Wave-Gotik-Treffen


Wave-Gotik-Treffen
Wave-Gotik-Treffen 2005 (vor der Agra-Halle, auch scherzhaft "die Flaniermeile" genannt)

Das Wave-Gotik-Treffen (Abk.: WGT) ist ein Musik- und Kulturfestival, das seit 1992 jährlich am Pfingstwochenende in Leipzig stattfindet. Mit derzeit etwa 20.500 Besuchern[1] ist es neben dem in Hildesheim stattfindenden M'era Luna eine der größten Veranstaltungen der Alternative- und Schwarzen Szene.

Inhaltsverzeichnis

Name

Bis in die Mitte der 1990er Jahre wurde das „Wave-Gotik-Treffen“ noch „Wave-Gothic-Treffen“ genannt. Der Name leitete sich hierbei von den Bezeichnungen Wave und Gothic ab, da das Treffen eine Veranstaltung der ursprünglichen Wave- und Gothic-Kultur in Deutschland war und sich auf die damit verbundenen Musikrichtungen beschränkte. 1996 – zum fünfjährigen Jubiläum – trat die Veranstaltung erstmals unter dem neuen Namen in Erscheinung.

Hintergrund

In den vier Tagen des Festivals wird dem Besucher – neben mehr als hundert Konzerten – ein vielfältiges kulturelles Rahmenangebot offeriert. Dazu gehören spezielle Filmvorführungen, Club-Partys, Autorenlesungen unheimlicher und romantischer Literatur, Ausstellungen in Museen und Galerien, Live-Rollenspiel, Kirchenkonzerte, Mittelaltermärkte und Workshops zu verschiedenen Themen. Die Besucher übernachten in verschiedenen Hotels, Pensionen oder nutzen die Campingmöglichkeiten des AGRA-Zeltplatzes.

Neben der reinen Eintrittskarte werden für das Wave-Gotik-Treffen auch so genannte Obsorgekarten verkauft. Die reine Eintrittskarte ermöglicht den Zutritt zu den Veranstaltungen und Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln der LVB während des Treffens. Besitzer einer Obsorgekarte können zusätzlich die Zeltplätze nutzen und erhalten das Programmbuch „Pfingstbote“. Bis 2007 war diesem ein Sampler „Silberling - Künstler zum XX. Wave-Gotik-Treffen“ beigelegt. Auf der CD fanden sich ausgewählte Lieder von Bands, die auf dem Festival auftraten.

Veranstaltungsorte

Im Gegensatz zu anderen Festivals verteilen sich die Veranstaltungsorte des Wave-Gotik-Treffens über die ganze Stadt. Als Einlassberechtigung dient ein festivaltypisches Armband, das man beim Entwerten der Eintrittskarte erhält. Von diesem Armband gibt es zwei Versionen: eines mit und eines ohne Zeltplatzberechtigung. Ersteres ist nur auf dem Agra-Messegelände erhältlich, während das zweitgenannte an mehreren Stellen in der Stadt ausgegeben wird.

Agra-Messegelände
Auf dem Agra-Messegelände, einem alten Messepark, befinden sich die Zeltplätze und die Agra-Hallen. Eine der großen Hallen wird für Konzerte genutzt. Dort finden auf Grund der Kapazität die Konzerte mit den höchsten Publikumszahlen statt. Die andere große Halle wird für die „Szenemesse“ (eine Verkaufsmesse) genutzt. In den weiteren Hallen (hinter dem Bistro-Bereich) findet jeden Abend eine Discoveranstaltung mit vielen bekannten DJs statt.
Cine Star
Ein Kino im Petersbogen in der Innenstadt. Hier finden Lesungen und die offiziellen Autogrammstunden statt. Des Weiteren werden DVDs von Szene-Bands und düstere Kinofilme gezeigt.
Parkbühne
Die im Clara-Zetkin-Park gelegene Parkbühne ist einer der Open-Air-Veranstaltungsorte.
Moritzbastei
Eine alte Befestigungsanlage, oberirdisch findet der Mittelaltermarkt „Wonnemond“ statt, unterirdisch in „Tonnengewölben“ der zweite Teil des Mittelaltermarktes und weitere „Tonnen“ als Ort für kleinere Konzerte und Platz zum Tanzen.
Torhaus Dölitz
Am Ende des AGRA-Zeltplatzes gelegen; hier hat das „heidnische Dorf“ seine Zelte aufgeschlagen, welches gegen Eintritt auch Nicht-Festivalbesuchern zugänglich ist.

Weitere Veranstaltungsorte:

Geschichte

Als Vorgänger des Wave-Gotik-Treffens gilt eine Feier am Belvedere in Potsdam, zu der sich 1988 anlässlich der Walpurgisnacht um die 20 Leute trafen. Letztendlich stießen noch mehrere Anhänger der Schwarzen Szene hinzu, so dass ca. 150 Personen zugegen waren. Der ungestörte Ablauf der Zusammenkunft von Szeneangehörigen und mit der Szene sympathisierenden Menschen wurde jedoch von den Ordnungskräften des damaligen DDR-Regimes unterbunden, denen die Entstehung einer kritischen und schwer kontrollierbaren Subkultur ein Dorn im Auge war. Was noch zu DDR-Zeiten verboten war und bestraft wurde, konnte erst nach der Wende offiziell betrieben werden. Das erste Wave-Gotik-Treffen fand im Jahre 1992 im Eiskeller (heute "Conne Island") in Leipzig statt. Zu diesem Anlass versammelten sich etwa 1.500 Gleichgesinnte.[2] Das zweite WGT 1993 wurde schon von mehr als 2.000 Leuten besucht.

In den Folgejahren wuchs das WGT immer weiter, sowohl die Besucherzahl als auch die Anzahl auftretender Bands. Dies zog einen Bedarf an zusätzlichen Spielorten, Übernachtungsmöglichkeiten und Discoveranstaltungen nach sich. Zudem wurde das Festival um weitere Attraktionen wie Lesungen und Filmvorführungen ergänzt. Bildete die Bandauswahl der frühen WGTs noch ein kleines typisches Spektrum der sich zur schwarzen Szene in Deutschland zählenden Bands ab, so wurde die Bandauswahl vor allem ab Mitte der 1990er Jahre immer breiter gefächert. Ursache dafür war auch der Einfluss anderer Musikrichtungen auf die Schwarze Szene. Die Auftritte von immer mehr Metal-lastigen Bands wurden von einigen Besuchern als Beginn des Endes des „echten“ Wave-Gotik-Treffens gesehen, da neben den traditionellen Zielgruppen auch viele Metaller angereist waren. Bei der Bewertung der Güte des Festivals unterschieden sich die Besucher nach den eher traditionell geprägten Szenepersonen, die das Eindringen neuer Musikstile auf dem WGT als eine Verwässerung des WGTs ansahen, während die Anhänger dieser neuen Spielarten und offenere Geister die Neuerungen positiv betrachteten und als Beleg dafür ansahen, dass die Schwarze Szene auch musikalisch immer noch lebte und sich weiterentwickelte.

Im Jahr 2000 endete das sich stetig vergrößernde, aufwändig gestaltete Festival vorzeitig mit dem Bankrott des Veranstalters. Die genauen Ursachen sind unbekannt, von Missmanagement, massenhafter Kartenfälschung und brancheninternen Intrigen ist die Rede.[3] Während des Festivals kam am Samstagabend das Gerücht auf, dass die Bezahlung der Bands und verpflichteter Organisationen (z. B. Security) nicht mehr gesichert sei. Die Veranstalter tauchten unter, die Security verließ den Posten, der Auftritt von Gruppen wie Phillip Boa and the Voodoo Club und And One wurden abgesagt. Securityaufgaben wurden kurzerhand von Besuchern selber organisiert und so konnten einige Bands noch in der Moritzbastei auftreten. Es gab keine Unruhen oder Ausschreitungen, sondern das Festival wurde trotzdem für die Beteiligten ein Ereignis der besonderen Art, glaubten doch die meisten, dass dieses das letzte WGT in Leipzig sein würde.

Seit 2001 findet das Wave-Gotik-Treffen unter neuer Federführung und mit Unterstützung der Stadt Leipzig statt. Seitdem gehört es auch offiziell zum Kulturprogramm der Stadt, wodurch es unter anderem in Touristenführern Erwähnung findet.

Seit Jahren bezeichnen Antifa-Gruppen das Wave-Gotik-Treffen als "Nazi-Treffen", 2007 kam es bereits zu Ausschreitungen.[4] Antifa-Gruppen kritisieren, Besucher mit Uniformen, die den Uniformen der Schutzstaffel oder der Wehrmacht zum Verwechseln ähnlich seien, würden toleriert. Ein weiterer Kritikpunkt ist der alljährliche Marktstand des rechtsextremen Verlages VAWS. Die Veranstalter betonen, ein unpolitisches Festival auszurichten, distanzieren sich jedoch nicht von rechts. 2009 zierte ein Symbol, das unter anderem[5] der von Heinrich Himmler auf der Wewelsburg verwendete Schwarze Sonne ähnlich sieht, die beispielsweise für den Zeltplatz benötigten "Obsorgekarten".[6] Dies wurde unter anderem in einem offenen Brief der Band ASP kritisiert.[7]

Line-Up

Die beim Wave-Gotik-Treffen auftretenden Künstler umfassen das gesamte musikalische Spektrum der Schwarzen Szene. Ihre Zahl stieg vom Beginn im Jahr 1992 acht, auf fast 350 im Jahr 2000. Heute sind es rund 200, die sich an fünf Tagen auf den parallelen Bühnen über das ganze Stadtgebiet verteilen.

Historisches Line-Up des ersten Wave-Gotik-Treffens 1992:
Age of HeavenDas IchGhostingGoethes ErbenLove like BloodSweet William — Templar — The Eternal Afflict.[8]

Publikum

Das Publikum des Wave-Gotik-Treffens ist buntgemischt und umfasst üblicherweise das komplette Spektrum der Schwarzen Szene von Goths über Elektro- und Neofolk-Anhänger bis hin zu BDSM- und Fetisch-Anhängern. Des Weiteren finden sich auch Punks, Metaller und Angehörige der Cyberkultur, der Mittelalterszene oder der Steampunk- und Visual-Kei-Szene.

Diese Vielfalt wird von manchen Besuchern kritisiert und als aufdringlich empfunden. Einige empfinden das Wave-Gotik-Treffen seit spätestens Mitte der 1990er als zu groß, unpersönlich und kommerzialisiert und wünschen sich wieder ein Festival im ursprünglichen kleinen Rahmen zurück. Andere wiederum erhoffen sich ein stetiges Wachstum, was die Besucherzahlen und die dargestellten Musikstile angeht.

Literatur

Weblinks

 Commons: Wave-Gotik-Treffen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Leipzig in schwarz getaucht: 20.500 Besucher beim Wave-Gotik-Treffen - Wave Gotik Treffen - Kultur - LVZ-Online. Nachrichten.lvz-online.de (20. Mai 2010). Abgerufen am 24. Mai 2010.
  2. Bericht über das 1. WGT 1992
  3. 9. Wave-Gotik-Treffen Pfingsten 2000 in Leipzig (15. Juni 2010). Abgerufen am 15. Juni 2010.
  4. Nachbericht zum WGT – Leipzig / Presse Echo. de.indymedia.org. Abgerufen am 24. Mai 2010.
  5. Erstes Geschoss. Museum-haag.de. Abgerufen am 24. Mai 2010.
  6. Wave Gotik Treffen 2003 - 2009
  7. Bitterer Nachhall zum WGT 2009 | Schwarze-News | Gothic News | Metal News | Schwarze Szene News. Schwarze-news.de (15. Mai 2010). Abgerufen am 24. Mai 2010.
  8. Künstler des WGT 1992. wave-gotik-treffen.de. Abgerufen am 21. Mai 2011.

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