Vicus Petinesca

Vicus Petinesca
Tempelbezirk von Petinesca

Der Vicus Petinesca war ein 58 v. Chr. gegründeter römischer Ort, den man anhand spätrömischer Strassenkarten dem modernen Ort Studen im Kanton Bern in der Schweiz zuordnen konnte. Es war ein wichtiger Ort an der Nord-Süd- und Ost-West-Transversale, aber auch nahe der schiffbaren Aare gelegen. Die Station war bis 380 n. Chr. besetzt. Bereits im 19. Jahrhundert wurden erste Ausgrabungen getätigt. Konserviert sind die Reste eines Tempelbezirks und einer Toranlage. Neue Ausgrabungen förderten ein Handwerkerviertel, ein Gräberfeld und drei Ziehbrunnen zu Tage. Nach den bisherigen Untersuchungen kann Petinesca in fünf Teile gegliedert werden. Sie umfassen eine Toranlage, zwei Terrassensiedlungen, den Tempelbezirk und das Gräberfeld „Keltenweg“.

Inhaltsverzeichnis

Die römische Toranlage

Die römische Toranlage wurde zwischen 1898 und 1904 ausgegraben. Sie besteht aus dem Tor und Resten der Befestigungsmauer. Offenbar wurde der spätrömische Turmbau im 4. Jahrhundert n. Chr. zu einem Strassenkastell mit Unterkunftsräumen ausgebaut.

Die Tempel

In den 1930er Jahren durchgeführte Grabungen führten zur Freilegung römischer Tempel und Kapellen auf der Hügelkuppe Gumpboden des Jensberges. Die Tempelanlage umfasst zwei Gruppen zu je drei gallorömischen Umgangstempeln sowie drei Kapellen und ein Priesterhaus, errichtet zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 4. Jahrhundert n. Chr. Der westliche Tempel ist in seinen Grundmauern sehr gut erhalten und wurde teilweise rekonstruiert und mit einem Schutzdach versehen. Die grosse Tempelanlage lag ursprünglich in einer Ummauerung mit drei Toren, von der ein Abschnitt der südöstlichen Mauer erhalten ist.

Die Wallanlage

Zu Petinesca gehört eine vorrömische Wallanlage, von der der westlich gelegene Keltenwall am besten erhalten ist. Der Wall ist eine durch Baumstämme und eine Trockenmauer verstärkte Erdaufschüttung. Er schützte einst ein Oppidum.

Die Brunnen

Die Entstehungszeiten der bis zu 12 Meter tiefen Brunnen sind nicht eindeutig zu datieren. Ihre Aufgabe und Verfüllung erfolgte im 3. Jahrhundert n. Chr. Die gefundene Keramik reiht sich in die bekannten Referenzkomplexe des 3. Jahrhunderts aus dem schweizerischen Mittelland ein. Deutlich zeigt sie die im 3. Jahrhundert vollziehende Entwicklung der Glanztonware. Die Archäozoologie kann aufgrund der Zusammensetzung der Tierreste die Sämischgerberei nachweisen. Die Funde zeigen, dass etwa ab der Zeitenwende Feingerber tätig waren. Während ein Grubeninhalt aus dem l. Jahrhundert auf das Gerben von Schaffellen hinweist, belegen die Brunnenfunde die Produktion von Ziegenleder.

Literatur

  • Rudolf Zwahlen et. al.: Vicus Petinesca -Vorderberg. Die Ziehbrunnen In: Petinesca Band 4.- 2007 ISBN 978-3-907663-11-0.

Weblinks

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