Wartesystem


Wartesystem

Ein Wartesystem (engl.: waiting or queuing system) ist in der Warteschlangentheorie ein abstraktes Modell eines Bedienungssystems, das den verkehrsmäßigen Ablauf innerhalb realer Systeme wie Nachrichtennetzen oder Computernetzwerken beschreibt. Komponenten eines Bedienungssystems sind:

  • Ankunftsprozess der Bedienungs-Anforderungen
  • Bedienungsprozess der Anforderungen
  • Struktur und Betriebsart des Bedienungssystems

Ankunfts- und Bedienprozesse werden im Allgemeinen in der Form von Wahrscheinlichkeitsverteilungen für die zufälligen Ankunftsabstände und Bedienungsdauern vorgegeben. Struktur und Betriebsart eines Bedienungsystems werden durch das Warteschlangenmodell beschrieben, das Anzahl und Anordnung von Bedienungseinheiten und Warteplätzen umfasst, sowie die Art und Weise der Abfertigung ("Bedienungsdisziplin").

Im Wartesystem können Anforderungen, wenn sämtliche Bedienungseinheiten besetzt sind, in einem Warteraum warten. Ist der Warteraum begrenzt, so ist das Wartesystem ein Verlustsystem und weist Neuankünfte ab, wenn der Warteraum voll ist. Warteschlangenmodelle werden durch die Angabe von bis zu sechs Parametern spezifiziert, die üblicherweise in der Kendall-Notation angegeben werden. Ausgehend von dieser einfachen Struktur werden zahlreiche Verallgemeinerungen betrachtet, zum Beispiel vernetzte Wartesysteme oder unzuverlässige Systeme mit zeitweisem Systemausfall.

Simulation allgemeiner Wartesysteme

Üblicherweise werden Wartesysteme über eine Ereignisliste simuliert.

Simulation im Markow-Fall

Bei der Berechnung von Verkehrsmodellen werden oft für Ankunfts- und Bedienungsprozesse Voraussetzungen nach Markow getroffen, da sie das Rechnen vereinfachen und zu praxisnahen Ergebnissen führen. Wartesysteme können unter anderem durch Petri-Netze simuliert werden.

Vernetzte Bedienungssysteme werden häufig als Jackson-Netze angenommen. Diese können als weniger aufwändiger Sonderfall bei der Simulation vernetzter Bedienungssysteme angesehen werden.

Siehe auch

Nichtsequentielle Programmierung, Ereignisorientierte Simulation, Ereignisgesteuertes Modell, Unified Modeling Language, Synchrone Kommunikation, Prozesssynchronisation, Erlang-Verteilung, Kendall-Notation


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Wartesystem — laukiamoji sistema statusas T sritis radioelektronika atitikmenys: angl. waiting system vok. Wartesystem, n rus. система с ожиданием, f pranc. système à délai, m …   Radioelektronikos terminų žodynas

  • Wartesystem — Bediensystem, Servicesystem; Anordnung und Eigenschaften von ⇡ Transaktionen, ⇡ Abfertigungseinheiten und ⇡ Warteschlangen in der Warteschlangentheorie. Hierzu gehören auch die Verhaltensregeln im dynamischen Ablauf (Beachtung von ⇡ Prioritäten) …   Lexikon der Economics

  • Warteschlangenmodell — Ein Wartesystem (engl.: waiting or queuing system) ist in der Warteschlangentheorie ein abstraktes Modell eines Bedienungssystems, das den verkehrsmäßigen Ablauf innerhalb realer Systeme wie Nachrichtennetzen oder Computernetzwerken beschreibt.… …   Deutsch Wikipedia

  • Bediensystem — Verkehrsmodelle werden in der Verkehrstheorie der Nachrichtentechnik definiert. Sie definieren, was geschehen soll, wenn das Angebot zum Zeitpunkt t die Leistung y übersteigt. Die Alternativen sind Verlustsystem und Wartesystem.… …   Deutsch Wikipedia

  • Bedienungssystem — Verkehrsmodelle werden in der Verkehrstheorie der Nachrichtentechnik definiert. Sie definieren, was geschehen soll, wenn das Angebot zum Zeitpunkt t die Leistung y übersteigt. Die Alternativen sind Verlustsystem und Wartesystem.… …   Deutsch Wikipedia

  • Bedienungstheorie — Die Warteschlangentheorie (oder Bedienungstheorie) beschäftigt sich mit der mathematischen Analyse von Systemen, in denen Aufträge von Bedienungsstationen bearbeitet werden. Viele der charakteristischen Größen sind Zufallszahlen. Die… …   Deutsch Wikipedia

  • Warteschlangentheorie — Die Warteschlangentheorie (oder Bedienungstheorie) ist ein Teilgebiet der Wahrscheinlichkeitstheorie bzw. des Operations Research und somit ein Beispiel für angewandte Mathematik. Sie beschäftigt sich mit der mathematischen Analyse von Systemen,… …   Deutsch Wikipedia

  • Agner Krarup Erlang — (* 1. Januar 1878 in Lonborg, Dänemark; † 3. Februar 1929 in Kopenhagen) war ein dänischer Mathematiker und Ingenieur. Er machte sich unter anderem Gedanken über Warteschlangenprobleme in der Telef …   Deutsch Wikipedia

  • Dienstgüte — Quality of Service (QoS) oder Dienstgüte beschreibt die Güte eines Kommunikationsdienstes aus der Sicht der Anwender, das heißt, wie stark die Güte des Dienstes mit deren Anforderungen übereinstimmt. Formal ist QoS eine Menge von… …   Deutsch Wikipedia

  • Gesetz von Little — Littles Gesetz, auch als Littles Theorem, Satz von Little oder Formel von Little bezeichnet, ist eine bedeutende Gesetzmäßigkeit in der Warteschlangentheorie. Es wurde 1961 von John D. C. Little formuliert und bewiesen. Littles Gesetz besagt,… …   Deutsch Wikipedia