Waldburg-Wolfegg


Waldburg-Wolfegg
Wappen der Waldburg aus dem Scheiblerschen Wappenbuch von 1450 bis 1480
Innenhof von Schloss Wolfegg
Palais Waldburg-Wolfegg in Bregenz

Waldburg-Wolfegg ist der Name eines Zweigs des katholischen Adelsgeschlechts Waldburg, welcher 1595 durch Teilung der Georgischen Linie in die beiden Zweige Waldburg-Wolfegg und Waldburg-Zeil entstand. Hauptwohnsitz der Familie ist Schloss Wolfegg in Oberschwaben.

Inhaltsverzeichnis

Herren der Georgischen Linie des Hauses Waldburg vor der Teilung 1595

Die bei der Teilung des Jahres 1429 entstandene dritte und jüngste Linie des Hauses Waldburg brachte Truchsess Georg III. von Waldburg hervor, der als Heerführer des Schwäbischen Bundes im Bauernkrieg 1525 entscheidenden Anteil an der Niederwerfung der Aufstände hatte. Die Georgische Linie zog aus den Ereignissen des Bauernkriegs einen hohen Gewinn an Gebieten, in denen Bauernaufstände niedergeschlagen worden waren, und kassierte erhebliche Lösegelder. Die Truchsesse der Georgischen Linie bis zur Teilung von 1595 waren:

  • 1423–1467 Georg I., Reichserbtruchseß und Freiherr zu Waldburg, Herr zu Wolfegg, Waldsee etc.
  • 1467–1482 Georg II., der Lange
  • 1482–1511 Johann II.
  • 1511–1531 Georg III.
  • 1531–1570 Heinrich von Zeil und Wolfegg
  • 1531–1569 Georg IV. von Waldsee
  • 1569–1589 Jakob II.

1595 erfolgte die Teilung in die Linien Waldburg-Wolfegg, Waldburg-Waldburg und Waldburg-Zeil.

Linie Waldburg-Waldburg

Truchsess Gebhard residierte 1589 bis 1600 in Waldburg. Sein Erbe wurde 1600 aufgeteilt auf die beiden fortbestehenden Linien Waldburg-Wolfegg und Waldburg-Zeil.

Die beiden ersten Grafen der Linie Waldburg-Wolfegg

Als eigentlicher Stammvater des Hauses Waldburg-Wolfegg gilt der am 28. Februar 1628 in den Reichsgrafenstand erhobene Truchsess Heinrich, dessen Sohn Maximilian Willibald als kaiserlicher Generalfeldmarschall im Dreißigjährigen Krieg mit seinem Heer für die katholisch-kaiserlichen Truppen erfolgreich die Städte Lindau und Konstanz gegen die anrückenden protestantischen Schweden verteidigte. Er begründete auch die bedeutende Wolfegger Kupferstichsammlung.

  • 1589–1637 Heinrich I., Reichsgraf zu Waldburg-Wolfegg 1628
  • 1637–1667 Max Willibald

1667 fand eine Aufteilung des Erbes von Graf Max Willibald unter seine beiden Söhne statt, die die Zweige Waldburg-Wolfegg-Wolfegg und Waldburg-Wolfegg-Waldsee begründeten.

Grafen von Waldburg-Wolfegg-Wolfegg

Die Linie Waldburg-Wolfegg-Wolfegg erhielt die Herrschaften Wolfegg, Waldburg und einen Teil von Schwarzach. Die Grafen von Waldburg-Wolfegg-Wolfegg entfalteten am Ende des 17. Jahrhundert eine rege Bautätigkeit. Nachdem das 1578 errichtete Schloss in Wolfegg am Ende des Dreißigjährigen Kriegs von schwedischen Truppen in Brand gesteckt worden war und dadurch vor allem das zweite Obergeschoss schwere Schäden erlitten hatte, beauftragte Graf Ferdinand Ludwig (* 1678; † 1735) ab 1690 den Wangener Bildhauer Balthasar Krimmer mit der Neuausstattung des Rittersaals. Die Fertigstellung dieses Saales dauerte bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts, in der bereits der Stil des Rokoko zum Zuge kam. Weitere an der Renovierung des Schlosses beteiligte Künstler waren die Stuckatoren Johann Jakob Herkomer und Johannes Schütz sowie die Maler Franz Joseph Spiegler und Johann Georg Hermann. Graf Ferdinand Ludwig hatte durch seine Gemahlin Maria Anna von Schellenberg (* 1681; † 1754) aus Kißlegg eine kunstsinnige Frau zur Seite, die zudem ein reiches finanzielles Erbe mit in die Ehe gebracht hatte. Neben dem Schloss entstand der Neubau der Stiftskirche, welche an die Stelle eines einfach gehaltenen spätmittelalterlichen Gotteshauses trat. Als Baumeister fungierte Johann Georg Fischer. Er war vermutlich in Innsbruck in Kontakt zu Mitgliedern des Hauses Waldburg gekommen, welche in der Tiroler Landesregierung tätig waren. Graf Ferdinand Ludwig ließ auch die 1668 errichtete Loretokapelle in Wolfegg zu ihrem heutigen Erscheinungsbild umgestalten. Auch Spitalstiftungen zur Pflege von Alten und Kranken sowie Leprapatienten entstanden auf Initiative des Grafenpaares in den Herrschaften Wolfegg und Kißlegg. Diesen sozialen Einrichtungen spendete Gräfin Maria Anna und später auch deren Kinder, so etwa der Dompropst Johann Ferdinand zu Konstanz, immer wieder hohe Geldbeträge zur Deckung der laufenden Unterhaltskosten. Dies mag ein Ausdruck der tiefen Frömmigkeit der Grafenfamilie Waldburg-Wolfegg-Wolfegg gewesen sein.

Liste der Grafen von Waldburg-Wolfegg-Wolfegg:

  • 1667–1681 Maximilian Franz Eusebius
  • 1681–1735 Ferdinand Ludwig
  • 1735–1774 Joseph Franz
  • 1774–1779 Ferdinand
  • 1779–1791 Josef Alois
  • 1791–1798 Karl Eberhard Wunibald, Generalleutnant des Schwäbischen Reichskreises

Mit dem Ableben von Graf Karl Eberhard Wunibald fiel das Erbe der Linie Waldburg-Wolfegg-Wolfegg an Graf Joseph Anton von Waldburg-Wolfegg-Waldsee, der 1803 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde.

Grafen von Waldburg-Wolfegg-Waldsee

Diese Linie hatte Bestand bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs im Jahre 1806 und fand ihre Fortsetzung als mediatisiertes fürstliches Haus Waldburg-Wolfegg-Waldsee. An diese Linie fielen bei der Teilung 1667 Waldsee, Eberhardzell, Schweinhausen und der übrige Teil von Schwarzach.

Liste der Grafen von Waldburg-Wolfegg-Waldsee:

Das Fürstentum Waldburg-Wolfegg wurde ebenso wie Waldburg-Zeil und Waldburg-Wurzach 1806 mediatisiert und fiel an Württemberg. Waldburg-Wolfegg gehört zu den standesherrlichen Häusern der zweiten Abteilung des Genealogischen Handbuch des Adels.

1779 Gründung der gräflichen Linie Waldburg-Zeil-Lustenau-Hohenems, diese Regierend bis 1830 mit Lustenau im Österreichischen Vorarlberg

Burgen und Schlösser der Wolfegger Linie

(Auswahl)

Wichtige Vertreter der Dynastie

  • Johann von Waldburg zu Wolfegg, auch Johann Constanz Graf von Waldburg-Wolfegg (1598−1644), von 1628 bis 1644 Fürstbischof von Konstanz
  • Friedrich von Waldburg-Wolfegg-Waldsee (1808–1871), Standesherr im Königreich Württemberg
  • Franz von Waldburg-Wolfegg-Waldsee (1833–1906), Standesherr im Königreich Württemberg
  • Maximilian von Waldburg-Wolfegg-Waldsee (1863–1950), Standesherr im Königreich Württemberg
  • Johannes von Waldburg-Wolfegg-Waldsee (* 1957), Chef des Hauses, verheiratet mit Viviana geb. Condessa Rimbotti aus Florenz

Literatur

  • Joseph Vochezer: Geschichte des fürstlichen Hauses Waldburg in Schwaben. 3 Bände. Kösel, Kempten 1888–1907
  • Max Wilberg: Regenten-Tabellen, Eine Zusammenstellung der Herrscher von Ländern aller Erdteile bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, Frankfurt (Oder) 1906, S. 105 f.
  • Bernd Mayer: Gott zur Ehre und dem Haus Waldburg zum Ruhm. Die Vollendung der idealen oberschwäbischen Adelsresidenz Wolfegg im 18. Jahrhundert. In: Adel im Wandel. Oberschwaben von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart Band 1, Thorbecke, Sigmaringen 2006, ISBN 3-7995-0219-X, S. 255-264
  • Rudolf Beck: Die Mediatisierung des Hauses Waldburg. In: Adel im Wandel. Oberschwaben von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart Band 1, Thorbecke, Sigmaringen 2006, ISBN 3-7995-0219-X, S. 265-286

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Waldburg (Adelsfamilie) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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