Waltenschwil


Waltenschwil
Waltenschwil
Wappen von Waltenschwil
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau
Bezirk: Muriw
Gemeindenummer: 4240i1f3f4
Postleitzahl: 5622
UN/LOCODE: CH WAL
Koordinaten: (665521 / 243167)47.3361068.305554427Koordinaten: 47° 20′ 10″ N, 8° 18′ 20″ O; CH1903: (665521 / 243167)
Höhe: 427 m ü. M.
Fläche: 4.54 km²
Einwohner: 2524 (31. Dezember 2010)[1]
Website: www.waltenschwil.ch
Ansicht von Waltenschwil, im Vordergrund Büelisacher

Ansicht von Waltenschwil, im Vordergrund Büelisacher

Karte
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Über dieses Bild
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Waltenschwil (schweizerdeutsch: ˈvɑl.tɪ.ʃviːl)[2] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Muri im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im mittleren Bünztal.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Dorf Waltenschwil liegt auf der östlichen Seite des Bünztals am Fusse des Buneggli. Dieser Moränenhügel ragt bis zu 25 Meter über der ansonsten völlig flachen Ebene und geht in Richtung Osten in den Wagenrain über, einen Hügelzug, der die natürliche Grenze zum Reusstal bildet. Der Moränenhügel staute nach dem Ende der Würmeiszeit einen flachen See, der im Verlaufe der Jahrtausende zu einem Moor verlandete; das Moor wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts trockengelegt. Die Bünz ist auf ihrer ganzen Längen kanalisiert und fliesst in Richtung Nordwesten. Rund eineinhalb Kilometer westlich von Waltenschwil liegt das bedeutend kleinere Strassendorf Büelisacher. Dort, am westlichen Rand der Ebene, steigt das Gelände steil zu den Ausläufern des Lindenbergs an.[3]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 454 Hektaren, davon sind 95 Hektaren bewaldet und 103 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 554 Metern am Hang bei Büelisacher, der tiefste auf 422 Metern an der Bünz.

Nachbargemeinden sind Wohlen im Norden, Bremgarten im Nordosten, Hermetschwil-Staffeln im Osten, Bünzen im Südosten, Boswil und Kallern im Süden sowie Büttikon im Westen.

Geschichte

Aus vorgeschichtlicher Zeit stammen Siedlungsspuren der Kelten. Von ca. 70 bis 330 n. Chr. befand sich bei Büelisacher ein römischer Gutshof, dessen Badetrakt im Jahr 1862 entdeckt und ausgegraben wurde.[4] Im 7. oder 8. Jahrhundert entstand eine alemannische Siedlung. Die Herren von Waltenschwil, ein Ministerialengeschlecht der Habsburger, errichteten um das Jahr 1000 herum einen Wohnturm am Fusse des Lindenbergs. Sie starben noch vor der Gründung der Alten Eidgenossenschaft aus; vom Turm ist nichts erhalten geblieben.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf Waltiswil im Jahr 1085. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Waltineswilari und bedeutet «Hofsiedlung des Waltin».[2] Nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 lag das Dorf im Amt Hermetschwil in der Gemeinen Herrschaft der Freien Ämter, Büelisacher hingegen lag im Amt Boswil. Der grösste Teil des Grundbesitzes und die damit verbundenen Rechte gelangten 1471 in den Besitz des Klosters Muri. 1601 zerstörte ein Brand über 30 Häuser.

Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz und riefen die Helvetische Republik aus. Waltenschwil und Büelisacher wurden gegen den Willen ihrer Bewohner vereinigt. Die neue Gemeinde lag im Distrikt Sarmenstorf des kurzlebigen Kantons Baden. Zusammen mit Waldhäusern bildete sie eine Agentschaft; seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau. Es dauerte allerdings noch einige Zeit, bis sich die Bewohner beider Dörfer vertrugen. So führte Büelisacher 1825 einen Steuerstreik durch.

Am 1. Juni 1875 erhielt Waltenschwil eine Station an der Südbahn. Diese wurde allerdings Ende Mai 1997 wieder geschlossen, da sie etwas abseits lag und zu geringe Frequenzen aufwies. Die Landwirtschaft büsste schon früh ihre dominierende Stellung ein, da viele Bewohner in der Industrie der Nachbargemeinde Wohlen Arbeit fanden. Bis Mitte der 1960er Jahre stagnierte die Bevölkerungszahl bei knapp 700. Danach folgte ein markantes Wachstum, das nur während der Wirtschaftskrise der 1970er Jahre kurz unterbrochen wurde. Innerhalb von 40 Jahren stieg die Bevölkerungszahl um mehr als das Dreifache.

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche St. Nikolaus
Historischer Ziehbrunnen neben dem Ortsmuseum

Jahrhundertelang gehörte Waltenschwil zur Pfarrei Boswil und wurde erst 1800 zu einer selbständigen Kirchgemeinde erhoben. Zunächst diente die 1516 erbaute und 1788/89 erweiterte Nikolauskapelle als Pfarrkirche. Die Kapelle wurde 1843 in ein Schulhaus umgewandelt. Ab 1837 entstand die neue Pfarrkirche St. Nikolaus. Die Gemeinde hatte einen Barockbau bevorzugt, doch die kantonale Baukommission setzte eine Saalkirche im klassizistischen Stil durch. Architekt war Kantonsbaurat Hans Jacob Schmid aus Zurzach. Die Einweihung erfolgte am 6. Juni 1839. An der Strasse nach Büelisacher befindet sich die Mariahilfkapelle, eine im Jahr 1860 errichtete Kapelle im neugotischen Stil.[5]

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau zunehmender gelber Halbmond, rechts begleitet von einem, links von drei pfahlweise gestellten fünfstrahligen weissen Sternen.» Das Wappen leitet sich von jenem der Herren von Waltenschwil ab, das erstmals 1548 abgebildet wurde; der damalige Chronist hatte jedoch einfach das Wappen von Boswil übernommen. Auf dem Gemeindesiegel von 1811 erhielt der Halbmond ein Gesicht sowie einen Dreiberg und vier Sterne. Weil das Wappen immer noch zu sehr jenem von Boswil glich, wurden 1969 das Gesicht und der Dreiberg weggelassen.[6]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner 586 740 683 677 1107 1163 1693 2029

Am 31. Dezember 2010 lebten 2524 Menschen in Waltenschwil, der Ausländeranteil betrug 10,9 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 62,7 % römisch-katholisch, 23,6 % reformiert, 1,2 % christlich-orthodox und 1,6 % muslimisch; 0,7 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 95,7 % gaben Deutsch als Hauptsprache an, 0,9 % Italienisch, je 0,7 % Albanisch und Englisch.[8]

Politik und Recht

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre, und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Der für 2010 bis 2013 gewählte Gemeinderat setzt sich zusammen aus Josef Füglistaler (Gemeindeammann), Michel Christen (Vizeammann), Doris Koch (Gemeinderätin), Simon Zubler (Gemeinderat) und Domenic Philipp (Gemeinderat).

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Muri zuständig. Waltenschwil gehört zum Friedensrichterkreis Boswil.

Wirtschaft

In Waltenschwil gibt es gemäss Betriebszählung 2005 rund 450 Arbeitsplätze, davon 15 % in der Landwirtschaft, 14 % in der Industrie und 71 % im Dienstleistungssektor.[9] Die Mehrheit der erwerbstätigen Einwohner sind Wegpendler und arbeiten vor allem in Wohlen und Villmergen. Bekannt ist Waltenschwil für seine neben der Eisenbahnlinie gelegene Kartbahn (auch wenn diese nach Wohlen benannt ist) sowie für den Tierpark.

Verkehr

Zwischen Waltenschwil und Büelisacher verläuft die vielbefahrene Hauptstrasse 25 (LenzburgZug). Durch das Dorf verkehrt die Postautolinie WohlenMuri, in Rottenschwil besteht Anschluss nach Zürich-Wiedikon.

Bildung

In Waltenschwil gibt es einen Kindergarten sowie eine Primarschule. Sämtliche Oberstufen der obligatorischen Volksschule (Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule) befinden sich in Wohlen, ebenso die Kantonsschule (Gymnasium).

Weblinks

 Commons: Waltenschwil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsstatistik, 2. Halbjahr 2010, Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 28. März 2011
  2. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 456–457.
  3. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090, Swisstopo
  4. Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 206.
  5. Georg Germann; Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band V: Bezirk Muri, Birkhäuser Verlag, Basel 1967.
  6. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 310.
  7. Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden im Bezirk Muri, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  8. Gemeindeporträt, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  9. Betriebszählung 2005, Statistisches Amt des Kantons Aargau

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