Wiener Musikverein

Wiener Musikverein
Musikvereinsgebäude, 2006

Der Wiener Musikverein (beziehungsweise das Haus des Wiener Musikvereins) ist ein traditionsreiches Konzerthaus in Wien. In diesem Haus befindet sich der berühmte Große (Goldene) Musikvereinssaal, der als einer der schönsten und akustisch besten Säle der Welt gilt. Der Musikverein befindet sich im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt in der Bösendorferstraße 12.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Wiener Musikverein um 1898
Portal des Musikvereinsgebäudes
Portal
Großer Saal

1812 wurde die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien von Joseph von Sonnleithner gegründet. Ab November 1831 veranstaltete sie Konzerte in einem Saal in den Tuchlauben, der sich mit nur 700 Sitzplätzen bald als zu klein erwies. 1863 schenkte Kaiser Franz Joseph der Gesellschaft das Areal gegenüber der Karlskirche. Mit der Planung wurde der klassizistische Architekt Theophil von Hansen beauftragt. Es sollten zwei Säle werden, ein großer für Orchester- und ein kleiner für Kammermusikkonzerte. Sämtliche Steinmetzarbeiten führte die Wiener Firma Anton Wasserburger aus; nach ihren Eigenschaften, aber auch ihrer Verfügbarkeit, wurden Sandsteine aus Breitenbrunn und St. Margarethen, harte Kalksteine von Kaisersteinbruch am Leithagebirge und Wöllersdorf verwendet.

Das Haus wurde am 6. Januar 1870 mit einem feierlichen Konzert eröffnet, und die Kritik lobte sogleich einhellig die grandiose Akustik des Großen Saales, dessen Ruhm sich in kurzer Zeit in der ganzen Welt verbreitete. Auch der kleine Saal, der 1937 nach Johannes Brahms benannt wurde, erhielt bald den Ruf, ein idealer Ort für Kammermusik zu sein.

Im Jahr 2004 wurden vier kleinere, unterirdische Säle eröffnet, die für Konzerte ebenso wie für Proben, Konferenzen, Workshops oder Empfänge konzipiert sind und für größtmögliche Flexibilität in der Nutzung mit modernster Technik ausgestattet wurden. Ursprünglich hätte diese Erweiterung vom amerikanischen Musikmäzen Alberto Vilar finanziert werden sollen. Nachdem dieser abgesprungen war, half der austro-kanadische Industrielle Frank Stronach aus.

Architektur

Der Musikverein ist im historisierenden Stil nach Vorbildern aus der griechischen Antike gebaut: Säulen, Karyatiden und Giebel-Reliefs lassen die Assoziation zu, hier sei ein Tempel für die Musik errichtet worden.

Der große Saal ist mit einem Deckengemälde von August Eisenmenger und Plastiken von Franz Melnitzky versehen, der kleine wurde erst 1993 wieder in seiner ursprünglichen Form mit roten Säulen und grünen Marmorwänden wiederhergestellt. In der Regel stehen 1744 Sitzplätze und 300 Stehplätze zur Verfügung.

Die vier neuen Säle im Keller des Hauses wurden vom Architekten Wilhelm Holzbauer geplant und nach dem jeweils dominanten Grundbaustoff Glas, Metall, Stein und Holz benannt.

Akustik

Der Große Saal (oft auch als „goldener Saal“ bezeichnet) gilt als einer der besten Konzertsäle der Welt. Die Gründe für die hervorragende Qualität der Akustik sind zahlreich und zum Teil unbeabsichtigte Zufälle: Hansen musste sich auf seine Intuition verlassen, da wissenschaftliche Studien über Raumakustik erst im 20. Jahrhundert durchgeführt wurden.

Beim Großen Saal sind alle Voraussetzungen für einen guten Konzertsaal erfüllt: Ideale Proportionen des Raumes, genügend großes Raumvolumen, nicht zu viele Plätze, viele schallstreuende Flächen wie Logen, Balkone und Skulpturen, keine schallabsorbierenden Flächen außer dem Publikum.

Durch seine Quaderform (das „Schuhschachtel-Prinzip“) versorgt der Große Saal das Publikum mit den heute als wichtig erkannten frühen Reflexionen von den Seiten. Andere berühmte Säle mit ausgezeichneter Akustik wurden in der Zeit von 1870 bis 1900 ebenfalls als Schuhschachteln mit vielen schallstreuenden Flächen erbaut:

Die Orgel des Großen Musikvereinssaals

Orgel des Großen Musikvereinssaals

Die Orgel ist bei allen symphonischen Konzerten, auch wenn sie nicht gespielt wird, der sichtbare Hintergrund, wobei die sichtbaren Prospektpfeifen nur eine optische Funktion haben. Ihr Gehäuse wurde von Architekt Hansen entworfen. Die ursprüngliche Orgel baute Friedrich Ladegast 1872 mit 3 Manualen, Pedal, 52 Registern, mechanischen Schleifladen für die Manualwerke und Kegelladen für das Pedalwerk.[1] Anton Bruckner wirkte im gleichen Jahr beim ersten Orgelkonzert mit.

1907 wurde diese Orgel durch ein neues Instrument ersetzt. Dieses wurde von der Firma Rieger aus Jägerndorf in Schlesien in das historische Gehäuse eingebaut und wurde besonders von Franz Schmidt sehr geschätzt, weshalb er es für etliche seiner Uraufführungen heranzog. Ebenso wurde dieses Instrument, auch nach einem Umbau 1948 durch die Wiener Firma Molzer, von internationalen Stars wie Marcel Dupré sehr geschätzt.

Trotz heftiger Streitigkeiten in der Fachwelt wurde dieses Instrument 1969 durch ein 100 Register auf 4 Manualen und Pedal umfassendes, von der Firma Walcker errichtetes Werk ersetzt. Dieser Neubau wurde, vor allem aufgrund seiner Ausführung mit elektrischer Traktur, von bedeutenden Organisten der damaligen Zeit kategorisch abgelehnt, da diese eine Rückkehr zur mechanischen Traktur forderten. Eines der letzten bedeutenden Schwesterinstrumente der Orgel von 1907 steht im Wiener Konzerthaus (Rieger Jägerndorf 1913, 5 Manuale, Pedal, 116 Register).

Aufgrund irreparabler Schäden an der Walcker-Orgel wurde durch die seit 1946 in Vorarlberg ansässige Firma Rieger Orgelbau von Sommer 2009 bis Anfang 2011 ein neues Instrument in das historische Gehäuse eingebaut. Dieses Werk verfügt sowohl über mechanische als auch elektrische Traktur und 86 Register auf 4 Manualen und Pedal.[2]

Veranstaltungen, Nutzung

Eine weltweit bekannte Veranstaltung im Wiener Musikverein ist das jährliche Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.

Zahlen

Saal Grundfläche Höhe Kapazität
Großer Saal 48,9 × 19,1 m 17,75 m hoch 1744 Sitz- und ca. 300 Stehplätze
Brahms-Saal 32,5 × 10,3 m 11 m hoch ca. 600 Plätze
Gläserner Saal/Magna Auditorium 22 × 12,5 m 8 m hoch 380 Plätze
Metallener Saal 10,5 × 10,8 m 3,2 m hoch 126 Plätze
Steinerner Saal/Horst-Haschek-Auditorium 13 × ~8,6 m ~3,3m hoch 70 Plätze

Der Hölzerne Saal ist nicht als Konzertsaal vorgesehen und fehlt daher in dieser Liste.

Einzelnachweise

  1. Alexander Koschel: Im Wandel der Zeit - Die Ladegasts und ihre Orgeln, Orgelverlag Fagott, Friedrichshafen 2004, ISBN 3-00-013898-6
  2. rieger-orgelbau.com, gesehen 4. Juli 2011.

Weblinks

 Commons: Wiener Musikverein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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