Wiener Stadt- und Landesbibliothek


Wiener Stadt- und Landesbibliothek

Die Wienbibliothek im Rathaus ist die wissenschaftliche Bibliothek der österreichischen Hauptstadt Wien. Bis Mitte 2006 trug sie den Namen Wiener Stadt- und Landesbibliothek.

Als Landesbibliothek für das Bundesland Wien, das territorial identisch mit der Stadt Wien ist, erhält sie Pflichtexemplare der in Wien erscheinenden Publikationen. Als Forschungsbibliothek zur Geschichte und Kultur der Stadt Wien sammelt sie über die gedruckten Publikationen hinaus auch Handschriften, Briefe, Musikdrucke, Musikhandschriften sowie Plakate und ganze Nachlässe. Organisatorisch ist die Wienbibliothek im Rathaus die Magistratsabteilung 9 der Stadt Wien.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Großteil der Wienbibliothek befindet sich im Wiener Rathaus

Eine erste Erwähnung der Bibliothek im Rathaus der Stadt Wien stammt aus dem Jahr 1466. 1632 wurde die bedeutende Bibliothek der Bürgerschule zu Sankt Stephan in das Rathaus transferiert und mit der Stadtbibliothek vereinigt. 1780 wurde diese alte Stadtbibliothek aufgelöst und die Bestände gegen 6.000 Gulden der Hofbibliothek (heute Österreichische Nationalbibliothek) übertragen. 1856 erfolgte die Neugründung der Wiener Stadtbibliothek durch Beschluss des Wiener Gemeinderats als juristische Bibliothek für den Bedarf der Wiener Stadtverwaltung. Ihr Sitz war damals im Alten Rathaus in der Wipplingerstraße 8.

Im Jahr 1886 übersiedelte die Bibliothek in die noch heute benützten Räumlichkeiten im ersten Stockwerk des neuen Wiener Rathauses. Ab 1889 bis 1939 bildete die Bibliothek mit dem 1887 gegründeten Historischen Museum die Städtischen Sammlungen. Nach dem Tod des österreichischen Nationaldichters Franz Grillparzer kam dessen Nachlass in den Besitz der Stadt Wien und wurde den Städtischen Sammlungen übergeben. Die Übergabe dieses Nachlasses gilt als Gründungsakt der Handschriftensammlung. Mit dem Geschenk eines Teils der Handschriften Franz Schuberts, die der Wiener Industrielle und Mäzen Nikolaus Dumba zusammengetragen hatte, an die Städtischen Sammlungen entstand 1900 auch eine Musiksammlung. Aus dieser Schenkung entwickelte sich eine umfangreiche Sammlung von Handschriften und Briefen Franz Schuberts, die 2001 in das UNESCO-Programm Memory of the World (Weltdokumentenerbe) aufgenommen wurde. 1923 entstand über Initiative des damaligen Finanzstadtrates Hugo Breitner eine Plakatsammlung, die heute zu den bedeutendsten in Europa zählt

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Bibliothek dank Auslagerungen weitgehend unbeschadet. Seit 1977 führte die Bibliothek die amtliche Bezeichnung Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Ab 1982 gilt ein Pflichtexemplarrecht für in Wien erscheinende Werke. Zum 150-Jahr-Jubiläum im Jahr 2006 wurde die Bibliothek in Wienbibliothek im Rathaus umbenannt und erhielt ein neues Corporate Design.

Benützungsräume und Magazine der Bibliothek befinden sich im Wiener Rathaus, die Musiksammlung unweit davon in der Bartensteingasse.

Sammlungen

  • Druckschriftensammlung: Die Druckschriftensammlung ist die größte Abteilung der Wienbibliothek. Sie verwahrt rund 500.000 Druckwerke - neben Büchern, Zeitungen und Zeitschriften auch Einblattdrucke, Broschüren, Partezettel, Theaterprogramme und Theaterzettel. Kern der Sammlung sind Viennensia, also Publikationen mit Wien-Bezug aus verschiedensten wissenschaftlichen Bereichen. Bedeutende Spezialbestände sind Turcica (Türkenbelagerungen Wiens 1529 und 1683), Josephinica (Broschüren aus der Zeit Kaiser Josephs II) und Revolutionsschriften aus 1848.
  • Dokumentation: Die seit dem 1. Oktober 1930 bestehende Dokumentation wertet die wichtigsten Wiener Zeitungen seit 1900 aus. Die Artikel werden mit Angabe von Titel, Zeitung, Datum und Seite in Form eines Zettelkataloges erfasst. Aufgenommen werden Wien betreffende Meldungen über kulturelle, soziale, kommunale und politische Ereignisse sowie Berichte über Wiener Persönlichkeiten, die im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen: Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Politikerinnen und Politiker. Die Dokumentation ist außerdem für Hintergrundrecherchen bei Straßenbenennungen nach Personen zuständig. Auch das mehrere hunderttausend Personen- und Sachmappen umfassende Tagblatt-Archiv gehört zu dieser Abteilung.
  • Handschriftensammlung: Die Handschriftensammlung verwaltet umfangreiche und bedeutende Bestände der österreichischen Kulturgeschichte ab dem späten 18. Jahrhundert. Den Schwerpunkt stellt die Sammlung von Nachlässen und Einzelautographen der österreichischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts dar.
  • Musiksammlung: Die Musiksammlung verfügt über Musikautographen und Notendrucke zur Musikgeschichte der vergangenen zweihundert Jahre mit Schwergewicht auf Wien und verwahrt eine Reihe von Nachlässen.
  • Plakatsammlung: Die Plakatsammlung umfasst derzeit rund 250.000 Plakate und zählt damit zu den größten vergleichbaren Sammlungen Europas. Film- und Theaterplakate, Fremdenverkehrswerbung, Ausstellungsankündigungen sind ebenso vertreten wie Produktwerbung und politische Plakate.

Literatur

  • Julia Danielczyk, Sylvia Mattl-Wurm, Christian Mertens (Hrsg.): Das Gedächtnis der Stadt - 150 Jahre Wienbibliothek im Rathaus. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 2006. ISBN 978-3-486-58080-8.

Auszeichnungen

Weblinks


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