Wiener Mundart


Wiener Mundart

Das Wienerische ist die in der österreichischen Hauptstadt Wien gesprochene Stadtmundart und zählt zum ostmittelbairischen Dialekt. Seine Eigenheiten sind vor allem im Bereich des Wortschatzes zu finden. Schon im umliegenden Niederösterreich sind viele seiner Ausdrücke und Redewendungen nicht mehr gebräuchlich, weiter westlich werden sie oft gar nicht mehr verstanden.

Inhaltsverzeichnis

Sprachliche Eigenheiten

Das Wienerische ist merklich zu unterscheiden sowohl von der österreichischen Form der deutschen Hochsprache (Standarddeutsch) sowie anderen in Österreich gesprochenen Dialekten (siehe auch Österreichisches Deutsch und Bairische Dialekte).

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts unterschied man noch vier Wiener Dialekte (benannt nach den Bezirken, in denen der jeweilige Dialekt beheimatet war): Favoritnerisch, Meidlingerisch, Ottakringerisch und Floridsdorferisch. Heute ist diese Unterscheidung nicht mehr zutreffend und man geht von einem Wiener Dialekt aus, dessen Verwendung sich jedoch diastratisch auffächert. Auch das früher im Adel und im gehobenen Bürgertum Wiens gebräuchliche Schönbrunner Deutsch, das „durch z. B. den Gebrauch von Nasalvokalen gekennzeichnet“[1] ist, ist vor allem noch in Teenagerkreisen der Bezirke 13, 18 und 19 präsent und ist Gegenstand zahlreicher Parodien (beispielsweise in den Graf-Bobby-Filmen aus den 60er Jahren mit Peter Alexander und Gunther Philipp oder im Wiener Kabarett der 1950er und 1960er Jahre).

Aussprache

Die Phonologie des Wienerischen unterscheidet sich von jener anderer mittelbairischer Dialekte nicht sonderlich. So finden sich folgende typische Merkmale des Mittelbairischen auch im Wienerischen:

z. B. alsooeso [ˈɔe̯so], SoldatSoedot [sɔe̯ˈdɔːt], fehlenföhn [fœːn], KälteKöödn [ˈkøːd̥n̩]
  • Vokalisierung des [l] am Wortende nach einem Vokal,
z. B. schnellschnöö [ʃnœː], vielvüü [fʏː]
  • Delabialisierung (Entrundung) palataler (d. h. vorderer) gerundeter Vokale,
z. B. Glück [ˈglʏk] → Glick [ˈglɪk], schön [ˈʃøːn] → schee [ˈʃẽː]
  • Labialisierung (Rundung) palataler ungerundeter Vokale vor [l],
z. B. schnellerschnöller [ˈʃnœlɐ], vielleichtvülleicht [fʏˈlæːçt], wildwüüd [vyːd̥]

Folgende auffällige Eigenheiten des Wienerischen sind jedoch festzustellen:

  • Monophthongierung: Im Vergleich zum Standarddeutsch und zu anderen bairischen Dialekten werden Diphthonge (Zwielaute) monophthongiert. Beispiele:
    • standarddeutsch heiß – bairisch hoaß – wienerisch haaß [haːs]
    • standarddeutsch weiß – wienerisch wääß [væːs]
    • standarddeutsch Haus – wienerisch Håås [hɒːs]
  • Typisch sind teilweise sehr gezogen ausgesprochene Selbstlaute, insbesondere am Satzende. Ein Beispiel: Heeaasd, i bin do ned bleeed, wooos waaasn ii, wea des woooa ('Hörst du, ich bin doch nicht blöd, was weiß denn ich, wer das war').
  • Meidlinger L: eine spezifische Realisierung des /l/, die vor allem der Arbeiterschicht zugesprochen wird
  • Vokaleinschub bei Konsonantenfolgen (Sprossvokal): Ebenfalls vor allem der Arbeiterschicht zugesprochen wird die Realisierung eines mitunter zwischen aufeinanderfolgende Konsonanten (meist in der Stammsilbe) eingeschobenen, kurzen – oft nur angedeuteten – Vokals (a-Schwa). Dieser Vokaleinschub führt in der Aussprache meist zu einer zusätzlichen Silbe, die über die Wortverlängerung eine Intensivierung – oft im negativen Sinne – fühlen lässt. Beispiele:
    • standarddeutsch Geh! – wienerisch Vaschwind! – intensiviert Vaschawind!
    • standarddeutsch Verbrecher! – wienerisch Vabrecha! – intensiviert Vabarecha!
    • standarddeutsch abgebrannt – wienerisch oobrennt – intensiviert oobarennt
    • standarddeutsch Geradeaus! – wienerisch Groodaus! – intensiviert Garoodaus!

Grammatik

In der Grammatik finden sich keine Besonderheiten gegenüber anderen bairischen Dialekten. Es finden sich die typischen Abweichungen vom Standarddeutschen wieder, u. a. die Vermeidung des Genitivs, Akkusativ- statt Dativ-Konstruktionen (z. B. mit die Kinder statt mit den Kindern), schon wesentlich seltener Dativ- statt Akkusativ-Konstruktionen (z. B. Griaß Ihna! statt Grüß Sie! usw., die Verwendung der Präposition ohne mit Dativ statt Akkusativ, etwa bei ohne mir vs. ohne mi) u. dgl.

Morphologie

Das Morphem {ur}

Im Wienerischen wird das Morphem {ur} (gesprochen [uːɐ]) vielseitig genutzt:

  • Es handelt sich beim standardsprachlichen ur- um ein Präfix zu Substantiven, Adjektiven und Adverbien – also um kein eigenständiges Wort –, das eigentlich ‘ursprünglich’ bedeutet, jedoch im Wienerischen auch – wie in folgenden Beispielen – rein verstärkende Bedeutung haben kann: Wenn jemand da Uahiafla ist, handelt es sich um eine Steigerung des Schimpfwortes Hiafla. Eine Uahetz meint einen ‘Riesenspaß’. Wenn jemand uablad ist, dann handelt es sich um eine sehr übergewichtige Person.
  • Es kann aber im Wienerischen auch als Steigerungspartikel zu Verben verwendet werden, wobei es sich dann wie ein eigenständiges Wort verhält (Probe: Ersatz durch sehr, überaus u. dgl.), z. B. in Des gfreit mi ua (‘Das freut mich sehr’).
  • Es kann aber auch eine ganze Verbalphrase gesteigert werden, etwa in Du wiast ua VP[die Probleme kriagn] oder Wia hobn ua VP[die Gaude g'hobt].
  • Besonders oft wird ua in sarkastischen/ironischen Zusammenhängen verwendet: Des woa ja uagscheid! meint ‘Das war ja sehr intelligent’ als Kommentar zu einer dummen Handlung.

Häufig wird diese Art der Steigerung bei Jugendlichen angetroffen, ältere, erwachsene Wiener benützen sie entweder gar nicht oder nur sehr selten.

Verkleinerungsformen

Die für das Bairische typischen Diminutivsuffixe -(e)l und -erl sind im Wienerischen – so lautet zumindest das Klischee – besonders häufig anzutreffen. So überrascht es auch nicht, wenn man diese Suffixe z. B. in Spitznamen für Wiener Baulichkeiten wiederfindet: Der Wiener Stephansdom wird meist kurz Steffl genannt; die unterirdische Passage mit Straßenbahnschleife beim Schottentor wird ihrer an eine Kochpfanne erinnernden Form wegen als Jonasreindl (Franz Jonas war der während deren Errichtung amtierende Bürgermeister; Reindl ist bairisch für 'kleiner Kochtopf') bezeichnet; das Dorotheum kennt man in Wien auch als Pfandl ('Pfandleihanstalt'). – Es gilt zu beachten, dass -(e)l und -erl manchmal distinktiv (bedeutungsunterscheidend) eingesetzt werden. So gibt es z. B. zwei Verkleinerungsvarianten von Haus, die nicht verwechselt werden sollten: Die eine Variante – Häuserl – meint erwartungsgemäß 'kleines Haus', die andere – Häusl – meint jedoch 'Toilette'. Und ein Lamperl ist keine kleine Lampe, wie der Deutsche oft meint, sondern ein kleines Schaf (Lamm - vgl. engl. lamb).

Wortschatz

Im Bereich des Wortschatzes weist sich das Wienerische am deutlichsten als eigenständig aus.

Einflüsse auf den Wortschatz

Das Wienerische bewahrt einerseits viele mittelhochdeutsche und teilweise auch althochdeutsche Wurzeln, andererseits hat es Ausdrücke aus vielen fremden Sprachen, vor allem aus dem Gebiet der ehemaligen k.u.k. Monarchie, integriert. Wehle spricht in diesem Zusammenhang von der Kühlschrank- respektive Schmelztiegelfunktion.[2]

Beispiele

Die Transkription des Wienerischen ist nicht standardisiert, der Lautwert der Beispiele ist daher im Folgenden nur unvollkommen wiedergegeben.

  • aus dem Althochdeutschen: Zähnd (‘Zähne’, von zand), Hemad (‘Hemd’, von hemidi)
  • aus dem Mittelhochdeutschen: Greißler (‘(kleiner) Lebensmittelhändler’, von griuzel (Diminutiv von gruz ‘Korn’)), Baaz (‘schleimige Masse’, von batzen ‘klebrig/weich sein’), si ohgfrettn (‘sich abmühen’, von gefrett, das; -s, ‘Ärger, Mühe’)
  • aus dem Hebräischen und Jiddischen: Masl (‘Glück’, von hebr. mazal), Hawara (‘Freund/Gefährte’, von hebr. chaver), Gannef (‘Gauner’, von hebr. ganav), Schnorrer (‘eine Person, die häufig um Gefälligkeiten bittet’, vom Jiddischen)
  • aus dem Tschechischen: Motschga (‘unappetitlicher Brei’, von močka ‘Pfeifenrückstand’ oder omáčka ‘Soße, Suppe’), Pfrnak (‘(große) Nase’, von frňák)
  • aus dem Ungarischen: Maschekseitn (‘die andere Seite’, von a másik), Gattihosn (‘(lange) Unterhose’, von gatya 'Hose')
  • aus dem Italienischen: Gspusi (‘Freundin’, von sposa), Gstanzl (‘Strophe eines (Scherz-)Liedes’, von stanza)
  • aus dem Französischen: Trottoa (‘Gehsteig’, von trottoir), Lawua (‘Waschschüssel’, von lavoir), Loschie (‘Unterkunft’, von logis), Blafoo (‘Zimmerdecke’, von plafond), Potschampel (‘Nachttopf’, von pot de chambre), Paraplüü (‘Regenschirm’, von parapluie)

Der Wortschatz des Wiener Dialekts wird u. a. erfasst und beschrieben im Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich.

Pragmatik

Im Wienerischen findet man vermehrt folgende pragmatische Eigenheiten:

Ein Beispiel: I bin an hoibn Dog ummadumgrennt, woa in hundert Gschäfter und hob nix gfundn entspricht wörtlich: ‘Ich bin einen halben Tag umhergelaufen, war in hundert Geschäften und habe nichts zum Einkaufen gefunden.’ – Gemeint ist damit aber, dass die Person vielleicht eine Stunde in vielleicht drei Geschäften war und nur ganz wenig eingekauft hat. Das wird von Wienern genau so verstanden.
Zum hyperbolischen Diskurs gehört auch – als „gegenläufige Übertreibung“ – die Verkleinerung, kenntlich durch Diminutivsuffixe wie -l oder -erl (etwa in Kaffeetscherl, Plauscherl …).

Betrachtet man typische Sprechakte einer Sprachgemeinschaft als Spiegel ihrer Mentalität, kann man die oben genannten Eigenheiten als markante Bestandteile des berühmten Wiener Schmähs bezeichnen.

Tendenzen

In jüngster Zeit wurde das Wienerische zunehmend zu Gunsten des Standarddeutschen zurückgedrängt, es entwickelte sich ein Standarddeutsch mit typisch Wiener Akzent (z. B.: Was hast’n für eine Note g’schrieben? statt original Wienerisch Wos host ’n fir a Notn kriegt?). Die für das Wienerische typische Monophthongierung, durch die es sich von den benachbarten Dialekten phonetisch besonders unterscheidet (vgl. Isoglosse), bleibt aber zumeist erhalten, allerdings in einer Form, in der das dabei entstehende „Pseudo-Standarddeutsch“ von vielen Auswärtigen (besonders aus den benachbarten Bundesländern) als hässlich empfunden wird. (Beispiel: Wäääßt, wos wir heut in der Schule für än gråååsliches Fläääsch kriegt ham? ['Weißt du, was für ein widerliches Fleisch wir heute in der Schule vorgesetzt bekamen?'] Die monophthongierten Diphthonge, wie <ei> ~ äää oder <au> ~ ååå, werden dabei besonders betont und in die Länge gezogen.)

Grund für die Zurückdrängung des typischen Wiener Dialekts ist die – durch die Medien zusätzlich verstärkte – Einstellung, dass „Urwienerisch“ dem Proletariat zuzurechnen sei. Mit weiter steigendem Lebensstandard ist außerdem damit zu rechnen, dass das ursprüngliche Wienerische, da es tendenziell als ein Ausdruck der Herkunft aus niederen sozialen Schichten gilt, weiter zurückgedrängt werden wird, wobei dem Wienerischen eigene Wörter (z. B. Zwutschgerl) jedoch zurzeit weiterhin allgemein im Gebrauch stehen.

Wienerische Literatur und Musik

Das Wienerische hat eine lange Tradition als Sprache für Literatur und Gesang.

Theater

Volksstück

Das Alt-Wiener Volkstheater des 18. und 19. Jahrhunderts hatte die unteren und mittleren Gesellschaftsschichten als Zielpublikum und bediente sich auch ihrer Sprache. Die wichtigsten Autoren waren: Josef Alois Gleich, Karl Meisl, Adolf Bäuerle, Ferdinand Raimund und Johann Nepomuk Nestroy.

Für das 20. Jahrhundert sind vor allem Jura Soyfer („Der Lechner Edi schaut ins Paradies“) und Ödön von Horváth („Geschichten aus dem Wiener Wald“) zu nennen. Waren die Alt-Wiener Volksstücke noch durchwegs komödiantisch (und dennoch – soweit es die Zensur erlaubte – zeitkritisch), zeigte sich im Volksstück der 1930er Jahre eine strukturelle Änderung hin zu einem Ende, das keine dauerhafte Illusion einer heilen Welt zulässt. Die Konstante im Volksstück blieb jedoch die quasi authentische Sprache des Volkes.

Aus sprachlicher Sicht abzugrenzen sind hier die Volksstücke des Wiener Schriftstellers Ludwig Anzengruber aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Anzengruber verwendete in seinen Stücken eine Art „überregionalen Kunstdialekt“, der nicht authentisch ist.

Mittelstück

Eine Besonderheit der Wiener Kleinkunstbühnen der 1930er und 40er Jahre war das sogenannte Mittelstück, ein zwischen der Servierpause und der Zahlpause eines Kabarettprogramms aufgeführtes, kürzeres, zeitkritisches Theaterstück. Besonders erfolgreich – und durchgängig auf Wienerisch – war Rudolf Weys' Mittelstück „Pratermärchen“ (1936). Die nachhaltigsten Mittelstücke stammen aber von Jura Soyfer.[3]

Andere Dramenformen

Karl Kraus verfasste zwischen 1915 und 1922 sein satirisches Erster-Weltkrieg-Drama „Die letzten Tage der Menschheit“ und verwendete, entsprechend seiner Intention, möglichst realitätsnah den kriegshetzerischen Irrwitz seiner Zeitgenossen zu dokumentieren, Dialoge fernab der Schriftsprache; so findet sich auch das Wienerische jener Zeit in diesem Text wieder.

1961 sorgte das zunächst im TV gezeigte, dann oft auf Bühnen aufgeführte Ein-Personen-Stück „Der Herr Karl“ von Helmut Qualtinger und Carl Merz für Aufregung. Die Titelfigur ist ein opportunistischer Wiener, der seine subjektiven Erfahrungen des österreichischen Alltags der letzten Jahrzehnte seinem (nicht in Erscheinung tretenden) ihn anlernenden Vorgänger als Hilfskraft im Lager eines Feinkostladens erzählt.

Lyrik

Josef Weinheber veröffentlichte 1935 seinen erfolgreichen Gedichtband „Wien wörtlich“, in dem auch Gedichte auf Wienerisch enthalten sind („Es wäre nicht Wien“, „Der Phäake“).

Ebenfalls in den 1930ern schrieb Peter Hammerschlag seine skurrilen Gedichte, einige davon auf Wienerisch („Pülcherdialog ad infinitum“) oder zumindest mit wienerischem Einschlag – veröffentlicht wurden sie allerdings erst in den 1970ern von Friedrich Torberg.

In den 1950ern kam es mit einem Schwung zu einer Reihe von einflussreichen Veröffentlichungen auf Wienerisch. Hier sind H. C. Artmann („med ana schwoazzn dintn“) und die Wiener Gruppe, vor allem Gerhard Rühm und Konrad Bayer („glaubst i bin bled“) hervorzuheben.

In den 1970ern brachten es die Mundartdichter Trude Marzik („Aus der Kuchlkredenz“) und Anton Krutisch („Wiener Lavendel“) zu einer gewissen Popularität.

Prosa

Im umfangreichen humoristischen Werk Roda Rodas (1872–1945) findet man unter anderem wienerische Dialoge (z. B. in „Wie man dem Wienerherzen wehetut“).

1906 erschien in Wien der berühmt-berüchtigte pornografische Roman „Josefine Mutzenbacher. Die Lebensgeschichte einer wienerischen Dirne, von ihr selbst erzählt“, dessen Dialoge sich – entsprechend dem Milieu, in dem die Handlung angesiedelt ist – besonders hinsichtlich des Sexual-Wortschatzes des Wienerischen bedienen.

1971 veröffentlichte Wolfgang TeuschlDa Jesus und seine Hawara“, eine Übertragung des Evangeliums ins Wienerische, die sehr populär wurde und heute als Klassiker gilt.

Zahlreiche Mundartbücher verfasste Hans Werner Sokop, der auch Kinderbuchklassiker wie den „Struwwelpeter“, viele Geschichten von Wilhelm Busch und „Der kleine Prinz“ ins Wienerische übertrug.

Comics

In der Mundart-Reihe der Comicserie Asterix erschienen folgende ins Wienerische übertragene Bände:

Wienerlied

Das alteingesessene Wienerlied konserviert gleichsam den Wortschatz und die Redensarten seiner Entstehungszeit. Das Wienerlied erlebte seine Hochblüte in der Zeit zwischen 1880 und 1930, wofür erhaltene Aufnahmen etwa von Maly Nagl aus den 1920ern und 30ern („I brauch’ ka schöne Leich’ …!“, „Mei Alte sauft so viel wia i“) ein eindrucksvolles Zeugnis ablegen. Als wichtige Autoren des Wienerliedes sind Wilhelm Wiesberg (1850–1896) („D' Hausherrnsöhnl'n“) und Carl Lorens (1851–1909) („Jetzt trink ma no a Flascherl Wein“) hervorzuheben.

Der aufkommende Schlager und die überregional orientierte Unterhaltungsindustrie verwässerten aber das Genre zusehends.

In den 1970er Jahren wurde das Genre u. a. durch Horst Chmela („Ana hot immer des Bummerl“), Karl Hodina („Herrgott aus Sta'“) und André Heller („Wean, du bist a Taschnfeitl“) wiederbelebt. Auch Roland Neuwirth, der sich als Erneuerer des Wienerlieds begreift, trat zu dieser Zeit zum ersten Mal in Erscheinung und zeigte im Laufe seiner Karriere auch, dass die musikalische Ausdrucksform des Blues und der Wiener Dialekt sehr gut zusammenpassen.

Viele Schauspieler von Wiener Bühnen sangen (und singen) ebenfalls Wienerlieder: z. B. Alexander Girardi („Fiakerlied“), Hans Moser („Die Reblaus“, „In der Kellergass’n“), Paul Hörbiger („Weil i a alter Drahrer bin“), Fritz Imhoff („Ja, wenn der Regen lauter Gumpoldskirchner wär“), Heinz Conrads usw., in späterer Zeit Peter Alexander, Michael Heltau und Stephan Paryla.

Auch etliche Wiener Opernsänger würdig(t)en das Wienerlied mit ihren Vorträgen, etwa Erich Kunz, Heinz Holecek, Walter Berry und Heinz Zednik.

Kabarettlied

Seit den 1910ern bis in die 50er, nur unterbrochen durch eine von den Nazis erzwungene Emigration in die USA, war Hermann Leopoldi („In der Barnabitengass’n“, „Schnucki, ach Schnucki“) ein Fixstern unter den Wiener Vortragskünstlern.

In den 1950ern und auch den Folgejahren konterkarierten Kabarettisten wie Gerhard Bronner („Die alte Engelmacherin“, „Krügerl vorm G’sicht“, gemeinsam vorgetragen mit Helmut Qualtinger) und Georg Kreisler das Wienerlied. In späterer Zeit taten es ihnen Kabarettisten wie Josef Hader („Warum“) gleich.

Aber nicht nur mit dem Wienerlied als zu unterminierender Schablone zeigte sich das auf Wienerisch vorgetragene Kabarettlied als ideales Mittel satirischer Botschaften. Das Duo Gerhard Bronner und Helmut Qualtinger („Der Halbwilde“, „Der g’schupfte Ferdl“ usw.) sowie Georg Kreisler („Tauben vergiften“, „Am Totenbett“), aber z. B. auch Alfred Dorfer („I waas oft ned“) sind hier anzuführen.

In den 1950/60er Jahren spiegelten die kabarettistischen Lieder von Pirron und Knapp („Tröpferlbad“, „Hausmastarock“) die Wiener Lebensweise wider und waren so gut wie jedem bekannt.

Austropop

Als Startschuss für die sogenannte „Dialektwelle“ der österreichischen Popmusik gilt gemeinhin das 1970 veröffentlichte Lied „A Glock’n, die 24 Stunden läut'“, vorgetragen von der Wienerin Marianne Mendt, geschrieben von Gerhard Bronner. Im selben Jahr erschien das von der Ö3-Musicbox produzierte „Glaubst i bin bled“ der Worried Men Skiffle Group.[4] 1971 folgte „Da Hofa“ von Wolfgang Ambros und „Sie habn a Haus baut“ von Arik Brauer, 1972 „Der Tschik“ von Georg Danzer sowie „Alle Menschen san ma zwider“ von Kurt Sowinetz.

In den folgenden Jahren konnten Ambros („Es lebe der Zentralfriedhof“, „Die Blume aus dem Gemeindebau“) und Danzer („Jö schau“, „Hupf in Gatsch“) ihren Ruf als Wiener Originale festigen. Daneben etablierten sich andere Wiener Künstler, die im Dialekt ihrer Heimatstadt singen: Sigi Maron („He Taxi“, „Da Hausmasta“), Peter Cornelius („Hampelmann“, „Du entschuldige, i kenn di“), Heli Deinboek („Waun de Neurosen blüh’n“, „Too dörti für Gerti“), Rainhard Fendrich („Ich bin ein Negerant, Madame“, „Zwischen 1 und 4“), die Neue-Deutsche-Welle-Band DÖF („Taxi“, „L. Hirschinger“), Ostbahn-Kurti („I hea di klopfn“, „Neiche Schoin“), Richard Weihs („Grantscherbn Blues“, „Ringlgschpü“), Alkbottle usw.

Auch „Zugereiste“ wie der Steirer Ludwig Hirsch („Die Omama“) und die Schweizerin Maria Bill („I mecht landen“) lieferten Beiträge zum wienerischen Austropop.

Die musikalischen Vorbilder für den Austropop sind zwar hauptsächlich in den USA und Großbritannien zu suchen, aber auch dem Wienerlied wurde wiederholt Reverenz erwiesen. Beispiele hierfür sind Ambros’ „Wem heit net schlecht is“ (1975), Danzers „Heut’ bin i wieder fett wie ein Radierer“ (1972), das 1984 aufgenommene Ambros/Fendrich-Duett „'s Naserl“ (eine alte Hans-Moser-Nummer aus dem Film „Ober, zahlen“) oder der Wienerlied-Ausflug „Leckt’s mi“ der steirischen EAV.

Dass man auf Wienerisch auch rappen kann, bewiesen unter anderem Falco („Der Kommissar“, 1981), Drahdiwaberl („Die Galeere“, 1983) und Schönheitsfehler („A guata Tag (in da Betonwüste)“, 1996).

Typische Worte und Redewendungen

Interjektionen

  • Öha! = ‘Hoppala!’
  • Kruzzitiakn! (Kruzitürken - von "Kuruzzen und Türken") = ‘Verdammt!’
  • Kruzifix noamoi! (Cruzifix noch einmal!) = ‘Verdammt nochmal!’
  • Himml, Oasch und Zwirn! (Himmel, Arsch und Zwirn!) = ‘Verdammt nochmal!’
  • Na Oida! (Na Alter!) = Ausdruck des Erstaunens, der Erbostheit bzw. der Ungläubigkeit
  • Jessasmarantjosef! = ‘Jesus, Maria und Josef!’ (erschrockener Ausruf)
  • I hau mi’ oh! (Ich haue mich ab) = ‘Ich lach mich tot!’ (Ausdruck der Belustigung oder der Verwunderung)
  • Bist du denn deppat! = Ausdruck des Erstaunens über einen Sachverhalt; aber: Bist deppat? (Bist du blöd?) = aggressive Feststellung über eine Person
  • Ja eh ur! = Ja wirklich!
  • I eh a! = Ich natürlich auch! (Die Beifügung "eh" hat, ähnlich dem "ur/ua", oft eine mehrfache Bedeutung, bleibt aber in den häufigsten Fällen ein unterstützender/bekräftigender Ausdruck)

Appelle

  • Heast, Oida! = ‘Hörst du, Alter!’ (meist vor Satzbeginn als Anrede, nicht sehr höflich)
  • Heast, Deppata! = ‘Hörst du, Dummkopf!’ (in genervter Form, also noch unhöflicher)
  • Zah’ au(n)! (Zieh an!) = ‘Beeile dich gefälligst!’
  • Lass’ mi aug’lahnt! (Lass mich angelehnt!) = ‘Lass mich in Ruhe!’ (Im Gegensatz zu „jemanden anlehnen“ = Diese Person gegen eine Mauer lehnen, um dann mit ihr Geschlechtsverkehr zu betreiben.)
  • Lass’ mi in Kraut! (Lass mich im Kraut) = ‘Lass mich in Ruhe!’
  • Rutsch ma’n Buggl owe! (Rutsche mir den Buckel herunter) = ‘Lass mich in Ruhe, deine Anliegen interessieren mich nicht!’
  • Mochts, wos woits! = ‘Macht das was ihr wollt. Ich hab sowieso nichts zu sagen!’
  • Reiß di zaum! = ‘Nimm dich zusammen!’
  • Seavas! (Servus) = ‘Hallo!’ bzw. ‘Tschüss!’ (auch als Interjektion des Erstaunens, Na seavas!)
  • Hawe d’ Ehre/ Dere = ‘Habe die Ehre’ zur Begrüßung oder Verabschiedung (auch Erstaunen: Na Hawedere!)
  • Hau di über d’ Heisa! (Hau dich über die Häuser!) = ‘Verschwinde!’
  • Brauchst a poa Watschn? (Brauchst du ein paar Ohrfeigen?) = ‘Suchst du Streit?’
  • Do is öha. = ‘Bis dahin und nicht weiter!’

„Sei still! / Halt den Mund!“

In Ermangelung geeigneter Argumente bleibt in einem konfliktreicheren Gespräch oft nur übrig, seinem Gegenüber den Mund zu verbieten. Im Wienerischen findet sich hierfür eine Vielzahl von Varianten: Gusch! (< frz. „Couche!“ = ‘Leg dich!’ [an einen Hund gerichtet]), Sei staad! (‘Sei still!’), Hoit de Pappn!, Hoit’s Mäu! (‘Halt das Maul!’), Hoit den Schlapfen! (‘Halt den Pantoffel!’), Hoit de Goschn!, Hoit den Suppnschlitz!, Hoit’s zaum! (‘Halt es [das Maul] zusammen [verschlossen]’), Red ned zruck, waun i viere red! (‘Sprich nicht zurück, wenn ich nach vorne rede’), Schleich di ham! (‘Verzieh dich nach Hause!’) usw.

Aus der Arbeitswelt

  • Postla = ‘Postbote’
  • Taxla = ‘Taxifahrer’
  • Kiwara (Kiberer), Kiwarei, auch: die Heh = ‘Polizist(en), (Kriminal-)Polizei’
  • Heh = uniformierte Polizisten
  • waaße Måås = Polizist auf einem Moped
  • Pompfüneberer = ‘Bestatter’, von frz. pompes funèbres
  • Post'n' = ‘Anstellung, Posten’, meist im Verwaltungsbereich (Anstellung als Beamter)
  • Hock'n' = ‘Anstellung’ bzw. die ‘Arbeit’ an sich, meist in Handwerksbetrieben; a Muadshockn (eine Mordsarbeit) = ‘viel Arbeit’
  • an Haring nehmen = spontan einen nicht angekündigten Urlaubstag nehmen (i nimmm ma an Haring)
  • hocknstaad = ‘arbeitslos’
  • Pfoff (Sg.), Pfoffn (Pl.) = ‘Pfarrer’
  • Funknschuasta (Funkenschuster) = scherzhaft für ‘Elektriker’
  • Pappnschlossa = scherzhaft für ‘Zahnarzt’
  • Pfostnwixa = scherzhaft für ‘Zimmerer’
  • Leimbeidl = scherzhaft für ‘Tischler’
  • Gschirlscheissa = scherzhaft für ‘Gärtner’
  • Pfostn = ‘ungeschulte Hilfsarbeitskraft’
  • Greißla (Greißler) = ‘Gemischtwarenhändler (Tante-Emma-Laden)’
  • pfuschen = ‘Schwarzarbeit verrichten’ (auch am Pfusch für ‘in der Arbeit’)
  • Pfusch = ‘schlechte Arbeit’ (auch hiepfuscht, zuwepfuscht für ‘schlampig Erledigtes’) bzw. ‘Schwarzarbeit‘
  • Bugl (Buckel) oder auch Lehrbugl = ‘junger Lehrling, Lehrbub’
  • tschinöön = ‘arbeiten’ (auch Wos tschinööst'n? für ‘Als was arbeitest du?’) von ungar.: csinál = machen, tun)
  • Fichtnmoped, Fichtnmoppal (Fichtenmoped) = scherzhaft für ‘Motorsäge’
  • Deckl (Deckel) = ‘Führerschein, Kontrollkarte d. Prostituierten’
  • Umfolla = Bezeichnung für Politiker oder andere Personen der Öffentlichkeit, die Versprechen nicht einhalten

Aus dem „Milieu“

  • Peitscherlbua (Peitschenbub) = ‘Zuhälter
  • Strizzi = ‘Zuhälter’, kleiner Gauner
  • Asfoitschwoibn (Asphaltschwalbe) = ‘Prostituierte’
  • Prodahua (Praterhure) = ‘besonders billige Prostituierte’ (meist aus dem Gebiet um den Wiener Prater, 2. Bezirk)
  • Blosbaa (Blasgebein) = ‘besonders billige Prostituierte, meist vom Drogenstrich’
  • Bugl = Leibwächter
  • Giftler = ‘Drogensüchtiger’
  • Fölsn (Felsen) / Sta (Stein) = ‘Strafanstalt Stein an der Donau
  • des Anser (das Einser) = ‘Strafanstalt Landesgericht Wien’
  • des Zwara (das Zweier) = ‘alte Strafanstalt Hernalser Gürtel’
  • de Liesl = ‘Polizeistrafanstalt Roßauer Lände’, ehemals hieß die Straße Elisabeth-Kai, hin zur Verlängerung zum Franz-Joseph-Kai.
  • es is grean (grün) = ‘Polizei im Anmarsch’ (von der früheren grünen Polizeiuniform)
  • Jaukerl = ‘Spritze’
  • ... Meta gmocht = ‘... Jahre Haftstrafe abgesessen’, auch, dass jemand schnell verschwunden ist.
  • haschn = ‘Marihuana konsumieren’
  • haatzn (heizen) = ‘Marihuana rauchen‘ oder ‘eine Zigarette rauchen’
  • waach (weich) = ‘durch Cannabis hervorgerufener Rauschzustand’
  • Häfn = ‘Gefängnis’
  • Schmoiz (Schmalz) = ‘Haftstrafe’
  • Kua (Kur) = ‘Haftstrafe’
  • Speis(e)koat´n (Speisekarte) = ‘Vorstrafenregister’
  • Durt wochsn de Feidln so laung ausn Bodn. (Dort wachsen die Messer so lang aus dem Boden. [mit entsprechender Gestikulierung]) = ‘eine unsichere Gegend’

Aus dem Alltag

  • Bahöl/Bahöö = ‘Aufruhr, Wirbel’
  • Glei’ spüt’s Granada! (Gleich spielt es Granada!) = ‘Ankündigung/Androhung eines Bahöls’ (Mit „Granada“ ist wohl das populäre, temporeiche Lied des mexikanischen Komponisten Agustín Lara gemeint.)
  • Ramassuri oder Remassuri = ‘Durcheinander’ (z. B.: Ramassuri? Ramazamma! [Ramazamma = ‘räumen wir zusammen’])
  • Gschnas = ‘Faschingsfeier’, ‘Maskenfest’
  • Eiskostn (Eiskasten) = ‘Kühlschrank’
  • Semmerl, Weckerl = ‘kleines Brötchen’
  • Guakal = ‘Essiggurken’
  • Leberkaas = ‘Fleischkäse’
  • Eierschwammerl = ‘Pfifferling’
  • Sackerl = ‘Tüte, Kunststofftragtasche’
  • Kiddl = ‘Rock (das Bekleidungsstück), Arbeitsmantel, Kittel’
  • Tschäsn = ‘Auto’(eher abwertend gemeint)
  • Schissl = ‘Auto (Auto, sc. Schüssel, fahrbarer Untersatz)’
  • Kistn = 'Auto' (wortwörtlich Kiste; bezieht sich auf ein altes oder heruntergekommenes Auto/Fahrzeug), auch Computer
  • Kraxn = ’nicht mehr gut funktionierendes elektrisches Gerät, vorzugsweise Auto’
  • Klumpat = ’Kram, etwas schlecht Funktionierendes’
  • an Potschn hom = ‘einen platten Reifen haben’, auch: ‘blöd sein’
  • hinich auf de Schläuch = ‘gehbehindert, wörtl.: kaputte Reifen/Schläuche haben’
  • Potschnkino = ‘Pantoffelkino’ (Fernseher zu Hause)
  • Potschn = ‘Schlapfen, Pantoffel’
  • Gschroppn = ‘Kinder’ (scherz-/boshaft)
  • Gretzn (Krätze) = neben ‘Hautausschlag’ vor allem ‘ungezogenes, auch vorlautes Kind’, im übertragenen Sinne auch für ein altes, geiferndes Weib oder eine Person, die als solches dargestellt werden soll
  • Tschopperl = verniedlichend für ‘hilfsbedürftige Person’, auch: ‘kleines Kind’
  • Spezi = ‘Freund, Kumpel’, auch ‘Cola mit Fanta gemischt’
  • Spatzi = liebevoll für ‘Freund(in)‘
  • de zwa hom a Pantscherl = ‘die zwei haben ein Verhältnis’
  • Weh = ‘Verlierer’ (Na wos sois, er is hoid a Weh.)
  • Lulu (m.) = ‘Weichling’ - eigentlich Kindersprache für Urin, aber auch für die Geschlechtsteile
  • Tachinierer = ‘Minderleister’
  • Negerant = ‘Habenichts’
  • Bsoffener = ‘stark Betrunkener’
  • Bsuff = ‘Alkoholiker’, im Bsuff = ‘im Rausch’
  • Hamur = ‘Humor, Weinlaune’
  • L'amua-Haatscha = ‘langsame Schnulze’, von frz. l’amour
  • Menasch = von zu Hause mitgenommene Speisen, meist für die Mittagspause gedacht, von frz. menage ‘Haushalt’
  • do fäuts (da fäult es) = ‘da stinkt es’
  • Leiberl = ‘T-Shirt’
  • Laberl = ‘kleiner Laib’, Fleischlaberl:Frikadelle
  • Woama = ‘Homosexueller’
  • Obi gspritzt = ‘Apfelsaft mit Mineralwasser verdünnt’ (Obi = Markenname für einen Apfelsaft)
  • Prolotoaster = scherzhaft für ‘Solarium’
  • Proletenschlauch = bösartig für ‘U-Bahn’
  • Waastl = ‘unschöner, übergewichtiger Hund’
  • Blaada = ‘übergewichtiger Mensch (wtl.: Geblähter)’
  • Hatscher = ‘weiter, mühevoller Weg’
  • Gscheada = ‘ländlicher Mensch’
  • Tschusch = ‘Ausländer, insbes. aus dem Balkan [abwertend]’
  • Fotznhobel = scherzhaft für ‘Mundharmonika’
  • Viech = ‘Tier, Wanze, sehr muskulöser Mann’
  • Tschick, Spee, Spau (Span) = ‘Zigarette’
  • Schnorrst ma a(n) Tschick? = ‘Bekomme ich eine Zigarette von dir?’
  • Loss an Tschick umewoxn! = ‘Reich mir eine Zigarette herüber (lass … herüberwachsen)’
  • Schastromml = ‘alte Frau’
  • Bluza (Blutzer) = ‘Kopf’
  • Ha(r)pfn = ‘Bett’
  • Kramuri = ‘Kram’, ‘Krimskrams’
  • Peckerl = ‘Tattoo’
  • brunzn, wischerln, schiffn = ‘urinieren’
  • I-Tipferl-Reiter = ‘Pedant’
  • Tschurifetzn = ‘postkoitales Reinigungstuch’, ‘Intimpflegetuch’

Die Ausdrücke für (mehr oder minder schlecht funktionierende) Kraftfahrzeuge, wie Tschäsn, Schissl, speziell auch Kistn und Kraxn werden metaphorisch auch für Computer verwendet.

Aus dem scherzhaften Diskurs

  • Aansapanier (Einserpanier) = ‘Sonntagsanzug’ im Sinn von Hülle
  • Wuchtldrucker oder Gschichtldrucker = ‘Lügner’, jemand der maßlos übertreibt, (Druckst ma jetzt a Wuchtel?)
  • Schittst mi jetzt (mi’n Tee) au? = ‘Lügst du mich jetzt an?’
  • a Eitrige mid an Bugl, an Siassn und an Sechzehna Blech / a Eitrige mid an Bugl, an Siassn und ana Hüsn = ‘Käsekrainer mit einem Brotscherzerl, süßem Senf und einem Ottakringer Dosenbier (Blech)/Flaschenbier (Hüsn)’ – Ottakring ist der 16. Wiener Gemeindebezirk
  • Dosnsemml oder Blechsemml oder Blechweckal = ‘Dosenbier’
  • Schmähtandler = ‘Scherzkeks’
  • Marmeladinger oder Piefke = ‘(Nord-)Deutscher’
  • Gfüder (Gefüllter) = ‘Korpulenter’
  • Gstopfter = ‘Person mit viel Geld’
  • Maxi (auch Maxerl) = ‘kleines Männlein’, oft ‘Spielstein’, auch das gleichnamige Moped der Marke Puch
  • Proda = eigentlich ‘Prater’ (große Grünfläche mit Vergnügungspark in Wien), auch Ausdruck für ‘protzige Armband- oder Taschenuhr’
  • "Proda" = eigentlich "Bräter" (mechanischer Grillspießwender, ein uhrähnliches Getriebe, seit dem Mittelalter in Verwendung) für minderwertige Uhr.
  • Pflostahirschn = scherzhaft für ‘Pferd’, auch für ‘die soziale Oberschicht’ bzw. ‘Bewohner der inneren Bezirke Wiens’
  • Moch a Säun, hau di in de Pania und fliag o! = ‘Steh auf, zieh deine Klamotten an und geh weg!’
  • Schinakel auch Schifanakl = ‘kleines Boot’, deshalb auch witzig ‘riesengroßer Schuh’

Eigenschaften und Befindlichkeiten

  • leiwand = ‘super, cool, gut’ (z. B. Des Festl woa leiwand = ‘Das Fest war super’)
  • (na) frank = ‘ehrlich’, bestätigende und zusätzlich Nachdruck verleihende Phrase (vgl. engl. frank(ly) = "offen (gestanden)")
  • deppert/augschitt (angeschüttet) = ‘dumm’
  • schaasaugad = ‘teilweise sehbehindert’ (wird auch verwendet wenn jemand etwas übersieht)
  • derrisch = ‘taub’
  • patschert = ‘tollpatschig’
  • Grant = negative Befindlichkeit, Gefühl des Ärgers/Zorns
  • "staad" = ruhig/untätig
  • schmähstad = so verblüfft, dass man keinen Schmäh als Antwort findet
  • gsacklt/gschoint (in Schale) = ‘gut angezogen’
  • spitz sein = ‘Geld haben, sexuell erregt sein’
  • blad (gebläht) / gfüht (gefüllt) = ‘fett, dick’
  • dulli = ‘vortrefflich, sehr schön’, sonst wenig gebräuchlich, häufiger die Steigerungen: klass, leiwand
  • gschmeidig = geschmeidig ; des woa ua gschmeidig ; etwas war sehr gut/toll bzw. gschmeidig grennt = gut gelaufen
  • gstopft = ‘reich,verwöhnt’

(völlig) betrunken sein

  • an Offn hom (einen Affen haben)
  • bummzua (völlig zu)
  • b’soffen wia r a Heisltschick (angesoffen wie ein Zigarettenstummel im Urinal)
  • bladlwach (weich/biegsam wie ein Blatt)
  • blunznfett (fett wie eine Blutwurst)
  • im Öö sei (im Öl sein)
  • an Fetzn hom (einen Fetzen haben)
  • hockndicht (vollkommen besoffen)
  • fett wia a Radiara (ziemlich betrunken)
  • a (Damen-)Spitzal haum (leicht betrunken sein)
  • komplett erledigt sei (sehr müde oder gänzlich betrunken sein)
  • fett wie d' russische Erdn (betrunken wie die russische Erde)

Tätigkeiten

  • motschkern = ‘meckern’
  • sudern = ‘jammern’
  • raunzn = ‘Kombination aus meckern und jammern’
  • ratschn, trotschn = ‘reden, schnattern, tratschen’
  • hatschn = ‘gehen, schlendern, humpeln’
  • (weg-)stampern = ‘wegjagen’
  • rean, wana, blazn = ‘weinen’
  • hutschn = ‘schaukeln’ (Kinder wiegen)
  • auzahn = ‚sich beeilen‘
  • owezahn = ‘faul sein’
  • owehaun = ‘betrügen (in der Partnerschaft)’
  • tachinieren = ‘bei der Arbeit so wenig arbeiten wie möglich, faulenzen’
  • vasetzn = ‘versteigern, ins Pfandleihhaus bringen’, auch: ‘jemanden versetzen’
  • aufmascherln =‘aufdonnern’
  • daunehaun = ‘wegwerfen’
  • an Friedhofsjodla mochn = ‘husten’
  • bäule gehn = ‘abhauen, verschwinden’
  • tschäule gaungan (gegangen) = ‘kaputt geworden, etw. verloren’
  • kräuhn (kriechen) = ‘gehen’
  • zuwekräuhn = ‘hergehen’, auch: jmd. zuwekräuhn = ‘sich an jmd. ranschmeißen/anbaggern’
  • a scheene Leich mochn = ‘ein schönes Begräbnis ausrichten’
  • an Boizn drahn (einen Bolzen drehen) = ‘einen Fehler machen’
  • fladern = ‘stehlen’
  • budan (pudern), schnacksln, fegln (vögeln), pempan = ‘Geschlechtsverkehr durchführen’
  • si fetzn = ‘sich prügeln’
  • herstraan (herstreuen) = ‘vergewaltigen’
  • si oohaun (sich abhauen) = ‘hemmungslos lachen’

„sterben“

Den Wienern wird einerseits Fatalismus („Is eh ois wuascht“ [Es ist sowieso alles egal]), andererseits Überlebenswille („A echta Weana geht net unta“ [Ein echter Wiener geht nicht unter]) nachgesagt. Als Resultat des Kompromisses dieser zwei Extreme lässt sich wohl der makabre Humor, der sich im Wienerischen unter anderem in vielen scherzhaften Ausdrücken für 'sterben' zeigt, erklären. Ein plakatives Beispiel dafür ist etwa Roland Neuwirths „Ein echtes Wienerlied“, dessen Text sich aus lauter Euphemismen für das Sterben zusammensetzt.

  • 'n Holzpyjama auziagn (den Holzpyjama [Sarg] anziehen)
  • ohgrotzn (abkratzen)
  • ohbangln
  • a Bangl reissn
  • ohküühn (abkühlen)
  • mid’n 71er foahn (die Straßenbahnlinie 71 fährt zum Wiener Zentralfriedhof)
  • in Leffl ohgebn (den Löffel abgeben)
  • si d’ Schleifn gebn
  • de Potschn streckn
  • maukas gehn
  • aushuastn (aushusten)
  • si di Eadepfen von unt auschaun (sich die Kartoffeln von unten anschauen)
  • an Abgaung mochn (einen Abgang machen)
  • schaun, ob da Deckl passt
  • si söwa de zwa Meta tiafa bringa (sich selbst die zwei Meter tiefer bringen) = ‚Selbstmord begehen‘
  • hamdrahn – umbringen (von „heimdrehen“ – sich ins Bett legen und sich nach Hause – also zum Tod – drehen)
  • ins Pendl haun = ‚sich aufhängen‘
  • "koide Kirurgie" = ‚Pathologie‘

Invektiven

  • Gscherter = ‘einer vom Land’, was für einen Wiener alle Österreicher außer sie selbst sind (jedoch in der Provinz das Gegenteil bedeutend, damit werden die Wiener gemeint) (wörtlich: ‘Gescherter/Geschorener’, also ‘Kurzhaariger’ – Leibeigene durften das Haar nur kurz geschoren tragen)
  • Fetznschädl = ‘Idiot (Lumpenkopf)’ , neu 'Turban-/KopftuchträgerIn'
  • Fetzenbaungad = ‘Puppe aus Lumpen’, aber auch ‘liederliche Person’
  • Baungad (< Bankert ‘uneheliches Kind’) = ‘schlimmes Kind’ („De Baungad mochn heit wida an Krawöö ois wia!“ = ‘Die Kinder sind heute wieder laut’)
  • Fallot = ‘Gauner, Betrüger’
  • Bü(l)cher (von Pilger) = ‘Gauner’
  • Owezahrer = ‘Nichtstuer, Schlechtmacher, Spielverderber’
  • Sandler = ‘Obdachloser’
  • Saundhos (Sandhase) = ‘Obdachloser’
  • Trutschn = ‘hochmütige Frau’
  • Schaßtromml (Furztrommel) = ‘unsympathische Person’ (meist auf eine ältere Frau bezogen), (eigentlich ein Volksmusikinstrument das Laute von sich gibt, die an eine abgehende Blähung erinnern)
  • Oaschgeign (Arschgeige) = ‘unsympathische Person’ (meist auf einen Mann bezogen)
  • Ungustl = ‘widerlicher Typ’
  • Dillo = ‘unintelligenter Mensch’
  • Koffa (auch Vollkoffa usw.) = ‘Idiot’, an Koffa ostön = ‘einen Darmwind lassen’
  • Dodl = ‘Idiot’
  • Gurkn = ‘Idiot’
  • Ei = ‘Idiot’
  • Deppata = ‘Idiot’ (wie ‘Koffa‘ usw., aber mit schmipfhafterem Charakter)
  • Hiafla = ‘ungeschickter und/oder dummer Mensch (von: Huftier, Ochs)’
  • Trampl = ‘unbegabtes Weib’ (also wie ‘Trottel’, aber weiblich)
  • Fut = ‘Vagina, eig. Vulva’ (höchst vulgär)
  • Grantscheam = ‘schlecht gelaunte Person’
  • Dünngsöchter = ‘dumme Person (zu kurz geselcht)’
  • Blitzgneisser = ‘jemand, der schnell versteht’ (immer ironisch gemeint!)
  • Nudlaug = ‘Person mit schwächerem Augenlicht’, auch ‘Idiot’ (besonders derb, da aus der Sexualmetaphorik)
  • Frotz = ‘ungezogenes Kind‘, oft auch ‘Tussi, promiskes Fräulein’
  • Gfries/Wisasch (< frz. visage) = ‘Gesicht’ (bösartig)
  • Einedrahra = ‘Angeber, Wichtigtuer’ – eine = ‘hinein’, Drahra = ‘Dreher’, also jemanden um den Finger wickeln
  • Beidl = ‘Schimpfwort für einen Mann’ (Von ‘Beutel’ – meint die äußeren männlichen Geschlechtsorgane. Das d wird sehr schwach betont.)
  • Mistlbocha (Mistelbacher) = ‘uniformierter Polizist’

Ethnophaulismen

  • Kanak (Kanake) = ‘Ausländer’ (bevorzugt für Menschen aus der Türkei)
  • Kinesara = ‘Chinese’
  • Gschlitzta = ‘Chinese, Japaner’
  • Itaka = ‘Italiener’
  • Polack = ‘Pole’
  • Katzlmocha = ‘Italiener’
  • Krawot = ‘Kroate’ -->
  • Bunter / Bloßhaxata / Bloßhapata / Lumbumba / Buschtschusch / Zulukaffa / Bimbo / Bananenbiager = ‘Schwarzafrikaner’
  • Kamötreiwa (Kameltreiber) = ‘aus dem arabischen Raum stammende Person’
  • Piefke / -->Marmeladinger = ‘(Nord-)Deutscher’
  • Tschusch = 'Ausländer' (bevorzugt für Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien)

Beleidigende Phrasen

  • Gusch, sunst boschts! = ‘Halt den Mund, sonst muss ich dir eine verpassen!’ (Androhung von körperlicher Gewalt)
  • Du beidlst am Watschnbaam! (Watschn = ‘Ohrfeige’) = ‘Pass auf was du machst/sagst!’ (wörtlich: ‘Du rüttelst am Ohrfeigenbaum!’, wobei die Ohrfeigen natürlich die (leicht herabfallenden) Früchte des Baumes sind)
  • Wüst an Tschuck aufs Aug? / Wüst an Tschuck aufs Guck? (Guck = ‘Auge’) = ‘Soll ich dir ein Veilchen verpassen?’ (Androhung von körperlicher Gewalt)
  • Homs da ins Hian gschissn? = rhetorische Frage, mit der die geistige Intaktheit des Gegenübers angezweifelt wird
  • Dia homs ins Hian gschissn und ned owelossn. = ‘Du bist ein Vollidiot.’
  • Wüst a Packl Haustetschn?. = ‘Willst du eine Packung hausgemachter Ohrfeigen?’
  • Drah di ham. (Bring dich selbst um.) = ‘Du sollst weggehen.’
  • Heast Gschissana! = ‘Pass auf, du Idiot!’
  • Wüst ned scheissn geh? = ‘Lass mich in Ruhe!’ / ‘Hast du denn nichts Besseres zu tun?’
  • (Bist) depat? = ‘Stimmt was nicht?’, ‘Geht es dir nicht gut?’ (Diese Phrase wird meist nach einer Tat eines anderen gesagt, die einem missfällt.)
  • Leck di Tant in Oasch! = wichtig dabei die Mimik, entweder Erstaunen oder sehr starke negative Motivation
  • Hau di üba d’ Heisa! (Wirf dich über die Häuser!) = ‘Verschwinde!’
  • Blos ma’n Bock auf! (Blas mir den Schuh auf!) = ‚Lass mich in Ruhe!‘
  • Red’s in a Sackl und stö’s vor die Tia! (Sprich es in ein Sackerl und stelle es vor die Tür!’) ‘Das interessiert mich nicht’
  • Moch a Lackerl und schwimm in die Donau! = ‘Verschwinde!’
  • Hupf in Gatsch (und schlog a Wön)! (Spring in den Schlamm (und schlag eine Welle)!) = "Verschwinde!"
  • Schbü Schas und vaduft! = ‘Verschwinde!’ (wörtlich: ‘Spiele Furz und verdufte!‘)
  • Bei dia haums es Kind wegghaut und de Nochgebuat aufzogn! = ‘Du bist hässlich!’ (wörtlich: ‘Bei dir haben sie das Kind weggeworfen und die Nachgeburt großgezogen!‘)
  • Geh leck mi do (am oasch)!= ‘Leck mich doch (am Arsch)‘!
  • Du konst mi moi du trotl!= ‘Du kannst mich mal, du Trottl!‘
  • Bist augrennt? (Bist du wo angerannt?) = ‘Spinnst du?‘
  • Dazö des meina Haund!`= ‘Erzähl das meiner Hand (Interessiert mich nicht)‘!
  • Host an bickn???`=Mir scheint dein Geist ist verwirrt und will sich in Gefahr bringen (Wenn du so weitermachst verprügle ich dich)

Höflichkeitsformeln

Im Wienerischen finden sich etliche Ausdrücke, die noch das Unterwürfige aus der k.u.k.-Zeit aufzeigen (auch bekannt als Schönbrunner Deutsch oder Kaiserdeutsch).

  • G'schamsta Dina = ‘gehorsamster Diener’
  • Küss d’ Hand! = ‘Küss die Hand!’
  • gn’ä Frau = ‘gnädige Frau’
  • D’ Ehre! = Kurzform von ‘(Ich) habe die Ehre!’

Phrasen

  • Gell? (auch göö?) = ‘Nicht wahr?’ (ähnlich dem Kanadischen ‘eh?’)
  • Hauts die Wadln fire! = ‘Los!, Vorwärts!’ (wörtlich: ‘treibt die Unterbeine vor’)
  • Wos liegt des pickt = ‘Was liegt, das bleibt fest’ (beim Karten- oder Schachspielen gehört)
  • Na no na net auch Na ned nana = ‘Das hätte ich nie gewusst!’ (sarkastisch)
  • Tuad ma laad! = ‘Tut mir leid!’
  • Maarantana! auch Haabedere! = ‘Ach, du liebe Zeit!’ (Bestürzung)
  • Scheiß mi au, Paula/Scheiß mi au, Paula, da Gaskriag kummt! = drückt Verwunderung, Erstaunen oder Belustigung über einen konkreten Sachverhalt aus
  • I dapocks ned = (ich packe es nicht, meint: ich verkrafte es nicht) drückt entweder Ärger über etwas oder starke Belustigung aus

Typische Wiener Maßeinheiten, Weg- und Richtungsangaben

  • Deka (von „Dekagramm“) = In Wien sagt man anstatt 100 Gramm [z. B. Wurst] 10 Deka [nur in Bezug auf Speisen, z. B. an der Feinkosttheke].
  • da ua Meta (ein beträchtlicher Meter) = ‘eine große (meist zu gehende) Distanz’
  • a brada Weg (ein breiter Weg) = ‘ein weiter Weg’
  • a bissl = ‘ein bisschen’. Wird gern beim Schimpfen für ‘sehr viel’ gebraucht: a bissl schwanger, a bissl deppad
  • a wengerl, a Äuzerl = ‘ein bisschen’
  • halbert (auch hoibert) = ‘halb, halbwegs, fast’ (z. B. des woa a hoiberte Gschicht, ‘das war fast eine ganze Geschichte’, oder Ist er arbeitsfähig? Ja, so halbert.)
  • um Heisa daneben (um Häuser daneben) = ‘weit gefehlt’
  • um an Bettl (um einen Bettel) = ‘sehr billig, fast kostenlos’
  • und wenn’s Graz kost’ = ‘um jeden Preis’
  • net um a Gschloss = ‘nicht um die Burg ’
  • ums Oaschleckn ned = ‘etwas knapp verpasst/nicht geschafft haben’
  • a Botzn Auto = ‘ein großes Auto’
  • viere = ‘nach vorn’ (z. B.: Geh viere. = ‘Geh nach vorn.’)
  • viera = ‘(her)vor’ (z. B.: Kum viera. = ‘Komm hervor.’)
  • zruck = ‘zurück’
  • umme = ‘hinüber’ (ummegehn = ‘hinübergehen’)
  • umma = ‘herüber‘
  • eine = ‘hinein’
  • eina = ‘herein’
  • ausse = ‘hinaus’
  • aussa = ‘heraus’
  • obe = ‘hinunter’
  • oba = ‘herunter’
  • aufe = ‘hinauf’
  • aufa = ‘herauf’
  • ummadum = ‚umher‘ (ummadum gehn = ‚umher gehen‘)
  • rundummadum = ‚um etwas herum‘ (geh rundummadum = ‚geh daran herum‘)
  • Kilo = bei Geldbeträgen und Geschwindigkeitsangaben wird Kilo im Wienerischen – entgegen der Erwartung – nicht für ‘tausend’, sondern für ‘hundert’ verwendet. Dies begründet sich durch das in Österreich gebräuchliche „Dekagramm“ (1 dag = 10 Gramm), von dem 100 Einheiten ein Kilo (1000 Gramm) ergeben. Zwaa Kilo entsprechen also z. B. 200 Euro oder 200 km/h, nicht 2.000!
  • Fleckal = früher bei Geldbeträgen in Schilling, ein Fleck = 1.000-Schilling-Schein
  • Krügel = 0,5 Liter Bier vom Fass
  • Seidel (oft falsch Seiterl geschrieben) = 0,3 Liter Bier vom Fass (vom italienischen sitella, einem mittelalterlichen urnenförmigen Gefäß für Wein)
  • Pfiff = 0,176 Liter Bier vom Fass (manchmal fälschlich auch 0,2 Liter oder 0,1 Liter)
  • a Hüüsn (eine Hülse) = 0,5 Liter Bier, meist aus der Dose

Quellen

  1. Moosmüller 1987, S. 1
  2. Vgl. Wehle 1980, S. 11f.
  3. Vgl. Rösler 1993, S. 162ff.
  4. DoRo-Dokumentation Weltberühmt in Österreich - 50 Jahre Austropop

Siehe auch

Literatur

Allgemein

  • Beppo Beyerl, Klaus Hirtner, Gerald Jatzek: Wienerisch – das andere Deutsch. 6. Auflage. Reise Know-how Verlag Peter Rump GmbH, Bielefeld 2006, ISBN 3-89416-269-4.
  • Mauriz Schuster, Hans Schikola: Das alte Wienerisch. Deuticke, Wien 1996, ISBN 3-216-30210-5.

Phonologie

  • Sylvia Moosmüller: Soziophonologische Variation im gegenwärtigen Wiener Deutsch. Eine empirische Untersuchung. Franz Steiner , Stuttgart 1987, ISBN 3-515-05093-0.

Wortschatz

  • Arthur Fetzer (Hrsg.): Schmutzige Wörter Wienerisch–Deutsch. Eichborn, Frankfurt/Main 1993, ISBN 3-8218-2356-9.
  • Maria Hornung, Sigmar Grüner: Wörterbuch der Wiener Mundart. Neubearbeitung. öbvhpt, Wien 2002, ISBN 3-209-03474-5.
  • Wolfgang Teuschl: Wiener Dialekt-Lexikon. 2. Auflage. Schwarzer, Purkersdorf 1994, ISBN 3-900392-05-6.
  • Peter Wehle: Sprechen Sie Wienerisch? Ueberreuter, Wien/Heidelberg 1980, ISBN 3-8000-3165-5.
  • Oswald Wiener: Beiträge zur Ädöologie des Wienerischen. In: Josefine Mutzenbacher. Die Lebensgeschichte einer wienerischen Dirne, von ihr selbst erzählt. Rogner & Bernhard, München 1969, S. 285–389.
  • Josef Hader: Wienerisch mit The Grooves. digital publishing, München 2008, Audio-CD plus Textheft, ISBN 978-3-89747-723-0.

Anthologien

  • Walter Rösler (Hrsg.): Gehn ma halt a bisserl unter. Kabarett in Wien von den Anfängen bis heute. 2. Auflage. Henschel, Berlin 1993, ISBN 3-89487-185-7.

Weblinks

Wortschatz

Allgemein


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