Weltweite Nahrungsmittelpreiskrise 2007-2008


Weltweite Nahrungsmittelpreiskrise 2007-2008
In 37 Ländern gab es 2008 nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) nicht genügend Nahrung.

Weltweit haben sich 2007 und 2008 wichtige Grundnahrungsmittel, insbesondere Reis, Mais und Weizen drastisch verteuert. Ihre Auslöser bestehen in einer Bündelung von mehreren Faktoren. Die tieferliegenden Ursachen für diese weltweite Verteuerung werden nach wie vor debattiert.

Auslöser der ersten Verteuerungen seit Ende 2006 waren ungewöhnliche Trockenheit in Getreide produzierenden Ländern und ein starker Anstieg des Ölpreises seit 2003. Der hohe Ölpreis trägt zur Verteuerung von Kunstdünger, Transport und industrieller Landwirtschaft bei. Weitere mögliche, teilweise kontrovers diskutierte Ursachen umfassen die zunehmende Verwendung von Biokraftstoffen[1][2] [3][4], Spekulation und Warentermingeschäfte und mögliche Klimaveränderungen, Exportverbote, wie sie z. B. für Reis in Japan gelten, und eine zunehmende Nachfrage nach einer abwechslungsreicheren Ernährung (besonders Fleisch) in der wachsenden Mittelklasse Asiens[5][6]. Zusätzliche Faktoren und Folgeeffekte unzureichender Produktion, wie weltweit sinkende Vorräte an gelagerten Lebensmitteln[7] haben wahrscheinlich zur Preiserhöhung beigetragen.

Diskutierte langfristige, strukturelle Gründe sind Handel und Landwirtschaft, landwirtschaftliche Subventionen in Industriestaaten, die zusammen mit dem Abbau von Handelsschranken in Entwicklungsländern eine Konkurrenz zwischen lokalen, kleinbäuerlichen Produzenten und der industriellen Produktion von Industriestaaten verursachten und die Umwidmung von Grundnahrungsmitteln zu Fleisch und stärker verarbeiteten Nahrungsmitteln ein. Ein weiterer Anstieg des Ölpreises, mit der voraussichtlichen Folge eines weiteren Preisanstiegs bei Nahrungsmitteln, wird von einer Minderheit von Experten befürchtet[8][9][10].

Seit Anfang 2006 bis Juni 2008 stieg der mittlere Welthandelspreis für Reis um 217 Prozent, Weizen um 136 Prozen und Sojabohnen um 107 Prozent. Ende April 2008 betrug der Preis für Reis doppelt so viel wie sieben Monate zuvor[11]. Der Preis für Mais stieg von August 2006 bis Juli 2008 um 241 Prozent[12]. Für Familien mit geringem Einkommen in Entwicklungsländern tragen die hohen Preise oft direkt zu einer Zunahme von Unterernährung und Armut bei.

Nach Schätzungen der FAO hungerten infolge der gestiegenen Preise 2007 mindestens 75 Millionen Menschen mehr auf der Welt, verglichen mit dem Zeitraum 2003–2005, darunter 41 Millionen in Asien und im pazifischen Raum und 24 Millionen im subsaharischen Afrika. Es handelt sich dabei laut FAO um eine konservative Schätzung; das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium ging von insgesamt 133 Millionen in 70 analysierten Ländern aus.[13].

Da der Weltmarkt für Lebensmittel inzwischen ähnlich große Ausschläge bei der Preisbildung zeigt, wie sie von Aktien bekannt sind, sind Aussagen zu den Preissteigerungen immer sehr mit Vorsicht zu genießen. Der Preis für Weizen ist von März bis Juli 2008 schon wieder um 40 % gefallen[14].

Literatur

Einzelnachweise

  1. „Biofuels major cause of global food riots“, Kazinform (Kazakhstan National Information Agency), April 11, 2008
  2. „Biosprit-Boom treibt Tortilla-Preise in Rekordhöhen“ Spiegel online, 1. Februar 2007
  3. „High food prices contributes to increasing gas costs, not corn demand“ [1]
  4. Einer der Weltbank vorgestellten Studie zufolge soll die Produktion von Biotreibstoffen bis zu 75 % des Preisanstiegs zwischen 2005 und 2008 ausgemacht haben: „Weltbank: Teure Lebensmittel durch Biotreibstoff. Anteil an Preissteigerung höher als gedacht.“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Juli 2008, Seite 11
  5. The cost of food: facts and figures
  6. Fear of rice riots as surge in demand hits nations across the Far East
  7. So ist der Bestand der Maisvorratslager der Welt auf eine Menge gesunken, die nur noch 47 Tagen des Weltkonsums entspricht. „Weltbank: Teure Lebensmittel durch Biotreibstoff. Anteil an Preissteigerung höher als gedacht.“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Juli 2008, Seite 11
  8. ASPO (2007) Newsletter No. 76, April 2007
  9. Energy Watch Group (2007): Crude Oil – The supply outlook online (PDF)
  10. Anselm Waldermann, Experten warnen vor dramatischem Öl-Engpass, in Der Spiegel, online 21. Mai 2008
  11. Financial speculators reap profits from global hunger
  12. „Weltbank: Teure Lebensmittel durch Biotreibstoff. Anteil an Preissteigerung höher als gedacht.“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Juli 2008, Seite 11
  13. The State of Food Insecurity in the World 2008
  14. Chart Weizen

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