Vieh


Vieh
Landwirtschaftliche Viehhaltung 1787, Gemälde von Edward Hicks
Denkmal der Schlachttiere in Breslau

Vieh bedeutet ganz allgemein Tier, im engeren und häufigeren Sinn ist damit das domestizierte landwirtschaftlich genutzte Nutztier gemeint. In Mitteleuropa wird in der Regel unter Großvieh Schweine, Rinder, und Pferde verstanden. Schafe, Ziegen, Geflügel und Kaninchen zählen zum Kleinvieh. Im Sprachgebrauch ist auch das von der Pluralform Viecher abgeleitete Viech anzutreffen. Die Verwendung von Vieh als Bezeichnung für Nutztiere allgemein wurde von dem Naturphilosophen Lorenz Oken (1779-1851) eingeführt, veröffentlicht in seiner Naturphilosophie (1808) und der dreibändigen Naturgeschichte (1813-1816).

Großvieh sind (in Europa) Rind und Pferd (vergl. Großvieheinheit), Kleinvieh sonstige Nutztiere (wobei Schaf, Ziege, Schwein manchmal auch als Mittelvieh zusammengefasst werden). Zwar wird auch häufig der Begriff Federvieh für Geflügel verwendet, jedoch werden landwirtschaftlich genutzte Vögel im allgemeinen nicht ausdrücklich als Vieh bezeichnet (obschon sie zum Kleinvieh zählen).

Der Oberbegriff Vieh wird häufig entsprechend der vorrangigen Nutzung weiter unterteilt in Fleischvieh bzw. Schlachtvieh (für die Fleischerzeugung), Milchvieh (Rinder für die Milchproduktion), Zugvieh bzw. Arbeitsvieh (zum Beispiel Pferde, Ochsen), teilweise noch als Bezeichnung für Rassen (z. B. Fleckvieh, oder Höhenvieh als Sammelbezeichnung für alpine Gebirgsrassen des Hausrinds).

Als Faselvieh bezeichnete man noch um 1800 das zur Zucht bestimmte Vieh, zum Unterschied zum Mastvieh. Da man es nur notdürftig fütterte, bedeutete Faselvieh oft überhaupt mageres, ungemästetes Vieh.[1] Gemeindeverordnungen verpflichteten Haushaltungen zur Haltung des Faselviehs.[2]

Einzelnachweise

  1. Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Band 2., Leipzig 1796, S. 51., Stichwort Faselvieh
  2. Hans-Werner Johann, Simmern: Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde. In: Interessante Zeitgenossen / Interesting Contemporaries. Hartung-Gorre Verlag, Konstanz 1998, S. 268, ISBN 3-89191-888-7. Zitat: Ähnlich wie in Gemünden wurden die Juden in Laufersweiler 1750 von dem Halten des "Faselviehs“ befreit. In einem „Decretum“ vom 16. November 1750 heißt es: „Weilen supplicierende Judenschaften bekanntlich keinen bürgerlichen Nutzen ziehet, so wird selbige künftighin kein bürgerliches Haus ohne vorherige herrschaftlichen Consens und ohne sich anfordernis wegen Haltung des Faselviehs mit der Gemeind behörend abgefunden zu haben, an sich bringen sollen, welches Amtmann Kirchner zur weiters nöthigen Verfügung und Beobachtung commencieret wird. gez. Fhr. Erbschenk von Schmidtburg.“

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Vieh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Vieh – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Vieh – Zitate

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