Viehhaltung


Viehhaltung
Schafe und Rinder in Extensivhaltung auf einer Weide

In der Viehhaltung werden von sesshaften Haltern unterschiedliche Nutztiere gehalten. In Mitteleuropa u. a. Pferde, Rinder, Schafe, Schweine oder Geflügel, die als Nahrung dienen und deren Sekundärprodukte Eier, Käse, Milch und Wolle eine zusätzliche Rolle spielen.

Inhaltsverzeichnis

Abgrenzung

Die Viehhaltung ist zu unterscheiden von der (nomadisierenden) Viehzucht, die als Haupterwerb betrieben wird. Eine Zwischenform ist die saisonal betriebene Transhumanz.

Rinderhaltung

Gemähte und im Herbst abgeweidete Wiese im Bodental

Rinder werden in Mitteleuropa üblicherweise auf solchen Standorten gehalten, die für den bäuerlichen Anbau nicht ausreichend geeignet sind, aber eine durchschnittliche Niederschlagsmenge von 700 mm und mehr pro Jahr aufweisen. Das betrifft primär leichte Standorte, wo der Boden vor allem aus Sand besteht und daher Nährstoffe und Wasser nur schlecht speichern kann. Auch flachgründige Standorte sind häufig Grasflächen, ebenso (aber selten) sehr trockene oder sehr nasse Standorte. Abhängig von der Größe des Betriebes, dem Standort u. a. werden Rinder ganzjährig im Stall oder mit Weidegang gehalten. Der Weidegang ist nur bei ökologischer Haltung vorgeschrieben. Der Anteil dieser Haltungsform in Deutschland ist jedoch mit 5,0 % sehr gering. [1]
Für die Hauptnutzungen beim Rind (Milch- und Fleischproduktion) werden heute verschiedene Rassen genutzt. Gemäß einer Studie des Forschungsinstitutes für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere in Dummerstorf verbessert Weidehaltung den nährungsphysiologischen Wert von Fleisch erheblich gegenüber der Stallhaltung. Dabei wurde festgestellt, dass der Gehalt an ungesättigten Fettsäuren durch die Art der Fütterung deutlich gesteigert werden kann. Bullen die einen Sommer auf der Weide und im Winter mit Grassilage und Leinsamen gefüttert wurden wiesen im Muskelfett doppelt soviele Omega-3-Fettsäure auf, als mit Getreidekraftfutter gefütterte Bullen.

Schweinehaltung

Schweine werden in Mitteleuropa häufig in Betrieben gehalten, die auch Marktfrüchte anbauen, da sich beide gut ergänzen: Schweine werden üblicherweise in Ställen gehalten und weitgehend mit Getreide u. a. gefüttert. Das Getreide wird durch den Anbau von Marktfrüchten geliefert und durch zugekaufte Futtermittel ergänzt. Schweine werden zur Fleischproduktion gehalten. Auch bei den Schweinen werden unterschiedliche Rassen genutzt. Der Anteil der ökologischen Schweinehaltung in Deutschland liegt bei 2,7 %.[1]

Geflügelhaltung

Weiße Truthühner in Intensivhaltung

Geflügelhaltung ist in Mitteleuropa meistens aufgrund ähnlicher Voraussetzungen in solchen Gebieten zu finden, die sich auch für die Haltung von Schweinen anbieten. Auch Geflügel wird meist in Ställen gehalten, da Geflügel in Freilandhaltung immer durch Vogelkot übertragbaren Krankheiten ausgesetzt werden. In der EU werden Käfighaltung, Bodenhaltung, Freilandhaltung und Auslaufhaltung unterschieden.[2]

  • Käfighaltung
    Darunter versteht man die Haltung in Legebatterien. Bei dieser Haltungsform wird den Tieren nur wenig Lebensraum (ca. 0,20 m²) zugestanden. Aufgrund von Tierschutzbedenken und latenter Nachfrage der Konsumenten nach günstigen Eiern und Hühnern aus tierfreundlicheren Haltungsformen wurde vom Staat interveniert: Seit Anfang 2009 ist die herkömmliche Käfighaltung in Deutschland abgeschafft worden. Die Kleingruppenhaltung ist eine im Jahr 2007 eingeführte Haltungsform von Legehennen, die die Haltung in Legebatterien vollständig abgelöst hat mit der den Hennen nun nur wenig mehr Platz zur Verfügung steht. Der Vorteil dieser Haltungsformen ist, dass die Eier am günstigsten zu produzieren sind. Ungeachtet aller Auslöser nachweisbarer physiologischer und psychischer Schädigungen der Tiere durch Bewegungsmangel, Dunkelheit und fehlende soziale Beziehungen führen die Vorteile der Käfighaltung dazu, dass industriell verarbeitete Eier (z. B. für die Herstellung von Eiernudeln und diverse Gebäcksorten) überwiegend aus dieser Haltungsform stammen. Im Jahr 2007 wurden noch 67,6 % der deutschen Legehennen in Käfigen gehalten[3].
  • Bodenhaltung
    Darunter versteht man die Haltung von Geflügel zwar im Stall, aber nicht in Käfigen. Entweder handelt es sich nur um eine überdachte Grundfläche als Auslauf mit einem Nestbereich zu Eierablage oder die Haltung erfolgt in mehreren Etagen (in Volieren). Diese Haltungsform scheint eine sinnvolle Alternative zur Käfighaltung zu sein, da die Tiere deutlich artgerechter zu halten sind. Nachteilig ist, dass mehr Eier mit Kot in Berührung kommen und dadurch die Schale eher mit Salmonellen belastet ist.
    Ein großes Problem bei dieser Haltungsform ist, dass die Hühner zu sehr vielen Artgenossen Kontakt haben. Da Hühner dazu neigen, sich als Übersprungsreaktion gegenseitig Federn auszureißen, kommen für diese Haltungsform nicht alle Hühnerrassen in Frage. In Deutschland wurden 2007 17,0 % der Legehennen in dieser Art gehalten[3].
  • Freilandhaltung
    Bei der Freilandhaltung wird den Tieren ermöglicht, sich unter freiem Himmel zu bewegen. Diese Haltungsform ist die ihnen gegenüber angemessenste Haltungsform. Die Tiere werden im Stall gehalten, allerdings haben sie durch Ausgänge die Möglichkeit ins Freiland zu gehen. Allerdings müssen mehrere Gegebenheiten beachtet werden: Einerseits bewegen sich Hühner ohne Schutz nur ungerne im Freiland. Bäume können solch einen Schutz darstellen - ohne sie würden nur wenige Hühner den Stall verlassen. Des Weiteren entfernen sich Hühner ohnehin nicht sehr weit vom Stallgebäude. Das führt zu einer starken Kotansammlung und damit einer starken Überdüngung in der Nähe des Stalles mit entsprechenden Folgen für das Grundwasser. Weiterhin kommen Freilandhühner potentiell mit anderen Vögeln bzw. deren Exkrementen in Kontakt, so dass Krankheiten übertragen werden können. Und schließlich gilt dasselbe wie für Bodenhaltungseier: eine erhöhte Salmonellengefahr. 10,9 % der Legehennen sind 2007 in Deutschland im Freiland gehalten worden[3].
  • Haltung für ökologische Erzeugung
    Dies ist ein Sonderfall der Freilandhaltung. Hier müssen gesonderte von der EU vorgeschriebene Richtlinien eingehalten werden. So darf die Belegungsdichte im Stall 6 Tiere pro m² nicht überschreiten. Außerdem muss das Futter aus ökologischem Anbau stammen. 2007 produzierten 4,4 % aller Legehennen Eier für die ökologische Erzeugung[3].

Darüber hinaus ist die Sozialstruktur des jeweiligen Geflügels zu beachten: Hühnervögel ordnen sich in Familienverbände von maximal ca. zwei Dutzend Individuen ein, in denen die Verhältnisse per Hackordnung geregelt werden. Eine "ungeregelte" Freilandhaltung führt daher zu nichts anderem, als dass die Tiere aus Angst vor Greifvögeln in der Nähe des Stalles in der eigenen Jauche stehen - dadurch einen höheren Bedarf an Medikamenten aufweisen - und das unter ständigem, unlösbaren Sozialstress. Daher kommen größere Käfige den Bedürfnissen der Tiere vielleicht näher als "Freiland" für Tausende von Hühnern.

Die derzeitige Beschaffenheit der Märkte (z. B. viele Molkereien als Milchanbieter und wenige Großhandelsketten als Abnehmer) führen zu einem großen Preisdruck auf die Erzeugerpreise was letztlich zu immer größeren Einheiten bzw. Höfen und damit auch Tierzahlen führt. Die in der Politik immer wieder zitierte Massentierhaltung ist allerdings (mal von Geflügel abgesehen) eher eine Ausnahme. Weiterhin gibt es regional deutlich unterschiedliche Strukturen - im Süden Deutschlands eher kleine, im Norden aber vor allem im Osten ziemlich große Höfe. Die große Anzahl Tiere auf großen Höfen wird häufig als nicht artgerecht bezeichnet - dabei steht die Anzahl der Tiere einerseits und die Art der Haltung andererseits nur in mittelbarem Zusammenhang miteinander (tatsächlich sind große Höfe meist auch moderner ausgestattet und ermöglichen dadurch auch bessere Haltungsbedingungen für die Tiere).

Einzelnachweise

  1. a b http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/LandForstwirtschaft/OekologischerLandbau/Tabellen/Content75/ViehbestandOekologischerLandbau,templateId=renderPrint.psml Statistisches Bundesamt Deutschland, Viehbestand in landwirtschaftlichen Betrieben mit ökologischem Landbau, 2007
  2. Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
  3. a b c d http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2008/03/PD08__110__413.psml Statistische Bundesamt Deutschland, Pressemitteilung Nr. 110 vom 13.03.2008, Rückgang der Käfighaltung von Hennen zugunsten alternativer Haltungsformen

Siehe auch

Weblinks


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