Hudson’s Bay Company benannt, und wird bis über vierhundert Jahre alt. Um 1800 umfasste dieses System noch rund 15 km² im Gebiet von Victoria, heute sind davon nur noch 21 ha übrig. Die großen Parks im heutigen Stadtgebiet speisen ihr Erscheinungsbild bis heute aus diesen beiden Wurzeln.

Die ursprüngliche Vegetation war also schon lange nicht mehr, wie sonst an der Westküste, gemäßigter Regenwald, der überwiegend aus Sitka-Fichten, Riesenlebensbäumen, Westamerikanischen Hemlocktannen, Douglasien und Pazifischen Eiben bestand, sondern eine Parklandschaft. Nicht umsonst nennt sich die Stadt gern Great Victoria - The City of Gardens.

Lachs war die Hauptnahrung der Küsten-Salish. Vor allem San Juan Island wurde gern mit Kanus angefahren. Auch andere Fische wie Hering und Heilbutt, aber auch Vögel - Victoria besitzt seit 1923 im Hafenbereich ein 1700 ha großes Schutzgebiet für Zugvögel[2] - und sonstiges Wild standen auf der Speisekarte, dazu Muschelarten wie Tresus nuttallii. Bis heute spielt Lachs eine wichtige Rolle bei der Ernährung der Stadt, und auch der Tourismus profitiert in hohem Maße von der Fauna der Umgebung. Das gilt vor allem für die Wale, die allerdings zunehmend durch schnelle Boote der Walbeobachter (Walbeobachtung|whale watching) belästigt werden.

Klima

Wie vor der gesamten Westküste macht sich hier der Einfluss der Kuroshio-Strömung stark bemerkbar. Das Klima ist daher sehr mild; selten steigen die Temperaturen über 30° oder fallen unter 0 °C. An durchschnittlich zwei Tagen pro Jahr fällt die Nachttemperatur unter -5 °C. Die Sommer sind trocken und die Winter feucht, aber sie sind auch die mildesten in ganz Kanada.[3] Im Jahr fallen durchschnittlich 883 mm Niederschlag, während in Vancouver fast die eineinhalbfache Regenmenge fällt. An der Westküste hingegen herrschen ergiebige Regenfälle vor, die bis zu achtmal so hoch sind wie in Victoria. Im Schnitt fallen 43,79 cm Schnee pro Jahr,[4] nur selten fallen über 100 cm. Jeder dritte Winter ist praktisch ohne Schnee. Dabei erhält die Stadt über 2200 Sonnenscheinstunden pro Jahr.

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Victoria
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 6,9 8,4 10,5 13,4 16,6 19,3 21,9 22 19,4 14,2 9,5 6,9 Ø 14,1
Min. Temperatur (°C) 0,7 1,4 2,3 4,1 6,9 9,3 10,8 10,8 8,4 5,3 2,7 1,0 Ø 5,3
Temperatur (°C) 3,8 4,9 6,4 8,8 11,8 14,4 16,4 16,4 14 9,8 6,1 4 Ø 9,7
Niederschlag (mm) 136,6 107,8 78 44,5 36,5 32 19,5 23,9 30,4 75,7 147,2 151,2 Σ 883,3
Sonnenstunden (h/d) 2,2 3,2 4,6 6,3 7,9 8,4 10,4 9,7 7,3 4,5 2,5 1,9 Ø 5,8
Regentage (d) 17,8 16,1 16,2 13,2 11,6 10 5,7 5,6 7,4 13,2 18,7 18,7 Σ 154,2
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
6,9
0,7
8,4
1,4
10,5
2,3
13,4
4,1
16,6
6,9
19,3
9,3
21,9
10,8
22
10,8
19,4
8,4
14,2
5,3
9,5
2,7
6,9
1,0
N
i
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136,6 107,8 78 44,5 36,5 32 19,5 23,9 30,4 75,7 147,2 151,2


Stadtbild und -gliederung

Downtown

Eine der an vielen Stellen aufgehängten Orientierungshilfen in Downtown
Blick über den Inneren Hafen
Das Fairmont Empress Hotel von 1905

Die Innenstadt (Downtown) mit Fußgängerzone, Lokalen und Geschäften befindet sich östlich des Upper und des Inner Harbour, an dem sich die Sehenswürdigkeiten, wie die Parlamentsgebäude und das Fairmont Empress Hotel befinden. Downtown steht inzwischen überwiegend unter Denkmalschutz, vor allem die vor 1945 errichteten Gebäude. [5] Aus den ehemaligen Lagerhäusern, Büros, Bars, Bordellen und Hotels sind, ebenso wie aus den Barackensiedlungen der Frühzeit Restaurants, Geschäfte, Pubs und Kunstgalerien geworden, dennoch überwiegen nach wie vor Wohnungen. Das ehemalige Gebäude des Provinzgerichts ist heute das Maritime Museum, in dem der Gerichtssaal von 1889 vollständig erhalten ist.

Der Inner Harbour selbst ist immer noch Mittelpunkt der Stadt. Im Hafen legen immer noch Fähren an, wenn auch nur noch die kleinen Schiffe nach Port Angeles in Washington. Doch macht ihm der eigentliche Stadthafen, Fisherman's Wharf erhebliche Konkurrenz.

Neighbourhoods

15 Neighbourhoods bilden die City of Victoria:[6] Downtown, der älteste Siedlungskern, Chinatown, die stark von Chinesen geprägte Nachbarschaft, Victoria West, North Park, Harris Green, East Burnside-Gorge, Hillside-Quadra, Jubilee, Rockland, Rock Bay, Fairfield, Oaklands, Fernwood und Gonzales, dazu Cook Street Village und Humboldt Valley. Ortsteile wie Fairfield (zwischen Beacon Hill Park und Oak Bay) weisen kleinstädtischen Charakter auf, mit niedriger, meist viktorianischer Bebauung und Alleen. Der Ort geht auf James Douglas' Fairfield Farm zurück. Auch Fernwood, das bis in die 1850er Jahre nur den Verbindungsweg von dem Songhee-Dorf in der Cadboro Bay zum Fort in Downtown bildete, geht auf eine Farm zurück, die Hillside Farm. Fernwood Manor, das der Neighbourhood den Namen gab, entstand 1860. Oak Bay (Eichenbucht) weist ähnliche Eigenheiten auf. Der Ort geht ebenfalls auf die Songhees zurück. Sein Name leitet sich von Garry-Eichen ab. Hier residieren zahlreiche, vermögende Ruheständler. Bereits im 19. Jahrhundert wehrten sich seine Bewohner gegen jede Industrialisierung. Ursprünglich hatte die Hudson’s Bay Company hier eine Viehfarm errichtet, die der Versorgung des Forts diente, die Cadboro Bay Farm.

Zu James Bay gehören mehrere Parks. Von Downtown südostwärts, vorbei am Royal British Columbia Museum, mit Thunderbird Park und Helmcken House, trifft man auf den bekanntesten, den Beacon Hill Park, der sich auf 75 ha bis an die Küste, also an die Juan-de-Fuca-Straße, erstreckt. Der nach einem kleinen Hügel im Kernbereich benannte Park (dort befand sich als beacon oder Bake, bzw. Leuchtfeuer, ein Fass auf einem Knüppel, um vor dem Felsen von Brotchie Ledge zu warnen) wurde bereits 1882 eingerichtet, war jedoch schon seit 1858 ein geschütztes Gebiet. Es war eine Begräbnisstätte der lokalen Indianer, zu deren Ehren Mungo Martin, der auch federführend den Thunderbird Park gestaltete, 1956 einen 38,8 m hohen Totempfahl errichtete. Dies war die Gegend, von der James Douglas bei seiner ersten Exploration 1842 so begeistert war.[7] Zu dieser Zeit lebten die rund 1.600 Songhees in zwei Dörfern am Esquimalt Harbour und in der Cadboro Bay. Zwar bestanden im Beacon Hill Park keine Siedlungen, doch kurze Zeit davor stand vor Beacon Hill eine Verteidigungsanlage am Finlayson Point (entstanden um 950 n. Chr.), dazu am Holland Point, im Südwesten, und am Clover Point im Nordwesten des Parks. James Deans, der als erster Archäologe der Stadt gilt, entdeckte 1871 allein im Parkgebiet 23 Begräbnisstätten (cairns). Die meisten wurden zerstört, doch 1986 wurden vier von ihnen restauriert. Schon die Indianer spielten im Park ein Ballspiel namens qoqwialls, das mit Eichenstöcken gespielt wurde.

Einer der ältesten Arbeitgeber der Stadt, die Vancouver Island Brewery, befindet sich im nördlich von Downtown gelegenen Rock Bay. Insgesamt macht sich hier die Industrialisierung viel stärker bemerkbar, und erst langsam beginnt die Beseitigung ihrer negativen Auswirkungen.[8]

Capital Regional District

Nachbarorte im Capital Regional District, zu dem der Ballungsraum Victoria zusammengefasst worden ist, sind Esquimalt, Oak Bay und Saanich, wobei letzteres wieder in North und Central Saanich, in Saanich South und East aufgeteilt ist. Eine eigene Gemeinde bildet das im Norden gelegene Sidney, von wo Fähren zum Festland (nach Anacortes) ablegen. Flughafen und Fähranleger nach Vancouver liegen ebenfalls nahe bei dem Ort. Der 11.000-Einwohner-Ort wird auch gern „Sidney by the Sea“ genannt. Oak Bay, nach der Garry Oak, der charakteristischen Eichenart benannt, hat über 18.000 Einwohner, liegt an der Ostküste, und wird gern als „Tweed Curtain“ bezeichnet, um seine besonders englischen Eigenarten - Teehäuser, britische Süßigkeiten usw. - zu betonen. Mit knapp 110.000 Einwohnern ist Saanich nicht nur erheblich größer, wenn auch ähnlich britisch, sondern auch weniger ländlich. Es beherbergt die Universität von Victoria mit ihren über 18.000 Studenten, das Dominion Astrophysical Observatory, das bis 1918 das größte Teleskop der Welt besaß, und das renommierte Horticulture Centre of the Pacific. Der Ortsname geht auf die dort ansässigen Küsten-Salish-Indianer zurück, die Saanich.

Zum Regional District gehören aber auch ländliche Bezirke, wie der District of Highlands. Hier ist es bereits kühler und erheblich feuchter, als in Victorias Downtown. Der Lone Tree Regional Park ist Höhepunkt eines Ökosystems, das seit 1966 zunehmenden Schutz genießt, obwohl dies immer wieder mit Grundstücksspekulationen kollidiert. Es besteht aus insgesamt 30 Parks und Wanderpfaden.[9] Der District of Langford mit seinen 18.000 Einwohnern wurde erst 1992 eingegliedert. Zu ihm gehören der Glen Lake, das Happy Valley, der Florence Lake, der Ort Langford selbst, die Thetis Heights und das Goldstream-Gebiet. Wie in vielen dieser ländlichen Gebiete, so stellt auch hier die Royal Canadian Mounted Police die Polizei. Die Bewohner haben meist eigene Brunnen, und ähnlich wie die Highlands, so trägt auch dieses Gebiet zur Trinkwasserversorgung Victorias bei. Südlich bis zur Küste schließt sich der District of Metchosin an, der kaum 4.800 Einwohner zählt und 1984 eingegliedert wurde. Zu ihm gehören Albert Head, William Head, Rocky Point, das Happy Valley und das Gebiet um die Kangaroo Road. Hier hat das Pearson College seinen Sitz. In den letzten Jahren kam es in diesen ländlichen Gebieten häufig zu Auseinandersetzungen wegen des Baus von Golfplätzen, von Straßenbauten und wegen des Baus neuer Siedlungen, die das Ballungsgebiet immer weiter ausdehnen. Westlich schließt sich der District of Sooke an, der knapp 10.000 Einwohner hat und 1999 angegliedert wurde. Hier ballen sich Parks, wie der Galloping Goose Linear Park, der East Sooke Park, Sooke Pot Holes, dazu kommt der Sooke Harbour. Aber auch der bekannteste Wanderweg der Westküste, der West Coast Trail, hat hier Richtung Renfrew seinen Zugang. Dazu kommt der Juan de Fuca Marine Park bis Jordan River.

Die westlich dem Ballungsraum Victoria vorgelagerten Bezirke von Malahat, dem der gleichnamige Stamm seine Bezeichnung verdankt, Shawnigan Lake und Mill Bay sind infrastrukturell noch kaum mit Victoria verbunden und sehr ländlich.

Nach der Volkszählung von 2006 hatten die Orte und Distrikte im Capital Regional District folgende Einwohnerzahlen:[10]

  • Saanich 108.265
  • Victoria 78.057
  • Langford 22.489
  • Oak Bay 17.908
  • Esquimalt 16.840
  • Central Saanich 15.745
  • Colwood 14.687
  • Sidney 11.315
  • North Saanich 10.823
  • Sooke 9.704
  • View Royal 8.768
  • Metchosin 4.795
  • Reservate der First Nations (nur z. T. im CRD) 4.562
  • Juan de Fuca Electoral Area (nur z. T. im CRD) 3.801
  • Highlands 1.674

Geschichte

Frühgeschichte der Region

Totempfahl vor dem Royal British Columbia Museum

Die regionalen Indianerkulturen lassen sich mindestens 4000 Jahre zurückverfolgen, die Besiedlung dürfte früher eingesetzt haben.

Zwischen etwa 500 und 1000 n. Chr. ist ein Kennzeichen dieser südlichen Küsten-Salish-Gruppen um Victoria eine große Zahl von Steinhaufengräbern (cairns). Daher werden sie auch „burial mounds“ genannt, also Begräbnis-Mounds. Allein in der Rocky Point Area westlich von Victoria finden sich heute rund 400 dieser Cairns. Sie sind in der Landschaft nicht immer leicht zu erkennen und bieten häufig Anlass zu - auch gerichtlichen - Auseinandersetzungen, da sie gewissermaßen eine städtebauliche Tabuzone darstellen, ähnlich wie die Reservate und die Provinz-Parks.

Die Gesellschaften, die diese Monumente hervorgebracht haben, basierten auf Sammeln und Jagd, die in saisonalen Wanderzyklen erfolgten. Dabei bestand - ähnlich wie im zeitgenössischen Europa - eine Dreiteilung der Gesellschaft in einen ökonomisch, kultisch und politisch vorherrschenden „Adel“, dann die einfachen Stammesangehörigen und schließlich Sklaven. Die Winterdörfer bestanden aus großen Langhäusern, die meist aus dem Holz des Riesenlebensbaums erbaut wurden. Große, oft stammesübergreifende Zeremonien, wie das Potlatch befestigten die soziale Stellung der Stammesmitglieder und dienten zugleich dem Reichtumsausgleich durch Verschenken. Prinzipiell steht die Stadt, abgesehen vom Parlamentsgebäude, dessen Grund 2006 von der Stadt gekauft wurde, bis heute auf Indianergebiet. Die Entschädigungsverhandlungen sind noch in einem frühen Stadium.

Am Finlayson Point fand man ein befestigtes Winterdorf der Songhees aus der Zeit vor 1800, das überwiegend aus Langhäusern bestand. Ihre Siedlungen reichten von Songhees Point bis zur heutigen Johnsons Street Bridge. Da wo heute das Delta Hotel steht, stand das Langhaus des Häuptlings Cheetlam George. Songhees Point, am Eingang zum Inner Harbour, hieß Pallatsis, also „Wiegenplatz“, denn dort ließen die Kinder, die inzwischen laufen gelernt hatten, ihre Wiegen zurück, was ihnen ein langes Leben sichern sollte.

Das heutige Stadtgebiet war also von den Songhees oder Lekwungen bewohnt, die eine vielschichtige Kulturlandschaft geschaffen hatten, als James Cook 1778 als erster Brite den Boden des späteren Britisch Columbia betrat. Nur vier Jahre zuvor hatte Spanien das Gebiet offiziell in Besitz genommen, musste es jedoch 1794 endgültig aufgeben. Am 30. Juni 1790 erreichte der Spanier Don Manuel Quimper das heutige Esquimalt, beanspruchte es für Spanien und nannte es Puerto de Cordova. Erst die Teilnehmer der Expedition George Vancouvers betraten als erste Europäer das Gebiet des heutigen Victoria.

Fort Camosun

Fort Victoria, Südwestbastion, Sarah Crease, 1860

1842 suchte der spätere Gouverneur James Douglas einen geeigneten Ort für eine größeren Handelsposten und besuchte daher Sooke, Beecher Bay, Metchosin, Esquimalt und den späteren Hafen von Victoria. Ihm schien der letztere Platz optimal zu sein. 1843 begann die europäische Besiedlung. In diesem Jahr wurde am 4. Juni der Bau von Fort Camosun, einem Handelsposten der Hudson’s Bay Company begonnen, der später als Fort Victoria bezeichnet wurde - nicht zu verwechseln mit dem in den heutigen USA gelegenen Fort Victoria. Camosack bzw. Camosun ist die anglisierte Form des Songhee-Wortes Kuo-sing-el-as, das die starken Fasern des Pacific Willow-Baums (Salix lucida, Unterart lasiandra), einer nur zwischen Alaska und Kalifornien vorkommenden Weidenart, bezeichnete. Sie dienten vorrangig dem Fischfang. Das Indianerdorf neben dem Fort wurde bereits 1844 umgesiedelt - erstmals erfahren wir, dass sie entgegneten, das Land sei ihres -, 1853 erhielt der Stamm ein Reservat. 1200 von ihnen halfen beim Setzen der Schanzpfähle. Ihre Gesamtzahl wird auf 1600 geschätzt.[11] Um dem Fort näher zu sein, das Arbeits- und Handelsmöglichkeiten bot, zogen die Indianer zunächst in eine Dorf namens Skosappsom, das dort stand, wo heute das Gebäude der Gesetzgebenden Versammlung steht. Viele zogen aus der Cadboro Bay weg und bauten Häuser, wo heute das Empress Hotel steht, an der Johnson Street. Ihr Hauptdorf lag jedoch auf der dem Fort gegenüberliegenden Hafenseite. Damit lag es in Schussweite der Kanonen. Vergebens versuchten die Indianer 1845 den Zwischenhandel zu monopolisieren, indem sie anderen Händlern ihre gegen Pelze eingetauschten Waren raubten.

Anfangs brauchten die 40 Männer nur wenig Land, doch bereits 1855 waren im heutigen Beacon Park rund 160 Acre unter den Pflug genommen worden. Derweil verzehrten die Schweine und Schafe die Camas-Pflanzen der Songhees. Außerdem verloren die Songhees im Park zahlreiche Begräbnisstätten, einem Gebiet, das James Douglas bereits 1849 als Park Reserve betrachtete. Als die Songhees einige Tiere töteten, richtete Roderick Finlayson, Leiter des Forts, eine Kanone auf das Haus des Häuptlings, warnte die Bewohner, und ließ das Haus zusammenschießen.

Kronkolonie, Goldsucher

Als Vancouver Island 1849 zur Kronkolonie wurde, wurde die Siedlung weiter ausgebaut[12] und zur Hauptstadt ernannt. Die Hudson’s Bay Company (HBC) hatte die Insel unter der Maßgabe übernommen, für die Besiedlung zu sorgen. Bereits 1846 war am Mill Stream nördlich des Stadtkerns eine erste Sägemühle entstanden. Die HBC bemühte sich zugleich, den ausschließlich auf Handel basierenden Aktivitäten neue hinzuzufügen und gründete die Puget Sound Agricultural Company. Diese Landwirtschaftsgesellschaft erhielt von der HBC am 17. Mai 1854 Acre Land auf dem Gebiet der Kosapsom, der heutigen Esquimalt First Nation. Damit entstand die erste Farm auf Vancouver Island, die Craigflower Farm, die bis heute besteht, und als historisches Erbe unter Schutz steht.

Goldsucher verlassen Victoria 1897 auf der Island, einem Dampfer, der Richtung Klondike fuhr

Ab 1852 setzte sich eine anfangs schwache, dann anschwellende Besiedlungswelle nach Norden in Bewegung, nachdem London der Kolonie den Verkauf unbewohnten Landes gestattet hatte. Nach Goldfunden auf dem Festland (Fraser-Canyon-Goldrausch ab 1858) wurde Victoria zur Versorgungsbasis der Schürfer. Die 300-Einwohner-Stadt wuchs binnen weniger Monate auf über 5.000 an, so dass sich hier erstmals eine Tageszeitung halten konnte, die bezeichnenderweise The British Colonist hieß. Weitere 10 bis 20.000 Menschen nahmen hier nur kurzzeitig Aufenthalt, um weiter nordwärts Richtung Yale zu ziehen. Allein im Sommer 1858 entstanden in Victoria 225 Gebäude.[13] 1859 baute die Hudson’s Bay Company ein neues Warenhaus, erstmals aus Ziegeln, wo die Goldschürfer Mehl, Pfannen, Stiefel, Decken, Munition kauften. Dahinter entstand die Commercial Row, eine Reihe von Läden. Um die stark angewachsene Investitionsbereitschaft weiter zu verstärken, wurde die Stadt 1860 zum Freihafen erklärt. Gleichzeitig entstanden Polizeibaracken und ein großes Gefängnis, mit dessen Hilfe man versuchte, die gesetzlosen Männer unter Kontrolle zu halten. Dazu kamen 1859 und 1860 drei Feuerwehrbrigaden. Die Goldsucher fanden sich bei James Yates ein, der bereits 1853 die erste Gastwirtschaft, The Ship Inn, in Victoria eröffnet hatte. Weiter nordwärts, am Stadtrand, befanden sich die Spelunken der Johnson Street, die meisten gehörten Alfred Waddington. Bis zum Klondike-Goldrausch (1896–1898) waren die Bürgersteige und Häuser aus Holz. Die Nachfolgebauten aus der Zeit um 1900 stehen überwiegend noch heute. Vierzig Jahre lang prägte der Goldrausch - an verschiedenen Stellen - die Stadt.

1862 wählte die nun als Stadt anerkannte Siedlung ihren ersten Bürgermeister (mayor) Thomas Harris. Land wurde in Auktionen versteigert. Erste Gaslichter wurden installiert, die die Eingänge von Saloons beleuchteten und bald an jeder Straßenkreuzung standen. Den Mangel an Frauen versuchte man durch Anwerbung von Heiratswilligen zu mildern, wie im September 1862, als die Tynemouth 61 junge Frauen am Hafen absetzte. 1864 konnte man, da die katastrophale Pockenepidemie von 1862 die kriegerischen Stämme des Nordens stark dezimiert hatte, das alte Fort abreißen und die Grundstücke verkaufen. 1866 wurden Vancouver Island und die Kolonie British Columbia zur Provinz British Columbia zusammengefasst.

Die meisten Zuwanderer kamen aus Kalifornien. Der Einfluss der USA wuchs - obwohl diese bereits 1846 auf ihre Ansprüche verzichtet hatten - und in gleichem Maße die Sorge, dies könnte auch politische Folgen haben. Die Ansiedlung der Flotte im nahe gelegenen Esquimalt dürfte damit in Zusammenhang gestanden haben. Doch gelang es der HBC unter Führung des Gouverneurs James Douglas, während des folgenden Cariboo-Goldrauschs (ab 1861), den Goldsucherstrom über Vancouver und das Fraser-Tal abzulenken und politisch unter Kontrolle zu halten. Zugleich förderte er die Zuwanderung aus Europa, besonders aus England. Zusätzlich brachte ein kurzer Goldrausch am nahe gelegenen Leech River (1864) Goldschürfer nach Victoria, die Richtung Sooke zogen, und für die eine erste Straße gebaut wurde. Dort entstand Leechtown, wo noch heute in bescheidenem Ausmaß Gold gefunden wird. [14]

Dennoch verlor die Hudson’s Bay Company nach und nach ihren Einfluss und am 2. April 1868 wurde Victoria zur Hauptstadt der Provinz British Columbia. Aus dem Handelsposten war binnen 25 Jahren die wichtigste Stadt an der Westküste des britischen Nordamerika geworden.

Songhees

1853 wurde das Siedlungsgebiet der Songhees verkleinert, doch wurden ihnen durch den Gouverneur James Douglas vertraglich zahlreiche Nutzungs- und Schutzrechte zugesichert - eine der wenigen vertraglichen Abmachungen mit den First Nations.

Von Anfang an entwickelte sich eine enge Kooperation zwischen der Siedlung und den Songhees, die beim Aufbau des Forts geholfen hatten, sowie den anderen Stämmen der Küsten-Salish, auch jenseits der Juan-de-Fuca-Straße.[15] Viele brachten Otter- und Biberfelle, Tran und Fett zum Handeln mit, und versorgten die Stadt mit Baumaterial, Arbeitskraft und Lebensmitteln. Ihre Kanus beförderten die Post. 1859 kampierten über 2.800 Indianer nahe der Stadt, davon vielleicht 600 Songhees. Die übrigen waren Haida (405), Tsimshian (574), Stikine River Tlingit aus Südalaska (223), Duncan Cowichan (111), Heiltsuk (126), Pacheedaht (62) und Kwakwaka'wakw (44). Doch diese Art der Kooperation brach 1862 binnen weniger Wochen durch eine katastrophale Pockenepidemie zusammen, die fast alle Stämme zwischen Washington und Alaska traf. James Douglas schätzte schon die Masern von 1848 als für die Songhees schlimmer ein, als die Pockenepidemie von 1836. 1853 starben abermals 10 % der Songhees, doch ist unklar, ob es Masern oder Pocken waren. Die Songhees wurden von der Epidemie von 1862 jedoch weitgehend verschont, da Dr. John Sebastian Helmcken mehrere hundert von ihnen impfen konnte.

Die dezimierten Indianer wurden ab 1876 in Reservaten zusammengefasst - um Victoria gehörten sie zur Cowichan Indian Agency[16], die große Teile der Insel umfasste -, und unterlagen fortan, wie in ganz Kanada, einer eigenen Gesetzgebung, dem Indian Act. 1911 siedelten die Songhees auf der Basis eines noch heute gültigen Vertrags in die Gegend von Esquimalt um.

Esquimalt wurde 1865 zum Stützpunkt der kanadischen Flotte im Pazifik. Die wachsende Handelsflotte Victorias, immerhin 59 Schoner, basierte selbst 1894 noch zu erheblichen Teilen auf indianischer Arbeitskraft. 518 der 1.336 Beschäftigten waren Indianer. Allein bei der Robbenjagd im Jahre 1901, bei der 39 Schiffe beteiligt waren, die insgesamt über 23.000 Tiere im Nordpazifik erbeuteten (weniger als ein Drittel vor British Columbia), waren zahlreiche Kanus beteiligt. In ihnen arbeiteten 236 Männer - wohl ausschließlich Indianer, die 1.268 Tiere erlegten. „Weiße“ waren rund 440 beschäftigt.[17]

Politischer Aufstieg und vorenthaltene Industrialisierung

1862 wurde Victoria zur Stadt mit gewähltem Bürgermeister.[18] Als Vancouver Island 1866 politisch mit der 1858 geschaffenen Kronkolonie British Columbia vereinigt wurde, wurde Victoria 1868 Hauptstadt der vereinigten Provinz British Columbia, die 1871 sechste Provinz der Kanadischen Konföderation wurde.

James Douglas wurde der zweite Gouverneur der Kolonie (bereits 1851 von Vancouver Island, 1858 der Kronkolonie British Columbia). Ihm folgte Arthur Edward Kennedy bis 1864. Zunächst wehrten sich die politischen Vertreter gegen den Beitritt zur Kanadischen Konföderation. Doch vor allem John Sebastian Helmcken, der die Bahnverbindung zur Vorbedingung für den Beitritt zu Kanada gemacht hatte, setzte sich schließlich erfolgreich dafür ein. Ihr Endpunkt war das bald schnell wachsende Vancouver, das Victoria bald den Rang als Wirtschaftszentrum des Westens ablief.

Die erste Tagung der Gesetzgebenden Versammlung von Vancouver Island fand 1856 in Fort Victoria statt. Drei Jahre später entstanden erste Regierungsgebäude an der James Bay, South Fork. Diese wurden als „Vogelkäfige“ bezeichnet. Sie wurden durch das heutige Parlamentsgebäude erst 1897 ersetzt. Außer 1866-68, als für kurze Zeit New Westminster Hauptstadt war, tagte hier die Provinzregierung. Das heutige Gebäude wurde 1898 eingeweiht. Bereits 1890 wurde das seit 1875 von John Teague entworfene Rathaus, die City Hall, im Stil des Second Empire fertiggestellt.

Der erste Zensus wurde 1871 in Victoria durchgeführt, 1881 auf ganz Vancouver Island, erneut 1891 und 1901.[19] British Columbia hatte demnach 176.546 Einwohner, davon knapp 21.000 in Victoria, von denen 333 angaben „Indians“ zu sein. Zählt man alle Menschen zusammen, die als „rot“ bezeichnet wurden, so ergibt sich eine Gesamtzahl von 532.[20]

Ab 1861 erlebte Vancouver Island einen erneuten Zuwanderungsschub, als der Cariboo-Goldrausch ausbrach. Über die Cariboo Wagon Road wanderten in den nächsten Jahren über 100.000 Männer Richtung Barkerville, doch der überwiegende Teil von ihnen landete zunächst in Vancouver, nicht in Victoria. Doch nicht nur Goldfunde (wie bei Sooke), auch Kohlefunde lockten zahlreiche Menschen an, dazu Holzeinschlag, Fischfang und Landwirtschaft. Später kamen zu diesen, sich schnell entwickelnden Industrien, weitere hinzu, zunächst vor allem der Eisenbahnbau. Die Baustellen der Canadian Pacific Railway und der Esquimalt and Nanaimo Railway zogen Tausende an. Dazu kam eine beginnende Urbanisierung um Victoria, das 1901 bereits 20.919 Einwohner hatte.[21]

Schaufelraddampfer Alexandra in Esquimalt nach der Ausschlachtung (nach 1874)

Mit dieser wachsenden Einwohnerzahl erhielten die Industriezweige Transport und Kommunikation wiederum starke Impulse.

1880 installierte die Victoria and Esquimalt Telephone Company eine erste Telefonleitung zwischen der Hauptstadt und Esquimalt, 1886 wurde die Esquimalt and Nanaimo Railway nach Nanaimo fertiggestellt. Die R.P. Rithet, ein Dampfboot, fuhr den Fraser aufwärts bis nach Yale. Aber auch die Bauindustrie wuchs, schließlich auch mit ihr zusammenhängende Zweige, wie die Mögbelindustrie. Pionier war hierbei John J. Sehl, der ein Möbelgeschäft in der Government Street betrieb. Geboren 1832 in Deutschland, kam er mit 12 nach New York, war 1849 in Kalifornien, später am Fraser und bei Sooke als Goldsucher tätig, heiratete eine Indianerin namens Elizabeth (Van Allman) aus Iowa. In Victoria betrieb er bis zu seinem Tod am 18. Juni 1904 die Sehl Furniture Company, die sein Sohn John L. Sehl fortführte, der ebenfalls eine Indianerin heiratete (Celia Tiber aus North Dakota). Ein zweiter Deutscher, John Weiler aus Nassau (geb. 1824), hatte einen ähnlichen Weg hinter sich und gründete nach 1861 ebenfalls ein Möbelunternehmen, das schließlich zum größten in der Provinz aufstieg.

Zunehmend beherrschten jedoch Industrielle, allen voran Robert Dunsmuir, mit seinen Beteiligungen an Kohlegruben und Eisenbahnbauten die Hauptstadt. Sein Sohn James Dunsmuir wurde sogar Premier und Vizegouverneur der Provinz. Der Bauboom dieser bis zum Ersten Weltkrieg andauernden Prosperitätsphase prägt bis heute das Stadtbild, das ausgesprochen viktorianisch wirkt. Dabei dominierten im privaten Hausbau Holzhäuser, im öffentlichen Ziegelbauten. Die umliegenden Städte wuchsen zunehmend mit der Metropole zusammen, wie etwa Esquimalt, der Oak Bay District und weitere Orte auf der Saanich-Halbinsel, der Heimat der namengebenden Saanich, denen man ein Reservat zuwies. Postverbindungen bestanden nach San Francisco (dreimal monatlich per Dampfboot) und Portland (Oregon), eine Telegrafenleitung via Nanaimo verband die Stadt ebenfalls mit dem Festland. Die Wasserversorgung erfolgte vom Elk Lake her. 1884 installierte man die ersten elektrischen Leuchten.

Es entwickelte sich eine industrielle Struktur mit den Schwerpunkten Brauerei (die erste war die Lion Brewery, die bis nach San Francisco exportierte, 1858 entstand die Brauerei für Lager- und Bockbier von Joseph Loewen and L. E. Erb), Eisen- und Blechverarbeitung, Seifenproduktion, Schuhe (die erste Schuhfabrikation begann Maurice Carey in der Yates Street)[22], Handschuhe und Stiefel, Streichhölzer und Zigarren (John Kurtz' White Labor Cigar Factory produzierte Havanna-Zigarren). Auch der Tourismus setzte bereits ein, Hotels entstanden,[23] auch als Ziegelbauten, und sogar Kutschenverleihe waren profitabel. Der gehobene Lebensstil machte die Stadt bald zu einem wichtigen Konsumzentrum, nicht nur für Rohmaterialien, sondern zunehmend auch für Importwaren, wie etwa Tee.

Dabei war die Fluktuation in der Stadt, die um 1882 ca. 7.000 Einwohner zählte, hoch. Dazu kam, dass in jedem Winter rund 1.000 Fischer, Minenarbeiter und Straßenbauer in die Stadt zurückkehrten, eine Zahl, die sich seit 1877 verdoppelt hatte.[24]

Trotz Kohlefunden, Eisenbahnverbindung usw. auf Vancouver Island entwickelte sich die Stadt nicht zur Industriemetropole, sondern blieb ein Regierungs- und Verwaltungszentrum, das eher im regionalen Handel eine gewisse Rolle spielen konnte, aber wirtschaftlich immer mehr im Schatten von Vancouver und Seattle stand.

Zuwanderer aus dem pazifischen Raum

Die Hauptmasse der Zuwanderer waren dabei Briten, also Engländer, Schotten, Iren, Waliser. Sie kamen zunächst mit der Hudson’s Bay Company, wurden aber auch gezielt für die Kolonisierung um Victoria angeworben. Diese Einwanderung sollte ein Gegengewicht gegen die starke Zuwanderung aus den USA, vor allem aus Kalifornien schaffen.

Die ersten Chinesen kamen 1858 im Zuge des Cariboo-Goldrauschs, wenn auch schon einige der Entdecker Chinesen an Bord gehabt hatten. Die meisten wohnten entlang der heutigen Johnson Street in Zelten oder Holzhütten, an der Nordseite des Baches, der zu dieser Zeit noch hier floss. Viele kamen aus der chinesischen Provinz Guangdong und verstanden sich auf Gemüseanbau, das sie bald in der Stadt verkauften. Ling Sing gilt als erster Chinese, der zum Bürger von British Columbia wurde (1872).[25] Um 1875 nahm die Zuwanderung rapide zu, und schon um 1880 war die Chinatown die größte in ganz Kanada. Ihre Holzhäuser wurden bald durch Ziegelbauten ersetzt, die überwiegend noch heute bestehen. Auslöser hierfür war wohl ein Großbrand 1883, der das Quartier weitgehend zerstörte und die Gemeinde zeitweise verarmen ließ. 1884 lebten rund 3.000 Chinesen in der Stadt, von denen nur noch jeder vierte Steuern zahlen konnte.[26]. 1885 lebten in ganz British Columbia genau 9629 chinesische Arbeiter.[27] 1901 waren 3.004, 1911 bereits 3.458 Chinesen in der Stadt. Viele hatten längst ihre Familien nachgeholt, und es entstanden Geschäfte, Theater, Schulen (1909, Unterricht in Chinesisch).[28] Die Chinese Consolidated Benevolent Association (nicht mit der Hoy Sun Ning Yung Benevolent Association zu verwechseln, die eher eine Selbsthilfeorganisation war[29]) versuchte Konflikte mit Nichtchinesen beizulegen und repräsentierte die Community. Die Stadt fasste sie als eine Art Regierung der chinesischen Minderheit auf. In der 1713 Government Street entstand der älteste chinesische Tempel, 1909 die erste chinesische öffentliche Schule.

Fan Tan, das in der gleichnamigen Straße veranstaltete Glücksspiel, führte immer wieder zu Konflikten, und nach 1908, als Opium in Kanada verboten wurde, führte die Polizei auch aus diesem Grund immer wieder Razzien durch. Lange Zeit hatte die Regierung das Geschäft mit Opium geduldet, das in die USA geschmuggelt wurde, wo es verboten war. In Victoria selbst war der Konsum nur wenig verbreitet, urteilte John Sebastian Helmcken noch 1884.[30] Im Hart Block (531 Herald Street), einem ausgedehnten Bordell, erschien die Polizei häufig wegen Anklagen der Zwangsprostitution und Sklaverei. 1884 schätzte man die Zahl der chinesischen Prostituierten auf rund hundert, wobei sie wohl die Indianerinnen verdrängt hatten.[31] Gegenüber der chinesischen Schule erbaute man ein Polizeipräsidium. Die Chinesen trafen in Victoria zwar auf weniger gewalttätige rassistische Ausschreitungen als in Vancouver, doch wirkte die Gesetzgebung nicht besonders mäßigend. So durften sie erst ab 1947 wählen. Einer der häufigsten Auslöser für rassistische Übergriffe war die Tatsache, dass Chinesen immer wieder als Lohndrücker eingesetzt wurden.

Während die Chinesen am Nordrand der Kernstadt lebten, bevorzugten die Hawaiianer den Süden. Daher hieß ihre Wohnstraße Kanaka Row.

Bekanntmachung der für Japaner verbotenen Gebiete durch die British Columbia Security Commission
Internierungslager für Japaner in British Columbia, Juni 1945

Die Japaner, von denen 1901 im District of Victoria 338 lebten, waren, im Gegensatz zu den Chinesen, nicht industrielle Hilfsarbeiter oder in der Gastronomie tätig, sondern sie waren überwiegend Fischer. Doch wurde ihre Gemeinde während des Zweiten Weltkriegs interniert. Sie wurden enteignet und mussten 1946 das Land verlassen.

Verkehr, Tourismus, Ausdehnung des Ballungsraums

Die Verkehrsanbindung wurde für Victoria immer wichtiger. So verband ab 1903 ein regelmäßiger Fährdienst der Victoria Terminal Railway and Ferry Company Sidney mit den Städten an der Fraser-Mündung, vor allem dem schnell wachsenden Vancouver. 1932 fuhr die erste Fähre von Sidney nach Anacortes. Aus diesen Fährbetrieben gingen 1961 auf Regierungsinitiative die BC Ferries hervor. Zu Anfang des Ersten Weltkriegs errichtete die kanadische Regierung einen Militärflughafen (Patricia Bay Airport), der der Vorgänger des heutigen Internationalen Flughafens ist.[32]

Der Erwerbszweig, der heute am schnellsten wächst, der Tourismus, spielte schon im 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle, was sich im Bau des Empress Hotel durch die Canadian Pacific Railway 1905 niederschlug. 1994 war die Stadt Gastgeberin für die 15. Commonwealth-Spiele, bei denen weit über dreitausend Athleten aus über 60 Staaten antraten, und 1998 setzte die Tourismusbranche erstmals mehr als eine Milliarde Dollar um.

Daneben baute die Stadt ihre Bildungsressourcen aus. So entstand aus dem Victoria College 1963 die heutige Universität.

Der private Autoverkehr erreichte Victoria relativ spät. Das erste Auto fuhr hier 1899, doch nur Unternehmen nahmen die Erfindung an. Daher kam es um 1900 zu einer kurzen Phase, in der Elektroautos und dampfgetriebene Fahrzeuge fuhren. Doch gegen 1906 setzte sich auch hier der Verbrennungsmotor und erste Geschwindigkeitsbegrenzungen durch. Der Automobilclub hatte bereits 50 Mitglieder.

Nach und nach wurden die Nachbarbezirke in die Stadtentwicklung mit einbezogen. Das bedeutete zunächst Ausbau des Straßennetzes, aber auch Trinkwasserversorgung aus den umgebenden Seen, Naherholungsgebiete wurden erschlossen. Der Ausbau der Stadt führte allerdings auch zu Auseinandersetzungen um Immobilienspekulationen. Davon war und ist besonders der Küstenstreifen betroffen, doch sind die Besitzverhältnisse und die Mentalität im Osten der Stadt so, dass einer Ausweitung der Grundstücksspekulation Grenzen gesetzt sind. Die Besitzverhältnisse sind zersplittert, die Bewohner bevorzugen den beinahe ländlichen Wohnstil. Ein weiterer Grund, warum es immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt, sind die Begräbnisstätten und archäologisch bedeutsame Stellen, die erst in jüngster Zeit dokumentiert worden sind. Richtung Westen endet darüber hinaus schnell der Bereich, in dem das Klima Victorias noch so mild ist, wie in Downtown. Schließlich ist die politische Selbstständigkeit der 13 Neighborhoods recht groß, und deren Bewohner bevorzugen das ländliche Ambiente.

Dennoch entstand als übergreifende Organisation der Capital Regional District, zu dem auch die südlichen Gulf Islands (Saltspring, Galiano, Pender, Saturna, Mayne) gehören. Er umfasst rund 2340 km² und unterhält zahlreiche Büros. Inzwischen ist der „CRD“ zuständig für Müll und Wiederverwertung, Landgewinnung, Brunnenbau und Wasserreinigung sowie -versorgung, für die Unterstützung von Künstlergruppen, Regionalplanung, Gesundheitswesen, die rund 30 Regionalparks, Wanderwege usw. Außerdem ist er der einzige Anteilseigner der Capital Region Housing Corporation, dem 1200 Wohneinheiten gehören. Übergeordnete Gesetze können von ihm auch in den Teilgemeinden durchgesetzt werden, wie das Rauchverbot seit 1996. Für den Ausgleich der gegensätzlichen Interessen bei der Nutzung des Gebiets spielt er inzwischen eine wichtige Rolle.

Königlicher Besuch in Victorias Inner Harbor durch König Georg VI. und Königin Elizabeth, Blick vom Parlamentsgebäude

Diese Konflikte gründen auf Konstellationen, die für kanadische Städte spezifisch sind. 2001 verkaufte die Stadt Victoria Crown Land, Kronland also, das seit der britischen Kolonialzeit bestimmten Nutzungsrechten und vor allem -begrenzungen unterliegt. Dieses Gebiet lag an der Mündung des Goldstream River, am Ende eines langen Fjords, der als Saanich Inlet bekannt ist. Der Goldstream River und der Spaet-Berg (gespr. spa-eth) sind aber zugleich Teil des Goldstream River-Wasserschutzgebietes. [33] Hier befand sich zudem ein altes Indianerdorf und eine Begräbnisstätte. 1913 wurden dort 12 Acres als Goldstream Indian Reserve No. 13 ausgewiesen, was wiederum nur auf Kronland möglich war. Die fünf Songhee-Nations teilen sich hier noch heute ein Reservat. Doch Holzeinschlag, wie er in Kanada noch häufig in Gebrauch ist, also der großflächige Kahlschlag, schädigten die Trinkwasser- und Energieversorgung der Stadt. 1998 wurde dieses Verfahren gestoppt. Der Goldstream Provincial Park wurde nach Stilllegung eines Wasserkraftwerks eingerichtet.[34]

Noch 2007 gab der Minister of Forests, Rich Coleman, 28.000 ha Waldland zur privaten Nutzung frei (Tree Farm Licenses 6, 19 und 25). Der neue Besitzer, Western Forest Products, veräußerte einen Teil des Landes an den Entwickler Ender Ilkay, darunter die Sooke Potholes, ein ökologisch wertvolles Gebiet. Die Bebauungsdichte hängt in Kanada letztlich von der Größe der Parzellen ab, in die das Land aufgeteilt werden darf. Der Streit ist noch in vollem Gange, jedoch stellt sich der CRD auf die Seite der Bürgerschaft, die nicht befragt wurde, und deren Anspruch auf Naherholungsgebiete durch zu kleine Parzellierung gefährdet wird.

Bevölkerung

Die Volkszählung von 2006 ergab, dass die Stadt mit den 13 Vororten 330.088 Einwohner hatte. Der eigentliche Kern der Stadt hatte allerdings nur 78.659 Einwohner.[35]. Fünf Jahre zuvor hatte die Stadt noch 311.902 Einwohner gehabt, 1996 sogar erst 304.287.[36]

Dabei ist der Anteil der alten Menschen relativ hoch: 17,8% der Bevölkerung sind über 65 Jahre alt, 10.215 sind sogar über 85, der Median ist in den letzten zehn Jahren von 38,7 auf 43,1 gestiegen, die Zahl der Haushalte von 129.350 auf 145.430. Der Anteil der Mietwohnungen fiel von 37,8 auf 35,2 %, dementsprechend stieg der Anteil der Eigentumswohnungen und -häuser.

Multikulturelle Gesellschaft, First Nations und (nicht) sichtbare Minderheiten

129.580 Einwohner British Columbias rechneten sich 2006 der Aboriginal Population zu. In Victoria waren dies 10.905 Menschen, von denen sich 6.800 einer der First Nations zuordneten (5.410 waren registrierte Indians), 3.620 den Métis, 135 den Inuit. 130 machten Mehrfachangaben, stammten dementsprechend wohl aus verschiedenen dieser Gruppen.[37]

Die Zahl der Zuwanderer aus dem Ausland ist von 3,0 auf 3,4% gestiegen, die aus Kanada von 9,4 auf 6,4 % gesunken. Der Anteil der Immigranten (landed immigrants) liegt bei 19,1 %. 8.935 Immigranten kamen aus Amerika (davon 6.125 aus den USA), 34.030 aus Europa (davon 19.395 aus England), 2.225 aus Afrika und 15.290 aus Asien. Dabei kamen 5.555 aus China und Hongkong, 2.810 aus Indien, 1.775 von den Philippinen. Aus „Ozeanien“ (was Grönland und St. Pierre und Miquelon einschließt) kamen 1.585. Als Non-permanent Residents, also als Flüchtlinge oder Inhaber von Studien- oder Arbeitserlaubnissen galten 3.575 Menschen. Allein in den letzten fünf Jahren sind 5.975 Menschen zugewandert, wobei der Anteil Ost- und Südostasiens stärker angestiegen ist. Während aber 1961-70 noch 11.595 Menschen einwanderten, kamen 1991-2000 nur 10.070, im Zeitraum 2001-06 kamen wieder 5.975, was einen starken Anstieg darstellt.

2001 zählten sich zu den sichtbaren Minderheiten: Chinesen (11.240), Südasiaten (5.775), Philippinos (1.815), Südostasiaten (1.245), Araber (280), Westasiaten (410), Koreaner (680), Japaner (1.740), Schwarze (2.175), Lateinamerikaner (1.165), sonstige (210), gemischt (460). Dies macht deutlich, dass der bei weitem überwiegende Teil der visible minorities aus Asien, und dort besonders aus Ostasien stammt. In ganz Kanada hat ihr Anteil die eine Million bei weitem überschritten.

Die Ureinwohner zählen hingegen zu den nicht sichtbaren Minderheiten und umfassten drei Gruppen (First Nations, Métis und Inuit) von insgesamt 8.700 Menschen (2001),[38] bzw. fast 11.000 (2006, s. o.). Sie können in Downtown beispielsweise auf die Inner City Aboriginal Society zurückgreifen, die soziale Dienste und Rechtsvertretung anbietet.

Die Stadt zählt 24 Landsmannschaften, von der Alliance Francaise bis zum Edelweiss Club, vom Native Friendship Center bis zu den Sons of Norway oder der Vietnamese Association.[39] Der Erforschung ihrer Geschichte widmen sich mehrere Vereinigungen, unter denen sich die Association Historique Francophone de Victoria und die B.C. Jewish Historical Society auf französische, bzw. jüdische Geschichte konzentrieren.

Zu den sichtbaren sozialen Problemen zählt vor allem die Obdachlosigkeit. Daher wurde im Januar 2008 beschlossen, die 55 Schlafmöglichkeiten der Hilfsorganisation Streetlink in ein städtisches Gebäude in 525 Ellice Street zu verlegen, und diese auf 80 Betten aufzustocken. Dazu kommen 24 Stellen für betreutes Wohnen. Die noch von Streetlink genutzte Stätte in 1634 Store Street wird zu 15 Wohnungen im gleichen Sinne umgewandelt, dazu 26 weitere Einheiten in der angrenzenden Swift Street. Auch das in Provinzeigentum befindliche Haus in 950 Humboldt Street wird entsprechend zu 53 Einheiten umgewandelt.[40]

Bevölkerungsentwicklung

Der Victoria Municipal Census vom April 1871 (im Juli erfolgte der Anschluss an Kanada), die erste Volkszählung, zählte 1054 Haushaltsvorstände, davon waren 61 „natives“ und 10 Chinesen. Die Einwohnerzahl lag bei 3.630. 1881 hatte die Stadt bereits 18.623 Einwohner. Victoria hatte 1901 genau 20.919 Einwohner, dazu kamen 2.947 im ländlichen Umland, davon waren 3.000 Chinesen, 338 Japaner und 333 Indianer. Auf 14.304 Männer kamen nur 9.359 Frauen.

  • 1871: 3.630
  • 1881: 18.623
  • 1901: 20.919
  • 1996: 304.287
  • 2001: 311.902
  • 2006: 330.088

Religionen und Konfessionen

Die vorherrschende Religion ist das Christentum, wobei die protestantischen Bekenntnisse die bei weitem größte Gruppe darstellen. Abgesehen davon, dass über 11.000 Bewohner ihr Bekenntnis nicht spezifizierten, rechneten sich den Protestanten rund 115.000, den Katholiken rund 48.000 (dazu zählen Römische und „Östliche“ Katholiken, Angehörige der Polish National Catholic Church und Alt-Katholiken), den Orthodoxen knapp 1.700 zu. 3.470 Menschen zählten sich zu den Sikhs, 3.315 waren Buddhisten, 1.550 Juden, 1.230 Muslime, 765 Hindus. Über 3.000 rechneten sich anderen Religionen zu. Die stärkste Gruppe war erstmals die Gruppe derjenigen, die sich keiner Religion zurechneten, und die 116.000 Menschen umfasste.[41]

Die katholische Diözese Victoria hat ihren Sitz in der Hauptstadt und vertritt rund 94.000 Katholiken auf Vancouver Island. Sie betreut im Raum Victoria 12 Gemeinden. Kathedrale des Bistums ist die St. Andrews Cathedral. Seit 2004 ist Richard Gagnon der 16. Bischof der Diözese Victoria.

Jüdische Synagoge

Die jüdische Gemeinde Victorias umfasst weit über tausend Mitglieder. Die meisten zählen sich zum konservativen Judentum, gefolgt vom Reformjudentum und dem orthodoxen Judentum. Der jüdische Friedhof Cedar Hill ist der älteste in Westkanada. Historische Quellen liegen in den Jewish History Archives in Vancouver, in W. 41st Avenue und in Granville.

Sikhs, Hindus und Muslime kamen und kommen vor allem durch die britische Kolonialherrschaft und durch die weiterhin bestehenden engen Kontakte, z.B. in Form des Commonwealth, nach Victoria - auch dies ein Aspekt des britischen Charakters der Stadt. So bauten etwa die indischen Sikhs einen Tempel in der 1210 Topaz Avenue, der wohl vor 1912 entstand,[42], Buddhisten errichteten 1905 den ältesten Tempel Kanadas und die Muslime versammeln sich in der Masjid al-Imam, der Moschee in der 2214 Quadra Street.

Politik

Seit 1999 ist der Bürgermeister (mayor) Alan Lowe (* 1961), womit er Anspruch auf die Anrede His Worship hat. Er hatte Umweltstudien in Manitoba und in Oregon Architektur studiert. Er hat nicht nur chinesische Vorfahren, sondern war mit 38 Jahren auch der jüngste Mayor des Landes. 1999 errang er über 43% der Stimmen, 2002 sogar über 61%, gewann die Wahl von 2005 aber nur mit knappem Vorsprung. Er steht nach eigener Aussage nur noch bis zum Ende dieser Legislaturperiode für das Amt zur Verfügung.

Im Provinzparlament, der Legislativversammlung von British Columbia ist die Stadt Victoria mit zwei Sitzen vertreten. Seit den letzten Wahlen im Mai 2005 werden die Wahlkreise Victoria-Beacon Hill und Victoria-Hillside von Abgeordneten der British Columbia New Democratic Party gehalten, die in Opposition zur regierenden British Columbia Liberal Party steht.

Abgeordnete Victorias im kanadischen Unterhaus ist Denise Savoie von der New Democratic Party.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Victoria zieht jährlich weit über 3 Millionen Besucher an, die hier über 1,2 Milliarden Dollar ausgeben. Lange Zeit überwogen dabei Touristen aus den USA, doch inzwischen nimmt die Zahl der Touristen aus Asien und Europa zu.[43] Dazu kommen zahlreiche Kurzzeitbesucher, wie etwa Reisende der Kreuzfahrtschiffe, die am Ogden Point Terminal anlegen.

Der Reiz der Stadt liegt in ihrem besonderen Charakter. Victoria gilt zum einen als britischste Stadt Nordamerikas; Bau- und Lebensstil sind sehr von England geprägt, schon auf den ersten Blick erkennbar an den roten Doppeldeckerbussen. Weit über tausend Gebäude sind in einem Inventar des historischen Erbes erfasst.[44] Ähnlich wie die Gärten, Landhäuser und Parks sind sie überwiegend vom britischen Baustil inspiriert. Das zeigt sich vor allem in Downtown.

Zum anderen ziehen Musik und Theater zahlreiche Besucher in die Stadt, wobei dies überwiegend Kanadier und US-Amerikaner sind.

Im Umkreis des Inner Harbour

1898 wurde das Parlamentsgebäude als Sitz der Gesetzgebenden Versammlung fertiggestellt. Es ist 152 m breit und eine Bronzestatue von George Vancouver erhebt sich auf dem Gebäude.

Neben dem Parlamentsgebäude ist das direkt am Hafen gelegene Fairmont Empress Hotel das bekannteste Gebäude in Victoria. Das Parlamentsgebäude und seine Umgebung gehören mit ihren 4 ha zu den wertvollsten Grundstücken in der gesamten Provinz.[45] 2006 schätzte man seinen Wert auf 40.000.000 CAD. Doch es stellte rechtlich betrachtet bis 2006 Indianergebiet dar. Die Regierung einigte sich mit den Besitzern, den Songhees und Esquimalt auf eine Kompensation. Am 25. November 2006 einigte man sich auf eine Summe von 31,5 Millionen Dollar. Dabei sollen jeweils pro Stammesmitglied nie mehr als 2.000 CAD aus einem Fond ausgezahlt werden dürfen. Bei zusammen 700 Stammesmitgliedern der beiden Stämme ergibt dies 1,4 Millionen. Weitere 8,5 Millionen CAD sollen zum Kauf von Ersatzgrundstücken aus dem staatlichen Besitz eingesetzt werden. Sie müssen in Victoria oder in Esquimalt, Langford, Colwood oder View Royal liegen und maximal die gleiche Fläche umfassen, wie das alte Grundstück. Schließlich sollen 3 Millionen zur Deckung der Anwaltskosten aufgebracht werden sowie in die Umsetzung der vertraglichen Vereinbarungen.

Das älteste Haus Victorias, das Helmcken House von 1852, war der Wohnsitz von John Sebastian Helmcken, einem der Gründerväter Kanadas

Unweit des Parlamentsgebäudes befindet sich das wichtigste Museum in Westkanada, neben dem in Vancouver. Mit seinen Ausstellungsschwerpunkten Naturgeschichte, Stadtgeschichte und Geschichte der First Nations zieht das Royal British Columbia Museum jedes Jahr Hunderttausende an. Im Gebäude befindet sich das Hauptarchiv der Provinz, die British Columbia Archives. Zum Komplex gehört auch das älteste Gebäude der Stadt, das Helmcken House, das nach John Sebastian Helmcken benannt wurde. Ihm gegenüber steht die älteste Schule der Stadt.

Die Art Gallery of Greater Victoria in 1040 Moss Street ist eine Mischung aus Kunstgalerie und -museum. Zahlreiche Werke von Emily Carr sind hier zu finden. Das Swans Suite Hotel bietet als Teil der Williams Collection, einer der größten Sammlungen Westkanadas, Möbel, Gemälde und Skulpturen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Es bildet darüber hinaus einen Schwerpunkt auf der Kunst der First Nations.

Aber auch die Kernstadt selbst, mit ihrem europäischen Erscheinungsbild, ihren farbenfrohen Häusern und ihrer Kleinräumigkeit, ist besonders leicht für Fußgänger zu erschließen. Dazu kommt, dass jedes Quartier eine ganz eigene Atmosphäre bietet. Das gilt vor allem für die Chinatown, die die älteste und besterhaltene Kanadas ist (in Amerika ist nur die in San Francisco älter). Sie reicht bis 1858 zurück. Dort befindet sich auch der älteste buddhistische Tempel Kanadas, der Tam Kung, dessen Bau 1905 begonnen wurde.

Landhäuser und Gärten

Craigdarroch Castle, 1887-1890
Hatley Castle, fertiggestellt 1908

Das von 1887 bis 1890 im Auftrag des Industriellen Robert Dunsmuir errichtete viktorianische Landhaus Craigdarroch Castle (gälisch für „felsiger Eichenplatz“) liegt auf einem Hügel im Osten der Stadt. Das von seinem Auftraggeber nie bezogene Objekt (Dunsmuir starb 1889), beherbergte nach dem Ersten Weltkrieg ein Militärkrankenhaus, von 1921 bis 1946 das Victoria College und anschließend eine Musikhochschule. 1979 wurde das Landhaus mit seinen 39 Zimmern in ein Museum umgewandelt. Es wird jährlich von etwa 150.000 Besuchern frequentiert.[46]

Ähnliches gilt für Hatley Park National Historic Site, einen Park mit alten Baumbeständen und einem ebenfalls von Dunsmuir beauftragten schlossartigen Gebäude, das Hatley Castle von 1908. Sieben der elf dicksten Douglasien Kanadas sollen dort stehen. Außerdem residiert hier seit 1995 die Royal Roads University und ein Museum. Ausgeführt wurde das Anwesen von dem für die Baugeschichte Victorias überaus wichtigen Architekten Samuel Maclure, der 1892 in die Stadt kam.[47]

Auf der Saanich Peninsula im Norden, bei Brentwood Bay, finden sich zwei parkähnliche Anlagen, zum einen die Butchart Gardens (22 ha), deren Anlage 1904 von Jennie Butchart begonnen wurde, zum anderen die Victoria Butterfly Gardens, die an der West Saanich und Benvenuto Road liegen und fast 50 Schmetterlingsarten (dazu 250 tropischen Pflanzen) einen Lebensraum bieten. Die Butchard Gardens bestehen, wie der Plural andeutet, aus mehreren Gärten, unter ihnen ein japanischer (seit 1908), ein italienischer, dazu ein Rosengarten (seit 1929) mit 250 Rosenarten. Die Gärten beschäftigen mehr als 50 Gärtner. Zwei indianische Künstler haben 2004 je einen Totempfahl aufgestellt. Ursprünglich hatte der erfolgreiche Baustoffhändler Robert Pim Butchart hier eine Kalkgrube ausgebeutet, die seine Frau in einen riesigen Garten verwandelte, in dem sich bis heute die kanadische Gartenbaukunst mit über 700 Pflanzenarten widerspiegelt. Ähnliches gilt für die Abkhazi Gardens, die von Prinz und Prinzessin Abkhazi ab 1946 über vier Jahrzehnte geschaffen wurden. Marjorie (Peggy) Pemberton-Carter heiratete den georgischen, bzw. abkhazischen Exil-Prinzen Nicholas Abkhazi aus Tiflis, der 1919 geflohen war. Peggy ihrerseits war 1945 aus Shanghai nach Kanada geflohen. Die beiden heirateten Ende 1946. Nachdem die beiden 1987 bzw. 1994 verstorben waren, kaufte die Land Conservancy of British Columbia im Jahr 2000 das Land, um seine Bebauung durch eine Siedlung zu verhindern.

Kirchen

Die Christ Church Cathedral, Anglikanische Kathedrale an der Ecke Burdett Avenue - Quadra Street, erbaut ab 1929
Die katholische St. Andrews-Kathedrale, erbaut 1890-1892

Victoria war durch die britischen Bewohner von Anfang an anglikanisch. So entstand hier bereits in den 1850er Jahren eine anglikanische Kathedrale, die jedoch abbrannte. Ihre Nachfolgerin wurde durch die heutige Kirche ab 1929 ersetzt.

Daneben ist noch die Church of Our Lord, erbaut 1876, seit 1998 restauriert und unter Denkmalschutz, an 626 Blanshard Street, einen Besuch wert. Sie gehört der Reformed Episcopal Church, geht auf John Teague zurück, und repräsentiert im Rahmen des historischen Erbes den Stil des so genannten Carpenter Gothic oder Rural Gothic. Gouverneur James Douglas war 1874 eines der Gründungsmitglieder der Gemeinde und spendete ihr das Grundstück. In der Kirche befindet sich eine Bostoner Orgel (Appleton Organ) von 1827, die 1875 nach Victoria kam. Die benachbarte Cridge Hall stammt von Samuel Maclure.

Das katholische Pendant ist die St Andrews Cathedral. Sie ist die dritte Kathedrale, denn die erste war von 1858-1884 die heutige Kapelle des St. Ann's Convent in der Humboldt Street; die zweite war von 1884-1892 das heutige St. Andrew's Square Building, nahe der heutigen Kathedrale. Die heutige Kathedrale entstand nach dem Vorbild einer Kirche bei Québec. Dieser als High Victorian Gothic Style bezeichnete Baustil übernahm auch zahlreiche Elemente aus dem mittelalterlichen Kirchenbau Europas. In der Krypta liegt der erste Bischof von Victoria Modeste Demers, im Amt von 1847 bis 1877.[48]

Musik und Theater

Beim Jazzfest International, das am letzten Juni-Wochenende stattfindet, ziehen über 300 Musikgruppen in zehn Tagen weit mehr als 35.000 Zuschauer an. Das Festival wurde von der Victoria Jazz Society 1985 ins Leben gerufen. 2002 trat hier etwa Dave Brubeck auf. 1995 entstand das jährlich zum Labour Day stattfindende Vancouver Island Blues Bash. Mit 150.000 Besuchern pro Jahr ist allerdings das von der Inter-Cultural Association (ICA) organisierte Folkfest das größte Open-Air-Festival auf Vancouver Island.

Noch stärker den historischen Wurzeln, in diesem Fall den schottischen, ist das Victoria Highland Games and Celtic Festival verpflichtet, das 2008 zum 71. Mal stattfindet. Dudelsack- und Tanzaufführungen finden im Bullen Park in Esquimalt statt.

Das gleiche gilt für die andere kulturelle Hauptwurzel Victorias neben der europäischen, die indianische Kultur. Jährlich Ende Juli/Anfang August findet das dreitägige First People's Festival statt. Es wird vom Victoria Native Friendship Centre und dem Royal British Columbia Museum organisiert.[49]

Das Victoria Symphony (-Orchester) tritt im Royal Theatre und im Farquhar-Auditorium der Universität zwischen September und Mai auf. Freiluftkonzerte geben die Symphoniker an allen 10 Feiertagen - die Veranstaltung heißt Symphony Splash und findet im Inneren Hafen statt. Die Pacific Opera Victoria, der Philharmonic Choir und Ballet Victoria treten im Macpherson oder im Royal Theatre auf. Daneben existiert noch seit 1864 die Royal Canadian Artillery Band.

Mehrere Theater prägen die Stadt mit. Zum einen sind dies das von der Royal & McPherson Theatres Society unterhaltene Royal Theatre in 805 Broughton Street und das McPherson Playhouse in 3 Centennial Square. Das Bastion Theatre musste leider 1988 seinen Bankrott erklären, und auch das New Bastion Theatre war ohne Fortune (1992 Pleite). Hingegen überlebt das Belfry Theatre seit 1974 bzw. 1976. Daneben gibt es ein universitäres Theater, das Phoenix Theatre, dann das Kaleidoscope Theatre und das Intrepid Theatre.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Hauptbeschäftigungszweige sind Tourismus, Bildung, die Regierung und die Behörden, sowie Dienstleistungen. Zahlreiche Banken und zunehmend Technologie-Unternehmen prägen außerdem das Bild. Vor allem bei letzteren spielt das Vancouver Island Advanced Technology Centre eine wichtige Fördererrolle. Dementsprechend hoch sind die Löhne, und vor allem die Immobilienpreise.

Die Stadt ist zudem Sitz des Dominion Astrophysical Observatory und der University of Victoria, zwei bedeutenden Arbeitgebern. Eine wichtige Rolle spielt nach wie vor der Hafen, der eigentlich aus drei Häfen besteht, dem Outer Harbour für Hochseeschiffe, dann der Inner und der Upper Harbour, dazu kommt noch der von Esquimalt. Die Verschiffung von Rohstoffen leidet allerdings unter dem Verfall des US-Dollars, der Holz, Lachs und inzwischen auch Mineralien für den südlichen Nachbarn stark verteuert.

In den Nachkriegsjahren erlebte Victoria einen beachtlichen Wirtschaftsboom. Dabei spielte der Druck, den die British Columbia Social Credit Party (die 1952 über 30 % der Wähler mobilisierte) auf die konservativen und liberalen Kräfte ausübte, eine erhebliche Rolle. Sie bildete, von jenen anfangs gestützt, eine Minderheitsregierung. In den Wahlen von 1956 gewann sie sogar 38 %. W. A. C. Bennett wurde für die nächsten 20 Jahre Premier. Er startete ein ehrgeiziges Infrastrukturprogramm, das auf den Einnahmen der damaligen Boomindustrien Holz, Rohstoffe und Energie basierte. British Columbia Electric Railway und British Columbia Power Company wurden verstaatlicht und zusammen mit kleineren Elektrizitätsunternehmen zu BC Hydro zusammengefasst. Mehrere Dämme wurden gebaut, ein Abkommen mit den USA geschlossen. Im Nordosten der Provinz erschloss man Öl und Gas.

Außerdem richtete die Regierung BC Ferries ein, als Fortsetzung des in Provinzbesitz befindlichen Straßennetzes auf das Wasser, ein Straßennetz, das stark ausgebaut wurde. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten zogen wiederum zahlreiche Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler in die als angenehm wahrgenommene und beworbene Stadt

Dazu kam der Wirtschaftsboom in Ostasien, allen voran Japan. Da Victoria stark von der Politik seines größten Arbeitgebers abhing, hing vom Staat vieles ab. Als BC Hydro die ersten Verluste bekannt gab, verlor folgerichtig die Social Credit Party die Wahl von 1972, doch kehrte sie bereits 1975 zurück und verlor erst nach Korruptionsskandalen 1991 endgültig die Macht.

Glen Clark, früherer Präsident der BC Federation of Labour, wurde neuer Parteiführer und gewann 1996 die Wahl. Mit dem Regierungswechsel setzte man stärker auf Tourismus. So wurden zahlreiche Parks eingerichtet. Arbeitslosigkeit und Steuern stiegen jedoch. Der Plan eine Schiffbauindustrie neu aufzubauen, scheiterte. 2001 wurde auch die NDP abgewählt.

Sieger war Gordon Campbells British Columbia Liberal Party mit 77 von 79 Sitzen. Er ließ die Einkommensteuer senken und verkaufte die Eisenbahngesellschaft British Columbia Railway an die Canadian National Railway. Viel entscheidender war aber die Übernahme Hongkongs durch die Volksrepublik China, was zahlreiche vermögende Chinesen nach British Columbia brachte, vor allem nach Vancouver. Ihr Kapital, dazu der schnell wachsende pazifische Wirtschaftsraum, machte auch Victoria zu einer vermögenden Stadt. Dennoch zeichnet sich seit Sommer 2006 ein Rückgang der Immobilienpreise ab, der die derzeitige Finanzkrise in den USA ankündigte.

Dies bremste auch das Wachstum der bis 2006 wichtigsten Industrie in Victoria, des Tourismus. Inzwischen setzen aber Hightech-Unternehmen mehr als 1,6 Milliarden Dollar um, und lassen die bisher größte Industrie damit hinter sich. Das betrifft auch die Zahl der Arbeitsplätze. Unternehmen wie GenoLogics Life Sciences Software in der Softwareindustrie, aber auch solche wie Triton Logging - die Umweltpreise gewannen, obwohl sie zur Holzindustrie gehören - oder Etraffic Solutions, Contech Electronics, Archipelago Marine Research usw. beschäftigen inzwischen immer mehr Mitarbeiter.[50] Insgesamt ist Victoria eine Stadt, ähnlich wie die ganze Provinz, deren Arbeitsmarkt auf zahllosen Klein- und Mittelbetrieben basiert.

Verkehr

Victoria liegt am Trans Canada Highway - er beginnt in Victoria genau an der Ecke Douglas Street/Dallas Road -, verfügt über einen Flughafen, den Victoria International Airport, und ist durch Fähren mit dem amerikanischen Bundesstaat Washington sowie Vancouver verbunden. Wasserflugzeuge verbinden den Inneren Hafen sowohl mit Seattle als auch mit dem Flughafen und dem Hafen von Vancouver.

Ablegestelle der Fähren (BC Ferries) nach Tsawwassen südlich von Vancouver und zu mehreren Gulf Islands, ist der Swartz Bay Ferry Terminal knapp 30 km nördlich des Ortskerns von Victoria. Die Washington State Ferry hingegen hat ihre Anlegestelle in Sidney, von wo sie nach Friday Harbor, Orcas Island und nach Anacortes in Washington fährt. Eine Autofähre vom Inneren Hafen fährt nach Port Angeles, dazu verkehren Hochgeschwindigkeits-Katamarane nach Seattle, sowie diverse Wasserflugzeuge.

Als öffentliche Verkehrsmittel verkehren in Victoria Busse. Federführend ist das Victoria Regional Transit System, das wiederum zu BC Transit gehört. BC Transit ist für den öffentlichen Personennahverkehr in British Columbia zuständig - mit Ausnahme von Vancouver - und hat seinen Hauptsitz in Victoria. Diese Art des Personentransports geht auf das Jahr 1890 und die National Electric Tramway and Light Company zurück. Doch nach einem schweren Unfall mit 55 Toten an der Point Ellice Bridge übernahm die British Columbia Electric Railway den Betrieb.

Die ersten Busse kamen 1923 zum Einsatz. Zwar wurden 1945 Trolley-Busse eingesetzt, doch 1948 stellte man den Betrieb der Street Cars genannten Straßenbahnen ein. 1961 wurde BC Electric von BC Hydro (eigentlich BC Hydro and Power Authority) übernommen. Derzeitiger Eigner ist BC Transit, eine so genannte Crown Corporation, also ein staatlich kontrolliertes Unternehmen. Im Jahr 2000 führte Victoria als erste Stadt in Nordamerika den regulären Busbetrieb mit Doppeldeckern ein.[51]

Bildung

Neben der Universität (UVic oder University of Victoria) ist das Royal British Columbia Museum eine der wichtigsten Bildungsstätten, die auch für den Tourismus von großer Bedeutung ist. Dazu kommen das Lester B. Pearson College of the Pacific in Metchosin, das sich, entsprechend dem namengebenden Friedensnobelpreisträger, dem Ziel einer friedlichen Koexistenz verschrieben hat, und als jüngste Einrichtung die Royal Roads University sowie das Camosun College. Dazu kommt die University Canada West unter Leitung des ehemaligen UVic-Präsidenten.

Das Dominion Astrophysical Observatory und das Centre of the Universe-Planetarium stellen herausragende naturwissenschaftliche Institute dar.

Neben dem Royal BC Museum ist das Maritime Museum of British Columbia für Erforschung und Dokumentation sowie Präsentation der Geschichte der Seefahrt von Bedeutung.

Die einzige Highschool im Stadtkern ist die Victoria High School von 1876. Daneben gibt es noch Schulen dieses Typs in Oak Bay und in Esquimalt, weitere, als Secondary Schools bezeichnete Einrichtungen, wie die Lambrick Park, die Mount Douglas und die Reynolds Secondary sowie die Spectrum Community School bieten eine ähnliche Ausbildung. Für die frankophone Minderheit steht die École Victor Brodeur zur Verfügung, für die Chinesen die Chinese School in Chinatown. Dazu kommt eine Reihe, z. T. christlich ausgerichteter Privatschulen. Die erste Schule entstand auf Initiative des Gouverneurs James Douglas 1852, der erste Lehrer war Charles Bailey.[52] Er unterrichtete 18 Schüler. 1855 folgte eine zweite beim heutigen Craigflower unter Leitung von Charles Clark. 1865 wurde die Schulpflicht für alle ab sechs Jahren eingeführt, doch 1872 mussten die Schulen mangels Geld geschlossen werden. Im nächsten Jahr erfolgte ein weiterer Anlauf, doch wurde die Schulpflicht auf die 6- bis 14-Jährigen begrenzt (vorher bis 18). 1876 wurde die erste High School gegründet, alle anderen waren Elementary Schools, eine Art Grundschulen. Die erste Normal School eröffnete 1915, 15 Jahre nach der ersten in Vancouver. Dies hing mit einem regelrechten Schulboom zusammen, denn von 1908 bis 1914 entstanden 12 neue Schulen.

Medien

Die älteste Tageszeitung ist der Times-Colonist, der 1980 aus der Verbindung zweier Zeitungen hervorging, nämlich der Victoria Daily Times (gegr.1884) und dem British Colonist bzw. Daily Colonist, wie er später hieß (gegr. 1858). Die Zeitung zirkuliert mit einer Auflage von über 70.000 Exemplaren und gehört dem Konzern CanWest Global Communications mit Sitz in Winnipeg.

Sport

Professionell Eishockey wird von den Victoria Salmon Kings gespielt. Die Mannschaft Victoria Cougars, die von 1911 bis 1926 existierte, gewann 1925 den Stanley Cup. Der lokale Fußballclub ist Victoria United. Für das Eishockey wurde 2005 eine Hallen-Arena, das Save-On-Foods Memorial Centre (SOFMC) errichtet, das den „Lachskönigen“ gehört. Victoria war Austragungsort der Commonwealth Games 1994.

In der zweiten kanadischen Nationalsportart, Lacrosse, war Victoria wesentlich erfolgreicher. Die Victoria Shamrocks gewannen den Mann Cup, den kanadischen Pokal, 1955, 1957, 1979, 1983 (1983-94 nach ihrem Sponsor Victoria Payless genannt), 1997, 1999, 2003 und 2005.

Für den Segelsport ist das jährlich im Mai stattfindende Rennen, das Swiftsure International Yacht Race, von größter Bedeutung, das im Jahr 2008 zum 65. Mal stattfindet. Die Routen führen u. a. zur Clallam Bay, zur Pedder Bay und zum Cape Flattery an der Nordwestecke von Washington.

Städtepartnerschaften

Persönlichkeiten

Literatur

  • Chuen-Yan David Lai / Pamela Madoff / David Chuenyan Lai, Building and Rebuilding Harmony: The Gateway to Victoria's Chinatown (Canadian Western Geographical Series, Bd. 32) 1997
  • Gregory Edwards, Hidden Cities: Art and Design in Architectural Details of Vancouver and Victoria, Talon Books 1992
  • Terry Reksten, More English than the English. A Very Social History of Victoria, Victoria: Orca Book Publishers 1988
  • Robin Ward, Echoes of Empire: Victoria & Its Remarkable Buildings, Harbour Publishing 1996

Anmerkungen

  1. Es handelte sich hierbei um den Governor der Hudson’s Bay Company George Simpson (1844). Zitiert nach [1].
  2. Canadian Wildlife Services: Habitat Conservation. Migratory Bird Sanctuaries - British Columbia
  3. Weather Winners – Mildest Winter Environment Canada
  4. Weather Winners – Snowiest City Environment Canada
  5. Der Denkmalschutz sollte im Mai 2008 auf einige jüngere Gebäude ausgedehnt werden. Vgl. Carolyn Heiman: City eyes postwar classic buildings for heritage registry, in: Times-Colonist, 16. Mai 2008.
  6. Einen groben Überblick bietet (PDF, 228 kB) diese Karte.
  7. „The place itself appears a perfect ‘Eden’ in the midst of the dreary wilderness of the North...“James Douglas an James Hargrave, 5. Februar 1843, G. P. de T. Glazebrook (Hg.), The Hargrave Correspondence, S. 420.
  8. Zur Entwicklung von Rock Bay vgl. Victoria in the dawn of a new century, 1901, Rock Bay.
  9. Nach Angaben des CRD auf seiner Website (http://www.crd.bc.ca/parks/facts.htm Park Facts).
  10. Nach: Statistics Canada. „Geographic hierarchy“ anklicken und dem Link im neuen Fenster folgen. Dort die gewünschten Ortsnamen suchen.
  11. Nach Janis Ringuette, Beakon Hill Park History, digital: [2].
  12. Die Victoria Heritage Foundation hat eine chronologisch geordnete Liste der frühen Gebäude angefertigt, die noch existieren (PDF, 20 kB): [3].
  13. Terry Reksten, More English than the English. A Very Social History of Victoria, 1988, S. 43.
  14. Der historische Grabungsort ist über den Galloping Goose Regional Trail zu erreichen, der Victoria seit 1987 mit der Geisterstadt Leechtown verbindet. Eine Broschüre findet sich hier (PDF, 1,3 MB): Galloping Goose and Lochside Regional Trails brochure.
  15. Dies und das Folgende nach: Royal BC Museum.
  16. Vgl. Cowichan Indian Agency.
  17. Vgl. Sealing Report
  18. Eine Fotografie von Fort Victoria von 1862 (BC Archives): Bastion of Fort Victoria, southwest corner of Fort..
  19. Hier die Ergebnisse der Zählung von 1901
  20. Eine Liste der so bezeichneten Personen findet sich hier.
  21. Nach: ViHistory.
  22. Sarah Crease skizzierte die Yates Street am 2. Oktober 1860: Yates Street No. 4, BC Archives PDP02894.
  23. Eines der ältesten Hotels war das Occidental Hotel an der Ecke Johnson/Wharf Street, das 1865 fotografiert wurde. Das Foto befindet sich heute in den British Columbia Archives: Occidental Hotel.
  24. Eine Stadt von beachtlicher Ausdehnung zeigt eine Stadtansicht von 1889: Birds Eye View of Victoria 1889, BC Archives.
  25. Victoria Daily Standard, 17. Juni 1872.
  26. Nach Aussage des Regierungsangestellten (wohl Steuereinzieher) M. R. Bull, Canada. Commission royale sur l'immigration chinoise: Rapport sur l'immigration chinoise rapport et témoignages, Juli 1884, S. 68.
  27. Official report of the debates of the House of Commons of the Dominion of Canada: third session, fifth Parliament ... comprising the period from the sixteenth day of June to the twentieth day of July, 1885, Ottawa: MacLean, Roger, 1885, S. 3009.
  28. Ein Grundriss der Chinatown von Victoria findet sich: Royal British Columbia Archives.
  29. Die Gründer dieser Vereinigung stammten aus Hoy Sun, einem Landstrich der Provinz Guandong.
  30. Canada. Commission royale sur l'immigration chinoise: Rapport sur l'immigration chinoise rapport et témoignages, Juli 1884, S. 65.
  31. Canada. Commission royale sur l'immigration chinoise: Rapport sur l'immigration chinoise rapport et témoignages, Juli 1884, S. 53 und 65.
  32. Charles Hamilton war der erste, der in British Columbia ein Flugzeug lenkte (1910).
  33. Dazu mehr: Cowichan River Watershed.
  34. Zum Streit um den Spaet vgl. First Nations. Land Rights and Environmentalism in British Columbia - Spaet.
  35. BC Municipal Population Estimates, 1996-2006: [4].
  36. Nach Statistics Canada: [5].
  37. Nach Statistics Canada: [6].
  38. Alle Angaben nach der Volkszählung von 2001: Statistics Canada.
  39. Multicultural Associations
  40. Vgl. (PDF): New supportive housings for Victoria's Homeless
  41. Angaben nach: Statistics Canada.
  42. Pioneer Asian Indian Immigration to the Pacific Coast
  43. Tourism Victoria
  44. Die Liste findet sich hier (PDF, 320 kB): Heritage Inventory.
  45. Vgl. Artikel in The Vancouver Sun v. 25. 11. 06: [7].
  46. Nach Angaben der Craigdarroch Castle Historical Museum Society auf ihrer Homepage Victoria’s Craigdarroch Castle.
  47. Vgl. die Website von Helen Edwards, die aus einem Universitätsprojekt hervorgegangen ist: The Art and Architecture of Samuel Maclure.
  48. Seine Biographie findet sich im Dictionary of Canadian Biography Online, Modeste Demers
  49. Vgl. Klisala Harrison, The Kwagiulth Dancers: Addressing Intellectual Property Issues at Victoria's First People's Festival, in: The World of Music 44/1, S. 137-151.
  50. High-tech eclipses tourism. Strong growth sees high-tech industry hit $1.6-billion in total, in: Times Colonist, 24. Mai 2007.
  51. Näheres zur Geschichte des öffentlichen Transportsystems: A Brief History of Transport in Victoria and the Lower Mainlands.
  52. Dies und das Folgende nach: Early schools predated B.C.’s birth, in: Times Colonist. 150 years. How we lived, 2. Januar 2008.

Siehe auch

Weblinks

48.432777777778-123.334722222227Koordinaten: 48° 26′ N, 123° 20′ W


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