Wiederbringung aller


Wiederbringung aller

Apokatastasis (griech., dt. übersetzbar mit „Wiederherstellung“[1], „Wiederbringung“, aber auch „Neuordnung“[2] oder „Herstellung“ bzw. „Verwirklichung“[3]) ist eine theologische Lehre. Ihr Inhalt ist, dass die Menschheit und sonstigen geschaffenen Wesen ursprünglich mit Gott versöhnt waren, Teile davon aber angefallen sind („Apostasis“) und dieser versöhnte Zustand wieder (durch äonenwährende Ketten von Wiedergeburten (Reinkarnatioen) durch Wiederhöherentwicklung) hergestellt werden wird. Sofern dies für alle Menschen und geschaffenen, abgefallenen Wesen gilt, wird auch von "apokatastasis panton", "restitutio universalis", "Allversöhnung" und dergleichen gesprochen; siehe aber die nachfolgende Abgrenzung der ursprünglichen Apokatastasis-Doktrin zu späteren Lehren einer "Allaussöhnung".

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen in der Bibel

Der Ausdruck wird vor seiner christlichen Verwendung auch in der antiken Philosophie verwendet.[4] Christliche Theologen greifen später zurück auf Apostelgeschichte 3, 21 „Ihn (Jesus) muss der Himmel aufnehmen bis auf die Zeit, da alles wiedergebracht (gr.: „apokatastaseos panton“[5]: Wiederbringung Aller) wird, wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn.

Damit ist im engeren Sinn die Wiederherstellung der Theokratie im Millennium, die offene Herrschaft Gottes ohne irdische Regierung, gemeint.[6] Im weiteren Sinn wird es jedoch auch als Wiederherstellung des Zustands vor dem Sündenfall ausgelegt. [7]

Geschichte der christlichen Apokatastasislehre

Apokatastasis (pantôn ontôn) im weiteren Sinn wurde zuerst ausdrücklich in Alexandria von Clemens von Alexandria und Origenes (185-254 n. Chr.) gelehrt. Clemens von Alexandrien betrachtete Rache als etwas, was nicht zu Gottes Wesen passe. Rache ausüben wäre nichts anderes als „Böses mit Bösem zu vergelten, wohingegen Gott den Gezüchtigten um seines eigenes Wohles willen züchtigt“. Origenes meinte: „Und ich bin der Überzeugung, dass er (Gott) die Lasterhaftigkeit auch in geordneter Weise (einmal) ganz und gar vertilgt, zum Heile des Ganzen.“ und „Wie es bei den körperlichen Krankheiten und Wunden einige gibt, die durch keine ärztliche Kunst geheilt werden können, so ist es andererseits, wie wir behaupten, unwahrscheinlich, dass bei den Seelen ein von der Sünde herstammendes Gebrechen vorhanden sei, das unmöglich von der über allen waltenden Vernunft und von Gott geheilt werden könnte.

Unterschied zur Allaussöhnung

Gewisse Richtungen sprechen bei der Allaussöhnung nicht von der Wiederherstellung eines alten Zustands, sondern von einem neuen Zustand der Harmonie zwischen Gott und allen abgefallenen Menschen und Wesen am Ende der Zeiten, der vorher noch nicht existierte. Aber von den antiken Theologieschulen des Origines, anderen Nebenströmungen des Christentums und in der Neuzeit etwa des schwäbischen Pietismus (Oetinger, Bengel u.a.) wird eine solche. möglicherweise Verwirrung stiftende Bestimmung nicht unterstützt. {Verschiedene Schriften von Ernst Benz geben aufschlußreiche Informationen hierzu.} Die Verkündung der Allaussöhnung wird zudem beim Apostel Paulus gesehen und nicht bei Lukas, der die Apostelgeschichte geschrieben hat. Paulus spricht daher auch von der Enthüllung eines Geheimnisses, das vorher noch unbekannt war (z. B. Römer 16, 25f).

Die Apokatastasis gilt jedoch in der Verneinung der Höllenlehre als Wegbereiter der theologisch differenzierteren Sicht der Allaussöhnung.

Manchmal wird auch der Begriff Universalismus für Apokatastasis verwendet.

Literatur

  • Michael Schneider: Apokatastasis. Zur neueren dogmatischen Diskussion um die Lehre von der Allversöhnung, 2003, ISBN 3933001994
  • Hans Urs von Balthasar: Apokatastasis. Johannes Verlag, Einsiedeln 1999, ISBN 3894113545
  • Werner von Laak: Allversöhnung. Die Lehre von der Apokatastasis. Ihre Grundlegung durch Origenes und ihre Bewertung in der gegenwärtigen Theologie bei Karl Barth und Hans Urs von Balthasar. Sinzig 1990, ISBN 3927593095
  • Walter Benjamin: Gesammelte Schriften, 1991, Bd.e I/2; II/2; V
  • Christine Janowski: Allerlösung – Annäherungen an eine entdualisierte Eschatologie. Neukirchen-Vluyn 2000, ISBN 3788717289

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Erwin Preuschen: Griechisch-deutsches Taschenwörterbuch zum Neuen Testament. 7. Auflage. de Gruyter, Berlin 1996, ISBN 3-11-015260-6
  2. „Wiederherstellung“, „Neuordnung“: Langenscheidts Taschenwörterbuch Altgriechisch-Deutsch. 2. Auflage. Berlin und München 1988, ISBN 3-468-10031-0
  3. „Herstellung“, „Verwirklichung“: Jürgen Roloff: Die Apostelgeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1981, ISBN 3-525-51361-5, S. 77
  4. Rudolf Eisler: Art. Apokatastasis, in: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, 1904
  5. Nestle-Aland: Novum Testamentum Graece. 27. Auflage. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2001, ISBN 3-438-05100-1
  6. Adolf Schlatter: Die Apostelgeschichte, Berlin 1961 (Auslegung zu Apg. 3, 21)
  7. Blue Letter Bible: "Dictionary and Word Search for apokatastasis (Strong's 605)"

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