Wieland der Schmied


Wieland der Schmied
Darstellung von Wieland dem Schmied auf der Vorderseite des Runenkästchens von Auzon (7. Jahrhundert)

Wieland der Schmied ist eine Gestalt der germanischen Heldensage. Wieland (althochdeutsch: Wiolant, angelsächsisch: Veland, altnordisch: Völundr, Welent vergleiche aber die Angaben unter Wieland) ist der Name eines kunstreichen Schmiedes, der ursprünglich in der germanischen Mythologie als halbgöttliches Wesen erscheint. Er kann mit Hephaistos (Vulcanus - Motiv des „lahmen Schmiedes“) und Daidalos (Motiv der Flugmaschine) verglichen werden. Der Sage nach stammt Wieland aus Gossensaß (Gotensitz) im heutigen Südtirol. 1835 verfasste der Dichter Karl Simrock ein Versepos mit dem Titel Wieland der Schmied. Auch Richard Wagner setzte sich mit dem Stoff auseinander.

Inhaltsverzeichnis

Sagenüberlieferung

Die Wielandsage wird unterschiedlich dargestellt, wobei der Kern der Handlung jedoch weitgehend übereinstimmt. Hauptquellen für die beiden unterschiedlichen Sagenversionen sind zum einen die Thidrekssaga, zum anderen die Völundarkviða (das Völundlied) der Liederedda. In beiden Versionen der Sage wird Wieland durch König Nidung (in der Edda Nidud genannt) gelähmt, indem er seine Fuß- bzw. Knie-Sehnen durchtrennen lässt. Wieland rächt sich, indem er Niduds Söhne tötet, ihre Hirnschalen zu vergoldeten Trinkschalen verarbeitet und mit Niduds Tochter ein Kind zeugt. Schließlich fliegt Wieland davon.

Das Schwert Mimung, das Wieland nach der Thidrekssaga schmiedete und das hier eine so wesentliche Rolle einnimmt, kommt im Völundlied der Edda nicht unter diesem Namen vor. Auch wird im Völundlied nicht erwähnt, dass das Kind aus der Verbindung mit der Königstochter Wittich (nordisch Widga) ist. Daneben kommt Wieland auch in dem aus England stammenden Handschrift-Fragment ‚Waldere‘ (aus der Zeit um 1000), einer altenglischen Fassung der Sage von Walther und Hildegund vor. Hier wird erzählt, dass Theodric Widia (Wittich) ein Schwert übergeben wollte, weil Widia, Sohn Wielands, ihn aus der Gewalt von Riesen befreit hatte.

Wieland (Velent) in der Thidrekssaga

Velent (so wird Wieland er in der Thidrekssaga geschrieben) war der Sohn des Meerriesen Vadi (in deutschen Übersetzungen 'Wate') und wurde von diesem erst bei dem berühmten Schmied Mime in die Lehre gegeben. Nach einiger Zeit kam dann auch Siegfried-Sigurd zu Mime in die Lehre. Dieser war ein wilder Bursche, und es gab oft Streit unter den Lehrlingen, wobei Siegfried als der Stärkere immer die Oberhand behielt und die anderen kräftig durchprügelte. Wieland hielt es nicht mehr aus und suchte sich eine andere Lehrstelle bei Zwergen, die ihn zum kunstreichsten aller Schmiede machten. (Diese Zwerge lebten in einem Felsen, der Ballova hieß. Diese Bezeichnung des Felsens deckt sich etymologisch mit dem heutigen Namen der Stadt Balve, einer Kleinstadt im Sauerland).

Velent (Wieland) gelang es, den Zwergen zu entkommen, die ihn bei sich behalten wollten, und in einem Einbaum die Weser hinunter zu treiben. So landete er in Jütland, im Reich von König Nidung. Bei diesem verdingte er sich zuerst als Mundschenk. Dabei spülte er einmal drei Messer am Meer und verlor dabei eins. Als guter Schmied war es für ihn ein leichtes, ein neues Messer herzustellen. Als der König dieses Messer beim Essen benutzte, schnitt es nicht nur durch die Speise, sondern auch durch den Teller und tief in den Tisch hinein. Nidung wollte wissen, wer so einen guten Stahl geschmiedet habe, und fand heraus, dass es Velent (Wieland) war. Der Schmied des Königs, Ämilias, wurde neidisch auf Velent und bot ihm einen Wettkampf an. Ämilias sollte eine Rüstung schmieden und Velent ein Schwert, und wessen Kunst sich als schwächer herausstellen sollte, der müsse sterben. Velent (Wieland) schmiedete daraufhin das Schwert Mimung, Ämilias schmiedete einen Helm. Im Kampf tötete Velent Ämilias, durch dessen Helm das Schwert Mimung „wie durch Butter“ ging. Nach einem Zerwürfnis ließ Nidung Velent (Wieland) lähmen, weil er nicht wollte, dass so ein guter Schmied ihm abhanden komme. Velent rächte sich, indem er des Königs beide Söhne tötete und deren Schädel in goldene Pokale für des Königs Tafel einarbeitete. Außerdem vergewaltigte er des Königs Tochter Badhilde, die hierauf den Wittich gebar, der dann selbst in der deutschen Heldensage (u.a. als Gefolgsmann von Dietrich von Bern) in Erscheinung tritt. Der lahme Velent befreite sich dadurch, dass er sich ein Federkleid schmiedete und damit entfloh.

Wieland im Völundlied (Völundarkviða) der Liederedda

Im Völundlied wird das Schicksal Wielands, der hier Völund genannt wird, insgesamt ähnlich, aber in Einzelheiten mit deutlichen Abweichungen behandelt. Anfangs wohnte er mit seinen beiden Brüdern Eigil und Schlagfidr eine Zeitlang in Ulfdalir, wo sie drei Schwanenjungfrauen fanden. Mit diesen lebten sie zusammen, bis dieselben nach sieben Jahren davonflogen, um als Walküren den Schlachten nachzuziehen. Wieland wird danach von den Kriegern Niduds, der als Herrscher der Njaren bezeichnet wird, entführt und, nachdem ihm auf Rat der Frau des Königs Niduds die Sehnen der Kniekehlen durchtrennt wurden, auf Säwarstad festgehalten um zu schmieden. Nidud nahm auch das Schwert an sich, das Wieland vorher geschmiedet hatte. Ähnlich wie in der Thidrekssaga tötet Wieland aus Rache die beiden kleinen Söhne Niduds und macht vergoldete Trinkschalen aus ihren Hirnschalen, die er Nidud gab. Auch hier entflieht Wöland durch die Luft und ruft Nidud dabei zu, dass er dessen Söhne getötet und seine Tochter Bödwild geschwängert hat. In einigen Versionen der Sage wird Wieland von seinem Bruder Egil unterstützt. Dieser ist ein berühmter Bogenschütze und Jäger. Um ihn zu testen, lässt ihn Nidung einen Apfel vom Kopf seines Sohnes schießen - dieser Teil der Sage zeigt deutliche Motivparallelen zur Sage von Daedalos und vom Meisterschützen Toko bei Saxo Grammaticus, die als Vorbild für die Entstehung der Legende des Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell im 15. Jh diente.

Das Schwert Mimung

Das Schwert, das Wieland in der Thidrekssaga herstellte, benannte er nach seinem Lehrer Mimir. Die Klinge schmiedete er dreimal neu, nach jeder Fertigstellung tauchte er sie in das Wasser eines Baches und ließ von der Strömung ein immer größeres Büschel Wollfasern dagegen treiben, um dem König dessen Schärfe zu zeigen. Nach der ersten und zweiten Neufertigung zerfeilte er das Schwert, vermischte die Späne mit Weizenmehl und gab das Ganze Gänsen zu fressen, die drei Tage gehungert hatten. Anschließend erschmolz er aus dem Gänsekot das Eisen und schmiedete daraus ein kleineres, aber schärferes Schwert. Das Eisen hatte den im Gänsekot enthaltenen Stickstoff aufgenommen und war so härter geworden. Diesen Vorgang nennt man Nitrieren. Nach der dritten Neufertigung war das Schwert so scharf, dass es ein drei Fuß dickes Wollbüschel zerschnitt, das im Bach gegen das Schwert trieb. König Nidung wollte das Schwert natürlich besitzen, aber Wieland nahm es unter dem Vorwand, er wolle noch eine kostbarere Scheide fertigen, in seine Schmiede und verbarg es unter der Esse. Für den König schmiedete er ein anderes Schwert, das genauso aussah, aber weniger scharf war. Mimung gab er dann später seinem Sohn Wittich, als dieser zum Hofe von König Dietrich von Bern ziehen wollte.

Bearbeitung der Sage

Die Sage von Wieland ist von Karl Simrock im Amelungenlied als Gedicht „Wieland der Schmied“ und im 4. Teil des „Heldenbuchs“ dargestellt. Im Amelungenlied findet die Sage von Wieland eine Fortsetzung in der Person Wittichs, seinem und Bathildes Sohn, und hat dann viele Parallelen mit der Siegfriedsage des Nibelungenliedes und mit zahlreichen Anspielungen auf nordische, angelsächsische, englische und deutsche Überlieferungen, aber auch auf altfranzösische, wo Wieland Gallant heißt. Mit der Sage beschäftigte sich 1849/50 auch Richard Wagner im Vorfeld seiner Dichtung für sein Musikdrama Der Ring des Nibelungen. Wagner fasste die Sage in seinem Aufsatz Das Kunstwerk der Zukunft als Entwurf zu einem Künstlerdrama zusammen, das er für die Pariser Oper konzipierte hatte. Im Entwurf ist zu lesen:

Wieland der Schmied schuf aus Luft und Freude an seinem Tun die kunstreichsten Geschmeide, herrliche Waffen scharf und schön. Als er am Meeresstrande badete, gewahrte er eine Schwanenjungfrau, die mit ihren Schwestern durch die Lüfte geflogen kam, ihr Schwanengewand ablegte, und ebenfalls in die Wellen des Meeres sich tauchte. Von heißer Liebe entbrannte Wieland. Er stürzte sich in die Flut, bekämpfte und gewann das wundervolle Weib. Liebe brach auch ihren Stolz und so lebten sie in seliger Sorge für einander wonnig vereint. Einen Ring gab sie ihm: den möge er sie nie wiedergewinnen lassen, denn wie sie ihn liebe, sehne sie sich doch auch nach der alten Freiheit, nach dem Fluge durch die Lüfte zu dem glücklichen Eilande ihrer Heimat, und zu diesem Fluge gäbe der Ring ihr die Macht. Wieland schmiedete eine große Zahl von Ringen, dem des Schwanenweibes gleich, und hing sie an einem Baste in seinem Hause auf, denn unter ihnen sollte sie den ihrigen nicht erkennen. Von einer Fahrt kam er einst heim. Weh! Da war sein Haus zertrümmert, sein Weib aus ihm in weite Ferne entflogen!

Wagner kombinierte die Wielandsage hier mit der Siegfriedsage. In seiner Version nimmt der König (hier Neiding genannt) Wieland gefangen und verfährt mit ihm, wie in dem Heldenepos von Simrock beschrieben. Am Ende verbindet Wagner die Kunstfertigkeit des Schmiedes mit der "freien Kunst" und mit dem Freiheitsbestreben des Volkes und lässt Wieland entfliehen:

Aus Not, aus furchtbar allgewaltiger Not, lernte der geknechtete Künstler erfinden, was noch keines Menschen Geist begriffen hat. Wieland fand es, wie er sich Flügel schmiedete! Flügel, um kühn sich zu erheben zur Rache an seinem Peiniger. Flügel, um weit hin sich zu schwingen zu dem seligen Eilande seines Weibes! Er tat es, er vollbrachte es, was die höchste Not ihm eingegeben. Getragen von dem Werke seiner Kunst flog er auf zu der Höhe, von da herab er Neidings Herz mit tödlichem Geschosse traf, schwang er in wonnig kühnem Fluge durch die Lüfte sich dahin, wo er die Geliebte seiner Jugend wiederfand. O einziges, herrliches Volk! Das hast Du gedichtet, und Du selbst bist dieser Wieland! Schmiede Deine Flügel, und schwinge Dich auf!

Wagner hat den Wielandstoff nicht weiter verarbeitet und sich stattdessen mit der Siegfriedsage auseinandergesetzt.

Literatur

  • Robert Nedoma, Die schriftlichen und bildlichen Denkmäler der Wielandsage. Göppingen: Kümmerle, 1988
  • Arnulf Krause, Die Heldenlieder der Älteren Edda. Reclam, Ditzingen (Oktober 2001). ISBN 3-15-018142-9
  • Rudolf Simek, Die Edda. C.H. Beck, München 2007. S. 85-88. ISBN 978-3-406-56084-2

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Wieland der Schmied – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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