Walcheren


Walcheren
Lage von Walcheren
Insel auf einem Kartenausschnitt von 1696

Walcheren ist eine Halbinsel in der niederländischen Provinz Zeeland.

Bis 1871 war Walcheren eine Insel. Durch den Bau des Sloedamms und Einpolderungen auf beiden Seiten des Dammes ist sie heute eine Halbinsel, die aber ihren Inselcharakter kulturell behalten konnte.

Inhaltsverzeichnis

Name

Die lateinische Namensform Valacria [1] soll schon aus der Römerzeit stammen und ursprünglich für eine Siedlung beim heutigen Domburg gegolten haben, weil dort 1647 eine Stele der Göttin Nehalennia gefunden wurde.

Geografische Lage

Küste bei Zoutelande

Walcheren wird durch die Westerschelde, die Nordsee und das Veersemeer umschlossen. Im Osten grenzt Walcheren an Zuid-Beveland, im Nordosten wurde Walcheren 1961 mit dem Veersegatdamm an Noord-Beveland angebunden.

Landschaftsbild

Im Westen ist die Insel durch eine hohe Dünenkette geschützt, die sich im 13. Jahrhundert gebildet hat und lediglich bei Zoutelande und Westkapelle durch Deiche ersetzt ist. Alte Orte und Wege liegen auf erhöhten "Kreekruggen". Diese entstanden durch die Versandung von Prielen dadurch, dass sich das umgebende Moor absenkte. Somit kehrte sich im Laufe der Zeit das Landschaftsrelief um: Während auf dem Moor Lehm ablagerte, können die Rücken der Kreekruggen sich nicht absenken, denn sie ruhen auf dem in den früheren Prielen abgelagerten Sand.

Politische Gliederung

Politisch ist Walcheren in die drei Gemeinden Middelburg, die Hauptstadt Zeelands, Vlissingen, eine Hafenstadt, sowie Veere eingeteilt. Zu Veere gehören neben dem gleichnamigen Ort das größte Seebad Walcherens, Domburg, und die Fremdenverkehrsorte Westkapelle, Zoutelande und Dishoek.

Geschichte

Antike und Mittelalter

Walcheren war schon in römischer Zeit besiedelt. So wurden der Göttin Nehalennia geweihte Altarsteine gefunden. Diese Phase wurde aber durch Sturmfluten und Wassereinbrüche um 300 bis etwa 700 unterbrochen. Um 1100 war das Land dann durch die Anlage von Poldern gesichert. Fluchthügel und Burganlagen sind Zeugnisse der mittelalterlichen Besiedlung. Der Grundriss von Oost-Souburg ist heute noch durch riesige ringförmige Burganlage aus karolingischer Zeit bestimmt. Daneben existierten große Burganlagen in Middelburg und Domburg. Des Weiteren besaß die Insel etwa 60 Fluchthügel.

Neuzeit

Am 30. Juli 1809 begann eine britische Invasion mit 39.000 Soldaten, die gegen die französische Besatzung Napoleons I. in Vlissingen gerichtet war (Walcheren-Expedition). Viele Soldaten und Seeleute starben in der Folge an Epidemien. Die Expedition scheiterte schließlich und die letzten britischen Einheiten verließen am 9. Dezember die Insel.

Bombardierung von Walcheren

Der Zweite Weltkrieg und die deutsche Besatzung hinterließen deutliche Spuren auf der Insel. Vor allem um Vlissingen herum und im Hinterland der Dünen stehen noch zahlreiche Bunker des Atlantikwalls. Sie dienten vor allem der Sicherung Vlissingens, denn die Scheldemündung war als Zugang zum Hafen von Antwerpen von strategischer Bedeutung. Am 1. November 1944 gelang den alliierten Truppen die Einnahme der Insel. Ziel dieser Schlacht an der Scheldemündung war die Ausschaltung deutscher Geschütze an der Westerschelde. Zur Vorbereitung der Invasion wurden zuvor Deiche in Westkapelle, sowie Vlissingen und Veere bombardiert und große Teile der Insel so überflutet. Durch Angriffe von drei Seiten, nämlich Landungstruppen in Vlissingen und Westkapelle, sowie vom Sloedamm her, wurde innerhalb einer Woche Walcheren von der deutschen Besatzung befreit.

Während der großen Hollandsturmflut vom 1. Februar 1953 in Zeeland blieb die Insel weitgehend vor Überschwemmungen verschont. In den folgenden Jahrzehnten erfolgten aber umfangreiche Küstenschutzmaßnahmen im Rahmen der Deltawerke, wie z. B. der Bau des Veersegatdamms.

Verkehrswege

Bahnstrecke Zeeuwselijn nach Walcheren

Die Schnellstraße A58 und die einzige Eisenbahnlinie Zeelands, die sogenannte Zeeuwse Lijn, verbinden Middelburg und Vlissingen mit Goes auf Zuid-Beveland und Bergen op Zoom auf dem Festland. Ferner geht im Stundentakt ein Intercity nach Amsterdam. Der Kanal durch Walcheren führt von Vlissingen über Middelburg zum Veersemeer.

Literatur

  • K. Bos, I. Böttcher, B. Bouwman: Erleben Sie Walcheren. Wissenswertes über Landschaft, Geschichte und Natur. Sechs Fahrradrouten. Middleburg 1994

Weblinks

Fußnoten

  1. Weitere lateinische Namensformen sind Walacr(i)a, Gualacra, Walachria, Walicrum, Walkaria, Walchra, Walachia (s. ORBIS LATINUS online), wobei die mit W- (und -k-) wohl kaum römerzeitlich sein können und auch Gu- ein germanisches W- voraussetzt.
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