Visby


Visby
Visby
Wappen von Visby
Visby (Schweden)
Visby
Visby
Basisdaten
Staat: Schweden
Provinz (län): Gotlands län
Historische Provinz (landskap): Gotland
Gemeinde (kommun): Gotland
Koordinaten: 57° 38′ N, 18° 18′ O57.63888888888918.294444444444Koordinaten: 57° 38′ N, 18° 18′ O
Einwohner: 22.593 (31. Dezember 2010)[1]
Fläche: 12,44 km²
Bevölkerungsdichte: 1.816 Einwohner je km²
Visby – Hafen und Altstadt
Historische Stadtmauer Visby
Park Almedalen
Stadtansicht von Almedalen

Visby (deutsch auch Wisby) ist eine Stadt an der Westküste der schwedischen Ostseeinsel Gotland. Visby ist die Hauptstadt der Provinz Gotlands län in der historischen Provinz Gotland und Hauptort der Gemeinde Gotland sowie Bischofssitz des gleichnamigen Bistums. Das Stadtwappen zeigt das Lamm Gottes.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Name Visby (nord. „vi“ = Opferplatz) deutet darauf hin, dass der Ort vorchristliche Bedeutung hatte. Die Spuren der ältesten Besiedlung sind spärlich, aber seit der Wikingerzeit (ab 800 n. Chr.) ist der Platz kontinuierlich bewohnt worden. Überreste von Holzhäusern wurden im Almedalen gefunden. Das älteste erhaltene Gebäude der Stadt ist „Kruttornet“ (der „Pulverturm“), nach 1151 angelegt.

Visby war im Mittelalter eine bedeutende Handelsstadt. Es beteiligte sich erheblich am internationalen Handel und entwickelte sich dadurch zu einem wichtigen Handelszentrum der Hanse. Begehrte Waren wie der Stockfisch wurden nach ganz Europa exportiert, was zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führte. 1161 erteilte Heinrich der Löwe ein Handelsprivileg, das die Rechtssicherheit in der Ostsee herstellte. Während der Jahrhunderte andauernden Missionierungen zur Einführung des Christentums in Nord- und Osteuropa, angefangen mit Ansgar, wurde Visby die Mutterstadt der um 1200 gegründeten Stadt Riga in Livland (heute Lettland). Visby wurde zum ersten Hauptort der Hanse in der Ostsee, und die Gotlandfahrer genossen spezielle Privilegien. Lange Zeit waren die Hälfte der Bürger Visbys deutsche Kaufleute. Das 13. und 14. Jahrhundert waren eine wirtschaftliche Blütezeit der Stadt, die den Beinamen „Regina Maris“ (Königin des Meeres) erhielt. 1288/89 eskalierte ein Konflikt mit dem verarmenden Umland zu einem blutigen Bürgerkrieg, den der schwedische König Magnus Ladulås (König 1275–1290) beendete. Gotland hatte bis dahin separate Herrscher.

1361 wurde Visby vom dänischen König Waldemar IV. Atterdag (König 1340–1375) erobert. Von 1394 bis 1398 suchten die Vitalienbrüder Schutz hinter Visbys Stadtmauern. Bis zur Vertreibung durch ein Heer des Deutschen Ordens erlangten die Vitalienbrüder von Visby aus die Seeherrschaft in der Ostsee. Insel und Stadt fielen bereits 1408 wieder an Dänemark. 1411 wurde mit dem Bau der Visborg begonnen.

Visby wurde 1525 von Truppen der Hansestadt Lübeck angegriffen. Es wurden unter anderem alle Kirchen mit Ausnahme der deutschen Kaufmannskirche St. Marien, dem heutigen Dom St. Maria, zerstört.

Durch den 1645 geschlossenen Frieden von Brömsebro wurde Visby mit Gotland ein Teil Schwedens.

Sehenswürdigkeiten

Die „Hansestadt Visby“ wurde bereits 1805 unter Denkmalschutz gestellt, seit 1995 ist sie mit ihren zahlreichen mittelalterlichen Bauten Teil des Weltkulturerbes der UNESCO. Außerdem steht die ganze Innenstadt als Gebiet von „Reichsinteresse“ unter Denkmalschutz.[3] Herausragender Teil ist die fast vollständig erhaltene 3,6 km lange mittelalterliche Stadtmauer mit der Ruine der Visborg. Die Stadt gehört zu den sehenswertesten Städten in Schweden, wozu auch der Dom zu Visby, ursprünglich Sankt-Maria-Kirche aus dem 13. Jahrhundert, sowie einige der zahlreichen Kirchenruinen wie St. Karin und St. Nikolaus beitragen.

Seit 1984 findet jedes Jahr Anfang August – stets in der 32. Kalenderwoche – auf Gotland und vor allem in Visby die Medeltidsveckan (Mittelalterwoche) statt, zu der Living-History-Darsteller aus ganz Europa anreisen. Die Festwoche mit großem historischen Spektakel, Ritterturnieren, Konzerten, mittelalterlichem Markt und anderen Kulturveranstaltungen erinnert an die Eroberung der Stadt und der Insel Gotland durch den dänischen König Waldemar IV. Atterdag im Jahre 1361.

Am ehemaligen Hafen aus dem Mittelalter, der heute verlandet ist, befindet sich die Hochschule auf Gotland.

Etwa fünf Kilometer südwestlich von Visby liegt der Freizeit- und Vergnügungspark Kneippbyn, u. a. mit dem Originalgebäude der Villa Kunterbunt, bekannt aus Astrid Lindgrens Pippi-Langstrumpf-Büchern.

5 km nördlich von Visby erbauten zu Beginn des 20sten Jahrhunderts Johnny Roosval, der erste schwedische Professor für Kunstgeschichte, und seine Frau Ellen das Künstlerhaus Villa Muramaris. Die Villa, in der sich ein Museum befindet und u. a. Konzerte und Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst stattfinden, ist von einem Garten im italienischen Barockstil mit zahlreichen Skulpturen umgeben, der in den Sommermonaten besucht werden kann.[4]

13 km nördlich von Visby liegt am Weg zur Kirche von Lummelunda das Naturschutzgebiet der Grotte von Lummelunda, die vom Fluss Lummelundaån durchflossen wird.

Energieversorgung

In der Nähe von Visby befindet sich seit 1999 die erste Stromrichterstation zur HGÜ-Ankopplung eines Windparks.

Verkehr

In Visby verkehren eine Ost-West- und eine Nord-Süd-Buslinie. Von Montag bis Samstag besteht zur Hauptverkehrszeit ein 15-Minuten-Takt. An Sonn- und Feiertagen ruht der Betrieb.

Mit dem schwedischen Festland ist Visby verbunden durch Fähren nach Oskarshamn in Småland und nach Nynäshamn südlich von Stockholm. Der Flughafen Visby liegt rund fünf Kilometer von der Stadt entfernt.

Städtepartnerschaften

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

  • Robert Bohn: Wisby – Die Keimzelle des hansischen Ostseehandels. In: Jörgen Bracker (Hrsg.): Die Hanse – Lebenswirklichkeit und Mythos, 2 Bde., Hamburg 1989. In: Katalog der Ausstellung des Museums für Hamburgische Geschichte in Hamburg 24. August – 24. November 1989, S. 269–282. Textteil in 4. Auflage, Schmidt-Römhild, Lübeck 2006. ISBN 3-7950-1275-9
  • Marita Jonsson/Sven-Olof Lindquist: Kulturführer Gotland. deutsch Visby 1993, ISBN 91-88036-09-X
  • Ulrich Quack: Gotland: die größte Insel der Ostsee; eine schwedische Provinz von besonderem Reiz; Kultur, Geschichte, Landschaft. DuMont Köln 1991, ISBN 3-7701-2415-4

Literarisches

  • Selma Lagerlöf: Waldemar Atterdag brandschatzt Visby (erzählt wird die Sage von dem jungen Mädchen, das sich in einen der Feinde verliebte und ihnen die Stadtpforte öffnete; sie wurde lebendig eingemauert)

Weblinks

 Commons: Visby – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Wikisource: Visby – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Tätorternas landareal, folkmängd och invånare
  2. Siehe: Wappen mit Agnus Dei
  3. Länsstyrelsen Gotlands län: Riksintressen
  4. Rasso Knoller: Gotland. ISBN 978-3-8317-1822-1, S. 202

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