Viktor Weidtman


Viktor Weidtman

Joseph Victor Wolfgang Weidtman (* 18. September 1853 in Elberfeld (jetzt Wuppertal); † 17. Dezember 1926 in Berlin) war ein deutscher Manager der Bergbauindustrie und Verbandspolitiker. Er setzte sich vor allem für die Knappschaften ein.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Victor Weidtman wurde am 18. September 1853 in Elberfeld (jetzt Wuppertal) als Sohn des Rechtskonsulenten Joseph Wolfgang Hubert Weidtman und seiner Ehefrau Margaretha Weidtman, geborene Wallerath geboren. Es wird eine entfernte Verwandtschaft zu Julius Weidtman, Gründer der Maschinenfabrik Deutschland, und die Abstammung aus der Ratinger Orgelbauerfamilie Weidtman vermutet.

Victor Weidtman besuchte die Gymnasien in Elberfeld, Rheinbach und Lemgo. Danach studierte er Rechtswissenschaften in Freiburg, Bonn, Leipzig und Halle. Dort schloss er sich den Studentenverbindungen Corps Lusatia Leipzig, Corps Rhenania Freiburg beziehungsweise Corps Guestphalia Bonn an. Er promovierte zum Doktor der Rechtswissenschaften. Nach Ableistung seines Wehrdienstes nahm er am 9. Juni 1877 die Tätigkeit eines Gerichtsreferendars auf. Am Amtsgericht Barmen wurde er am 22. November 1882 zum Gerichtsassessor ernannt.

Danach ließ er sich als Rechtsanwalt in Elberfeld nieder. Bei der Verwaltung der indirekten Steuern in Köln und Aachen betätigte er sich 1884 als Regierungsassessor. Im Jahre 1885 wechselt er nach Saarbrücken und nahm dort die Position eines Justitiar bei der Königlichen Bergwerksdirektion ein. Im Jahr 1887 wurde er zum Bergrat ernannt. Am 1. Januar 1888 wechselte er als erster Justitiar zum Oberbergamt Dortmund.

Er war mit Adele Grach, Tochter des Trierer Kammer-Präsidenten Emmerich Grach und seiner Ehefrau Franziska Holinglus-Pypels, verheiratet. Das Ehepaar hatte gemeinsam drei Töchter und zwei Söhne.

Victor Weidtman starb am 17. Dezember 1926 in Berlin. Er wurde in Aachen beigesetzt. [1]

Leistungen

Kurz nach seinem Amtsantritt beim Oberbergamt Dortmund brach der Bergarbeiterstreik von 1889 aus, Weidtman wurde mit der Untersuchung der Ursachen beauftragt. Er übte außerdem die Aufsicht über die knappschaftlichen Unterstützungsvereine auf und trug in dieser Funktion zur Verschmelzung der Märkischen, Essen-Werdenschen und Mülheimer Knappschaftsvereine zum Allgemeinen Knappschafts-Verein zu Bochum im Jahr 1890 bei. Die Übertragung der reichsgesetzlichen Invaliden- und Angestelltenversicherung an den Verein geht ebenfalls auf Weidtman zurück. Im Auftrag des Handelsministeriums erwarb er die Zechen Waltrop und Vereinigte Gladbeck, wofür ihm 1901 der Titel Geheimer Bergrat verliehen wurde.

Zum 1. Juli 1893 verließ er den Staatsdienst und wurde Direktor des Bergbauzulieferers Maschinenfabrik Schüchtermann & Kremer in Dortmund. Gleichzeitig wurde er in den Vorstand des Allgemeinen Knappschaftsvereins berufen. Im Jahr 1895 nahm er Aufgaben als Generalbevollmächtigter der Schüchtermann-Schillerschen Familienstiftung wahr, in der das Firmenvermögen der Maschinenfabrik Schüchtermann & Kremer lag. Unweit der Fabrik lag auch die Zinkhütte Dortmund der Gesellschaft für Bergbau und Zinkfabrikation zu Stolberg und in Westfalen unter der Leitung des ebenfalls aus Elberfeld stammenden Wilhelm von der Heydt. Inwieweit Weidtman dort zu dieser Zeit tätig war, ist zweifelhaft, allerdings nennt ihn eine Festschrift der Dortmunder Industrie- und Handelskammer (IHK) als Vertreter der Zinkhütte und nicht der Fabrik Schüchtermanns.

Bei der IHK Dortmund wurde Weidtman am 8. Dezember 1897 ehrenamtlicher Schriftführer, am 22. September 1903 wurde er zum unbesoldeten Dortmunder Stadtrat gewählt. Politisch betätigte er sich in der Deutschen Volkspartei. Bereits am 11. November 1903 legte er sein Amt bei der IHK nieder, da er die Firma Schüchtermann verlassen wollte. Sein Nachfolger wurde Ernst Schweckendieck.

Am 1. Januar 1904 siedelte er wieder nach Elberfeld über und verlor damit auch sein Mandat in Dortmund. In Elberfeld wurde er leitender Direktor der Bergisch-Märkischen Bank. Im April 1906 wurde er Vorsitzender des Allgemeinen Knappschaftsvereins, im Juli desselben Jahres wechselte er als Generaldirektor zur Gesellschaft für Bergbau und Zinkfabrikation zu Stolberg und in Westfalen nach Aachen, bei der er 20 Jahre lang tätig war, zuletzt im Aufsichtsrat. Auch in Aachen übernahm er wieder Aufgaben in der örtlichen Handelskammer.

Gleichzeitig erwarb er sich große Verdienste um die Fürsorge für die Knappschaftsversicherung. In Anerkennung dieser Tätigkeiten wurde er im Jahr 1912 zum Mitglied im Preußischen Herrenhaus aus „Allerhöchstem Vertrauen auf Lebenszeit“. Ihm gelang 1916 die Vereinigung sämtlicher preußischer Knappschaftsvereine zum knappschaftlichen Rückversicherungsverband. Nach dem Ersten Weltkrieg bereitete er den Gesetzentwurf zum Reichsknappschaftsgesetz vor. Im Jahr 1919 wurde er als Abgeordneter für den Wahlkreis Köln-Aachen in die Weimarer Nationalversammlung gewählt. Mit der Annahme des Reichsknappschaftsgesetzes 1923 wurde er zum Reichskommissar zur Durchführung des Reichsknappschaftsgesetzes berufen. Dieses Ehrenamt nahm er trotz seines hohen Alters an, ebenso wie er ein Jahr später Präsident der Aachener Industrie- und Handelskammer wurde.

Victor Weidtman hatte mehrere Aufsichtsratsmandate inne, vor allem in der Montanindustrie, aber beispielsweise auch bei der Deutschen Bank. Er gehörte dem Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund und dem Zechenverband an. [1]

Auszeichnungen

Die RWTH Aachen verlieh ihm den Doktor der Ingenieurwissenschaften ehrenhalber. Von der Universität Bonn erhielt er den Doktor der Medizin ehrenhalber im Jahre 1923 für seine Verdienste um die Gesundheit der Bergleute. [1]

Literatur

  • Cuno Horkenbach (Hrsg.): Das Deutsche Reich von 1918 bis heute. Verlag für Presse, Wirtschaft und Politik, Berlin 1930. 
  • Herrmann August Ludwig Degener (Hrsg.): Wer ist’s?. Unsere Zeitgenossen. 9. Auflage. Degener, Berlin 1928. 
  • Verein für die bergbaulichen Interessen, Deutsche Montan Technologie für Rohstoff, Energie, Umwelt (Hrsg.): (Titel unbekannt). In: Glückauf. 128, VGE Verlag, 9. Juli 1992. 

Einzelnachweise

  1. a b c Barbara Gerstein: Weidtman, Victor. In: Hans Bohrmann (Hrsg.): Biographien bedeutender Dortmunder. Menschen in, aus und für Dortmund. 2, Klartext, Essen 1998, ISBN 3-88474-677-4, S. 138ff. 

Weblinks


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