Vollständige Handlung

Vollständige Handlung

In der Berufspädagogik wird beim Unterweisen beziehungsweise beim Unterrichten der Auszubildenden auf das Modell der vollständigen Handlung verwiesen. Dieses Modell soll einerseits der Praxis im Berufsleben entsprechen, andererseits bietet der Berufsschulunterricht Chancen, die vollständige Handlung gewissenhafter und sorgfältiger umzusetzen, als es im Betrieb aus Kosten- und Zeitgründen oft der Fall sein kann. Die Berufspädagogen gehen davon aus, dass der/die Auszubildende, wenn er/sie nach diesem Modell unterrichtet wird, im späteren Berufsleben selbstständig Arbeitsprozesse mit Hilfe seiner Metakognition durchführen kann. Das Modell besteht aus sieben Stufen.

Es legt großen Wert auf die Reflexion der Prozesse, ist aber produktorientierter als bspw. das Entdeckende Lernen.

Inhaltsverzeichnis

Informieren

Der/die Auszubildende soll eine möglichst komplexe Aufgabe bekommen. Um diese Aufgabe zu lösen, muss er sich zuerst die nötigen Informationen beschaffen. Diese Informationsbeschaffung kann er selbstständig ausführen, er kann aber je nach Wissensstand und Erfahrungshorizont von der Lehrkraft angeleitet werden. Er muss sich z. B. fragen: Was ist das Ziel? Was ist das Problem?

Planen

Beim Planen soll der/die Auszubildende möglichst selbstständig einen Arbeitsablauf erstellen, er/sie kann aber je nach Wissensstand und Erfahrungshorizont von der Lehrkraft angeleitet werden. Er/sie muss sich z. B. fragen: Was brauche ich an Informationen, an Hintergrundwissen oder an Materialien bzw. Werkzeugen?

Entscheiden

Wenn die Planung abgeschlossen ist, führt der/die Auszubildende ein Fachgespräch mit der Lehrkraft bzw. Ausbildern. Hier wird der Arbeitsablauf überprüft und entschieden, wie er letztlich umgesetzt wird. Er/sie muss sich z. B. fragen: Welchen Lösungsweg nehme ich? Dieses Fachgespräch kann die Lehrkraft auch mit der ganzen Klasse oder mit kleineren Lerngruppen führen. Dabei ist entscheidend, ob ein Lösungsweg für alle Auszubildenden maßgeblich ist oder ob individuelle Lösungen akzeptiert werden.

Ausführen

Hier führt der/die Auszubildende selbstständig die erforderlichen Arbeitsschritte, die er in der Arbeitsplanung erarbeitet hat, aus. Dabei ist es sinnvoll, die Auszubildenden zur Teamarbeit zu befähigen. Die Auszubildenden können je nach Wissensstand und Erfahrungshorizont von der Lehrkraft angeleitet werden. Die Unterrichtsplanung liegt nach wie vor bei der Lehrkraft, diese soll den Auszubildenden Freiräume ermöglichen, die diese sinnvoll nutzen können. Dabei ist es immer von Klasse und Thema abhängig (Bedingungsanalyse), wie viel Freiraum notwendig und möglich ist.

Kontrollstufe

Hier findet möglichst selbstständig ein Soll-Ist-Vergleich statt. Diese Kontrolle kann als Selbstbewertung, als Bewertung innerhalb der eigenen Arbeitsgruppe oder auch im Klassenverband stattfinden: Ist der Arbeitsauftrag sachgerecht und fachgerecht ausgeführt? Ist das Ziel erreicht?

Bewertung

Der/die Auszubildende soll das Arbeitsergebnis möglichst selbstständig bewerten. Er/sie soll lernen, seine/ihre eigenen Handlungen zu reflektieren. Er/sie muss sich z. B. fragen: Was kann ich in Zukunft besser machen? Die Bewertung wird auch durch die Lehrkraft erfolgen. Diese müssen aber ihre Kriterien vorher offenlegen und dem Auszubildenden begründen.

Informationen weitergeben

Damit auch andere Auszubildende etwas lernen, ist es wichtig, dass Informationen weitergegeben werden.

Literatur

  • Müller, H.-J.; Stürzl, W.: Handlungs- und erfahrungsorientiertes Lernen - Ein methodisches Konzept zur integrierten Förderung von Fach- und Schlüsselqualifikationen. In: Herzer, H.; Dybowski, G.; Bauer, Hans G. (Hrsg.): Methoden betrieblicher Weiterbildung. Frankfurt am Main 1990, S. 172-198
  • Arnold, R.; Müller, H.-J.: Handlungsorientierung und ganzheitliches Lernen in der Berufsbildung - 10 Annäherungsversuche. In: Erziehungswissenschaft und Beruf, Vierteljahresschrift für Unterrichtspraxis und Lehrerbildung, 41. Jg. 1993, Heft 4, S. 323-333

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